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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-02-15 · 3 (15.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
3 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 3 5fi bonnemen t$- Rongect des Oüdifdjen Ttlufitveveim Wer die Eindrücke dieses aufregend schönen Konzerts wicdergcben will, der mutz sich aucb der Stimmung erinnern, die in den letzten Worden den kunstqeneigten 2 eil unseres Publikums be» hcrrfcbte.. Tenn die Ankündigung, daß Alexander Kipnis von der Staatsoper Berlin im Iüdisck, rn Mus ick verein singen würde, hatte die Gemüter in so freudige Wallung gebracht, wie cs hier nur selten erlebt wurde. Aber man ahnte wohl, bah eiriem ein nicht alltäglicher Genutz bevorsteht. Und selbst diejenigen, welche sonst Kotierten fern bleiben, liehen sic> durch den Namen des berühmten 'Bassisten, der auch in Bayreuth zu Sen Ersten gehört hat, gern umstimmen. "Der Musikvercin hätte nichts Klüzcrcs tun können, als gerade diese Veranstaltung an die Spitze des zr »eiten Abonnements zu setzen. Ist an sich schon durch die .Qualität d< r bisherigen Leistungen das Interesse iür seine Arbeit in letzter Zeit noch mehr gewachsen, so steigerte cs sich nun zusehends. , Ter Frcundesaal hätte kaum noch die -HÄste aller Besucher zu fassen ver mocht, und man mutzte aus das Liebicb-Theäter, die Stätte des -ersten Crsolges, zurückgreisen; die Verlegung aller Konzerte ms den Sonntag-Bormittag wurde zur zwingenden Notwendigkeit. Aber was bedeutet das „Opier" ei »es Konzertbesucbs zu . so ungewohnter Zeit, sobald man daran der kt. was hier geboten wird! Zumal wenn ein Künstler vom Range Kipnis' austritt. Wenn man seinen herrlichen, abgrundtiefen Betz hört, dann wird cs einem flar) daß'das Technische den höchsten Gr id der Vollkommenheit zeigt. Hier ist wirklich jedes Detail bewundert swert: das Material an tzch und seine Färbung, die mühelose Atmung und die Resonanz, die vorbildliche Tcxtaussprache (nicht nur im Deutschen!) und schlietzlich die souveräne Art, mit der Kipnis das alles in den Dienst des Kunstwerks stellt. Cr ist aber auch ein < r von den wenigen, dieden Idealtvpus des Delcanto-Sängers mit dem des überlegenen dra matischcn Gestalters in sich vereinen, ebenso wie aus der Bühne. Das lehrt rung Schuberts, der heute leider vielen. Auf dem Konzertpodium vor allem seine Intcrpretjesclbst bedeutenden Künstlern, entfremdet ist. ■ Welch ein ergreifendes Gilt) zeichnete er im „Wanderer", welche Tiefe der Empfindung lac über dem „Ständchen" und dem entsagungsvollen „Gute Rächt". Das Köstlichste aber gab Kiperstaunlicher, ÄH nis mit dem „Jüngling an der Quelle, musikalischen Feinheiten reichsten Lieder Veetffoven’fibenö Joseph und einem der schönsten und an Schuberts. $elft alle mit! Der Wille, an der jüdischen Gemeinschaft tätigen Anteil zu nehmen und den bedrängten Glaubensgenossen beizustehen. verkörpert sich J m dev blauen Veitvagstacte helft alle mit! Erwerbt die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! Wir bitten unsere Gemeindemitglieder, die bisher noch nicht aufgesucht worden sind, um schriftliche Mitteilung oder telephonischen Bescheid unter Br. 542 6g oder Br. 542 10, Jüdisches Wohlfahrtsamt. Breslau. Wallstraße g. Das zwas bunte, \ stilistisch jedoch recht geschickt zusammen» gestellte Programm brachte noch eine zweite Gruppe von Liedern: Volksweisen au« der rutsischen Heimat des Künstlers, fiir den Konzcrtgebrauch. von Alexander Gretschaninofs eingerichtet. .Kipnis sang sie in! seiner Riuttersprache, mit prachtvoller, nicht mißzuverstehender Po-intierung; und die Wirkung war unerhört. Nicht mitcher stark aber war sie überall dort, wo die Opernaric zu ihrem Recht kam: Kipnis sang Händel, Mozart („In diesen heiligen Hallen*), Verdi, Tschaikowsky und Mussorgsky (aus „Doris Godunow")! Jedesein künstlerisches Erlebnis in seiner Art; namentlich die von Todcsschauern erfüllte Arie des Boris, in der der Künstler alles hergab, was an Schönheit und berauschendem Glanz seiner Kehle entströmte. Kein Wunder, datz ihm einige Zugaben abgerungen wurden, von denen Brahmsens „Wie bist du, meine Königin" noch einmal zu stürmischem Beifall hinriß. Einen besseren Begleiter Äs Kurt Havelland hätte Kipnis sich nicht nrünschen können; die pianistischc Leistung war umso Havelland sich — aus technischen Gründen — mit nur c tn e i r Ve ständigungsprobe begnüqen muhte! Martin Voeis $d)wat$ Ein Abend von seltener künstlerisc >er Geschlosienheit, im Aufbau sowohl wie auch in seiner Durchsü»rung. Josef Schwarz (Klavier) und sein Sohn Boris, (Mob ne), eins der besten, ja man kann getrost sagen: das in feiner Art id miste Kanunennusikduett der Gegenwart, waren von der hiesigen Buchhandlung L i ch t en st e i n gewonnen worden, und man hörte im aut besuchten großen SaÄ der Lessingloge drei