Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 1 (15.1.1935)
- Date
- 1935-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Breslauer 3übi| Bte V ches Gemeindedlatt {jilfsvecein dee peutföm Duden und flustvandeeeefiilfe Der Hilfsvercin der Deutschen Hul'en, öci bis zun» Jahre 1333 für die Huden im Auslände Großes geleistet hat, widmet sich heute t er Arbeit zu Gunsten der deutschen Huben Er hat sein Statut ent prechend abgeändert und entwickelt seit nunmehr IS Monaten eine sehr intensive Arbeit aut dem Gebiete der Ausivand rerberc tring und A»si 'andererbetrcuung Die deutsch-jüdische Auswandcrun; unseier Tage stellt <in völlig neues und überaus kompliziertes Problem dar. Wanderung von Huden aus Deutschland in der sich zablenniüßig auch nicht im entferntsten kann. Die Hntensitär der Auswanderung kommt sehr anschauli h in der Ein neues, weil die Aus- Zeit vor dem Z l.'ltkricge mit der heutigen messen Rat suchenden M nschrn Berlin und im Reick» in Zahl der beim Hilfsvcrein der Deutschen! Huden zum, Ausdruck. Die Zahl der Fälle be irug in den Monaten Hanuar bis Oktober 1334 rund 12 ^00, mit den Angehörigen in deren Hntcressedie Ratsuchenden auf treten, inii ldcstens 30 000 «tfemen. Die Beratung derjenigen, die sich au:> dem Reiche an den Hilfsverein wenden, geschieht im engen Ei»vernchm m mit den Snnagogengemeinden. Seit April 1333 über 100 Stellen im ganzen Reiche in Auswänderungsfragen in Verbindung. Hnsgesamt sind von ihm, ge>echnet von April 1333 bis zur Gegenwart, mindestens 30000 Menschen beraten ,nd mit Hiiformationen aller Art versehen Worten. Denn die inforsti itorische Tätigkeit des Hilfsvercins umfaßt nichi nur mündliche, sondern auch schriftliche Berattmg in Beantlvortung der tausendfach bei ihm eingehenden" Anfragen. 10 300 M.nschrn sind vom Hilfsvercin bei der Auswo iderung auch finanziell unterstützt worden. Wir sagten, daß das ‘ öroblem der deutsch-jüdischen Auswanderung in der Gegenwart ein überaus kompliziertes ist. Dies bängt mit der Wrltivirtschaftskrise zusammen Durch diese Krise ist scbvn die Möglichkeit der E i > rv a n d e r u n g in fremde Länder selbst, dan, aber auch nach erfolg er Einwanderung die Einrichtung, das Sich-El nlcbcn und der Erwert in de- Frcnide außerordentlich erschwert worde i. Dies alles zwingt u einer Fnrsorgetätigkcit größten Maßstabes. Der Hilfsverein sammelt snstemati <t> umfassendes Inforw ationsr material über Einreisebestimmungen, k lima, Land und Leut« Wirtschaftsverhältnisf«, Arbeitsbedingungei, Lebenshaltungskost« t, Erwerb der Staatsangehörigkeit ufw. un > veröffentlicht da» Al ateriain seinen „Korrespondenzblättern über Auswanderung»- und Siedllungswefen." Wie wertvoll diese Arbei t ist, ergibt sich u. a. «u» der Anerkennung, di« di« „Korrespondenz! »lätter" bei Konsulat« », Debörden und Organisationen gefunden haben. Man gewinnt eineir Begriff von der deutsch-jüdischen A iswanderung und von der geschilderten Arbeit te» Hilfsvercins, wenn n an sich vergegenwärtigt, daß der Strom der Auswanderer sich immer stärker »ach Ucbersee richtet. Diese Tatsache ist vom Hilfsverein bereits in seinem Bericht für das Hahr 1333 gebihrend betont worden. <°ie gilt auch heute im gleichen, vielleicht sogar ver tärktcm Maße. Durchschnittlich 120 Mensche', im Monat wird die finanziell e Unterstützung des tzilfs »ereins für Auswanderung nach Uebersce zuteil. Die vorliegenden 2 »träge gehen weit darüber hinaus; aber es fehlm leider noch vielfach die notwendigen Voraussetzungen für die Auswanderer. Rechnet man dir Zahl derer hinzu, die um den Rat bezw. die Hnformationen und Empfeh ungen des Hilfsvercins bei der Auswanderung b tten, ferner diejenigen, ne auf eigene Hniliative nach Uebersce auswand rn können, so gelangt man zu einer Schätzung von annähernd 40( Menschen im M i1 n a t. Rach den Vereinigten Staate, gehen vor allem M: »scheu, die dort >»alt an ihren Verwandten find«». Das gleiche gilt zum Teil für Brasilien. Dorthin und nach , »deren Ländern Südamerikas <A rg en ti n i en, Eb i ie u. a.) gehen neben jüngeren M nschrn auch ältere, zwischen 40 und SO, oft mit Faniilie. Rach Südas r i k a gehen vorwiegend junge Mmschen im Alter von 20—30 Hahren. Die Zahl derer, die dank dein Hilsvercin sich im Auslande, darunter n fast 40 überseeischen Ländern eine Existenz gegründet haben, ist sehr groß. Dieser sta ken Tendenz der Ausivanderer »i< ch Uebersce hat der Hilf» »erein in großzügiger Weise Rechnung getragen, sowohl in seiner persörlichen Hnfvnnakions- und Fürsorgetätigkeit als in seinen- Veröffentlich» ngen. Man »verfe doch nur einen Blick in sein letztes, im August 1334 erschienenes „Korrespondenzblatt über Ausivanderungs- und Siedlungswe en".