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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-11-29 · 18 (29.11.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
18 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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2 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 18 uung und Verehrung der griechischen Götter als Reichsgottheiten bilden. Daß damit ein Eingriff in chie religiösen Anschauungen und Bräuche verbunden war, kam ihm gar nicht in den Sinn; vertrug sich doch die allgemein herrschende heidnische Anschauung mit der Hinzunahme der griechischen Götter zu den heimischen Gottheiten sehr wohl. Aber hier mußte der Konflikt mit den Juden entstehen. Erst seit kurzem war das jüdische Gebiet, das.bis dahin nur wenig von der umgebenden hellenistischen Welt erfaßt war, stärker in diese hineingezogcn. Die einen blendete der äußere Glan; der griechischen Zivilisation, so daß sie kritiklos und oft gcschrnacklos nachäfscnd alles übernahnrcn, während andere in ebenso kritikloser Ablehnung über das Ziel hinausschossen. Mitten in diese aufgewühlte Zeit fiel der kategorische Befehl des Königs, der für die Juden mit den: Verbot der Religion gleichbedeutend war. Daß cs auch unter ihnen manche gab, die gedankenlos oder aus völlig falscher Einstcllrmg und aus falscher Abschätzung geistiger und materieller Macht, manche auch, die aus Eigennutz oder aus Ehrgeiz sich fügten, kann uns nicht wunder nehmen. Aber die anderen blieben fest, litten und gingen als Märtyrer in den Tod, bis endlich der greise Mathathias zur Tat aufrief. Die unselige Verquickung von Politik und Religion hat den Kampf entfacht, die Siege des Makkabäers haben die Freiheit der religiösen Veberzeugung und Hebung gesichert, die auch durch spätere Niederlagcit nicht niehr in Frage gestellt worden ist. Dieses Ergebnitz ist nicht nur für das «Judentum gewonnen worden. Chanukka ist das Symbol der unbczwinglichen Kraft der religiösen Idee gegenüber aller äußeren Gewalt. Diese Kraft hat das Judentum im weiteren Verlaus seiner Geschichte wieder und wieder bewiesen.- Ob wir bestehen oder vergehen, hängt nicht.— das lehrt die Geschichte —- von unseren und nicht von der Gegner Machtmitteln ab, sondern allein von der Straft der religiösen Ileberzeugung in uns. Das Prophctemvort des Ehanukkasabbaths (Sacharjah IV, 6), daß nicht Macht und nicht Gewalt, sondern der Gottesgeist 1 siegreich bleibt, hat seine geschichtliche Bewährung gefunden. Diesen Geist in uns und in unserer Jugend zu festigen und, ohne daß unser Anteil an der Kultur der Zeit, die wir uns wahren wollen und müssen, auch nur im geringsten beeinträchtigt wird, lebendig zu halten und vor Trübung durch andere Tendenzen zu bewahren, ijjt unsere große und zukunftsreiche Aufgabe. Hermann B o g c l st e i n. Sabbatf) und judtlche Schuljugend fluftuf det Heicfjsvectce tung dec deutfdjen Juden Di« Neicksvertretung der deutschen Juden erläßt folgenden Aufruf: Unserer jüdischen Schuljugend ist jetzt eine Möglichkeit gegeben, die Stundendes Sabbats zu eigen zu gewinnen. Die jüdischen Schüler können auf Antrag der Erziehungsberechtigten am Sonnabend vom Schulbesuch befreit werden. Der Unterricht am Sonnabend ist durch die Einführung des Staatsjugendtages neu geregelt. An diesem Tage findet für dos, 5. bis 8. Schuljahr wissenschaftlicher Unterricht nicht mehr statt. Anregungen, die die Reichsvertretung den Gemeinden übermittelt. wollen aufzeigen, wie der Sabbat für unsere Jugend gestaltet > werden kann, damit sie es wieder lerne, den Sabbat zu halten. Jär ein Werk seelischen Aufbaues, für die innerliche Ausrichtung soll eine Grundlage bereitet werden. Lin feierlicher und festlicher Sabbat soll die Freud« am Judentum und damit die Freude am Leben stärken. Wir