Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-11-29 · 18 (29.11.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
18 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3970005-7569528-7569742--2131-3971988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

4 Breslauer 8üdisches Gemeindeblatt Nr. 18 (£tn Qandmezteausfdfuß öez Tteidjs* oeztzetung 1 Die Reichsoertretung der deutschen Juden teilt mit: Einer Anregung des Jeakraloerbande» jüdischer Handwerker Deutschlands folgend, hat die Reichsoertretung unter Würdigung der Vedeutung. die gerade in der heutiges Zeit dos Handwerk für die jüdische Gesamtheit gewonnen hat, eineu besonderen Ausschuß zur Behandlung aller mit dem Handwerk zusammenhängenden Fragen eingesetzt. Den Vorsitz führt! das Mitglied de» Präfidialausschusses der Reichsoertretung. Rechtsanwalt Dr. Rudolf isallmann- Köln, den stellvertretenden Vorsitz der vorfiheude des vier ein» selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Louis Wolfs. Ruzfe fäz tonfezvatwen TXeligfow untezzidfjt Der Preußische Landesverband üdischer Gemeinden hat beschlossen7 einen besonderen Kursus zur Erlangung der Befähigung, jüdischen Religipnsunterricht zu erteilen, für k zurichren, falls -eine genügend große Zahl von Anmeldungen erfolgt. Zur Teilnahme sind, ebenso wie an dem bereits bestehenden Kursus, nur solche Herren und Damen bercch igt, die eine staatliche Lehrerprüfung abgelegt haben. Der Kursus soll gegebenenfalls ebenso wie der bereits laufende, in Berlin an zwei Nachmittagen!pro Woche im Umfange von je zu»ei Doppelstunden statlfinden und'zhrei Jahr« dauern. Anmeldungen konservativer Bewerber werden an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, erbeten. . j Kultur freie / <8emeinf(fjaft jüAifdjee Ri i Beranstaliungen, die unter der Breslau statlfinden:? öee freunde Hut j Förderung des Kulturkreises zu Anfang Dezember: Berlin. Vortrag Rabbiner Dr. Leo Baeck, 8. und 9. Dezember: Zwej Ehanukkah-Kinder-Nachmittag«; im großen Same des Dereinshaufes,! Kürasfierstr. 15. Aus dem Programm, das unter dem Motto: .Kchder machen Theater . . / aufgebaut worden ist, nennen wir «in Ehanukkahmärcherifpiel „Schlemihlchen und Königin" von Ros« Treitel, in Szene gesetzt von Georg Prinz, mit Bühnenbildern und Kostümen opn Kurt Leuner. Tänze studierte Hilde Manasse ein. Bühnenmusik, oon ieinem Kinderorchester gespielt, leitet Werner Sander. Es folgt hierauf ieine originell« Puppenpantomime nach einer Idee von Lotte Rofenbaüm, in Szene gesetzt und bühnenbildnerisch ausgestattel von Kurt Leuner. Die Musik wurde von Warner Sander zusammengestellt, des hierbei das Kinderorchester und } einen Kinderchor leitet. Tänze studierte Hilde Manafse ein. Um den großen Andrang des ersten Kindernachmittags zu vermeiden, sind zwei Nachmittag«, am. Sonnabend und Sonntag, aber auch ein« Nummerierung der Tische vorgesehen. Es tönnen demzufolge nur im Rahmen der vorhandenen numerierten Plätze Karten ausgegeben werden. Dies« sind bei Brandeis, Karlstr. 7, Horwitz, Karlsplatz 3, und Lichtenstein. Kaiser-Wilhelm-Strahe 39, erhältlich. Ermäßigte Eintrittskarten für di« Mitglieder des Kulturkreises pur in der Geschäftsstelle, Kaifer- Wllhelm-Straße 40. - | I Am 10. Dezembe r> findet ein! höchst origineller Kleinkunsta b « n d des Kulturbundes Deutscher Juden mit BreslauerKünstlern und Mitglieder des Ensembles des Berliner Kulturbundes statt. Im Stil« des berühmten „Wauen Vogels" kam in Berlin vor kurzem unter der Leitung von Nicolai Eljaschoff der .festliche Bilderbogen, sechs jüdische Bolkrbilder, heraus, di« mit Begeisterung von Publikum und Presse ausgenommen wurden. Eljaschoff rückte mit dieser Regieleistung in die erste Reihe seiner berühmten Kollegen. Der Berliner Kulturbund stellt für die Breslauer Aufführung nicht nur seinen Regisseur, bernährt« Mitglieder seines Theaters zur Verfügung, die gemeinsam mit unfern heimischen Künstlern diesen einstgarttgen - Kleinkunstabend allerbesten Niveaus möglich machen werden, sondern auch di« Bühnenbilder und Kostüm«, di« Heinz Condell, der Bühnenbildner des Kulturhundtheaters in Berlin, entwarf. Er zeichnet auch hier verantwortlich indem er di« Herrichtung der Bübn« persönlich überwacht. Dem ^Bilderbogen geht der Einakter: „Ein Heiratsantrag" von Tschechow voraus. Nähere Mitteilungen folgen in den Tageszeitungen. Am 28. Dezember veranstaltet der in Breslau außerordentlich beliebt« und gefeierte Bortragskünstter Joseph Plaut im Freundesaal «inen lusttgen Abend mit völlig neuem Programm. Seine betont jüdischen Borttagsstücke, die im Reich« mit heller Begeisterung Aufnahme fanden, werden u. a. auch hier von ihm gebracht werden. Der Dorvertaus beginnt Montag,. 