Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 19 (15.12.1934)
- Date
- 1934-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3970005-7569528-7569743--2148-3972004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Breslauer Jüdisches Gemeindebla t-t Nr. 19 ch: fchiedenen Szenen wirkte» in der gleü baren L:bens. das Ludwig Hardt einsä es findet, und immer gestaltet er es brachte hauptsächlich Peter 'Altenbekg i das Leben verliebt. allzu verliebt" war, von Hosmannsthal einmal sagte. Ludw berg verliebt, in seineunzähligen Äuge in prägnantem, unübertrefflich knappenii n Ursprünqli i t-gt und packt, interessant. I Richard Englc wie sein La g Hardt ist nblicksbilder til kraft ichkeit unmiittel wo imitier er er .zweite . Teil c nder), der» „in idsmann Hugo i Peter Plten s Lebens die und liebevoll, paula <&cünf M, 0;t unserer Stadt lebt, sehr in der Stille, fast ängstlich sich von der Außenwelt abschließend, eine Frau, die mit ei icm Sinn^ für Farben begabt ist, der selbst bei Künstlern nicht allzu häufig in sqlchrr Bollkommenheir angelrcffen wird: Paula Grüns«!d.! Wer in ihr stilles kleines Reich einiütl. trifft selriime Dinge an: Schmetterlinge, allerlei Steine und Mi uralten, Melillc, Muschely, Gläser, Federn, gläserne Bassins, lockte, schweben >e und dichte, schwere Skoffgemebe, lebend» Pflanzer und dancäen' metallene .blumenarlige Gebilde, die in den Farben gewalzten und gezogenen Kupfers glänzen und in seltsamer Weile mit den Blüte: i und Stengeln der Ratur kontrastieren. Alle diese Ding» sind im Raume veisieilt, stehen und liegen hier und dort, zwischen Aquarellen ui d Zeichnungen, Pastellen and Oelbildern von der Hand der Künstlerin. Dieser Raum wirkt wie ein kleines Raritätenkabinett der toten und ebenden/Natur und erinnert ein wenig an die Laboratorien der Alchimisten! des Mittelalters, Und ein Laboratorium ist Paula Grünselds Atelier in der Tat, Aber hier wird nicht versucht, durc) die Kräfte t es Feuers da) Verschiedene zu einem Reuen zu verschmelzen. San wre /Gewalten, aber nichtsdestoweniger überaus wirksame, sind hier ans Werk und werden demjenigen offenbar, der zu schweigen und;u sehen -weiß. Der tote Stein, die verlassene Muschelschale, der siitzernüe kllasicherp, die auigelciene Feder - jedes für sich ein totes,,- zw, cklos gewordenes, sinnloses Ding sind hier zu größeren ..Individuen" aufgehen,, und weil zwischer diesen Emzelede Gesellschaft ausmacht: zueinander in Beziehungen Gesellichairen vereinigt, in denen die durch die sic ein neues Leben erhalten, dingen etwas sichtbar wird, was Beziehungen! Wer willen will, wie, die Dinge treten können: wer wissen will, wie die! untereinander verschiÄienste» Stoffe der Ratur und allerlei vom Menschen sser gestellte Stoffe sWerkmaterialien aller Art) zwanglos si^h zu Berwanr lengruppe^i zusammenichließen, der trete an eins D4er kleinen/Bofsins in denen Steine, Pilanzen, Muscheln, Schwimmkörper aus Glos sich vereinigt humorvoll und!eindrucksnah ausgezeichnet sind, ebenso sehr, wie in lein krauses Lehen, das zahllose Anekdoten erhalten haben. Daher war dir temperamentvolle Wiedergabe Altenbergs (Skizzen, Aphorismen, Priese und Anekdoten um den Dichter) durch Ludwig Hardt besonders liebevoll nachschassend. Der ausverkauste Saal spendete stürmischen Beifall: trotzdem war Hordt zu Zugaben nicht zu bewegen. Kurt Schwerin, die $acb ^atmonifeem oder kleineren Dre 3$efjandlung jüdifdfet Tut ectulofetcanfet ttt jüdtfdjen CungentjeVflätten Die Zentralwchlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin. veröffentlichte im Breslauer Jüdischen Gemeindeblall ine Mitteilung über Hellstättenbehandlung jüdischer Tuberkulöser. Tiefe Mitteilung ist durch folgendes zu'ergänzen: J Kranke, welche die Kur aus eigenen Mitteln befreiten, können sich unmittelbar mit den Heilstätten in stBerbindung s lzen. Wer dagegen die Kurkosten gar nicht oder nur teilweise a isbringen kann, muß sich, vorausgesetzt, daß er der Breslauer Syn »gogenge'meinüe .angehört, an das hiesige Jüdische Wohlfahrtsamt isenden. Es ist unzweckmäßig, daß unbemittelt« Kranke! sich unmittelbar an die Zentrakwohlfahrtsstelle dsr deutschen Juden in Berlin cdei an die jüdische Tuberkulosefürsorge Berlin wenden, wsil diese Stell« n Anträge: aus Breslau dem hiesigen -jüdischen Wohlfahrtsamt zur! Bearbeitung ,zurücküberweisen. Das Breslauer Düdisihh Wohlfahrtsa nt läßt die Anträge durch einen besonderen Ausschuß