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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-02-15 · 3 (15.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
3 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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! » Hreslauer Jüdisches Hemetnbedla k r - Nr. 3 Parteigespräche geworden. Parteien, uyd nachj ihnen Bünde seien entstanden. Di« „Gemeinde" ist aus der protestantischen Umgebung zu begreifen. Luther lag allein der Glaube am Kerzen. Um alles andere um ihn herum kümmerte er sich nicht. Die Juden haben die Lutbepsche- Anschauung angenommen:' „nur der Glauben allein vereinigt uns". Das mar für sie die Flucht aus der Geschichte. Bei cherzl sei die ewige geschichtliche Gestalt vom Ideologen zu unterscheiden. Das Blei b e n d e sei „Wir sind ein Volk", und nur wenn wir wirklich so geschichtlich lebten, würden wir bestehen. Ideologie wie alle anderen Völker seien. Gewiß, > sei, daß wir ein Volk seien wir ein Volk, aber Am 20. Juli 1932 grüßten di« treuen Freunde und die gesgmte Oesfemüchteit des deutschen Kunstlebens in Dankbarkckt den begnadet stischen 85jährigen, heute blickt man in der Still« zurück mit Wehmut und Bewunderung auf ein jetzt abgeschlo jenes, reiches Lebenswerk, das nicht nur in künstlerischem Schaffen, sondern auch in tätigem Wirken bestand. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Liebermann heranwuchs in der Zeit vor dem Kriege 1870, daß er Menschen gekannt und gesprochen hak, die für uns längst historisch sind, wie z. L. Goethes Schwiegertochter und den alten Miller und daß er andrerseits tätig unter uns gewirkt und zu allen aktuellen Problemen Stellung genommen har — wir erinnern un die ergreifende Illustration zu den Kriegsbricfen gefallener deutscher Juden — ,um die Spannlveike dieses Lebensiverkes zu fühlen. Als Angehöriger einer Berliner füüifchm Patrizierfomilie, die feil Generationen zur Großindustrie gehört«, hatre er "zuniickfft stark« Widerstände gegen seinen Künstlerberuf. Ei schließt sich nicht der offiziellen akademischen Richtung an,.sondern eiisem Nebenstrom, einem schlichten, in der Norurbeobachtung wurzelnden, der Linie C h o d o - wieck i, Krüger, Menzel, bte eine spezifische preußisch-berlinische' "Färbung trägt. Er fühlt dann, daß sein« Kunst benötigt, was die TMa? Ctebetmann f. fl. um Sinai geboren:> wer uns die Vergangenheit nimmt, nimmt uns die Zukunft. Daß es jüdische Parteien gibt, ist der Preis für unseren! Anteil an der Geschichte. Zwei Möglichkeiten gibt es, um ein parteibefreites Judentum zu schaffen: eine-von ihren ist der 9. Ab. Die andere ist die Zeitwende. Wir dürfen nicht vom 9. Ab sprechen, sondern von der Zeittrende: das ist die Möglichkeit zur Umwandlung. Am Schluß feiner Ausführungen ging der Vortragende kritisch auf die verschiedenen Strömungen im deutschen Judentum ein, um seirse Darlegungen mit einem Bekenntnis zur echten jüdischen Gemeinschaft zu schließen. —n. gesamte Berliner Kunst braucht: Anschluß Welle. . «o geht er nach Frankreich and Holland. Aber. er persönlich nimmt Fremdes nur auf, um finden und herauszuarbeiren. Früher als i Ausland Erfolg: seine „Netzflickerinnen" der Pariser Weltausstellung 1881 'Aber es treibt ihn zurück in feine Brandenburger Tor, und er beginnt ein^n zähen Kampf nicht für sein« Kunst, sondern für Atmosphäre, Lebensraum mL Boden, auf dcm üb rhaupt erst eine große Kunst gedeihen kann. Berlin war damals keineswegs eine Kunststadt, es fehlst das verstehende, künst. an i>:« große, europäische stärker seine Eigenart zu m Deutschland Hot er im naren der große Clou, auf lorddeutsche Heimat, zum lerisch-aufnahtnebereite Publikum. Schädlichkeiten mußten ausgemerzk^X) norden, bi« selbstherrliche Kunstpolirik und Tyrannei der offiziell Ca Begünstigten mußte bekärr pst werden. Licberm-ann hat nicht umsonst gekämpft, jahrzehntelang Hit er integer, aufrecht, ohne Kompromiß als Führer der Secession un> später als Präsident der Akademie das deutliche Äunftleben organisiert. Ohne Liebermann hätte weder das Berliner Ausstestungswesei, noch der Berliner Kunsthandel ein« so maßzebende und einflußreiche Rolle gefpieli. Der Mensch Liebeomann ist populär. Sein« Witze, feine schlagend knappen Formulierungen werden kolportiert. Auch sein« Malerei ist populär. Bis zu feinem 80. Geburtstag hatte er 180 Porträts berühmter Männer gemalt, darunter Hindenburg, Hauptmann, Dehmel, Fontane, Dirchow: sieht man alle Männer friedlich beieinander oder Frauen Gänst rupfend oder einen Reiter am Strande, so sagt man ,^jieberrnan,i". Der Versierte sagt auch Li. beimann, wenn er einen Garten in fallen Wundern farbigen Blühens genießt. Ein weiter Weg führt vojn den frühen zu den späten Bildern von dem „Apostel de? Häßlichkeit" zu dem 80jährigen Verkünder der Schönheit. Liebermann verwirklicht damit seine Forderung an den Künstler, immer ein Werbender zu sein. Er konnte sich unbeschadet wandeln, weil er mir stefiger innerer Beantwortung der Verwirklichung seines eigensten Klinstwillens treu blieb. In diesem Sinne steht LieHermanns Kunst! und Kunstausfasiung auf einer breiten Grundlage unh verbindet Generationen. Lijebermapn.