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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-02-28 · 4 (28.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
4 (28.2.1935)
Date
1935-02-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Breslauer Oüd b. fibonnement&'Ron$ett Die Sängerin Ruth Ä i f d> * 21 r n t> t ist den Breslau ir Musikfreunden feine Fremde mehr: in den Veranstaltungen d s hiesigen Bachvercins hat man sie oft gehört und 1925 auch in einen eigenen Liederabend. r Snant> das, was sie diesmal, vor einem rein jüdischen Kreise, sang, hinsichtlich seines geistig-religiösen Gehalts auch in -krasse n , Gegensatz zu dem Programm jenes zehn Jahre zurückliegenden Konzerts, — an der Größe und Nachhaltigkeit des künstlerischen Eindrucks hat sich kaum etwas geändert. Frau Kisch-Arndts voluminöse Stimme — der Alt hat sich inzwischen beträchtlich na h der Sopranregion -hm geweitet — zählt nach wie vor zu den wenigen, Helft affe mitf Der Dille, an der jüdischen Gemeinschaft tätigen Anteil zu nehmen und den bedrängten Glaubensgenossen beizustehen, verkörpert sich in der binnen ‘&eitraj}sbarte helft alle mit! Erwerbt die blaue Beitragsmarke für Hilfe und Aufbau! j Wir bitten unsere Gemeindemitglieder, die bisher noch nicht aufgesucht worden sind, um schriftliche Mitteilung oder telephonischen Bescheid unter Jtrl 542 69 oder Br. 542 101 Jüdisches Wohlfahrtsamt, Breslau, Wallstratze 9. die man als restlos durchgebildet bezeichnen kann; sie sitzt prachtvol in der Resonanz und sie ist von erstaunlicher Biegsamkeit, hier wir! _ di« Tonerzeugung wirklich zu dem, was sie fein soll: zu einer Kette / natürlichster technischer Funktionen. Daß die außerordentliche Musikalität der Sängerin das ihrige zur idealen? Rachformung des Kunstwerks beiträgt, zeigte sich bereits in dem impcsanten .Lobe den Herren" und in der Arie aus Handels „Sasnjvn". Mit den folgenden fünf Gesängen wurde nach langer Zeit wieder einmal betont Jüdisches zur Disklüssion gestellt: wenn es sich -dabei auch nicht durchweg um unvergängliche Werte handelt, so Ist die Tatsache selbst schon zu begrüßen. In Wilhelm Walters Komposition dep schönen Wolsskehlschen Gedichts „Dom Nebo" spürt ma-iz einen letzten, schwachen Abglanz sches Gemein dedlail ' 3 des Judtfdjen TTtuftiveceins der Romantik, und das musikalische Gewand, das Milhcruld der etivas redseligen Zionshymne-Albert Cohens gegeben har, trägt durchaus konventionelle Züge. Fesselnd in seiner harmonischen Konsequenz ist dagegen Otto Klemperers ,/8edet". Mahler» ,Lch atmet' einen linden Dust" und sein „Urticht" (aus der 2. Symphonie) empfand man naturgemäß als Offenbarungen eines Genius. Hier erreichte nicht nur die Sängerin «inen bedeutsamen Höhepunkt, sondern ebenso auch Lotte Schoepk-Rogosinski, die, nach einem etwas unsicheren Beginn, ihre Fähigkeiten als versierte Begleiterin erneut bewies. Frau ÄischArndt war stets eine -ausgezeichnete Interpretin Hugo Wolss, und iauch jetzt blieb sie der wundervollen Lyrik dieses Meisters vom musikalischen Standpunkt aus nichts schuldig. Um so seltsamer berührte es, daß der Vortrag vor allem hierbei den Erwartungen nicht ganz entsprach. Gewiß, er verriet durchweg höchste Kultur; aber er mar, obgleich der Ton vom Herzen kam, zumindest in den drei letzten Liedern nicht von her Wärme, di« zum Miterleben zwingt. 'Erst die sehr überzeugend gesungene Zugabe glich dieses Manko wieder aus. Ernstes kimftlerisches Wollen und ein hohes Maß selbstbewußten Könnens bilden die Voraussetzung für den schönen Eriolq. den -die. Breslauer Pianistin Irene Weißenberg zu verzeichnen hatte. Ihre schon früher betonte Neigung für die große technische Form kam diesmal in zwöi monumentalen Werken z-um Ausdruck: in Bachs Orgeltoccata und Fuge d-moll, die Tausig der Klavierliteratur zugänglich gemacht hqt, und in der Waldstein-Sonate von Beethoven. Es kann nicht geleugnet werden, daß in beiden Fällen etliche manuelle Flüchtigkeiten und Gedächtnisfehler unterliefen; der Kenner wird jedoch sofort gespürt haben, daß es sich hier lediglich um die Auswirkungen einer starken Indisposition handelte. Daß die Leistung selbst aus angeborenem Talent und ungeheurer Kleinarbeit beruhte, war unverkennbar; denn trotz -dem erwähnten Mißgeschick und der Ungunst des für Kamrnermüsik eben nicht prädestinierten Webichtheaters lagen in der Darstellung nicht nur technische, sondern auch erhebliche geistige Werte. Frau Weißenberg ist, obwohl gerade in ihrem Spiel die Detail behandlunq lebhaftes Interesse erweckt, durchaus keine analytische Natur; wie sehr schon jetzt die Kraft zur Synthese großen Stils vorhanden ist, zeigte sich bei Dach in der absolut