Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 19 (15.12.1934)
- Date
- 1934-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Breslauer 8 üdlsches Gemeindeblatt 3 und dem Vortrag Trude Vehrs weitest entgegen: man kann bessere Interpretin kaum denken. Zwar ist ihr Organ nicht groß, aber es besticht immer wieder Lurch seinen Tiaren, ebe Fluh: dazu kommt eine so natürliche Art des Sich-Gebens, auch jenseits der musikalischen Leistung gefesselt wurde. ,2* Begleitung der Herren Kurt Havelland. Boris Kro Godfricd Zeelander war bei aller Zurückhaltung doch ich «ine besonders nsnähigen ' aß man e Trioyt und ungemein plastisch. Dennoch war die Brahms-Jnterpretatimi Trude Behr^s ein noch gröherer Erfolg, vielleicht auch, weil sie stiptmlich mehr aus sich herausgehen konnte. Bon der Gedankentiefe dieser Lieder (vor allem „Bitteres zu sagen", „Unbewegte laue Luft" und „Spanisches Lied") wurde auch der letzte Rest erschlossen, und es war, mit Havel land am Klavier ein Duo, das dem kammermusikalischen Charakter des 'Abriss nichts schuldig blieb. Martin H a u s d o r s f. Gljanutfafeiecn in Vteslau Anläßlich der Chanukka-Tage traten eine Anzahl üdischer Organisationen mit festlichen Veranstaltungen vor die füdische Oeffentlichkeit, die, teils der Geselligkeit gewidmet, fast überall aber cuch mit wertvollen künstlerischen Darbietungen reichlich ausgestattet waren. Der Tou re n-Rude r -Club beging am l. DTzemier fein Winterfest, welches sehr gute Beteiligung auswies und einen ille Ertvartungen befriedigenden Verlauf nahm. Lilly -Sandberg tanzte graziös und temperamentvoll, tanzte aus Gefühl und Besinnlichkeit heraus und fanö den stürmischen Beifall der Zuhöi erschaff. Einen großen Erfolg' für die veranstaltende Organisaüon bedeuteten die Chanukka»Feiern des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten am Nachmittag und Abend des 2. Dezeriber im Freunde-Haus. Schon am Nachmittag, welcher den Kindern g widmet war, hatten sich etwa achthundert Teilnehmer eingefunden: g oß und klein kamen dabei voll auf ihre Kosten. Zur abendlichen Feier erschienen 1200 bis 1500 Teilnehmer, so daß im ganzen an diesem Tage etwa 2000 Personen die Feierlichkeiten besuchten. Die Veranstaltung begann — zur Nachahmung dringend empfahlen — pünktlich, fast mit dem Glockenschlage 8.30 Uhr. Die Feier war in einen religiösen, einen künstlerischen und einen geselligen Teil gegliedert. Harmonium- Vorspiel von Organist Schösser ausgeführt, eröffnet« den ersten Teil des Abends, die eigentliche Chanukka-Feier. Dann erfolgte das Lichteranzünden durch Kantor Toppe r^ Rabbiner Dr. Sänger hielt die Festansprache und behandelte vor allem das Verhältnis zwischen Kämpsertum und Friedenssehnsuchs, das in engem seelischem Zusammenhänge stehe. Der künstlerische Heil zeigte, daß der Bund in seiner Ankündigung nicht zuviel versprechen hatte.' Lotte Rosenbaum-Schwarz' Rezitationen, Lotte Läufers Gesang, Alfred Salzmanns Vortrage waren Darbietungen besten Ranges. Auch Alfred Salzmanns und seiner Partnerin Tanzkunst fanden viel Beifall. Weiter konnte auch bei dieser Gelegenheit Lilly S a n d b e r g sich als Vühnentänzerin besten Stils erweisen, die nicht nur Geschmeidigkeit mit Anmut verbindet, sondern auch voll von Ideen ist und diese Ideen tänzerisch in die rechte Tat untzusetzen versteht. Sehr gut gefielen ferner die Vorführungen der Turner und Turnerinnen sowie der Keulenschwinger, die von Mitgliedern der Sporlabteilung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten gezeigt wurden. In kameradschaftlicher Herzlichkeit verfloß das gesellige Beisammensein. Die Staatszionisten veranstalteten ihre Chanukka-Feier am 5. Dezember im Restaurant Kornhauser; Nach dem Lichterzünden las cand. cheol. Sud eindrucksvoll Gedichte -Salomo Gabirols in hebräischer Sprache, Dr. Kleiner rezitierte fesselnd eine Dichtung von Jehuda Halevi in deutscher Uobersetzung. Die Festrede hielt Dogent Dr. Radin. Sie befaßte sich mit der Symbolik der ChanwkkaEichte und fand sie darin, daß bei der Auseinandersetzung zwischen Hellenismus und Judentum, — dem eigentlichen Sinn der Mwkkabäerkämpfe, die, wie der Redner ausführte, nicht etwa lediglich einen Krieg zwischen Syrien und Juda banstellen — die göttliche Heilslehre chre Kraft erwiesen habe, und von da aus ,zum segensreichen Lichtfür die Menschheit geworden sei, Das Chanukka-Fest erinnere an «ine Entscheidung, di« für die Entwicklung der Weltkultur von grundlegendster Bedeutung war.! Die Gesellschaft „Brüder und F is e u n d e" E. B., die seit der Gründung vor hundert Jahren der Tenden; in bezug auf