^tylid .lebendig bleiben. Es wird immer. wieder Zeiten geben,"Äo di« Kumt in schwere Krisen, gerät, wo die Gefahr dreht, daß ihre reine, zweckentrückte Sphäre durch wesensfremde Gesichtspunkte getrübt w rd. Dann wird es aber auch immer Menschen geben, ^sür die der Name Liebermann als Appell an künstlerisches Gewissen und künstlerische Morel wirken wird. So wird der Tot« getragen von best Ruhm einer Welk — noch vor einigen Tagen hat die Londoner, Take-Galerie Liebermanns Selbstporträt gekauft - als LehendiMs weiter >roirfen. * , Dr. Mai garere Stcinbrrfl. %um 70. Geburtstag Ttttdjaef ffvaenfels D:. in ns Mickiael Fraenkel bat es sich zwar v burtstaa am l. Februar beglückwünscht zi Tage spater darf dieser Wünsch wohl unk Tie .vauiitic des Jubilars ist weitest Gemeinde v.-rbl bekannt. Sein Vater kam, nachdem er ein viertel Jahrhundert ren Gemeinde Rvbnik (Oberschlesien) als ilidiichen Gemeindeschule amtiert hatte, in BrcKa». Er gründete hier eine Religio zeitig den Religionsunterricht an den bä der Erkrankung de« Landrabdiners Ti kt ien besondere»'Wunsch und nach Tiktins der Gemeindevorstand interimistisch das er bei der Sreimeyung Tiktins und bei de Racknolger Rabbiner Tr. Rosen thal erschienen. Tie Mutter Michael Fraenksi Berliner Rabbiners C l t a n R o k e n st e Sachs und Jacob Joseph O c t t i binat bildete. Ein Bruder des Iubisi Fraenkel, der bedeutende Orientalist, rius an der Universität Breslau wirkte u schalt entrinen, in der Chrcnreihe des I» der Gemeindeverwaltung unvergessen Sein ältester Solyi führt-di« Tradition seinels Arbeit iort und ist Mitglied des Gemeinde M i ch a e l Fraenkel ist Kauima i Rcigungen führten ibn, von der Almosphgi zu ivisienschaftlicher und literarischer Tä ist"er in seinen Arbeiten »ür jüdische Inter. Iudeuiums eingetreten. :rbete», zu seinem 70. Ge werden --i aber vierzehn criicksichtigtsbleiben. .er. Kreisen j der Breslauer Daniel Fraenkel, der damäls noch größe- Rabbiner sind Leiter der den siebziger Jahren nach sickule und! erteilte gleich, bereu Schulen. Wahrend n vertrat er ihn-auf des- Üode (1886) übertrug ibm giabbinat, Tie Reden, die Cinführrmg von Tiktfns ^1887) hielt,, sind im Truck ls war eine Tochter des i n, der mit Michael gdr das Berliner Radars war S i e g ni u n d f>cr 16 Jahre als Ordinasid, srühzeitig der Wiflen- Friedhofes Lobestaßc ruht. Martin Fraenkel. s Vaters iw der Gemeinde Dorstandesj n von Beruf, aber seine re des Hauses beeinflußt, tsgkeit. Seit Jahrzehnten sie» und uif die Clire des i t Wenn man einzelnes hervorheben wist, so ist die Studie über den Anteil der jüdischen Freiwilligen am Befreiungskriege (1922), die in populärer Form das gesamte Material darstellt, und die in vielen Werken verwertet tioorden ist, beute wieder hochaktuell. Als gebürtiger Obcrschlesier bas Michael Fraenkel vielfach in der Kultur. Zeitschrift „Der Dberschlcner" mitgcarbcitet. Insbesondere hat er Lebensbilder einiger hervorragender Persönlichkeiten veröffentlicht, u. a. des Mediziners Ludwig Traube, seines Bruders, des Chemikers Moritz Traube und der Schriftsteller Mar Ring, Felix Hollaender, Richard Huldschiyer. AbF nicht nur auf jüdische Persönlichkeiten erstreckte sich sein iIntcresig. So vcröfientlichte er im Januar 1917 in der „Breslauer Zeitungk eine für die ibriegszeit hochaktuelle Rede Theodor Mommsens, die in die gesamte deutsche stkrcsie übernommen wurde und in dep breitesten Oesfentlichkcit Widerhall fand. Bon allen Regierungsstellen un» vielen regierenden Fürsten bekam Fraenkel damals Sympathickundacbunaen, si. a. sagt der damalige Kriegsminister v. Stein in'einem jüngeren Handschreiben: „Ihre Gr- »inerung an Rcoitlmsens Rede ist eine patriotische Tat." Michael Fraenkel "ist u. a. auch Mitarbeiter des „Jüdischen Lexikons" und der ersten Bände der „Cnevclopüdia Iudaica". Im Borstand des Breslauer Vereins »iir jüdische Geschichte und Literatur entfaltete er tabrzcbnülang eine fruchtbare. Tätigkeit. Auch an unserem Gcmeindeblatt hat er in früheren Jahren rege mitgearbcitet. Als reifste Frucht literarischer Tätigkeit veröffentlichte Michael Fraenkel die Monograpbic „Jacob Bcrnays" (Breslau 1932), in welcher das Innenleben eines der bedeutendsten Juden durch die Veröffentlichung seiner Freundcskorrespondenz gezeigt wurde. In der Sammlung dieser von Michael Fraenkel ausgesundcnen und zum ersten Mal bekannt gewordetrcn Bnefe befindet üch u. a. ine Stellungnahme Bcrnays' znm Problem der Taufe, die er in einem Briefe an

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