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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-04-15 · 7 (15.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
7 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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6 Breslauer Jüdisches Gemein d e dl a tt Nr. 7 15 liche Weltanschauung, die er ver teleologische Naturbetrachtung a System von Ideen, ein Zusamm^e dern ein naturgesetzlicher Zusamsn gut und böse steht. Wie sehr sammenhang auch für Spinoza in die immanente Ursache der Wel dürfen eben darum Gott' kein; gesprochen werden. Das Gute gültige Gajetz seines gesellschaftlich für Gott gültiges Gesetz seines Spinoza sowohl die griechische Uebereinstimmung mit der jüdis Im Gegensatz zu Maimonides Gottes- und Weltanschauung dcjr liche Geltung. Gegenüber dieser schroffen schaft und Religion durch Spinös leiden Welten zu neuer Ueber mathematisch-naturwissenschaftlich raum-zeitliche Anschauung der aber nicht ihr wahres Wesen e Wirklichkeit wird nicht durch sondern durch das metaphysische begreift die Wirklichkeit in Uebe giösen Anschauung als eine von lies Universums und stellt so dest zwischen der wissenschaftlichen wieder her. So weist Leibniz se mung mit wesentlichen Ideen vor Auf dem Boden dieser Metap s o h n die- Grundansicht des Mai Gott geschaffen, in Weisheit und Bibel also die wahre Gotteserke rt: Religionsgesetz nicht nur irdisch ritt, schließt die griechische . Die West ist nicht ein nhang voni Zwecken, sonenhang, dsr jenseits von dieser natuigesetzliche Zu- Gott wurzelt, so daß Gott und ihrer! Gesetze ist, so sittlichen! Attribute zuist das für l den Menschen en Lebens,>nicht aber ein Wirkens. Demnach lehnt' Weltanschauung wie ihre chen Weltanschauung ab. verliert für ' Spinoza die Bibel ihre wissenschaft- E n tgegensetzu^g von Wissena bringt Leibniz diese esnstimmung, indem er die Weltbetrachtung nur als irklichkeit gelten läßt, die ifaßt. Die wahre, absolute >as naturwissenschaftliche, Denken evkannt. Dieses - einstimmun; mit der reli- Gott geschaffene Harmonie geistigen Zusammenhang '" religiösen Erkenntnis bst auf seine Uebereinstim- Maimonides hin. )ysik erneuert Mendelsinonides, daß die Welt von Güte geleitet werde, die ntnis enthalte und das soziale Bedeutung habe. und" sondern zugleich der Führer zu sittlicher und geistiger Vollkommenheit, zur Annäherung an Gott sei. Aber auch, nachdem Kant jede metaphysische Gotteserkenntnis als unmöglich erwiesen hatte, hört der philosophische Einfluß des Maimonides nicht auf. Der jüdische Kantianer S a l-o m o n M a i m o n, der seine Belehrung für Maimonides schon in dem Namen Maimon, den er sich beilegte, zum Ausdruck brachte, kann zwar -der jüdischen Gottesanschauung nicht philosophische Wahrheit zusprechen. Denn philosophisch sei es nur berechtigt, von einer Gottesidee als dem höchsten Dernunftsideal des Menschen' zu sprechen, nicht aber die Existenz Gottes zu behaupten. Nichts desto weniger nimmt die jüdische Gottesanschauung für Maimon eine Mittelstellung zwischen dem heidnischen Polytheismus und der philosophischen Vernunftreligion ein. Ist also für Maimonides das Judentum mit der Dcrnunftreligion identisch, so bedeutet es für Salomon Maimon nur die höchste Annäherung der Bolksreligion an die Vernunftreligion. Am tiefsten hat 5) e r m a n n C o h e u vom Boden der kantischen Philosophie aus die Philosophie des Maimonides zu rechtfertigen gesucht. In der Ablehnung einer adäquaten Wesenserkenntnis Gottes und der gleichzeitigen Hervorhebung der sittlichen Attribute des göttlichen Wirkens sieht Cohen eine Opposition hes Maimonides gegen den aristotelischen Gottesbegriff und die philosophische Rechtfertigung der