Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-10-15 · 15 (15.10.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
15 (15.10.1934)
Date
1934-10-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3970005-7569528-7569739--2086-3971946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Breslauer Jüdisches Gemeindebiatk Nr. 15 Volke mit inniger Liebe in seiner Seele, getragen wurde, die S^ele seines Lebens war. Religion ur d Geschichte des jüdischen Volkes find zur Einheit geworden, durch die Thora zur Einheit geformt. ' Da kam die Zeit, wo das jüdische Schicksal seine Schwere zu verlieren schien, wo die Juden in die l Gemeinschaft der Heimat und des Heimatvolkes aufgenomm ch wurden. Und wie sie die Verpflichtung fühlten, nicht nur gjleiche Rechte in Anspruch nehmen zu dürfen, sondern gleiche Pflichten zu übernehmen, gaben fie sich mit ganzer €<|ele .dem neuen Leben, dem Leben der Heimat, der heimatl chen!Kultur, den beruflichen und sozialen Aufgaben hin. U w «jährlich, wir .haben uns dieser Zeit nicht zu schämen, emp urden mit Dankbarkeit. welche Erweiterung unserer Lebeissphäre, welche Entfaltung unserer geistigen und seelischen lKraftc, welches Glück des Zuhause, des Heimatgefühls ipir diesen -150 Jahren seit der Emanzipaticn zu danken Huben, Schwebte aber auch über dieser Epoche der jüdischen Geschichte noch der Sinn der jüdischen Geschichte, Heiligung des Volkes, Heiligung des Lebens? - Wohl dauerte die Verkündigung des Eötteswortes fort, kamen die Feste alljährlich wieder, die n inniger Vereinigung Religion und jüdische Gcmeinscha t erleben ließen. Aber das Leben außerhalb des Gotteshaus« s, außerhalb der Festeszeit kannte diese Gemeinschaft nicht mehr, und das konkrete, ganze, geschichtlich-religiöse Judentum wurde nur eine Erinnerung an das, w'as einstmals gewesen. Die jüdische Kcmeinscktaft zerfiel, je mehr Heimat und kyolk der Heimat uns seelisch in sich aufnahm. Und die jüdische Religion sollte zur Menschheitsreligicn entfaltet werden, alle nationale Bejonderung abstreifen. Es schien an der Zmi, das „Panzerhemd abzulegen", das in den jüdisch-religiösen Lebensformen der jüdischen Gemeinschaft ein eigenes ftnheigenartiges Mussehen gab.? Das schmerzliche Erwachen aus dein/Ttaüm, daß mit der Emanzipation das mesfianische Zeitalte' angebrochen sei. zeigt uns. daß wir im Begriffe waren, mit der Preisgabe der jüdischen Gemeinschaft, mit der Beränderung der jüdischen Religion, der Trennung von jüdischer Religion und jüdischer Geschichte den Lebehsgrund zu zerstören. der uns trägt und erhält. Erneuerung der j ü d i s ch - r e l i g i ö s e n G e m e i n s ch a f t, nicht in einem politischen Sonderdascin, aber in jüdisch-religiösem Bewußtsein, in der Weg zur seelischen Ueberwindung unseres Schicksals^ Das bedeutet nicht eine Rückkehr ins Ghetto. nicht eige Zerstörung des seelischen Zusammenhanges m t Heimat und Heimatkultur, sondern eine Erneuerung der Bereinigung von jüdischer Geschichte und jüdischer Religion in unserem Leben und in unserer Zeit. Eine neue Demut und ein neuer Stolz auf diesen ewigen Sinngehalt unserer jüdischen Gemeinschaft, eine neue Liebe zur Teilnahme am geschichtlichen , und religiösen Leben dieser Gemeinschaft muß die Grundlage unseres Lebens werden. ' Eine solche Verbundenheit mit unserer jüdischen Gemeinschaft aber ist nicht bloß Sache des Gefühls, sie erfordert Hingabe und Arbeit, um durch die Pforte der hebräischen Sprache den Zugang zu gewinnen zu den Quellen des Judentums, zvr Vertrautheit mit der Sprache der Bibel und der Gebote, in denen jüdische Frömmigkeit ihren klassischen Aufdruck gefunden, zu den religiösen Lebensformen, die unsere (Mmeinschaft weihen und heiligen. Rur durch eigene Teilnahme am Gemeinschaftsleben wird dieses zu einer unser Leben bestimmenden seelischen Machte werden wir Juden nicht bloß dem Fleisch und Blute^^ch, sondern in Herz, Seele und Geist. Darum ist Erwachsenenbildung das zentrale