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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-11-29 · 18 (29.11.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
18 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IT ft t Breslauer 1 f * 4 * J J AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Hauptschriftleiler: Manfred Nosenfelb, § Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Breslau - Verlag: Hellmuth und Erich D Th. Schatzkg Nktien-Sefellschaft, Breslau 5, Schatzkg, Breslau, Neue Graupenstraße 7 - Neue Graupenstraße 7 - Telefon 24468 u. 24469 r Anzeigenpreis: Die 8 gespaltene MiMmeter-Zeile ober deren Raum li Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt Erscheinungstermin vlerzehntägig — Preis 45 Pfennig vierteljährlich — Postscheck-Konto 620 95 FUr die unter dem Ramen des Verfassers erscheinenden Artikel und die DereinSnachrichten Ubemehmen wir nur die preffegesetzliche Verantwortung ii. Jahrgang 29. November 1934 Nummer iS Von <Betft undTTtadjt Sunt G/januttafeß Geschichtliche Erinnerung und ihre Feier hat ihren eigentlicheil Sinn nicht sowohl in hem Gedenken als vielmehr in der Bezichuirg auf uns selbst, in der Zielsetzung 1 |li und Stellung,der Aufgabe für Gegenwart und Zukuitft. ^Das hat inan im Judentum bereits in sehr alter Zeit so verstanden. Für das Pessachfest z. B. tritt als Leitgedanke neben das „ägyptische Pcssach" das „Pessach der Zukunft", d. h. Freiheit und Erlösung in geschichtlicher Vergangenheit stellt jeder Gegenwart die Ausgabe der Verwirklichung bis zur Erringuilg echter Freiheit der ganzen Menschheit in ferner Zukunft. Aehnlichcs besagt die talmudische Bemerkung, daß das Anhören der Thoravorlesuilg am Wochenfeste so bedeutsain sei wie einst derÄnpfang der Offenbarung am Sinai. Bloße Erinnerung ist stumpf und unfruchtbar, erschöpft sich leicht in bloßer Aufwallung des Gemüts, statt den Willen zu wecken, der die Tat gebiert. '\J Sie führt leicht zu schwärmerischer Bewuilderung der v Helden des Duldens und des Handelns, die unverftailden zu blutlosen Schemen sich verflüchtigen, statt daß wir sie , in ihrer zeitlichen Bedingtheit und ihrer dauernden Bedeutung würdigen. Verständnis der Menschen und der Ereignisse der geschichtlichen Vergangenheit hingegen weist | l der jeweiligen Gegenwart die Richtung und lädt dem lebenden Geschlecht die Verantwortung auf. Darum ist geschichtliches Denken, die Betrachtung des sich Wiederholenden, Konstanten, Typischen als eines in uns Anklingenden und Verständlichen, wie Jacob Durckhardt es einmal umschreibt, so wertvoll. Wenn wir an den Chanukkaabenden die Lichte zünden, feiern wir nicht die Siege der Juden über die syrischen Heere, nicht die Gewalt, sondern den Geist, der den an Zahl schwachen, kriegsmäßig nicht geschulten Freischaren Juda Makkabis die Kraft zur Ueberrvindpng der kriegsgewohnten syrischen Heeresmassen gab. Ein bekanntes Wort nannt als den Sieger von Königgrätz den preußischen Schulmeister. So ist bei aller Anerkennung der genialen Leistung des Feldherrn in jenen Kämpfen der jüdische Schulmeister der Sieger gewesen. Was galt den syrischen Söldnern die nach dem Willen des Königs für ihn heute hier neue Gebiete eroberten, morgen dort den Aufstand eines freiheitsdurstigen Volkes oder eines ehrgeizigen Empörers niederwarfen, die Sache, für die sie fochten? Die jüdischen Freiwilligen wußten, um was es ging, und waren bereit, für das große geistige Erbe des Judentums auch das Leben cinzusetzen. Sie haben nicht nur die drohende Vernichtung des Judentums abgewehrt, sondern durch ihren Kampf für die Freiheit der religiösen Ueberzeugung und Uebung die gesamte Kultur der Menschheit vor schwerer, vielleicht nie wieder gut zu machender Schädigung bewahrt. Es war der erste Versuch religiösen Gewissenszwanges. Zu diesem Unterfangen hat den Syrcrkönig nicht etwa Glaubenseifer, fanatische Frömmigkeit aus überzeugter griechischer Religiosität veranlaßt, vielmehr 7ic unselige Verquickung von Politik und Religion, die im Laufe der Geschichte oft so unheilvoll gewirkt hat. Durch engstirnige und kleinliche Auffassung und Ausführung ist eine große politische und kulturelle Idee in die falsche Bahn religiösen Zwanges gelenkt rpordcn und daran gescheitert. Das ungeheure Reich war ein buntes Mosaik aus zahllosen einzelnen Völkerschaften, die durch kein gemeinsames Interesse zusammengehalten waren. Durch den unglücklichen Krieg mit Rom hatte es politisch, militärisch und wirtschaftlich einen furchtbaren Stoß erlitten. Jetzt griff man aus die große Idee Alexanders zurück, eine 'einheitliche Kultur sollte das einigende Band sein. Das erste Makkabäerbuch hat 'in dem, lakonischen Bericht über das Reskript des Königs die Erinnerung an diesen Plan bewahrt. Aber war Alexanders Weltplan die Verschmelzung und gegenseitige Durchdringung der griechischen und der orientalischen Kulturen zu neuer Einheit, so wollte der Epigone, der Tat und Gesinnung seiner Untertanen durch seinen Herrscherwillen bestimmen zu können wähnte, dem jedes Verständnis für die Eigenart und den Wert der Verschiedenheit fehlte, äußere und innere Uniformierung durch griechische Kultur oder das, was er dafür hielt. Die Engstirnigkeit und Kleinlichkeit zeigt sich in dem Versuche der Durchführung dieser schon verengerten Idee. Es war, als bestände griechische Kultur in nichts anderem als äußeren - Dingen, Theater und Ringschulen, Festspielen und Wettkämpfen. Daß diese dem griechischen Kulturempfinden gemäßen Formen organisch in die Kultur der anderen ' Völker hineinwachsen mußten, nicht aber aufgezwungen werden durften, wenn sie nicht dort Fremdkörper bleiben sollten, ging über den Horizont des sich selbst vergötternden Alleinherrschers. Und ein anderes Band der Einheit des Reiches, die Bekundung der Li^yalität sollte die Anerken- Ji i 75803142

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