jüdischen Gottesanschauung. So hat Maimonides durch die Jahrhunderte hindurch auf das jüdische Denken einen tiefen Einfluß ausgeübt, und bleibt er in allem Wandel der Zeiten Führer und Borbild für eine aufrichtige Vereinigung der Treue zum Judentum und der Geisteskultur der Umwelt, mag diese Bereinigung auch in wissenschaftlich anderer Weise erfolgen, als es von dem Rationalismus des Maimonides aus und im Rahmen der Wissenschaft seiner Zeit ihm möglich war. Maimonides und Ttambam \ Don Prof. Dr. Isaak Heinemann Mose den Maimon ist der «inzige jüdische Denker, der unter zwei Namen, auch im jüd scheu Kreise, fortlebt. Und diesen, beiden Namen scheinen zwei verschiedene Persönlichkeiten zu entsprechen: ein „Mciimonides", der im Wettbewerb mit den freien Denkern al.et Nationen um die letzten Wahrheiten ringt, ohne andere Bindungen als die Gesetze der wissenschaftlichen Methodik < mzuerkennett, — und ein „Rambam", der in williger Untec-ordnung unter die Tradition die gesamte Fülle des jüdischen Gesetzes seinen Glaubensbrüdern darbietet. Un) doch erweist die nähere Betrachtung, daß es derselbe jüdi che Weise ist, der dort mit den Philosophen über Lebensfragen, hier'mit den Gesetzeslehrern über die Einzelheiten «lachischer Bestimmungen diskutiert. Eben darin, daß er al« Philosoph den Juden, als Gesetzeslehrer den Philosophen nicht verleugnet, liegt die eigenartige Größe seiner Persönlichkeit. Sein philosophisches Hauptwerk hat Maimuni nicht „Führer der Verirrten", sondern .Führer der Unschlüssigen" genannt. Es wendet sich an die enigen, die sowohl an die Thora wie an die Wissenschaft glcuben,' zwischen den Standpunkten beider aber unüberbrückbare Widersprüche'zu entdecken meinen. Maimuni zeigt nun, daß solche Widersprüche nur dann vorhanden zu sein sch inen, wenn man bildliche Ausdrücke der Bibel wörtlich ni mnt und dem Aristoteles auch da folgt, wo er selbst seine:- Entscheidung nicht ganz sicher war. Wer etwa den Satz: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde" auf die köiperliche Erscheinung des Menschen bezieht, sich also Gott in Menschengestalt vorstellt, setzt sich freflich mit der Wissenschaft in Widerspruch. Aber — doch auch mit der Bibel selbst! Die Propheten selbst sagen ja im Nam^n Gottes: „wem wollt ihr mich vergleichen, daß ich ihm gliche". Nur von hier aus ist es zu verstehen, weshalb es Gottesbilüer im Judentum niemals hat geben können und dürfen.j So schärft die Philosophie, indem sie die Lehre vom rein geistigen Gott wissenschaftlich begründet, unfern Blick für die Reinheit und Eigenart unseres jüdischen Glaubens. Sie sagt uns nichts Fremdes: sie bestärkt uns im Eigenen, — Aber nicht nur die Philosophie leistet der Religion Dienste, sondern umgekehrt auch die Religion der Philosophie, und! zwar vor allem in der Fassung des Gottesglaubens. An Gott als die Ursache der Welt hat zwar auch Aristoteles geglaubt. Aber ist Gott wirklich ihr Schöpfer? Oder ist er ttur in dem Sinn Ursache der Welt, wie etwa das Licht Ursache der Helligkeit, so daß Gott und Welt gleich ewig sind und Gott beständig, ohne einmaligen Schöpfungsakt, das Weltgeschehen bestimmt? Aristoteles hat sich schließlich für die letztere Möglichkeit, also gegen die Weltschöpfung, entschieden. Diese Entscheidung, meint Maimuni, ist zunächst religiös bedenklich, da uns die Bibel (wie auch immer ihr erster Bers aufzufassen ist), Gott als freischaffende Persönlichkeit erkennen lehrt. Er wirkt also nicht wie das Licht aus reiner Notwendi^eit, sondern aus freiem Willensakt. Hierzu paßt die Theorie der Schöpfung weit eher. Aber sie verdient auch wissenschaftlich den Vorzug. Die nacharistotelische Natur- ' \

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