Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 6 (31.3.1935)
- Date
- 1935-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Breslauer Jüdisches Gemein dedlan dürfen also einerseits dieses Mädchen nicht Überlaster und es andererseits yuch nicht verwöhnen, sondern es von Anfang an den Ernst! dieses Berufes erkennen lassen. Hcffentlich finden sich recht viele geeignete Hausfrauen in Stidt und Land dazu bereit. Unsere Hentralorganisationen aber sprechen auch hier die Bitte aus! Helfen Sie uns bei der hauswirtschiftlichen Ausbildung unserer jungen Mädchen in Schulen, Heirren und Lehrhaushaltungen mit Geldmitteln, ohne die wiileider nicht weiter kommen! Sie verhelfen dadurch nicht nur den einzelnen Mädchen zu einem Beruf, der sie ernährt, sondern sie schaffen unserer Gemeinschaft und vor allem den Familien wieder die Tradition, deren sie zu ihrer Erhaltung ur bedingt bedürfen. Margarete Wachsmgnn. * Die Breslauer Oitsgrupp? des Jüdischen Frauenbundes hat umer Leitung der Meisterin der Hauswiristi^ft. Frau l£ i 11 Horn, eine Ha ussrauengruppe gegründet, die den Hausfrauen der Breslauer Synagogen-Gemeinde mit Hiat und Tat zur Seite stchkn irriII lieber die erste Zusammenkunft stehe Inserat. Alle Hausfrauen dqr Synagogen-Gememd« werden gebeten, zu erscheinen. Jüöifcffct RinAeefdjut) Die Dorstandssitzung der Zentrale für jüdische Pstegesteilen- und Adoptionsvermil ttung, Kinder- und Mutterschutz des Jüdischen Frauenbundes e. B„ Sitz Elberfeld, fand in Düsseldorf unter Leitung von Frau Clara'Samuel statt. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß im vergangen,: Kindesannohmen nur durch Ettern in Deutschland zustanidr Im Pflege st eilen wesen konnte erneut «in Ueberau,;i Stellen festgestcllt werden. Im Sommer hatten eine Reihe von eitern ihr Heim für Kindererholung zur Verfügung gestellt. „Nachzehenden Fürsorge" werden z. Zt. 56 Kinder betreut. Es wurde ausführlich über Dauerpflegeoertr d i e Länder beraten, in denen nur die Adoption Volljähriger Inländern möglich ist, oder wenn bereits ein eheliches Kind v ist. Zur Ausarbeitung derartiger Verträge wurde eine Mission von Sozialarbeitern und Fachberatern ge wähl andere Kommission soll ein Merkblatt über Erbschastssragen ratungder Adoptiveltern entwerfen. Blumenablösungskarten, di« .zum Vesten der Kinder- und Mutterschutzardeit der Zentrale cingeführt worden sin», sollen dazu dienen, di« Idee ideell und materiell zu fördern. ★ Am 19. Dezember 1934 veranstaltet« der Kindergarten und Kinderhort der Vereinigung Jüdischer Frauen in D r e s 1 a u einen Elternabend, an dem Fr. Toni Simmel über: „KindeiUnarten und ihre Vermeidung" sprach. In anschaulicher Weise zeigte üie Rednerin, wie die Quell« der kindlichen Unarten nicht im Kinh allein, n Jahre kamen, ebot an Pflege- Jn der ge für >der von < rhanden Kom - . Ein« zur Belonderz, in seinen Lebensbedingungen und feiner Umwelt zu suchen iei. Oie Ausführungen der Referentin fanden begeisterten Widerhall und riefen eine rege Diskussion hervor. Am 27. Februar fand ein zweiter Elternabend statt mit dem Thema: „Unser Kind in Schule und Hort" i- Fr. Toni Simmel, di« wieder das Referat übernommen hatte, legte ihren Ausführungen die Worte zugrunde: .Minder kriegen ist nicht schwer, Kinder ziehen desto mehr." Piaß und Richtung gebend für die Entwicklung sind di« Eindrücke, die das Kind in der frühen Kindheit'empfängt. Mit dem ersten Schultgg beginnt für das Kind ein neuer Leben. Die Ausgabe des modernen Pädagogen verlangt mehr als die UÜbermittlung des Wissenstoffes. In persönlicher Anteilnahme am Leben seiner Schüler wird et die Verbindung mit dem Elternhaus suchen. Gegenseitiges Vertrauen zwischen Elternhaus und Schule ist die erste Bedingung zu einer guten Zusammenarbeit. Tjieses Vertrauen ist ebenso notwendig im „Kinderhort", der im Gegensatz zur Schul« freiwillig ausgesucht wird. Der Hort, der gleichfalls einen Teil der elterlichen Pflichten übernimmt, stellt ein Bindeglied zwischen Haus und Schule dar. Hier werden unter Aufsicht geschulter Kräfte dieSchulatbeiten gemacht. Die Freizeit der Kinder, für di« die im. Wirtfchaftskamps stehenden Eltern weder Zeit noch Ruhe genug haben, wird mit spiel und Arbeit ausgesüllt. Unbeschwert von den Sorgen der Erwachsenen, durch Raumnot nicht gelhemmt, kann manuell« Geschicklichkeit