* Reben 2S europäischen Ländern finden »vi» hier 13 asiatische und 1 afrikanische Länder behandelt (Australien ist lider für Auswanderer > nmer ndCh verschlossen). Dabei wird in überaus »orsichtiger und genauer B nse zu W.rke gegangen, un» unüberlegte Aueivanderungen oder spätere Enttäuschungen noch Möglichkeit zu verhüien. „Die europäischen i )andiverker, heißt es, die nach China konimen, lönnen ihre Position nur durch sehr hohe Qualifikation behaupten" (S. >3). Bei der Betrachtung von B u e » o s-A i r e s z. B. — einem punkt — wird angegeben: Währung, seh- RcF pflegung: Lebensmittelpreise, Kosten der Bekleidung, ortsübliche *> Des B'.at» ist im Büro des Hilssverci >!» öS, Steglitzer Straße 9, Postscheckkonto Bet' Seratungsstelie der Snnagogengemeinde B üerbei auch auf bas Korrespondcnzblatt vr veil dies grundlegende Bestimmungen über »och iminor für die Auswanderung von »vichtigen Auswander »ngsten für Wohnung und Deri!ohn- 0» S der Deutschen Huden, ilitt 33126 erhältlich sowie eslau, Wallstrahe 9 Oktober 1933 h.ngew die Einwanderung enthäl großem Wert sein f&i i und Gehaltssätze, Steuern und Sozialversicherung (S^ 41—42 des erwähnten Korrenfpondenzblattes). Sehr wichtig ist es, daß der Hilfsverein bemüht ist, in Verbindung mit den Eingewanderten zu bleiben, di« ihn nun auf Grund ihrer Ortskenntnisse und persönlichen Erfahrungen mit sehr wertvvllen Auskünften versehen, di« wir auch in den Korrespondenzblättern in Form von Briefen finden. E» find die» lebendig« Schilderungen der Verhältnisse, di« für di« Nachkommenden von besonderem praktischen und moralischen Wert sind. Brief«, di« den Hilfsverein ,.B. au» Kuala Lumpur in Hinterindien, au» Kampala in Uganda, Windhoek in Südwestafrika, Teheran und M «f ch « d in Persien erreichen, liefern beredte Zeugnisse für di« Pionierarbeit, di« dort geleistet wird. Aber auch au» alten Einwanderungszentren, au» Aew-Pork, Duenos-Aire», Rio de Janeiro, Sao Paul», Johannesburg, Kapstadt usw. kommt Aachrich^von Neuankömmlingen, di« bereit» imstande sind, di« in der Heimat zurückgebliebenen Familienmitglieder nachholen zu lassen. Dl« Umstellung ist oft überaus schwer, di« neuen Lebensbedingungen sind außerordentlich hart, aber der Will«, sich zu beehren, ist stark. Jüdische» Leben entsteht, wo «» längst fast verschollen war, z. D. in Zentralamerika und Persien und in neu sich erschließenden Ländern wie K « n j a (Britisch-Ostafrika). Wo jüdische Mmschen leben, sei es in Gemeinden oder auch nur einzeln, finden die neu Einwandernden vielfach bei Glaubensbrüdern Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen. Und »venn solche Personen, denen durch den Hilfsoerein ein guter RatTrteilt »vurde, ihn» aus der Ferne ihrerseits helfen »vollen, andere zu beraten und zu st.ützeiw so beweisen sie ihren unbeirrbaren starken Gemeinschaftswillen. I Außer nach Uebersee geht eine Auswanderung nach —kontinentale» europäischen Ländern; aber es muß gesagt werden, daß die Aussichten für eine dauernde Riederlassung in Eiwopa angesichts sehr streng gehandbabter Aufenthalts- und Arbeitsverbote äußerst gering sind. Unter den meist jungen M rischen, die sich nach den kontinentalen Ländern begeben, machen diejenigen, die zu Ausbildungszu'ccken — für Zwecke der Hachscharah — nach denöstlichen Nachbarländer» und auch Berlin n der sei «sei, die neu. DRUCKEREI SCHATZKY INHABER, HELLMUTH UND ERICH SCHATZKY U nsere neuen Setriebsräume befinden sich von etwa Anfang Februar 1935 ab Gartenstraße 19 (in den früheren Räumen der Druckerei SCHENKALOWSKY) Bis dahin bjeibt die Drucksachen- Annahme Neue Graupenstraße 7 Fernruf Nr. 244G8 und 24469 Lieferung aller Drucksachen für den laufenden Tagesbedarf wie für Werbung und Organisation in bekannter Leistungsfähigkeit und Preiswürdigkeit. DRUCKEREI SCHATZKY INHABER: HELLMUTH UND ERICH SCHATZKY BUCHDRUCK - STEINDRUCK OFFSETDRUCK