Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 17 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, Nr. 17 Brest au er Jüdisch« Interesse erweckte. Das Programm war, vom Standpunkt des Zuhörers aus betrachtet, recht geschickt entworfen: di« Namen Bach, Beethoven, Debussy und Chopin verbürgten eine Vielfalt, die, ohne in Buntheit auszuarten, den verschiedensten Geschmacksrichtungen entgegenkam. Wittels selbst hätte allerdings besser getan, sich auf einxn Abend mit romantischer Musik zu beschränken; sie allein hat von jeher seinem Wesen und seiner Persönlichkeit entsprochen, ihre eigentümlichen Reize inspirierten ihn auch diesmal besonders stark. Als gewichtiger Auftakt war Bachs chromatische Fantasie und Fug« gedacht. Man hörte das Werk in einer technisch und tonlich sehr exakten Wiedergabe, ohne jedoch sein« musikalische Architektonik in ihrer ganzen Größe herauszuspüren. Mit Beethovens „A p p a s s i o n a t a" bega, der Künstler sich auf «in Gebiet, das erfahrungsgemäß selbst für d e sogenannten Titanen des Klaoierspiels oft genug ein Probten bedeutete. Wittels gehört nicht zu den Musikern, die an den Vertrag eines solchen Werkes mit ekstatischer Leidenschaft -Herangehen, i Seine Art der Darstellung ließ jedenfalls erkennen, -daß mit überstü ztem Tempo dem Deethovenschen Genius nicht beizukommen ist; mar vermißte die feinere Ausfeilung und außerdem jene Geschlossenheit des Klangbildes, die Wittels in den übrigen Werken des Aben-!s so mühelos erreichte. Denn offenbar sind die kleineren Formen mit denen Debussy und vor allem natürlich Chopin die Literatur beri ichert haben, das Feld, aus dem die Individualität dieses Pianistey sich ungehindert ausleben kann. Es war ein wirklich hoher künstlerischer Genuß zu beobaichten, mit welch sicherem Instinkt Wittels die harmonisch immer noch 1 kompliziert anmutenden Stimmungsbilder Debussys erfaßte, wie .. den oft gespielten Stücken von Chopin, und hier besonders der!)es> Dur-Berceuse, neue Reize abgewann. Die f-m o l l - F a n t " wurde in allen Detalls so fein nachzestaltet, daß man über schönen Abschluß des Abends innerlich beglückt war. ~; Martin Hausdorff. Ttlufitvoitzag von De. Gsike &uttmi nn Dr. Oskar G u t t m a n n „Gab es oder gibt (Ae e s : Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach großen Saal der Lessingloge über das hochaktuelle Thema jüdische Musik?" Der Vortragende, der seit einer Reihe von Jahren als eines Berliner Synagogenchors tätig ist, ging bei seinen geleg durch Schallplatten illustrierten Betrachtungen, wie nicht ande: Di i i e riesen im rlin) i n e igent ^nllich s zu 5 Gemeindeblatt 3 erwarten war, von der Musik des jüdischen Gottesdienstes aus, deren heutiger Zustand zur Kritik zwinge. Diese Musik mag in alter Zeitz als noch in Jerusalem das Heiligtum bestand, wirklich der Niederschlag des jüdischen Volkstums und der jüdischen Empfindungswelt gewesen sein. Und wenn auch mancher fremde Einfluß, vor allem von seiten Griechenlands, zu verzeichnen war, — ihre Eigenprägung ging dabei kaum verloren. Erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels, als für die Juden die Zeit der großen Wanderung begann, war es auch mil ihrer Musik zu Ende. . Daß aus ihr, unter Hinzunahme fremder Stilelemente, der Gregorianische Gesang der katholischen Kirche hervorgegangen ist. hat man sehr bald festgestellt: durchaus unklar aber war lange Zeit,. bis aus die genaue Kenntnis 'der althergebrachten Akzentzeichen für den Vortrag der Bibel, die parallele Entwicklung der allen jüdischen Musik. Den Forschungen A. Z. I d e l s o h n s, der die Melodien fast aller orientalischen Juden genau notiert hat, ist es zu danken, wenn Licht in dieses Dunkel kam. Sehr schwach war di« Produktion in den einzelnen Ländern des Ghettos, und so kam es, daß die Juden allmählich nach der Art der Völker musizierten, unter denen sie lebten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts trar durch S a! o m o n e d i R o s s i, der in Mantua wirkte, eine gewisse Neubelebung ein, aber auch sie vermochte das Verlorene nicht wiederzubringen. Nach einer Pause von annähernd 200 Jahren war es dann Männern wie S u l z e r und Lewandowski Vorbehalten, die längst verfälschten Reste der einstigen jüdischen Musik dem Empfinden ihrer Zeit anzupassen. Die damals in deutschen Synagogen noch verhältnismäßig neu« Orgel trug noch wesentlich dazu bei, daß die „reformierte" Synagogenmusik in das Fahrwasser -btr. Romantik glitt. Der Redner betonte ausdrücklich, daß die Verwendung der Orgel für uns nur eine Zwischenlösung sein kann; das Erstrebenswerte ist feiner Meinung nach die Wiedereinführung der Instrumente, die am alten Tempel gebraucht wurden. Bon den jüdischen Musikern des 19. Jahrhunderts, wie dem wenigstens der Abkunft nach jüdischem Mendelssohn, Meyerbeer, Ossenbach usw. sagte Gurtmann, sie seien in ihrem Schaffen - ebenso mit der jeweiligen Heimat verbunden gewesen wie jeder andere. Eine Sonderstellung nehmen allenfalls Gnstao Mahler und Arnold Schönberg ein, die,-jed«r auf feine Art, den Bruch milder Tradition herbeigeführt haben. _ Der Redner, der im Verlaufe seines Vortragesi mehr als einmal zu dem Resultat kam, daß es heute eine jüdische Musik nicht gibt, schloß mit der Hoffnung, eine solche Musik werde, wofür jetzt schon manche Anzeichen sprechen,' teils auf dem Boden Palästinas, teils in .1 unserem Gottesdienst zur Entfaltung kommen. M. H. 