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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-02-15 · 3 (15.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
3 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Breslauer 8 fl t> lsche » Semeindedlarl Unter Förderung öe$ Kulturfceifes: „Der Taetüff” On der Überfettung von Cudwtg fiufda Die Kulturkreis-Aussührunqen haben in Breslau von vorn he ein dadurch mir Schwierigkeiten zu kämpfen, daß eine Bühne nicht zur Verfügung steht. Im Lessinglogenuni> auch im Freundesaal hat Arthur Schwarz schon früher ein« immerhin befriedigende Lösung zu finden gemuht, Nikolai Eljaschofs und Kurt Leuner ginsen diesmal noch einen Schritt weiter, indem sie versuchten, aus der ■ liot eine Tugend zu machen und aus dem Podium des Freundefaals eine szenische Anlage schufen, weiche, wie Eljaschofs in seinem Begleit» ort im Programm schreibt, Elemente der Comedia dell'arte und der Charakter-Komödie vereint. Ein Paravent mit einer Zeichnung aus einem Stegreisspeiszenarium vertrat den Vorhang, auf beiden Seiten des Podiums maen drehbar Versatzstücke aufgestellt, die nach Bedarf Türen, Fenster, Vorhänge zeigten und schließlich im zweiten Teil, ausgezogen, die Ilufion eines skizzenhaft gestalteten Zimmers und damit einer rär mlichen Einheit gaben. Gehandhabt wurde diese Apparatur von >er Dcrin« und der Flipote des Stückes, die mit dem Lorenz als „Die rer der Proszeniums", — stehende Figuren der Comedia dell'arte — fungierten und in Gemeinschaft mit ihm auch die zwischen einzelne Akt« eingelegten Pantomimen zu spielen hatten. Ar«f solchen Wegen war man zu äiner Lösung gelangt, die ixrs erstrebte Ziel im großen und ganzen erreichte und wegen ihrer Or ginalität arich interessierte, wenn auch nicht verkannt werden darf, laß im ersten .Teil -infolge des gelockerten Bühnenbildes auch die < Geschlossenheit des Eindrucks noch keine vollkommene war, was ater den Gesamteindruck kaum beeinträchtigte. Die Szene Orgon- D a m i s » T a rtü s p, welche noch in dieser Umrahmung vor ich ging, war sogar von sehr starker, dramatischer Wucht. Ueberhaupt verdienen di« Leistungen der einzelnen Darst« ler durchweg Anerkennung, namentlich Max Kon inski war in >er Titelrolle hervorragend. Dieser Tartüff war schauspielerisch eine kerrig erfaßte, individuelle Gestalt, ein frecher Bursche, der Haarschars Umrissen war und weder zuviel noch zu wenig Schattierung tr lg. Carola Segall als Madame Pernelle fesselte, indes wies sie ur eine alte Frau wohl etwas zuviel Nachdruck in Rede und Gebär! en auf. Cami la Spira verkörperte die Elmire in sedem Zig« kräftig plastisch und reizvoll. Auch Alfred Balthoff als Orgon bot eine treffliche Leistung: der Spießer Orgon in seiner Leichtgläubig, keit und Maßlosigkeit gelang ihm aufs beste. Fritz Ritter erfüllte den Damis mit frisch pulsierendem Leben, war aber wohl )>e und da etwas zu polternd. Ruth Arden als Marianne war von rührender Mädchenhaftigkeit, Fritz Kahnemanns Valer tnd Fritz Schönselds Clexrnt waren überzeugend. Entzückend war >ie Dorine Liselotte Rosens. Diese berückend schöne Frau spülte mit außerordentlicher darstellerischer Gewandtheit, vielleicht aber hätte sie etwas/gnohr Robustheit emsetzen können. James Elsner lls GeriachtÄiener, Mai Drucker als Polizcibeamter, Dorothea Krause als Flipol« und Hirsch Friedman» als Lorenz spielten ihre Rollen zweckentsprechend und halsen den Erfolg, den der Abend brachte, ausbauen. HeinrichMarkt hatte als Umrahmung und für die Pantomimen aus Kompositionen der Moliereschen Zeit eine dein Stoft wohl «"gepaßte Bühnenmusik geschaffen. Die, Regie führte Nikolai E l j a s ch o f f, für die Bühnenbilder und die technische Leitung zeichnete Kurt Leuner, für die Kostüme Heinz Co n dell verantwortlich. Sie hatten alle gleichen Anteil am guten Gelingen, für das sie die Grundlagen errichtet hatten. . mr. pevfonal*lladjvid)ten * Der bekannte zionistische Führer -und stellvertretende Vorsitzende der Berliner Gemeinde, Alfred Klee, beging am 25. Januar seinen 60. Geburtstag. Klee ist auch -4n der jüdischen .Wohlfahrtspflege intensiv tätig und beteiligt sich tatkräftig an>der Förderung. der jüdischen Wissenschaft. ★ * Fritz Engel, der bekannte Theaterkritiker, Feuilletonist, Dichter und Schriftsteller ist in Berlin.kurz vor Bollendung seines 68. Lebensjahres, verschieden. Fritz Engel, der aus Breslau stammte, hat sich im Dienste des „Berliner Tageblattes" Weltruf erwerben. Er war, als Persönlichkeit in weisteten Kreisen hochgeschätzt, Inhaber zahlreicher Ehrenämter in Verbänden und Sttftungen. U. a. war er jahrelang' Vorsitzender der Kleiftstiftung. Infolge der Neuordnung von 1933 mußte er aus der Kleiftstiftung wie aus zahlreichen anderen Ehrenämtern ousscheiden. * ★ Im Alter von 59 Jahren verschied in Lugano der bekannte Feuilletonist und Schriftleiter Dr. Ludwig Bauer, der in Breslau und Schlesien «besonders durch feine Veröffentlichungen bekannt, geworden ist, welche vor dem Kriege in der „Breslauer Zeitung" erschienen sind. - } * ~ Am 31. Januar verschied in Berlin der Schriftsteller und Dichter I. E. P o r i tz k i). Er hat zahlreiche belletristische und wissenschaftliche Werke veröffentlicht und hat sich auch mit Erfolg als Bühnenautor betätigt. Sein Bühnenwerk „Ueber Nacht" ist viel gespielt worden. Der Reichs- und preußische Innenminister hat in die Prüfungsordnung fllr Aerzte und Zahnärzte eine Bestimmung eingefllhrt, wonach die Zulassung zu den Prüfungen und die Etteilung der Approbation von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig zu machen ist. Ausnahmen können nur aus besonderen Gründen gestattet werben. 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