Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 15 (15.10.1934)
- Date
- 1934-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I 4: Breslauer güdisches Gemekndeblatt Nr. 15 Es ergibt sich demnach auf Grund der Bestimmung dl :r eingangs erwähnten rechtlichen Neuregelung folgende Handhabung, die zu beachten ist: 1. Die Prüfung über die Zusammensetzung der Beti iebsgesolgschast ist nicht nur in Betrieben mit mindestens 2) Gefolgschaftsmitgliedern vorgeschrieben»! sondern sie muß von alten Betrieben vorgenommen iperden. Die erstgenannten Betriebe hatten lediglich bereits bis zum 50, September die Prüfung vorzunehmen. Die Unterlagen für die Prüfung der zweitgenannten Kategoriemnd ebenfalls vorzubcreiten und bereit zu halten. ' 2. So weit Zweifelsfragen aus dem Gebiet der Verordnung bestehen, steht der Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen Schlesiens Breslau, Schweidnitzcr Stadtgraben 28, in seinen, allen Gemeindemitglicdern bekannten Sprechstunden zur Verfügung. Anfragen dlieser Art sind nur an den Arbeitsnachweis, nicht an seinen Vorsitzenden zu richten. Sv xweit der Arbeitsnachweis bei schwierigen Fragen die Mitwirkung seines Vorsitzenden für notwendig hält, wird er dies jeweils selbst entscheiden. [5. Ein Austausch eines jüdischen Arbeitnehmers kann erst dann erfolgen, wenn die Gewißheit gegeben ist, daß hierdurch für den Entlassenen keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit entsteht. 4. Bef der Einstellung älterer Arbeiter und Angestellter bestehen keine Bedenken, jüdische Arbeitskräfte zu berücksichtigen. Geeignete Vorschläge hierfür und etwaige Beratung erteilt der jüdische Arbeitsnachweis. 5. Bei der Einstellung von Arbeitern und Angestellten unter 25 Nähren können geeignete Vorschläge durch die unter 4. genannten Stellen gemacht werden. A. H. | fielt# <8ofdmann ßum$edädjtnls | Wiederum trauert das Judentum, insbesondere das deutsch« Judentum, um einen seiner besten Löhne. Nur 52 Jahre all ist am 7. ü. Mis. der Leipziger Gemeinderabbiner Dr. Felßx Toldmann gestorben. Er war eine Persönlichkeit vor, außergewijhnlicher Art, ein Mann von außerordentlichen geistigen Fähigkeiten, von gründlichstem Wissen, von einer seltenen Schärfe und Klarheit des Denkens und von Tiefe des Gemüts. Er beherrschte die Sprache in Wort und Schrift und mar ein fesselnder, seine Hörer bezwingender Rpdner, der jedoch niemals durch rednerische Kunstgriffe oder Effekthaschereien blendete, sondern durch die Klarheit und Folgerichtigkeit der Gedankengänge seine Hörer mir sich fortriß oder auch zum Widerspruch zwang. Niemand aber konnte seine Reden hören oder seine Schjisten lesen, ohne selbst zum Decken über die behandelten Fragen gngeregt zu sein. In diesem 'gemütstiefen Manne drängte alles zu scharfer, gedanklicher Ausprägung. Er wurzelte fest in echter jüdischer Religiosität und zugleich in bester deutscher Kultur. Frühzeitig hatte er diese Problematik gefühlsmäßig und gedanklich zur Synthese gestellt, und so fest er in seiner Anschauung stand, so war «r zeitlebens ein Werdender. Immer von neuem hat das Probierst ihn beschäftigt, immer von neuem hat er es von allen Seiten her i betrachtet, durchgedacht und beleuchtet. Sein« Anschauung ist vielleicht am besten gekennzeichnet durch ein Wort aus dem nach i-ineM Tohe in der neuesten Nummer der CV.Zeitung oeröffenllichten Aufsatz: „Deutschjüdische Existenz hängt nur von unserer seelischen Haltung ab,jvon ihrer Festigkeit, von ihrem Glauben." So ist er einer' der sührefiden Männer im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gewesen, so Das Wecbefongett des Einen schöneren und trotz seiner Schlichtheit scstliä>ercn Austakt für die Tätigkeit des vor einem halben Iahte ins- Leben gerufenen Jüdischen Musikvereins hätte man sich