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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-11-29 · 18 (29.11.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
18 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I Nr. 18 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt ^weites fibonnements-Konkret des Judtfifien Ttlufilveveim Wenn jemals in Dingen der Kunst gegenseitiges Verstehen notwendig war, so ist es jetzt bei der Gestaltung unseres Breslauer jüdi- ' scheu Musiklebens der Fall. Ein großer Teil des Publikums, von früher her verwöhnt, möchte fast ausschließlich Symphoniekonzerte hören und bedenkt gar nicht, daß das dem Musikverein zur Verfügung stehende Orchester, obwohl es sein« Feuertaufe glücklich bestanden? hat, doch erst im Aufbau begriffen ist und daher mit einem Repertoir . ( im üblichen Sinn noch nicht aufwarten kann. Di« Veranstalter dagegen müssen mit der verschiedenartigsten Zusammensetzung dieses Publikums rechnen und, trotz der Bindung durch Abonnements, danach streben, es mir Neuem und immer wieder Neuem zu fesseln. So entstand seinerzeit der Plan, Orchester-, Chor-, Kammermusik- und Solisten-Konzerte abwechselnd einander folgen zu lassen; bis jetzt haben die Veranstaltungen gezeigt, daß man damit auf dem richtigen Wege ist. Das zweite Abonnements-Konzert war «in Lieder- und Klavierabend; der von Herta Glück mann (Breslau) und dech Berliner Pianisten Bruno Eisner bestritten wurde. Die Sängerin brachte im ersten Programmteil Schumanns „Frauenlieb« und -leben" zum Bortrag. In Anbetracht der Dichtungen Chamissos, di« unserem heutigen Empfinden nicht mehr ganz entsprechen, war di« Wahl dieses Zyklus, «in gewisses Wagnis; aber die Musik ist so herrlich, daß sie einen stets von neuem gefangen nimmt. Frau Glückmann, die schon vor Jahresfrist Proben ihrer künstlerischen Reise gegeben hat, bot mit z diesem Werk «ine in jeder Hinsicht überzeugende Leistung, da bei ihr gerade für den Ausdruck des Sinnens und Sehnens di« günstigsten stimmlichen Voraussetzungen gegeben sind. Der Ton ist selbst im Fort« Ü durchaus nicht üppig zu nennen, umsomehr aber -imponiert sein absolut sicherer Sitz; vortrestlich gepflegt sind Aussprache und Atemtechnik.. Auch den Gesängen Hugo Wolfs kam das zugute, die immer noch zu. den Kostbarkeiten der Liedliteratur gehören. Die Klavierbegleitungen Kurt Havellands waren «in künstlerischer Genuß für sich. Der Pianist Bruno Eisner halt« das Konzert mit einer der weniger bekannten Mozartschcn Sonaten eröffnet, deren figuratives 1? Rankenwerk er ungemein delikat in Klang umsetzte. Eisner ist, wie man mehrfach seststellen konnte, kein^ analytische Natur; seine Stärke I liegt in der Darstellung kleinerer Forme», die ja nur selten in die > Tief« dringen und deren besonderer Reiz in der Betonung des Spiele-, rischen zu suchen ist. Darum wurde das Pastorale Domenico Scarlattis, obgleich hier nur «ine Zugabe, zum künstlerischen Höhepunkt, während solch grandiose Stofse wie Beethovens 32 Variationen c-moll und Chopins As-dur-Polonaise zwar außerordentlich bravourös, aber keineswegs mit letzter Klarheit und Eindringlichkeit dargeboten wurden. Daß Eisner statt der Chopinschen b-moll-Eonat«, auf die man sich innerlich vorbereitet hatte, andere Stücke des polnischen Meisters spielt«, war durch nichts begründet; den Trauermarsch allein mußte man als einen Verstoß gegen die Aesthetik empfinden. Eisners pianistische Kultur, die in einem hauchzarten Pianissimo-Anschlag gipfelt, bewunderte man vor allem bei der Wiedergabe des Nocturnes Des-dur. Martin Hausdorff. $au${on$ect Der Verein der Oberschlesier zu Breslau veranstaltet für feine Mitglieder von Zeit zu Zeit musikalische Abende, bei denen im allgemeinen namhafte Kräfte mit recht anspruchsvollen Programmen austreten. Eine besondere Bedeutung, hatte das letzte dieser Konzerte, das Mitte November im gut besuchten Dereinssaal, Tauentzienstraße 12, stattfand: denn am diesem Abend trat Kurl Havelland, der Orchesterdirigent des Jüdischen Musikvereins, erstmalig als Pianist (mit! Solowerken der Klavierliteratur) hervorl Er batte sich den Walzer As-bur und die ganz zu Unrecht etwas ver- Wir bitten zu beachten! IIlI>ll!lllIl>!II!IIII>III>IllI»!I»»»!!IllIllI!lI!!lllll»lIllIi»l!I»IllI!lIlIIlI>lI>l»ll!!I!lll»»llIiINlllIlllIlIllll