Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 5 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3970005-7569529-7569751--2234-3972082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
IjC) Breslauer WWs ‘ .. AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU , Haupsschriftleiter: Manfred Rose'nfelb, ß Druck und Anzelgen-Annahme: i Breslau, Verlag: Hellmuth und Sr ich § Druckerei Schätzkg, Breslau 5, Gartenstraße 19 Sch atz kg, Breslau» Sartenftraße 19 M Telefon 23175 Anzeigenpreis: Die 8 gespöttene RÜNimeter-Zeile ober deren Raum ll Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabat« SrscheinungStermin vierzehntägig — Preis 48 Pfennig vierteljährlich (einschließlich Zustellgebühr) — Postscheck-Konto 62095 Fltr die unter dem Namen de« Verfassers erscheinenden Artikel und die DereinSnachrichten Übernehmen Mir nur die presiegefetzliche Verantwortung 12. Jahrgang 15. März 1935 Nummer 5 Zum Vucimfefte Ein Ausspruch des Hohenpriesters. Simons des Gerechten, im ersten Abschnitte der Sprüche der Väter lautet: „Auf drei Dingen steht die Welt, aus Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit". Dieses Wort ist zu einem Hauptgründsatz des Judentums geworden. Mit Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit steht und fällt die jüdische Welf. Dies sind die drei. Grundsäulen, welche sie stützen. Nimmt man eine von ihnen fort, so bricht sie zusammen. Man kann nicht Jnde sein, wie man es so oft glaubt, nur mit der Wohltätigkeit oder nur mit dem Gottesdienst oder nur mit der Lehre. Nur wer sie alle drei umfaßt, umfaßt dos ganze Judentum. Ist das Judentum eine große Welt, so ist jede einzelne jüdische Pflichterfüllung eine kleine Welt, eine Wiederspiegelung der großen Welt. Was für die große Welt gilt, muß auch für die kleine gelten. Auch in ihr muß sich etwas von den drei Hauptstützen, von Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit finden, zum mindesten angedeutet finden. Wenn wir uns nur die rechte Mühe geben, so können wir sie bei jeder, auch der kleinsten Pflichterfüllung finden. Das lehrt uns die Wichtigkeit einer jeden Pflichterfüllung. Wer eine Pflicht erfüllt, festigt die Stützen der Welt. Wer sie versäumt, macht sie schwankend und beginnt sie zu zerstören. Das Purimfest, welches wir demnächst feiern werden, erinnert uns an eine schwere Notzeit des jüdischen Volkes, die erste Notzeit in der Golah, aus welcher unsere Ahnen nicht durch eigen« Kraft, sondern nur wie durch ein Wunder gerettet wurden. Merkwürdig, daß in der Estherrolle, in welcher von diesem Ereignisse berichtet wird, der Name Gottes nicht ein einziges Mal genannt wird und doch aus der wunderbaren Verkettung der Umstände, welche die Rettung herbeiführt, die Majestät des Goldes der Geschichte, strahlender leuchtet, als aus anderen Ereigniflen, die. von äußeren Wundern berichten. Merkwürdiger noch, daß bei der Art der Feier, welche diesem Ereignis gewidmet ist, sich nicht die geringste Aeußerung eines triumphierenden Rachegefühls findet. Unsere Weisen haben die Modalitäten der Feier dieses Festes angeordnet. Sie sahen darauf, daß die Grundlehren dabei ihren Platz fanden. Zuerst die Lehre. Am Abend und am Morgen wird die Estherrolle vor versammelter Gemeinde verlesen. , Sie kann sich den Sinn der Ereignisse nicht oft und nicht scharf genug einprägen. Wie es im letzten Kapitel des Buches heißt: „Und es bleiben dies« Tage im Andenken und werden gefeiert in jeglichem Zeitalter, jeglichem Geschlechte, jeglicher Landschaft und jeglicher Stadt. Und diese Tage des Purim vergehen nicht unter den Juden, und ihr Gdächtnis schwindet nicht bei ihren Nachkommen." Dann der Gottesdienst, befruchtet durch das besondere Festgebet für „die Wunder, die Befreiung, die Machtäußerung, die Siege, die Kämpfe, die die. für unsere Väter geführt, in jenen Tagen um diese Zeit". In gewissem Sinne Gottesdienst soll auch das Purimmahl sein, wie das Peßachmahl, das Mahl an Sabbaten und sonstigen Festen. Der Tisch sei wie ein Altar, der Hausherr der Priester, der in Reinheit zu Tisch gehe, mit feierlichem Lobspruch das Brot bricht, das Mahl durch Erlätiterungen der Lehre würzt und mit ehrlichem Dankgebet schließe. Mahnung zur Wohltätigkeit findet bei der Feier des Purim einen weiten Raum. Wohltätigkeit ist nicht bloß Gabe für die Armen; auch diese ist geboten. Mindestens zwei Arme sind zu bedenken. Wohltun im Sinne des Gemilus chasiodim soll sich auch dem Bemittelten gegen- * über äußern dursh freundliche Aufmerksamkeit, die Freude bereiten soll. Eb kreisen die GSVdn^/oon Haus zu Haus. Gefühle der Freundschaft und Brüdermchkeit^sollen geweckt werden. „Sich freuen und andere erfreuen", das istdie Losung wie bei den großen Festen Israels. Das Estherbuch erzählt: „Die Juden haben dieses Fest angenommen und auch gehalten." So ist es in Wahrheit geblieben. Auch denen, die sich vom Kern des Festes entfernt hatten, war stets ein blasser Schimmer davon geblieben. Feiern wir es wiederin seinem ganzen SiNne und seiner vollen Wahrheit. Festigen wir durch feine Feier die ragenden Säulen, die unsere eigene jüdische Welt fragen: Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit. Möge das Pürimfest uns lehren, in der Not uns inniger zu verbinden. Dann trägt die Not schon die Rettung in sich. +- ' ' H 0 ffmann. Kitte beachten 'Sie: IFernspreöh-Anschluß Bu::;: Gartenstr. 19 Fabrikgebäude I. Stock (Schatzky) j Breslauer Jüd. Gemeindeblatt 75803142