rechnen darauf, daß unsere jüdischen Eltern sich dieser großen Möglichkeit' eröffnen und dieser bedeutungsvollen Ausgabe Verständnis eutgegenbringen. * Die Reichsvertretung der deutschen Juden ~Bae<t fjicfcf) (Elternabend det Schule am finget Der Ruf zum Elternabend derl neuen Jüdische» Volksschule am Anger harre die Eltern in derarr grozer Zahl angelockt, daß der große Saal der Lessingloge lange vor Beg i füllt ivar. nn des Abends völlig über- Die Erwartungen der Besucher wurden auch nicht enttäuscht. In dem halben Jahr« ihres Bestehens jst die Volksschule am Anger zu einem innerlich und äußerlich starken und geschlossenen Schulkörper herangewachsen, der es an Leistungsfähigkeit mit mancher älteren Schule aufnehmen kann. Von dem Geist der Schulelegte der Abend beredtes Zeugnis ab. In der Hauptsache bauten sich die Darbietungen auf den Leistungen der Schülerschaft! auf. Schon das erste Spiel der Unterklassen „Das große ^Bilderbuch", erregte helles Entzücken. Viele Kinderlieder wurdest im Bild lebendig, und die Klei-I nen waren natürlich'mit Feuereifer dabei, den Inhalt der Lieder mit! Menschen und ganz possierlichen Tiexen darzustellen, ja, sogar das! Männlein, das im Walde ganz still ustd stumm steht, rückte gravitätisch, an. Der Chor der Kleinen sang noch eine Reihe vom Volksliedern, die durch ihren natürlichen Vortrag stürmischen Beifall fanden. i Der Chor der Oberklass^n zeigte seine gute Schulung in hebräischen und deutschen Liedern und deutete damit bereits auf das Ziel der Anstalt hin, ihre Zögling« 'lim Geiste jüdischer und deutscher Kultur zu erziehen. Gruppen alle^r Klassen zeigten in vielfältigen gymnastischen Uebungen die Sorgfals, mit der die Körperschulung an der Schule gepflegt wird. Für die gymnastischen Darbietungen zeichnete Fräulein Edith L e w i n verantiwortiich, di« in Gemeinschaft mit Herrn Willy Braun auch die kostümliche Ausgestaltung des Abends übernommen hatte; die Chöre leitet- Herr Heinrich Markt. Dankenswerten Einblick in das innere Leben der Schule' gaben zwei bemerkenswerte Ansprachen. Der Leiter der Anstalt/Studienrat . i. R. Schäfser. berichtete von der geleisteien Aufbauarbeit. Er wies auf di« notwendige Zusammenarbeit mit dem Elternhause hin. Gemäß den n^uen Bestimmungen sind die Elternbeiräte aufgehoben; es wird seitens der Schulleitung erwogen, nach Uebereinkunft mit den Behörden «inen Eltern kreis zu berufen und auch die Iugendführer zu den Beratungen zuzuziehen. Durch Klassen-Eltern-Nachmittage, die den Aussprache aller wichtigen Schulfragen — in den nächsten Monaten unter besonderer Berücksichkigung der Berufs,eratung — dienen sollen, soll die Verbindung zwischen Schule und Elternhaus möglichst entz gestaltet werden. Der Redner betonte dann di« Bedeutung der jüdischen Fächer (Hebräisch und Religion) als Kqrnfächer des Unterrichts.! Die Schüler sollen aber in der jüdischen und in der deutschen Kultur gleich stark wurzeln. So wird beispielsweise auch der Pflege des deutschen Volksliedes besondere Aufmerksamkeit zuteil. Der Schularzt der Anstalt, Dr. Hirsch-Kausfmann, berichtete in interessanten Ausführungen über seine oerantwortungsreiche vielseitige Tätigkeit. Er appelliert« an die verständnisvolle Mitarbeit der Eltern ijmü stellte fest, daß der. Gesundheitszustand der Schüler im allgemeinen'! «in guter ist. Am Beginn des Abends hatte Rechtsanwalt Spitz als Vorsitzender des Reue^ Jüdischen Schul-Vereins die Erschienenen mit warmen Worten begrüßt. Am Schluß nahmen wieder die Schüler das Wort: der Chor der Oberklassen sang Schillers Hymnus „An die Freude" in der Deethovenfchen Vertonung (die Hymne hatte auch den Abschluß der Schillerfeier der Anstalt gebildet) und gab damit dem Abend den symbolischen Ausklang. K. Schw.

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