Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 5 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sreelbuec Jüdisches Gemeinde bl atr Nr. 5 Em ®cundfät$licfie Erörterungen kur 7Xad greift ins andere! 1 auch bj»s ihrige dazu Im vorigen Jahr schon' haben wir dije Unternehmer und sonstigen Arbeitgeber der jüdi chen Gemeinschaft vom Arveitsnachweis aus aufgefordert, beizutragen, die Arbeitsbeschaffung zu fördern. * Das beginnende Frühjahr, die! beginnende Frühjahrssaison und die erweiterte Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung im Frühjahr und Sommer erfordern die erneute und intensivere Beschäftigung mit dieser Frage. Bei dem verengten Raum für die Berufsausübung und! die Berufswahl für die Angehörigen unserer Gemeinschaft ist unser, Verpflichtung ins Doppelte und Dreifache gewachsen. Wir erwarten, daß der jüdische Unternehmer bei Neueiinstellung von Arbeitskräften, bei ihrer Auswechselung, und auch sonst bei jeder Gelegenheit zu Neueinstellungen'seine Glaut ensgenossen in gleichem Maße berücksichtigt wie ferne anderen Mitbürger. Wir können keine Ausrede, kein« Entschuldigung, wie wir ihr noch häufig begegnen, gelten lassen, die den Zweck haben, sich ohne triftige Gründe uni eine selbstverständliche Pflicht herumzudrücken.; Wir konnten anderereseits erfreulicherrbeise feststellen, daß der Wille im Judentum, auch die erwerbslosen jüdischen Menschen wieder in Arbeit und Brok bringen zu helfen, von Monat zu Monat gewachsen ist. Das zeige» auch die Ergebnisse unserer vermehrten Dermittlungstätigkeit. Diese Erfolge gilt es noch zu steigern! i '! Wir bitten daher alle Unternehmer, freien Berufe und Haushaltungen, uns ihre freien Stellen und die Möglichkeit der Neueinstellung unverzüglich zu Melden, Hamit wir auch -p l a n m ä ß i g an der Wiedereinstellung erwerbsloser Menschen arbeiten können. Hierbei ist noch etwas anderes Zu berücksichtigen. Die übermäßige Neigung der jüdischen Jugend, sich insbesondere den handwerklichen Berufen zuzuwenden. Mächte es erforderlich. daß das jüdische Handwerk jüdische Lehrlinge so weit wie irgend möglich einstellt. Wenn idas Handwerk auch in diesem Jahr, so weit es kann, hierzu bereit, ist, muß auch orausgesetzt werden, daß die jüdischer Auftraggeber bei Vergebung von Arbeiten auch an die jüdischen Handwerker denken. Wir haben hier insbesonde'e die jüdischen Hausbesitzer im Sinn. Nachdem den HauBesitzern im Reich allgemein durch die Maßnahmen der Regierung! mit Hilfe -er Jnstandsetzungsdarlehen die Möglichkeit gegeben ist, die notwendigen Reparaturen auszuführen, kann unsere Bitte -an die jüdischen Hgusbesitzer nicht wunder nehmen. Wenn die jüdischen Handwerker stärker beschäftigt werdtn, dgnn werden sie auch in der Lage sein, junge Menschen, die am 1. April aus der Schule in das Berufsleben treten, aufzuvehmen und damit neue Lehrstellen und neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die kaufmännischen Unternehme ' haben dieselbe Möglichkeit, bei Neuanschaffungen und Reparaturen an dieses Dinge zu denken. Auch sie bitten wir, zu berü-sichtigen, daß sie mit der Beschäftigung jüdischer Handwerkes der jüdischen Gemeinschaft helfen. Sie können abe' auch fejmer viel dazu beitragen, unsere Jungen und Mädchm, die einen Beruf ergreifen wollen, als Lehrlinge und Lehrmädchen bei sich einzustellen, um eine