'Tagung dec ßdtfdjm Ijandmevfee Btcslam ^entcalvecband füd. (jatidtvevfet QeutJdjlanAs e. D., Ortsgruppe 'Breslau (Geschäftsstelle Kronprinzenstraße 41, Telefon 39181).! In der Oktobervcrsammlung stattete der 2. Vorsitzende, Herr Martin Herold, Herrn Glasermcistcr Hugo Spanier anläßlich seines Dvppcljubiläums (Silberne Hochzeit und 60. Geburtstag) den Dank der Orts» gruppe für die Dienste ab, die er in seiner langjährigen Tätigkeit als Mitglied 4>cs Vorstandes und als l. Vorsitzender dem Verbände geleistet hat. Der Abend war im Ilebrigen hauptsächlich durch ein Referat aus' gefüllt, das Herr Dr. Fritz Becker über das Thema: „Die Juden in der deutschen Wirtschaft" hielt. Der Vortragende wußte die Anwesenden durch seine interessanten Ausführungen stark zu fesseln. Der Vorstand machte, indem er auch auf das kurz vorher versandte Rundschreiben hinwies, darauf aufmerksam, daß das neue Mitglicdcrverzeichn i s (Handbuch) voraussichtlich in Kürze zur Herausgabe gelange. Er bat um baldige Rüchendung der Fragebogen, die jedem Mitglied zugegangcn waren und durch welche nicht nur genaue Unterlagen für das Mitgliederverzeichnis, sondern auch statistische Feststellungen, über die Zahl der beschäftigten Lehrlinge, über offene Lehrstellen usw: beschafft werden sollten. Der Abend, an welchem auch die Mitglieder der Frauen-, gruppe anwesend waren, schloß mit einem gemütlichen Beisammensein. Im Anschluß an obigen Dersammlungsbericht erinnert der Bestand an die auf seine Initiative eingerichteten theoretischen Ausbildungskurse im Zeichnen, Kenntnis'der Werkstoffe usi '., die jetzt in der Richtung ausgebaut werden, daß die in den einzelnen IBerufsarbeiten notwendigen Spezialkenntnisse z. B. für Tischler, Bauhandwerker, besonders berücksichtigt werden sollen. Meldungen fü> diese Kurse nimmt die Geschäftsstelle entgegen. Die Abteilung für Gehilfen und Lehrlinge, welche sich Belehrung in handwerklichen Fächern, allgemeine Fortbildung und gesellschaftlichen Zusammenschluß zum Ziel gesetzt hat, wir > ihre Mitglieder in nächster Zeit zu einem Vortragsabend entladen. Lehrlinge und Gesellen, die im Handwerk tätig sind, und deren Anschriften >er Ortsgruppe noch nicht bekannt sind, wollen dieselbe umgehend der den angegebenen Geschäftsstxlle mitteilen. ' fltnoli Benjamin fteänfel 3um SO. Todestage Am 16. November 193 tag Arnold Benjamin Fränck> wie seine Namensvettern > 'reiche Stiftungen, die teils dienten, weiten Kreisen im Arnold Benjamin Frün der Firma Arnold D. Frä» k> 1884 im Alter von 73 Iahp allgemein. Mehr als 20 Teil und zum anderen der Zum Andenken an seine Must dct, welche den Zweck verfi l hung, Ausurtd Fortbildunz ist, ihnen eine ihren Verhüt sic zu brauchbaren, guten, scllschaft zu machen und fi< Die Stiftung' zerfiel in zw: allgemeine Dcrufsausbilduy hochbegabten Mädchen es e sprechenden Beruf zu ergreife eine Stipcndienstiftung f vor einiger Zeit aufgelöste Arnold Benjämin FrH der Lohcstraße Feld Nr. 8, fallen, der Grabstein verwi staben teilt er schlicht mit: 23. September 1811, gesto 3^ jährtc sich zum fünfzigsten Male der Todeseis, des Breslauer Philanthropen, der sich Jonas und Zacharias Fraenckel durch zahli rein jüdischen, teils allgemeinen Zwecken Gcdüchmis erhalten hat. ckcl war von Beruf Kaufmann und Inhaber iel, Blücherplah. Als er am 16. November en aus dem Leben schied, war die Trauer vjamhafte Stiftungen hat er der Stadt zum— ynag'ogen-Gemeinde zur Verfügung gestellt. 'er hatte er die „Paulincn-Stiftung" begrüngte, „mittellosen Mädchen diejenige Erziezu geben, welche notwendig und geeignet" nissen entsprechende Stellung 'zu sichern, tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gehör sittlichem Untergänge zu bewahren." i AbteilungcH: die „Berufsschule" für die ig und die „Stipcndienstiftung", welche rmöglichen sollte, eine ihren Fähigkeiten cnln. Ferner schuf Fränckcl ,chas Paulinum", Studierende Breslauer Herkunft, die wurde, v nckcl ruht auf dem jüdischen Friedhof auf Grab 2938. Der Grabhügel ist heute vertiert. In nur noch schwer lesbaren Buch- Hicr ruht Arnold Benjamin Fränckcl, geb. cben 6. November 1884. Ludwig Manassc. nr l