Wohltätigkeit bis auf den heutigen Tag Treue hält, beging das Chanukka- Fost am 2. dieses Monats in ihren Räumen, Schweidnitzer Stadtgraben 9. Nach einer Begrüßungsansprache des zweiten Vorsitz«rü>en Herrn L ou i s G o ld st« i n und dem feierlichen Akt der Lichterweihe durch Herrn Oderkantor Wartenberger hielt Herr Rabbiner Dr. Halpersahn die Festrede, in der er auf die Bedeutung des Chanukkafestes hinwies. An eine große Anzahl Kinder wurden nun (beschenke verteilt, worauf sich fröhliche Unterhaltung mit künstlerischen Darbietungen anschloß, die von Herrn Josef Fischet geleitet, die Anwesenden noch einige Stunden zusammetthielt. Erich G u t t st ad t fand wieder besonderen Beifall. Kultur freie: (S^anuita* Kinder nac^mittage Kinder-Theater und Kinder-Kleinkunst, Kinder-Orchester und Kinder^Ballett und die ach so würdigen Großen, die die Sache in Schwung bringen sollten: alle waren mit Feuereifer bestrebt, den Chanukka-Kindernachmittagen zu vollem ErfcKg gu, verhelfen. Dabei war die Veranstaltung (wir besuchten dem ersten Nachmittag) durch Erkrankung einiger Mctwirkender, die absagen mußten, erschwert, und das ursprünglich vorgesehene Programm wurde fast in letzter Minute abgeänüert. Um so mehr ist die Leistung anzuerkennen. Ein nettes Chanukka - Märchenspiel „Schlemielchen und Königin" von Rose T r e i t e l, das Georg Prinz szenisch ansprechend bearbeitet hatte, bildete den Auftakt. «Die kleinen Darsteller hatten ihre Rollen gut ersaßt und wurden sehr bejubelt. Drei graziöse Kinderballetts, von Hilde M a n a f s e einsttüüert, und die reizvollen Bühnenbilder Kurt L e u n e r s, der auch Pegie führte, erhöhte di- Wirkung. Dazu kamen anmutige Kostüme. Die musikalische Begleitung stellte «in Kinder- Orchester, das Werner Sander einftudiert hatte: für ihn (er joar erkrankt) sprang Hilde Manafse im letzten Augenblick als Dirigentin «in. Es wurde exakt und liebevoll musiziert. — Hertha Bille veraesscN Sie nicht die noch rückständigen Bezugsgebühren für das Breslauer Jüdische G^meindeblatt alsbald auf unserem Büro einzuzahlen bezw. uns auf unser Postscheckkonto Nr. 02095 zfe überweisen. Schon in den nächsten Tagen wrird die Post mit der Einziehung der Bezugsgebühr für das I. Quartal 1935 beginnen. Wir bitten um prompte Einlösung, damit keine unliebsame Störung in der Zustellung der Zeitung entsteht. Im llebrigen verweisen wir noch einmal auf die. in Nr. 18 des Breslauer Jüdischen Gemeindeblattes beigelegte Benachrichtigung. Diejenigen unser Bezieher, welche die Bezugsgebühr bereits über den 1. Januar 1Q35 hinaus bezahlt haben, werden von der Einziehung der Beiträge durch die Post zunächst noch nicht erfaßt. - — Der Verlag. Arno sang drollige Kinderiieder von Reinecke und Taubert und konferierte sich selbst. Zuerst etwas besangen, verstand sie es dann, mit Wort und Ton die Herzen der Kleinen zu erobern. Sie konferierte auch den dritten Teil ,Jm Lichte der Menorah", der Kinderkleinkunst in lobenswerter künstlerischer Form. bot. Es wurde entzückend getanzt und reizend gesungen. Kurt L e u n e r,° der auch hier die Regie führte, hatte einen ausgezeichneten Einfall, am Schluß eine lebende Menorah auf die Bühne zu stellen, und die Klänge tzes Moaus.zur" beschlossen den Nachmittag. Die musikalische Begleitung Hertha Arnos und der Kinder hatte — ebenfalls in Vertretung Werner Sanders — Se 1 ma Wolf- Soberski übernommen. Das Ganze war ein Erfolg, und der Kulturkreis darf auch mit seiner zweiten Kinderveraifftaltung zufrieden sein. ‘ K. Schw. Vortragsabend Cudtoig tjardt Der Verband jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit hatte Ludwig Hardt (Berlin) zu einem Vortragsabend verpflichtet, der den großen Vortragskünftlrr nach längerer Abwesenheit wieder einmal nach Breslau führte. Zu Beginn des Abends zündete Kantor Topper die Lichter, und cand. theol. Schön sprach in fesselnden Worten — und las sehr eindrucksvoll hebräisch — von Chanukka als dem Feste der Traditton. Dann las Ludwig Hardt und schlug mit den ersten Sätzen die Zuhörer in feinen Bann. Der Künstler offenbart eine Einfühlungskraft. die das Kunstwerk bis zur Neige ausschöpft. Er tritt hinter seinem Stoff voll zurück, und die Personen, di« er schildern will, erwachen zum Leben. „Die alte Frau Nußbaum", die aus Wien, wo sie der großen Enttäuschung ihres Lebens begegnet, nach ihrem Dorfe zurücksährt, — Jakobs erste Begegnung mit Rahel (Thomas Matm) in der ganzen vibrierenden Farbigkeit des Vorgangs, — den groben, ungeschlacht polternden und maulenden Riefen Goliath (Matchias Claudius' f.Geschichte von David und Goliath): die drei so ganz ver-