Problem unserer religiösen Gemeinschaft. In verheißungsvollen Anfängen entfaltet sich diese in unserer Zeit, gestützt und gerichtet von der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung mit dem Ziel, die Totalität des jüdischen Menschen zu erfassen. „Hier geht es nicht mehr um eine Ausstattung mit Wissen, sondern um eine Rüstung zum Sein. Menschen, jüdische Menschen sind zu bilden." So fonnuliert Martin B ub e r das Ziel^er jüdischen Erwachsenenbildung. Diesem Ziel dient auch in unserer Gemeinde die j ü d i s ch e Volkshochschule. die ^nunmehr Mieder ihre Arbeit beginnt. Um . der Erneuerung utid Festigung unseres seelischen Zusammenhanges mit der jüdischen Gemeinschaft willen, müssen wir wieder alle Lernende und Uebende werden. Gewiß, daß diese Erneuerung nicht von heut zu morgen verwirklicht werden tabu. Rur zu sehr ist das Judentum, einst unsere seelische/Heimat, vielen zur Fremde geworden. Aber alles Große ist.schwierig, und nur durch seelische Anstrengung überwinden wir die Flucht der Zeit. Uns zu verewigen sind wir da. Unsere Ewigkeit ist eingeschlossen in den Bustd des ewigen/Ähhens des Judentums. An ihm teilzugewinnen, ist unsere religiös-jüdische Aufgabe. Sie haben wir zu lösen, wenn das deutsche Judentum wieder ein lebendiges Glied der jüdischen Gesamtheit, wenn wir eine neue Einheit von jüdischer Welt und Umwelt in uns verwirklichen, wenn das Judentum uns zur Quelle seelischer Erneuerung werden soll. Die 'Bedeutung öet fltbeitspla^^fimtaufd) - Verordnung Die Anordnung des Präsidenten dev Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung über den Austarn'ch jjüngerer Arbritskräfrc gegen ältere bedürftige Angestellte und Arbeiter ist sozial zweifellos eine Maßnahme, die vbn jedem freudig begrüßt werden mriß.- Die Tätigkeit im jüdischen Arbeitsvermittlungswesen wird jeden! Praktiker gezeigt, haben, daß es meistenteils schwer oder gar unmöglich war, Arbeitskräfte von etwa 26 Aabren an aufwärts noch irgendwie unterzubringen, geschweige denn Menschen, die nach Vollendung 'des 52. Lebensjahrs die höchste Tarifgruppe erreicht haben und darum nickst gern aufqcnommen würden. Menschen über 42 Jahren und Verheiratet^ unterzubringen, unterlaß ganz besonderen Schwierigkeitet«. Es ist d a b-e r zu begrüßen, dttß der hierzu ermächtigte Präsident der Reichsanstalt für Mbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. S n r u p r durch eine Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom 26. August 1054 der geschilderten Entwicklung Einhalt zu gebieten trachtet. And es verdient besondere Beachtung, daß in Zukunft allen anderen Stellen als der Reichsanstalt bczw. den Arbeitsämtern Einwirkungen juif die Verteilung der Arbeitskräfte verboten sind und den Zuwiderhandelnden strenge jStrhfen angedroht werden. Die Führer der Betriebe werden glso künftig derartige Auskünfte und Fragebogen 'zurückweisen müssen, damit sic nicht unzulässigen Handlungen<-Vorschub leisten. . Wurde doch auch die grundlegende, im Einvernehmen mit detn Rcichsarbeitsminister und dem Stellvertreter des Führers der RSDAP erlassene Verordnung vom l2. August 1954, durch die dem Präsidenten der Reichsartstalt die ausschließliche Ermächtigung zur Regelung der Verteilung von Arbeitsplätzen gewährt wurdet von dem mit der Führung des Reichswirtschaftsministeriums beauftragten Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht mit den Worten begründet: „Aus dem verständlichen 'Pestreben, beim Kanrpf gegen die Arbeitslchigkeit tatkräftig mitzuarbeiten, habe,! in den letzten Monaten zahlreiche Stellen sich auf die verschiedenste Weise um die Verteilung von Arbeitskräften, insbesondere durch Austausch > von Beschäftigten gegen Anbeschäftigte, bemüht? Hierdurch sind Unklarheiten über die Zuständigkeiten sowie über Art und Umfang dessen, was auf diesem Geb.ete tragbar ist, entstanden,, die bei den beteiligten Kreisen, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.