Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 15 (15.10.1934)
- Date
- 1934-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Hauptfchriftleiler: Manfred Nosenfe Breslau - Verlag: Hellmuth und E Sch atz kg, Breslau, Neue Graupenstraße Anzeigenpreis: Die 8 gespaltene lMiMmeter-Äeile LrschelnungStermin vierzehntägig FUr die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Artikel lb, | Druck und 31 r i cf) 1 Th. Echatzkg 7 1 Neue Graupen IMmMIHHIHIMMnlllMlHHIMIMIHIHIIHIHMMHtll ober deren Naum 11 pfenni ge - Bei prei> tnb die DeveinSnachrlchten Übernehmen nzeig Aktien traße 7 t n -Annahme: Druckerei Gesellschaft, Breslau s/ > Telefon 24468 u. 244 6y laufenden Aufträgen Nabäst 45 Pfennig vietteljährlich ivir nur die pressegesetzliche Verantwortung ii. Jahrgang iS. Oktober 1934 Nummer 15 Der Sinngehalt des Judentums Aufgaben Aee $tmadjfenen*T$ilAung Von Dozent!pr.. A l Dem Augenblick Dauer zu verleihen, das ist nach dem Wort des Dichters der große Vorzug des Menschen vor allen anderen Wesen, die wir kennen. Während alles Dergäng' liche vom Strom des Lebens fortgerissen, von den Wellen des Lebens verschlungen wird, hat menschliches Leben einen Sinn, der noch spätesten Geschlechtern verständlich ift] So berichtet uns die Geschichte nicht nur von den Schicksalen der Menschen, die vor uns gelebt haben, sondern auch vost der Art, wie.sie ihrem Leben einen Gehalt zu geben gesucht hatten. Unverlierbar ist im Gedächtnis der Menschheit, was Menschengerst ersonnen und gestaltet hat an Ueberwindung der Flucht des Geschehens durch Gestalten und Ideen, die über die Zeit hinweg auch unsere Seele mit Erquickung füllen. Dem Alles ist eitel, tritt der menschliche Geist mit der Erkenntnis entgegen, daß nur das vergänglich ist, was nur ein Zeitliches ist, die Freude, der Schmerz, die unser persönliches Geschick ausdrücken. Ewig aber isst was in unser Leben eingeht als unvergänglicher Gedanke, i So haben die Feiertage, die ernsten und die frohen Tage/ die wir soeben durchlebt haben, uns Kunde gebracht von Ereignissen, die langst vergangen sind. Und doch bedeutet das Gedenken an sie nicht nur einen Akt der Dankbarkeit und der Pietät, sondern einen Quell der Erhebung und des Trostes in unseren Leiden und Sorgen. Der Dwigkeitsgehalt des Judentums war es, der in dieser Festeszeit unsere Seele berührte. Dieier Sinngehalt des Judentums aber enthält, zugleich die Sinngebung unseres Leben?. Darum soll beständig in uns mächtig sein, was an solcher Sinngebung aus den Jahrtausenden jüdischer Geschichte zu uns herüberklingt. , Der unvergängliche Sinngehalt des Judentums l egt in der Art, wie Religion und Geschichte im Judentum eine fast unlösliche Einheit gefunden haben. Man hat die Thcra die transportable HenNat des jüdischen Volkes genanr t, die überall da die jüdische Gemeinschaft neu begründete, wo ein jüdisches Gotteshaus geschaffen wurde und das Wort Gottes als die Stimme des^Ewigen diese Gemeinschaft aus der Vergänglichkeit der Zeit und des Ortes herausführte in die Ewigkeit der Wahrheit. Warum aber konnte die Thora unabhängig von Ort und Zeit' immer von neuem diese Be gründung der jüdischen Gemeinschaft vollziehen? Nicht bloß, weil eine unvergängliche zeitlose Wahrheit in ihr en halten bert Lewkow itzverband. / Die Thora halten mehr al« uns von den Schicksalen un! ist, sondern weil zugleich ein tiefer Zusammenhang zwischest jüdischer Religion und jüdischer Geschichte in jhr sich entfalte , der immer tiefer Und iefer Lehre und Volk miteinander die Propheten und heiligen Schriften enlein Jahrtausend jüdischer Geschichte, künden Stammvätern des jüdischen Volkes, ihren den Schicksalen des füdischen Volkes in Aegypten, in der Wüst:, in Palästina, von Richtern und Köniaen. weiten des Inalücks und des Aufbaues des Königen, Zeiten des Unglücks und des Ausbaues jüdischen Staates und in dem Auf und Ab des jüdischest Schicksals nicht anderer Völker wesentlich verschieden von der Geschichte In diese Zeitlichkeit und Vergänglichkeit menschlichen Lebens, jütischen Lebens, aber fährt der Geist des Ewigen un!» gestalte» diese Nationalgeschichte zur heiligen Geschichte des Volkes Lottes. Nicht hellig in dem Sinne, daß dieses Volk fänden» erklingen die Stimmen sündenr, in gewesen sei. Im Gegenteil, herb der Propheten, drohend ihr Zuruf. voll bitterer Kluge über vie Vergehen des Volkes. Aber das eben ist es, v»as diese Geschichte zur heiligen Geschichte macht, daß els sich N ihr' nicht nur um Irdisches und Vergängliches, soni ern wesentlich darum handelt, das Leben des Dolles auf ll wiges, sein staatliches und sein pet^ sönliches Leben auf Got» Änd sein Wort zu gründen. Dieses Wort ist die Verkündix üng seines Willens?'Heiligung des Volkes, Heiligung des Lebens, das ist die große Botschafst von der das Wort Got es. kündet. , Und darist liegt die Einzigartigkeit der jüdischen Geschichte, daß her ein Volk in allen Umbrüchen und Zusammenbrüchen seines rationalen Daseins und gerade durch sie mit zäher Hartnäckig 'eis an diesem Sinn feines Daseins festgehalten hast Und darum war dieses Volk unüberwindlich, weil es nicht war ein. Volk wie alle Völker, sondern ein Volk, das im Ewigen verwurzelt war und seine Lebensordnungen nicht stus bloß irdischen, politischen Gesichtspunkten gewann, sondern der große Sinn der Heiligung über diesem Volke leuchtete^ Darum bildet die jüdische Geschichte auch in den Jahrtausenden nach dem Jahrtausend der Bibel eine seelische Einheit, weil ist aller Verschiedenheit der Länder und Zeiten, d?r Kulturen und Schicksale doch diese Sinngebung nicht nur über dem jüdischen Leben schwebte, nicht nur in den Gotteshäusern verkündet wurde, sondern vom