Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 7 (15.4.1935)
- Date
- 1935-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Breslauer Sadifches Gemeindedlatt Nr. 7 verehrten. sei törichtes Gerede, niemandem weide eine Wall- . fahrt nach Mekka aufgezwungen und niemand gefragt, ob Mohammed zu den Frommen dd ' Völker gehöre, die des Jenseits teilhaftig werden. Dafür enthalte aber das Grundgebot des Islam, das Bekenntnis zum einzigen Gott, nichts, was der jüdischen Lehre widerspreche. In einem späteren Gutachten spricht sich Maimonides noch toleranter über den Islam aus. Ein zum Judentum üiergetretener Mohammedaner fragt ihn. ob die Mohammedaner als Heiden anzusehen seien. Maimonides verneint dieses Frage und sieht in ihnen die Bekenner eines einzigen Gottes. I Ihr Zweck ist, trotz mancher heidnischer Gebräuch,, wie der Richtung beim Gebet nach Mekka, der Stätte des einstigen Götzendienstes, und das Werfen mit Steinen nach dem Satan, allein Gott zu dienen. Der Götzendienst der vorislamischen Zeit ist aus ihrer Mitte geschwunden, und der Glaube an den einzigen Gott beherrscht ihre Religion. W mn die Mohammedaner behaupten, die Juden anerkennten einen Sohn Allahs (im Koran in bezug auf Ezra gesagt), sl solle man! nicht Meiches mit Gleichem vergelten, sondern zug:ben, daß die Mohammedaner als Bekenner der Einheit Allahs nicÜt als Götzendiener zu betrachten find.! Wichtiger ist der Einfluß des Islam auf die jüdische Glaubenslehre, wie sie Maimonides in seinen! 13 Glaubenssätzen darlegt. Der 10. Abschnitt der Mischnalin Sanhedrin drückt nur negativ aus, wer keinen Anteil am Jenseits habe:s Wer bestreitet, daß die Auferstehung der Toten aus der Tora abzuleilen sei, wer die Göttlichkeit des Tora leugnet und ein Freidenker. Rach Akibas Ansicht auch lser, der außerkanonische Schriften liest und wer e ne Wundes bespricht, und nach Abba Sauls Meinung auck der, der! den Gottes-. nainen nach seinen Buchstaben a tsspricht. Glaubenssätze werden nicht angeführt. Zwar latte schon Saadja gewisse Lehren als Glaubenssätze de; aber Maimonides stellt, positiv aus gedrückt, zusammen, was der.Jude zu glauben habe und bringt es in ein System, das für die weitere Entwicklung des Zudentumg von größter Bedeutung wurde. Der Begriff von „Glaubenslehre", ..Dogma" könnte Islam nicht popularisiert werden, deutet: trauen, vertrauensvoll sein, .4:!im Sinne von ohne die, Einwirkung des Das biblische rcxn Herr ist: Pahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit. Treue. Erft der Islam versteht unter dieser astronomischen uu Bl!! Lchon o.on früher Jugend an den Unterricht seines gelehrten Kenntnissen der NaturwisseWWlen Physik, Botanik und Anatomie. Im arabischen Aerzten und durch das St bisch-griechischen medizinischen Liter i umfassendes medizinisches Wissen. Al nisse — Verfolgungen, Flucht, unstetf des Vermögens — ihn zwangen, Rcigungssiudium einest bürgerlichen war es ihm ein Leichtes, sich als Kairos niederzulassen. Die glückliche giosität, verinnerlichten Eindringens jüdischer Gedankenwelt. Beherrschter fophischen und medizinischen Schrifttu Maimonides zu einem Arzt von feite i lose Hingabe an den schweren Berus fassung des Arzttums als religiöse ihm gegenwärtig, daß die aus dem .lichen Güter nicht irdischen Zwecken, höherer Ziele dienen müssen (Mor< T Wurzel das dogmatische Bekenntnis. So faßt es bereits der Koran auf, und es gibt schon in frühislamischer Zeit Formulierungen des Dogmas, die mit «inantu < - ich glaube) eingeleitet werden. . Die Auseinandersetzung mit religionsphiloscphischen Lehren des Islam und polemische Aeußerungen über Mohammed, haben, bald nach dein