nicht wünschen können als diese Werbeveranstaltung, me Sonntag, den 7. Oktober, vormittags, im Licbich-Thcater stattsand. Selten ging man mit so großen Erwartungen in ein Konzert, fetten wurde man aber auch so angenehm überrascht wie diesmal, wv es sich um die Entscheidung über Sein oder Nichtsein einer von Breslaus Iudcnheit s e,l b ft ä n d i g gettagenen Musikpslege handelte. Die Veranstalter wußten sehr wohl, daß von dem künstlerischen Fazit dieser zwei Stunden außerordentlich viel abhängt, unq sie boten alles auf, um die Leistungssähigkeit des jungen Vereins in musikalischer, aber nicht zuletzt auch in organisatorischer Hinsicht! zu beweisen. Sie rechnen selbswerständlich, wie Herr Gemeinderabbifier Dr. Vogelst e i n in seiner mit starkem Beifall ausgenommenen Begrüßungsansprache hervorhob, aus tatkräftigste Förderung , ihrer kulturellen Bestrebungen, also auf Anmeldung zur Mitglieds hast und eifrigen Konzertbesuch, was auch von dieser Stelle aus wärmstcns empfohlen sei. * hat er sich um hi« studentischen KC.-Derbindungen, namentlich um die Breslauer Thuringia außerordentliche Verdienste erworben. Und so hat er in »er religiös liberalen Bewegung gestanden und war ein hervorragender Führer der Jugend. Der Breslauer Jüdisch-liberale Jugendverein ist ihm zu ganz besonderem Dank oerpflichter. Er nxir ein unermüdlicher und unerschrockener Kämpfer, aber er führte die Kämpf« nicht um des Streites, sondern um des Friedens willen mit vornehmer Sachlichkeit, mit Verständnis auch für die gegnerische Anschauung. In sehr jungen Jahren kam er 1907 als Rabbiner nach Oppeln, und sehr bald erkannte man weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus seine großen. Fähigkeiten und Eigenschafien und fetzte große Hoffnungen auf ihn, die er in vollem Umsang verwirklicht hat. 1917 als Gemeinderabbiner nach Leipzig berufen, hat er iy dieser großen Gemeinde mit ihrer eigenartigen Struktur bei aller Klarheit und Entschiedenheit seines Standpunktes viel zur Erhaltung des Gemeindefriedens gewirkt. Besondere Erwähnung verdient sein« Arbeit auf sozialem Gebiet«. Der Nachruf seiner Gemeinde rühmt mit Hecht sein« nie versagende Fürsorge für alle Notleidenden .und spricht hon der Trauer, die in jedes Haus der Gemeinde eingezogen ist.! Mit feister Gemeinde trauern wir, sein« Amlsgenossen, trauern seine Schüles, trauert das deutsche Judentum. „Die Männer der Treue schwinden dahin!" Aber di« Trauer sollen und wollen wir bewahren, indem wir gleich ihm unermüdlich und opferfreudig für die heilige Sache des Judentums arbeiten und kämpfen, so lange uns Gott die Krqst gibt. Hermann Vogel st ein. JüdtJtijen Ttlußtvecems Der Musikvcrein hat, wie man weiß, den aus den Synagogenkonzertdn bekannten Chor und das Orchester übernommen; beide werden auch fernerhin die Grundpfeiler des hiesigen jüdischen Musiklebens bilden. Dem Chor, der nach wie vor unter der Leitung Werner Sanders steht, war diesmal aus der Wiedergäbe des fünfstimmigen Hymnus „In Ewigkeit" von Heinrich Schalit eine ganz besonders heikle Aufgabe erwachsen, die er trotz allen satztechnischen Hindernisien zur vollsten Zufriedenheit löste. Sander hotte aus jedem Sänger das Letzte an künstlerischer Gestaltungskrast heraus und bewirkte so, daß die zwar originelle, aber kaum an das Gemüt appellierende Komposition einen starken Erfolg davontrug. An der Aufführung waren Elise Szöphäzy (Solovioline), Selma W o l f - S o b e r s k i (an der den Harscnklang gut imitierenden Celesta), Erich Schaffer (an einem mit zahlreichen Orgclregistern ausgestattetcn Harmonium), sowie ein Gcigenchor beteiligt. Im übrigen lag die Bedeutung dieses Konzertes — durch die Wahl des Solisten und das Debüt Kurt Havellands, des jetzigen Orchesterdirigenten — vornehmlich auf instrumentalem Ge-