Die Abonnementsgebühren für das Breslauer Jüdische Gemeindeblatt werden ab 1. Januar 1935 durch die Post eingezogen. Näheres enthält eine in der heutigen Nummer enthaltene Sonderbeilage. »achläfsigte Ballade g-moll von Chopin gewählt und er spielte beides äußerst bravourös und im übrigen mit solch seinneroigem Anschlag, wie man es in Breslau feit langem nicht mehr gewöhnt war. In seiner Darstellung lagen nicht nur die für diese Stücke erforderlichen technischen, sondern auch erhebliche geistige Werte. Den Hauptteil des Abends füllten di« Gefangsvorträge Ruth Adlers aus. Mit d«n Liedern von Beethoven und Schubert hatte sie sich eine keineswegs leichte Aufgabe gestellt; diese Lieder sind abslllut schlicht gehalten,! und es gehört ein« starke Einfühlungsgabe dazu, um hier den richtigen Seelenton zu treffen. Fräulein Adler, welche stimmlich ausgezeichnet disponiert war, fand chn vor allem in Beethovens „Mit einem gemalten Bande" und, noch wesentlich überzeugender, bei Schubert („Gott im Frühling" und „Rastlose Liebe"). Später erwies sie sich als eine begabte Interpretin zweier Kinderlieder von Moufforgfki, aber auch der temperamentgeladene .^hopak" des Russen Erfuhr eine charakteristische Wiedergabe. Havellands Klavierbegleitungen trugen natürlich ein gut Teil zum Gesamterfolge bei. M. H.' .....IIMIIIIl.im|„ Soziale Gruppe Ginweiljung dev neuen Bäume | j Die Soziale Gruppe beging am 19. November, anläßlich der Eröffnung ihres neuen Heims, Schweidnitzer Straße 37, das schon seit einiger Zeit in Benutzung ist, eine schlichte Einweihungsfeier. Die Vorsitzende, Frau Edith Cohn, leitete die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache «in, in der sie auf die Ziel« der Sozialen Gruppe und di« Bedeutung hinwies, welche der nunmehr so verpesserten Unterbringung innewohnt. Im Mittelpunkt des bescheidenen Festakts standen künstlerische Darbietungen. Hertha Pinczower brachte Gesangsoorträg« verschiedenen Charakters zu Gehör —r eine Arie oün Meyerbeer, Lieder und Chansons — und bewies, daß ihr wohlklingendes, kultiviertes Organ auch sehr anspruchsvollen gesanglichen Aufgaben in jeder Beziehung gewachsen ist. sowie daß sie den Inhalt des Kunstwerkes unter echt künstlerischen Aspekten zu erfassen .versteht und darum auch eindrucksvoll zu gestalten weiß, so daß die ihr vom Auditorium im reichsten Maße gespendete Anerkennung «in« wohlverdient« war. Di« verständnisvolle Begleitung am Flügelldurch Egmont Pollak bot der Sängerin bei ihrem Werk« wertvollen Beistand. Curt Peiser las, in der Rezitatton klug zweckvoll ^interpretierend, aus eigenen Werken ernster und heiterer Art und gewann besonders mit den letzteren den herzlichen Dank der Zuhörerschaft. AnnelieseKlein stellt« sich dem Publikum mit mehreren Tänzen vor, für die sie stürmischen Beifall erntete. K1R E/lie Cebensfrage fäe den Berliner Kulturbund deutfdjev Juden Die Stadt Berich hat den Gebäudekomplex in der Charlottenstraße, zu dem das „Berlin«^ Theater" gehört, «rwyrben.^ Der ganze Gebäudekomplexf soll abgerissen und an seiner Stelle sollen Grohgaragen errichtet werdey. Das „Berliner Theater" war ursprünglich für einen Zirkus erbaut und dann später zu einer Variete- und Operettenbuhne umgestaltct worden. Den jetzigen Namen erhielt es mit der Uebernahme der Direktion durch Ludwig Bar-nay. Seit dem Herbst 1933 äst es vom Kulturbund Deutscher Juden" für sein« Veranstaltungen benutzt worden. Di« Intendanz-des Kulturbundes Deutscher Juden teilt hierzu Mit: Zu den in der Presse erschienenen Nachrichten über di« Versteigerung des Berliner Theaters teilen wir mit, daß der Kulturbund deutscher Juden sowohl vertraglich wie baupolizeilich zunächst bis zum Ab laufdieser Spielzeit das Recht hat, seine Theatrraufführungen sortzusetzen. Verhandlungen wegen der nächsten Spielzeit sind sofort «isigeleitet worden. * Die Royal Society in London hat dem bekannten jüdischen Physiker Dr. W. I. he Haas, Universitätsprofessor in Leyden, für seine Forschungen auf dem Gebiet der Eigenschaften der Körper bei ttefen Temperaturen di« Rumford-Medaill«, eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen auf dem Gebiet der Physik und Chemie, verliehen. r

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