Erscheinen des More Nebuchim, bei den arabischen Gelehrten Anstoß erregt. Einer von ihnen, Abd-al-lätif, der nach Aegypten kam. um Maimonides kennen tzu lernen, äußert sich über dessen philosophisches Hauptwerk w-ie folgt: „Er ^Maimonides) hat neben seinen medizinischen' Schriften ein philosophisches Buch für die Juden geschrieben, das das Buch der Führung genannt ist. Ich habe £5 g^leiLn und erachte es als ein verderbliches Buch, das geeignet IM die Wurzeln des Glaubens gerade durch die -Mittel z^ untergraben, durch die der Verfasser sie zu festigen glaubst." Dieses Urteil konnte aber nicht verhindern, daß der Erüflüß des „Führers" auf den Islam ein verhältnismäßig großes wurde. Al-Tibrizi schrieb einen Kommentar zu dem Anfcng des 2. Teiles des Werkes, Josef Kaspi berichtet, daß in den arabischen Gelehrtenschulen von Fez der „Führer" studiert wurde. Noch ein mohammedanischer Gelehrter des 15. Jhdts.', Senusi. bezieht sich bei einer Betrachtung übe: die Eigenschaften Gottes auf die Ansicht eines Abu Jmran rus Fez. der wahrscheinlich mit Maimonides identisch ist. Besonderer Prüfung 'bedarf noch die Frage, inwieweit Maimonides als Codifstator von den großen arabischen Gesetzeswerke:t abhängig war. Daß sie ihm als Muster dienen konnten, ist zweifellos. Während bis zum 10. Jahrhundert alle anerkannten theologischen Werke kanonisiert waren, haben dann die Mutaziliten mit ihren geringen juristischen Neigungen vieles in Fluß gebracht. Sie gaben die bisherige Form der einzelnen gesetzlichen Bestimmungen frei und lehrten, daß jeder berufene „Rechtsfinder" das Recht nach dir Ueberlieferung darlegen dürfe. Das war offenbar auch die Aufgabe, die sich Maimonides als Eodifikator stellte. Die Anlage der Mischne Tora scheint zudem stark von al-Ghazzalis' Hauptwerk beeinflußt zu sein. Nachzuweisen ist aüch noch der Einfluß der Mohammedaner auf die dem Maimonides zugeschriebenen medizinischen und Werke. Der J\i$t TTiatmoniöcs!Don Dr. Emil Löwisohn rde Maimonides durch ters vertraut mit den Astrologie, Astronomie. Umgang isrit berühmten udium desr großen aratur erwarb er sich ein s die äußeren Derhälts Wanderleben, Verlust heben dem theologischen Lebensbertuf zu wählen, Arzt in iiner Dorstadt Mischung tiefster Retis in die ethischen Werte g des geisamten philo; ms feinet Zeit prägtest em Formpi. Seine restist erfüllt von der Auf- ' Zflicht. Jyuner war es 8eruf erwlorbenen weltsondern zur Förderung 111, -8). s Im täglichen ärztlichen Gel helfen und bei und Bösen, de stets nur den schaff des Ma entspricht doch gesinnung, die jüdischen Aerzte Seine Gel Gesinnung ma Herrschern und Saladin und höchster Beamt ehrenvolle Stell nides abschlug 10. September Jbn Tibbon a Besuch in Kai^ Kairo. Täglich die Prinzen ganzen Tag in et gelobt er, immerdar bereit zu sein, zu ustehen dem Armen, dem Reichen, dem Guten in Freund, wie dem Feind und im Leidenden Menschen zu sehn. Und wenn auch die Aulormonides für dieses Gebet bestritten wird, so die Mentalität der hohen sittlichen Berufszu allen Zeiten und in allen Völkern die erfüllte und noch erfüllt, ehrfamkeit, die Lauterkeit und der Adel seiner hten ihn bald zum Arzt und Vertrauten von Fürsten. So wurde er Leibarzt des großen seines Nachfolgers, mächtiger Dezire und en, ja selbst Richard Löwenherz trug ihm die ung eines Leibarztes an, die aber Maimo- Ergreifend ist der Brief, den Maimonides am 1199, also mit 65 Jahren, an seinen Freund rs Frankreich richtet. Er rät ihm von einem 0 ab: „Ich wohne in Fostat. der Kalif in muß ich ihn besuchen und wenn er, seine Frau, öder Prinzessinnen krank sind, muß ich den. Kairo und am königlichen Hofe bleiben. Auch