10. Dezember, in den bekannten Voroerkaufsstellen: Brandeis, Horwitz und Lichtenstein. Ermäßigte -Eintrittskarten nur für die Mitglieder des Kulturkreises in desien Geschäftsstelle, Kaiser-Wilhelm-Straße 40. Im Laufe des Januars wird Dela Lipinfkaja ein Gastspiel im Rahmen«in«s eigenen Vortragsabends veranstalten. Einzelheiten ,verden zu gegebener Zeit folgen. Bortrageabend Aee JüAifdjen Frauenbundes Qrtegruppe Breelau Die Gestalt Josephs ist uns eine der vertrautesten und liebenswertesten dei biblischen Geschichten. Nicht ohne Zurückhaltung werden wir dem Dichter folgen, der es unternimmt, dieser Gestalt, in unserer Seele verwurzelt und von unserer Phantasie umspielt, einen, neuen Ausdruck aufzuprägen. Frau Dr. Else Meidner hat sich die Ausgabe gestellt, um oorbehaltslose Aufnahmebereitschaft für den „Jungen Joseph" von Thomas M a n n zu werben. Joseph tritt uns entgegen als der begnadete Mensch, harmonisch durch Bildung des Körpers wie des Geistes.^ Er ahnt seine Auserwählung. Er träumt ihr entgegen. Aber noch ist er nicht reif für sie. In seiner naiven Freude an sich selbst ist «r überzeugt, daß alle chn neidlos lieben. Mangel an Menschenkenntnis wird zum Verhängnis. Uebermaß väterlicher Liebe, allzu große Selbstliebe Josephs, erwecken Eifersucht und Neid in den von Noscpb übeistrahlten Brüdern, die zu rohem Bergeltungsakt-^lusholen. Mann entwickelt Schuld und Vergeltung aus Wesensgegensatz. Di« Vergeltung ckber, von menschlicher Absuht eingeleiter, schwingt wert über sie hinaus — zu menschlicher Selbst»« rwirklichung des Opfers und zur Verwirklichung göttlichen Planes. Frau Dr. Meidner ttat der Auffassung entschieden entgegen, daß Mann Rede gebe statt «Schau, Begriffe statt Bilder. Geistige Kraft und leidenschaftliche Beseeltheit verschmelzen sich hier in gegenseitiger Steigerung. Die Ordnung des Denkens schützt den Dichter vor dem Ueherwuchern des undeutbar Geheimnisvollen. Die Rednerin würdigte deutend Gehalt und Inhalt, Bau und Sprache des Kunstwerkes. »Ihre eigene Ergriffenheit, ihr liebendes Verständnis für den Dichter Und Denker ergriff auch den Zuhörerkreis. Die völlig freie Rede erhöhte den Eindruck des fprachfchönen Vortrages. (71. P Runftnetigen Trude Rehr, die junge, hiesige Konzertsängerin, di« schon mehrfach mit größtem Erfolge heroorgetreten ist. und die wir im nächsten Abonnementskonzert des Jüdischen Musikvereins hören werden, gab unter anderem kürzlich in Berlin mit dem Pianisten Karl Ulrich Schnabel vor auserlesenem Publikum ein Konzert. Unter den Anwesenden befanden sich die bekannte Musikenthusiastin Frau C e r u t t i, di« Gattin des italienischen Botschafters, und der französische Botschaftsrat Arnal mit seiner Gattin, di« der Künstlerin über chr« frische Stimm«, ihr« Technik und ihr« Gestaltungsgabe persönlich ihre Anerkennung aussprachen. Lessie Sachs las vor kurzem innerhalb ihrer literarischen Beranstaltungsreihe in ihrem Vortragsraum, Blücherplatz 6/7, eigene, zum größten Teil bisher unveröffentlichte Werk« und zwar ernste Gedichte. Grptesken, Prosa und einige Szenen aus ihrem Hörspiel: „Der Mann, der vom Monde fiel". Der Abend wurde mit großem Interesse und starker Anerkennung ausgenommen. ftrbeitejübitäum FräulHn Emma Go« rk« konnte am 15. d. Mts. auf eine 40 jährig« Tätigkeit bei der Firma Albert Schöffe r, Akt.-Gef., Breslau, Mpdeneuheiten und Putzzutaten, zurückblicken. Frl. Goerk«, di« bei allen IKunden bekannt und beliebt ist, hat sich während der vielen Jahr« stets als tteu« und wertvolle Mitarbeiterin erwiesen. Die Palästina-Regierung hat für das kommende Halbjahr 9700 Arbeiterjeinwanderungs-Zertifikat« bewilligt. Statt der Anforderung der Jewish Agency, di« 18 600 Zertifikate betraf, hedeuete die neue Quote «in« Kürzung um 47 Prozent. 2200 Zerttsikate wurden für Einwanderer, di« ohne Erlaubnis ins Land gekommen sind, und für Touristen, di« um di« Bewilligung des dauernden Aufenthalts angesucht haben, zurückbehalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.