klar -nachgestalteten Fuge, deren Schlußakkorde man sich allerdings noch grandioser denken kann, und bei Beethoven namentlich im Dmchführungsteil des Rondos. — Sängerin und Pianistin crnteten reichen Beifall. Martin Hausdorff. Qasvetgangene Oatjt beim yüdtfdf'T/jeobgtfdjen Semtnat Am Sonntag, den 27. Januar, fand im Jüdisch-Theologischen Seminar die Gedächtnisfeier für den Stifter der Anstalt, Kommerzienrat Jonas Frankel, in Verbindung mit der Entlassung der neuen Ra!)bin«r statt, an der sich das Kuratorium, das Rabbinat, Vertreter der Synagogengeineinde und zahlreiche Gäste beteiligten. Der Vorsitzende im Bcrichtsjcchre Seminar-Rabbiner Dr. Israel R abin, - rgänzte in kurzen Ausführungen den im Druck erschienenen Jahresbericht. Er gedachte der beiden im vergangenen. Jahre dahingefchiedenea Toten CH. N. B ia l i k und Lippmann Bloch urch fand herzt che Worte der Begrüßung für den neuberu-fenen Dozenten Dr. H. Speyer. Besonder« Glückwünsche richtete der' Seminar- Rabbiner in Herrn Dr. L « w k o w i tz, der vor 25 Jahren an dieser Lehrstätt« di« Hattarah erhalten Halde. Er erwähnte, daß nach Abschluß des Jahresberichts noch zwei weiter« Hörer des Seminars in wichtige A ntsftellungen berufen wurden (Herr Richter als Bezirksrobbiner rach Schivelbein in Pommern und Herr Dr. H. Sänger als Prediger und Religionslehrer noch Berlin), und gab bekannt, daß von den gestellten Preisausgaben das Manuel-Joel-Preisthemo unter dem Titel ..Der religiöse Gehalt des jüdischen Kultus in feiner Bedeutung für eine systematische Theologie des Judentums" eine Bearbeitung fand. Dieser Arbeit, die Herrn Bernhard Wechsberg zum Verfasser hat, wurde der halbe ^sireis zuerkannt. Nach Verlesung der neuen Preisthemen, die durch einen von ungenannter Seide aus den Namen des Herrn Gemeindelabbiner Dr. H. Vogel st ein gestifteten Preis vermehrt wurden, übergab Herr Dr. Rabin tunusgemäß den Vorsitz an Herrn Dr. A. Lewkowitz. Dr. Lewkowitz übernahm sein Amt mit herzlichen Dankesmorten für? die ihm ausgesprochenen Glückwünsche und mit einem Festvortrag über „Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart^. Der Vortragende führt« aus, daß Hermann Cohen auch di« jidifche Philosophie der Gegenwart noch entscheidend bestimmt in Zustimmung und Ablehnung zu seiner Philosophie. Sucht Cohen die Uebereinstimmung der jüdischen Religion und der Religion der De-rnunft zu erweisen, so zeigt Cassirer die tiefe Differenz, die zwischen einer religiösen und philosophischen Weltanschauungbesteht. Wahrheit k imint nach Cassirer nur der philosophischen Weltanschauung zu. Fraiz Rosen zweig hingegen verneint di« Wahrheit des philosophistien Weltbildes und sieht in der Religion die allein gültige vsjenbarung über das Verhältnis von Gott, Welt und Mensch. Der Vortragende setzt« sich mit beiden Anschauungen auseinander und zeigt« im Anschluß an Bergson und Simmel, wie das religiöse und das wifsenschastliche Bewußisein -in ganz verschiedenen Kräften des menschlichen Geistes wurzeln und daher nicht gegeneinander ausgespielt werden können. Das religiöse Bewußtsein aber ist tief mit dem. geschichtlichen Bewußtsein verbunden, und daher ist die jüdische Religion nicht vom jüdischen Volk und der jüdischen Geschichte zu trennen, was Franz Rosenzweig unter dem Einfluß Cohens doch in erheblichem Maß versucht hak. 1 Der. eindrucksvolle Vortrag fä-soß mit einem Bekenntnis zur positiv - historisch - religiösen Haltung -des Breslauer Seminars. Im Anschluß an den Vortrag fand Dr. Finkelscherer im Namen der zur Entlassung kommenden Rabbiner für das Kuratorium, die Dozentenschaft und di« Kommilitonen herzliche Worte des Dankes und des Abschieds. ✓—>*. Dann nahm Herr Seminar-Rabbiner Dr. I. Rabin die Entlassung der Herren Dr. Finkelscherer. Dr. Jospe, Löwenheim, Ohrenstein, Richter, Steuer, Dr. Urbach und Ziegler vor, wobei, er in deutscher und hebräischer Sprache mit Wärm« und Herzlichkeit den jungen Rabbinern Worte des Abschieds zuteil werden ließ und sie ln ernster und eindringlicher Weise -aus die Pflicht hmwies, bei der Ausübung ihres rabbinifchen Amtes stets die positiv-historische Haltung des Seminars zu vertreten. - — Die eindrucksvolle. Feier war umrahmt von sehr stimmungsvollen Gesängen des? Herrn Kantor Wartenberger, den Herr Organist S ch äs f e r am Harmonium begleitete. Der im Druck erschienene Jahresbericht enthält äls wisfenschaftliche Beilage eine Arbeit von Herrn Dozenten Dr. H. S p e y e r: „Der Festtag bei den Propheten". L. Seidmann._ i'bitte beachten Sie: Fernsprech-Anschluß ¥5 E &artenstr. 19 Fabrikgebäude I. Stock (Schatzky) Breslauer Jüd. Gemeindeblatt

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