geweckt und gefördert werden. Die hauswirtschaftliche Betätigung erzieht zu Ordnung und Sauberkeit. Ist der sehr lebhaften Diskussion zeigten die Lehrkräfte der jüdisch«, Schul«, daß ihr Interesse cm den Kindern weit über die Schulstübe hinausgeht. Die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist leider durch di« große Schülerzahl einer Klaste sehr erschwert. Umso wichtiger ist daher die Ergänzungsarbeit des Hortes, besten regelmäßiger Besuch von den.Lehrern sehr befürwortet wurde. Aus Wunsch der Versammlung wird ein weiterer pädagogischer Dortrag folgen, dessen Thema und Zeitpunkt noch bekcmntgegeben werden soll. Seit dem Jahre 1861 bekannt für guten Geschmack, für feine Qualitäten i und für erschwingliche Preise. Jfiu&JßittrJt DAMEN-, MÄNTEL- und KLEIDER-FABR'lK Ring 39-40 AI b r c h t s t r. 3 - CiegntQ Tagung den Heltgiöß'Cibetalen und des V. D. /. J. Bor zwanzig Jahren, mitten im Sturme des großen Krieges, würde der Religiös-liberale Verein der Synagogen gemeinde Liegnitz un» der Jüdisch-liberale Iugendverein Liegnitz (Iii), aus dem die he ttige Ortsgruppe des Bundes Deutsch-jüdischer Jugend heröorgeiangen ist, gegründet. Als Verein und Bund di« Absicht kuidgabenz da!l 20jährige Bestehen in größerem Rahmen zu begehen, säüttelten viele den Kopf: heute feiert man keine Fast«! Dann kam iie Einladung zu einer Tagung am 16. und 17. März, oerbun >«n mit einer Delegiertenversammlung des B. D ji I. und einer Fier des Kr «gsopferloges. Eine Arbeitstagung und eine Heldengedenkf tter ansta 1 eines rauschenden Festes: die Bedenken begannen zu schw nden. Von nah und fern eilten di« Gäste nach Liegnitz: über 1 »0 Auswä -tige nahmen teil. Eure besonders stattliche Zahl, darunter Gemeinderalbiner Dr Vogelstein tind der Vorsitzende des GemeiNdevoistandes, Stadtrot a. D. Leß, kam ans Breslau. Die Feer war von dem Vorsitzenden der Liegnitzer Gemeinde und des Liberalen Vereins, Rechtsanwalt Dr Scheyer, und vom B. D. j. I. misterhaft vorbereitet und wurde vorbildlich durchgeführt. Die Gasts reu ndsc fast der Liegnitzer ivar aufopfernd. Der Eindruck der Tagung, die Stunden der Sammln ig rmd Besinnung brachte, wird in allen Teilnehmern nachhaltig weiter wirken. Am stärksten war die Jugend vertreten. ust, ihr galt die Feier in der Hauptsache. Fast alle Reden waren ihr gerndmet: der Jugend von «inst, di« bei der Gründung rn shwerer Zeit am Werke gewesen, der Jugend von heute mit ihren so anderen uni, viel schwereren Problemen. Die Jugend leibst nahm höchst aktiv an der Tagung teil: «ttt und jung schlossen jo die Hände zur un ^erreißbaien Kette. ,, Die Veranstaltung wurde Sonbabcnd, den 16. März, mit einem Begrüßungsabend «röfstret. Rach einem gemeinsamen Abendbrot und den Willkwmmensansprochen von Dr Scheyer und Walter Lubranitzkh dem Führer des Liegnitzer B. D. j. I. kam ein von Margot Tarnpwski (Breslau) verfaßtes, ausgezeichnet wirkendes, heiteres Festspiel zur Aufführung. Sonntag früh faitt» eine Delegiertenoersammtt">g des B. O. j. I statt: für die jüngeren Gruppen war ein« Singerast anjgesetzt, die Aelteren hielten unter Leiryng von Gemeinde- Rabbiner Dr. Vogelstein «ine Arbeitsgemeinschaft ab. Die houploeranstaltung, zu der sich alle Teilnehmer und mit ihnen die gesamte Gemeinde Liegnitz zusammenfanden, war eine Feierstünde inder Synagöge. Rach einem Orgelvorspiel. Ehörgesang und Sprechchor des v. v j..T. und dem von Susanne Stein (Berlin) meisterlich gesungenen Arioso von haendel sprach Rabbiner Joses Schwarz (Liegnitz) ein Gebet. Rechtsanwalt Dr. Scheyer entbot iann den Erschienenen den Gruß der Gemeinde unb der feiernden Vereine. Er sprach, ergriffen und ergreifend, vom Ernst und von der Bedeutung des Tages, der, wie unser heiliges Rausch Haschvno-Fest, Erinnerung und Gericht in sich vereine. Es waren unvergeßliche, von tiefer Wehmut und Weihe durchzitterte Minuten, als dann die Namen der 33 im großen Bölkerringen für Deutschland gefallenen Söhn« der Liegnitzer Gemeinde durch den Raum tönten, leise schwebend begleitet von Orgelklang: ,Lch hatt' einen Kameraden" ... Und es war ein weitere« Höhepunkt der Rede, als Dr Scheuer der Gemeinde als Festgabe di« Kriegsbrief« gefallener deutscher Jeden überreichte und daraus ergreifend schlichte Verse von Walter H e y m a n n und Alfred Li chteinst« i n vorlas. I