Veethovensche Dsolinsonaten, also ein Stilprogramm, wie cs einem nicht oft geboten wird. Die Auswahl war klug aetrossen-. die Sonaten Opus 12, Nr. I, und Opus 24 (Frühlingssonate) stellen an die Aufnahmefähigkeit des Hörers keine allzu hohen' Ansprüche, und doch erkennt man in ihrer Faktur bereits den echten Beethoven. Ungleich größer, in ihrem geistigen GehÄt alle Geschwisterwerke überragend, ist di« Kri utzersonate (Opus 47), müder das Konzert seinen Abschluß finden öllte. Wir hörten die beiden ausgezeichneten Künstler zÄetzt vor Jahresfrist in einem der Synagogenkonz wie. Was sie uns damals, u. a. mit der Kreutzerionate, gaben, ist noch in bester Erinnerung. Aber weit näher — nicht nur räumlich -- waren sie ihrem Auditorium an diesem Abend, wo durch da« Medium des Beifalls ein noch engerer Kontakt zwischen Parkett und Podium bestand. Dieser Beifall war wohlbegründet; denn in d:m Spiel von Joseph und Boris-Schwarz liegt Kammerkunst im N ahrsten Sinne des Wortes vor. Doris, der Geiger, hat das am 8 Insang feiner Laufbahn gegeben« Versprechen restlos gehalten: er steht heute Äs reifer Künstler vor uns. Nicht als einer von den H xenmeisteriy die die Menge durch ihre verblüffenden Kunststücke betö'en, sondern, bei aller technischen Vollendung, als ein durchaus getiegener, nach inneren Werten strebender Musiker, der seine vornehmste Ausgabe in der Pflege der großen Klassiker sieht. Wie ernst es ihm damit ist, zeigt allein schon, die Tatsache, daß er — in der Ka nmermusik etwas ganz Ungewöhnliches — seinen Part vollkommen auswendig geherrscht. Sein Ton ist absolut klar und von männlicher Größe, und es ist lediglich auf die akustischen Tücken des Saales zu ückzusühren, wenn man anfangs von der früher bewunderten Wärr ie dieses Tones nur wenig spürte. Vielleicht trug jener äußere Umstand auch die Schuld daran, daß Joseph Schwärz den Flügel hin urd wieder kraftvoller intonierte, als es notwendig war. , Vater und Sohn haben durch jahr langes, oo» edelster Musi» zierfreude und gegenseitiger Achtung getragenes Zusammenwirken einen so erstaunlichen Grad künstlerisches Einheit erreicht, daß man sich eine Steigerung in dieser Hinsicht richt vorstellen kann. Alles in ihrem Spiel die Wiedergabe in dem hier die Beifall, auch v Großtat zur Romanze F-dux, Herzen ging. IjaustonAeet Hausdorff. ist Opfürdienst am Werke. Das bewies vor allem der Kreützersonate; nicht der geringste Zeitbruchteil, geistia-seelische Spannung nachgelassen hätte. Der vorher schon sehr stark und herzlich, wurde nach dieser ' ation. Die Künstler dankten durch die Zugabe der deren empfindungsvolle Melodik unmittelbar zu M H. >1 «Cs ist vorteilhaft, den Genius bewirtcri; gibst du ihm ein Gastgeschenk, so läßt er dir ein größeres zurück." Der Geist dieses Goethe-Wortes waltet in de» Räumen des traditions- und musikerfülltcn Freyhanschen Hauses und seht cs in künstlerische und! menschliche Werte um. Von einem zahlreichen verständnisvollen Publikum: dankbar ausgenommen, bot das geschmackvolle Programm drei der anziehendsten Repräsentanten bester Kammermusik: Dvorak, Reger und Schumann. Dvoraks Opus 21 trägt absolut typische Züge; im Allegro grüßt und winkt cs vertraut aus seinen Legenden^ ugd das Adagio ist von slawischer Schwermut erfüllt. Der etwas herbere Reger, der sich aber in seinem Streichtrio, abgesehen von dem ein wenig strengen ersten Satz, gar nicht herb gebärdet, wurdefolgerichtig in die Mitte gestellt, und dann dem von allen Grazien - begnadeten Schumann das Schlußwort erteilt. Interessant, wieyiel Wesensverwandtes zwischen diesem Romantiker und seinem Zeitgenossen- Mendelssohn liegt. Unbewußt durchwebcn Sommcrnachtstraume auch die Schumännsche Musik. Die Aussuhrenden — die Damen Ezephözy, Breslauer, Schocps-Rogosinsfi'undLcwin — wären je nach ihrer persönlichen Eigenart mit Temperament, technischem Können und einer besonders in den Partien! des Violoncellos bemerkenswerten Weichheit der Cantilene hingebungsvoll^ am Werk_Olga Schäfer-Pewnr,. FritzKresler beging am 2. Februar seinen 60. Geburtstag. Sein Wirken Äs Meister! der Violine und Komponist ist weltbekannt. Fritz Kreisler enisÄtet aber auch in Gemeinschäft mit ferner Gattin Harrit eine segensreiche Tätigkeit als Philantrop. In Amerika, wohin er nach seiner Verwundung an der galizischen Front — er war österreichischer Ofsiziei: — gegangen war, stellte er während des Krieges seine Kunst in den Dienst bedürftiger Landsleute. Harriet Kreisler gründete in Wien bald nach Kriegsende di« „Vienna Children Milks Relief" und leitetp diese Organisation lange mit bestem Erfolge. Später gründete das Ehepaar Kreisler die „Mütterliche Hilfe" in Wien. Frau Kreisler erhielt 1927 vom bfterveichischcn Bundespräsidenten „Das goldene Ehrenzeil^hen der österreichischen Republik". '

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