ununterbrochene S chaffung des erforderlichen Nachwuchses zu ermöglichen, hhne daß ein Vakuum eintritt. Wenn bisher die Zahl der porhandenen kaufmännischen Lehrstellen für die Unterbringung unseres Nachwuchses ausreichte, so lag das an dev übertriejbenen Bevorzugung des Handwerks als Lehrstelle. Die jetzt zutage tretende mangelnde Möglichkeit, Lehrlinge im Handwerk unterzubringen, ergibt die Unterbrintzungsverpflichtung für firage der Arbeit sbefdjaffung, Arbeitsvermittlung und Berufswahl j®on Dr. Alfred Hirfchfeld. Schulentlassen« in weitestem Maße in Handel und Industrie. Wir bitten daher auch die kaufmännischen bzw. Handelsunternehmungen sowie Industriebetriebe jeder Art, uns Lehrstellen sowohl in der Warenbranche als auch im Kontor und für die Tätigkeit als Handelshilfsarbeiter zu beschaffen. Wenn auch die individuelle Unterbringung Erwachsener oder Jugendlicher in den Arbeitsprozeß die erste Aufgabe ist, so müssen wir doch die praktische Notwendigkeit des 'Ausgleichs von Angebot und Nachfrage erwägen.was bedeutet, daß insbesondere bei der Unterbringung der Lehrlinge Eltern und Kinder auch wieder den kaufmännischen Beruf berücksichtigen, weil eben praktisch die notwendige Zahl von Stellen fehlt, um Sonderwünsche einzelner in bezug aus die Berufswahl zu erfüllen. Wir wiederholen daher unsere Bitte, unverzüglich alle freien Lehrstellen sowie ferner alle Lehrstellen suchenden Kinder, bei uns zu melden. Wir sind der Ansicht, daß es möglich ist, alle Stellen zu besetzen und alle Kinder untetZubringen, soweit nicht besondere Wünsche hierbei hinderlichem!). Wir sind darüber hinaus aber auch der Ansicht, daß bei verständnisvollem Eingehen auf unsere wiederrv., auch diel ap»t«n r Hvon 1 | fTA \ Breslau, Neue Schweidnitzer Str. 16/17 n 1-:---— holten Aufrufe die Arbeitsvermittlung an sich in noch weit größerem Umfange gefördert werden könnte und müßte. Hierzu gehört in erster Linie die Schaffung von Stellen für ä l t e r e A r b e i t n e h m e r, für Familienväter und alleinstehende ältere Personen, die nun schon jahrelang den Leidensweg der Erwerbslosigkeit gegangen sind und der Verbitterung anheimfallen. Wir alle müssen dieser oerständliäsen Verbitterung Rechnung tragen und daran denken, daß diese Arbeitssuchenden unsere Gemejnschastsmitglieder sind, unsere Eltern, Kinder, Freunde oder Bekannte, ja schließlich diejenigen, die i auch uns wieder Arbeit und Brot geben, wenn sie selbst verdienen. Deshalb rufen wir erneut zur Arbeitsbeschaffung, zur Vermittlung von freien Stellen, zur Schaffung von Lehrstellen alle Mitglieder unserer Gemeinschaft auf! Deshalb appellieren Mir an die Pflicht derjenigen Mitglieder der Gemeinde zu helfen, die helfen können und vielleicht auch noch mehr helfen könnten, als sie es bisher getan haben. Das ursprünglich «ruf den 25. November bzw. 15. Dezember 1934 angesetzte Konzert des Berliner Meisterpianisten Joseph Schwarz und der Breslauer Künstlerin Irene Weißenberg findet nunmehr bestimmt am Sonntag, 17. März, 20.15 Uhr, im großen Saal der Gesellschaft der Freunde statt. Aum Dortrag gelangen Origrmrlwerk« oon Bach, Brahms, Haydn, Schumann und Arensky. Di« zu den ursprünglich angesetzten Terminen gelösten Eintrittskarten behalten Gültigkeit. Der kleine verbliebene Rest ist nach wie vor erhältlich bet Brandeis, Bücherdiele, Horwitz und Lichtenstein.