prüfen und, f ills sie Aussicht auf Genehmigung haben, nach Berlin weiterleiten. Durch unmittelbare Uebevsendung der Anträge nach Berlin ron feiten der Kranken eMsrehr also Leerarbeit und Zeitverlust. Auch Kranke aus der Provinz Rönnen chre Anträge an das Breslauer Jüdische Wohlfahrtsamt richten. — Di« Ku antröge können entweder schriftlich beim Jüdischen Wohlfahrtsamt, W< llftraße 7, oder mündlich in einer besonderen, Schweionitz-r Stadtg: aben 28, stattfindeNden Sprechstunde (Montag von 15| bis 16, Donm rstag von 8 bis 10 Uhr) gestellt werden. Die Prüfung der Anträge, durch den oben erwähnten Ausschuß geschieht im wesenllichen nach de) Richlliyien der staatlichen Bersicherungen (Landesoersillerungsaniftalk und Reichsver sinden. Er wird die Wunder der Wirkungen des vereinigenden Lichts und der bindenden Lichtträger, zum Beispiel des Wasiers, erkennen. Lichtbeziehungen, farbige Beziehungen herzustellen und sichtbar zu machen, darist besteht die stille Laboratoriumsarbeit Paula Grünfelds... Was!fie auf dem Wege der Versuche, des Bastelns und Probierens gefunden und erfunden hat, reicht hin um eine ganze Farblehre auszüfüllen, wäre Stoff für ganze Lehrgänge, wäre übcriciche Illustration zu einer neuen Farb-Harmonielehre. Ein Mensch, dem es infolge eines unerhört verfeinerten Sinnes für Licht und jFarbe gelingt, das materiell Entfernteste und Verschiedenste sich ijn Licht und in der Farbe vereinigen zu lassen, wird mit den Wevkstoffen der bildnerischen Techniken nicht in konventioneller Weise umgehen, lind so ist denn Paula Griinfelbs malerisches Werk alles andere als konventionell. Da ist nichts von Akademismus. Nichts von bereits Dazewesenem. Langsam und mühsam entwickeln und vollenden sich di: kleinen Werke als Amalgationcn von Farbstoffen, Bindemflkteln, llntergründen unter der Handhabung verschiedener Auslrags-rherkzeuge, ' i Malstoffe und Malweisen sind von Anbeginn so gewählt, wie sie dem „Sujet", der inneren Anschauung jeweils am vollkommensten entfprechem Uijd das Ergebnis ist der Einklang von Inhalt, Komposition, Farbe; Ist die reinste Entsprechung von Geistigem in der Materie. Wenn die, stosfliehen Gegebenheiten, die wir „Farben" nennen, lebten und die .Möglichkeit und die „freie Entschließung" hüllen, ein ander aufzusuchen und sich zu Gebilden zusai^menzusügen, die wir „Bilder" nennen, so denken wir, würden sie es so tun, wie es Paula Kriinfeld für sii und mit ihnen tut, Paula Grünfelds „Farben" sprechen miteinander, kennen einander, agieren und harmonieren miteinander. Paula Grünfcld ist eine Meisterin der Farbe und eine Färb Harmonikerin.*) R. i * *) Anmerkung: Am Sonntag, den 16, Dezember, 11 Uhr. findet in Pausa Grünfelds 'Atelier, Rikolaistaütgraben 22, II, eine Führung statt,! sicherungsanstakt für Angestellte); der wichtigste Gesichtspunkt ist die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Daß bei der schwierigen Finanzlage der! Breslauer Synagogcngemcinde nur eine geringe Anzahl von Kuren durchgeführt werden kann, ist selbstverständlich; im allgemeinen wird die Höhe der Kurkosten im Publikum -weit unterschätzt, während di» zur Verfügung stehenden Mittel in oft geradezu unoerständlichei; Weise über schälst werden, Bon den Heilstätten, die die Zentralwohlsahrtsstclle in ihrer Mittellung erwähnt, ist ergänzend zu sagen, daß die M, A. v. Rothschildsche, Heilstätte Nord rach (Schwär, zwald) in sehr waldreichem Mittelgebirge liegt; die Kuranstalt für Israeliten in Soden dagegen liegt in ausgesprochen niedrigem Mittelgebirge. Es bestehen daher zwischen beiden Anstalten klimatische Unterschiede, die jedoch für die meisten Kranken von geringer Bedeutung sind. Dr. A. Landsberger. Konzertverlegung. Das unter Förderung des „Kulturkreises, Gemeinschaft der Freunde jüdischer Kultur" auf den 15. Dezember angesetzte Konzxrt auf zwei Klavieren, Joseph Schwarz — Irene W e i ß e nb e r!g, muß wegen noch nicht behobener Erkrankung Joseph Schwarz' nochmals verlegt werden. Der Meister hat sich einer Operation an her rechten Hand unterziehen müssen. Das Konzert wird nunmehr Anfang März stattfinden; der genaue Termin wird noch bekanntgeaeben werden. Sämtliche gelösten Eintrittskarten behalten Gültigkeit. Aus S a i) a a, der Hauptstadt des Jemen, wird gemeldet, daß der Oberrabbinvr des Jemen, Rabbi Jechia Aoiad, gestorben ist. Er erreichte «in Alter von 65 Jahren. 010102000200000000010101532302020001000001530023