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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-09-30 · 14 (30.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
14 (30.9.1934)
Date
1934-09-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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V. I DreslluerÜüdisches Gemeindeblatt Nr. 14 t,Jetemia$“-fluffüijtung in T^eesfau? £u @$fac Wüffetmanns ijtnfdjeiden Wir erfahren fachen, haß aussichtsreich« VerHa rdlungen mit den mahgehenden Instanzen schweben, um die AuffüHrun > des Zweig'schen „Idremias" in Breslau Mitte Oktober zu «rmögli hen. Zum ersten Male steht der Kulturkreis aar her Aufgabe, nicht e n intimes ©efellschaflsitück, fanhem breit angelegtes DolkstHeater s> inea Mitgliedern und den Breslauer Glaubensgenossen zu vermitteln. < Ein Jahr hat man sich um dieses Werk des graßen jüdischen Dichters gen übt. Die dramaturgische Aufgabe wurde »an Zweig selbst gelöst. De: Berliner Kutturbund bat sie dann nach weiter geführt. E» wurde ine Bühnenmusik van Radel aus alten jüdischen Melodien geschaffen. Sie werden vom ' Opernchor des Kulturbundes, der auch als Komparse n litwirkt, gesungen. Es gilt in Breslau den, hoffentlich, zur Verfügung stehenden Bühnenraum durch hier zu fertigende Podeste mit Projektionen auf e nen Rundhorizont in eine palästinensische Landschaft zu verwandeln. Du eine Drehbühne hier nicht zur Verfügung steht, wird der Dekarationsa»fbau, der Tempel zu Jerusalem, unter der technischen Leitung von Kmrt L e u n e r auf „Wagen" gestellt, um eine sekundenschnelle Verwandln ig zu ermöglichen. Der Träger der Titelrolle ist Fritz Misten 75 Sprecher und 50 Komparsen zugesellen. , Die Bül nenbilher entwarf Hein; Eondell, die Regie führt De. Fhitz spielleiter des Kulturbundtbeaters in Berlin. 3ef Simon <Soldbetg dem sich etwa ner, her Ober- 1 ist der i5c>üft des Werbekonzerte i, welches der Jüdische Musikverein am Sonntag, den 7. Oktober, um 11.15 Uhr im Liebich-Theatcr veranstaltet. Goldberg spielt mit Begleitung des von Kurt Havelland dirigiertest Orchesters das Diolinkor zert E-dur von Dach sowie, mit Havelland am Klavier, die Arühlingssonate von Beethoven und einige Dirtuosenstücke. Das Orchester bringt ein Mozartsches Divertimento zum Dortrag. Das Konzert schließt mit der hiesigen Erstaufführung des Chorwerks „In Ewigkeit" von Heinrich ^chmit, und zwar unter Leitung Werner Sanders, c Vom Jüdischen Musikverein wird mitgeteilt, daß mit der Werbung für ein zu begründendes Wandertheater der «an« eine» Mitgliedes des künstlerischen Beirates im Jüdischen Musikveresn mißbräuchlich in Verbindung^ ge bracht wird. ' Zum tzinscheiden des bekannten früheren Direktors der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft Oskar Wassermann, des Präsidenten des Keran hajeffod, äußert sich der. Präsident der Reichs- Vertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Leo Baeck: „Oskar Wassermann war die repräsentative Persön. lichkeit im deutschen Judentum. Zn der Tradition mit Bewußtsein wurzelnd, als ei» Kenner der (beschichte und Wissenschaft des Judentums und zugleich jeder neuen große» Ausgabe erschlossen und voller Verständnis sür die Bedingungen der Zukunst, ein Mann, der seltene Gaben des Geistes mit seltener Wärme des Herzens verband, ein Vorbild aus dem Felde der Wirtschaft und zugleich ein gütiger und unermüdlicher Helwr, ein Mann, uir de» es kennzeichnend ist, daß er a» der Spitze einer der größten Bankgesellschasten stehend, doch zugleich mit echter Liebe sowohl die Wissenschaft dom Judentum wie den Ausbau Palästinas umfaßte — in weiser Verbindung dieser Cigenschaste» war er vorbildlich." %ut t'fzaettttfdjen Uegefdjtcffte Dor^einigen Jahren wurden äußerst interessante Entdeckungen bei der Ausgrabung von Abrahams He i tu alstadtIIr gemacht. Die gelehrten Forscher knüpften an das zutage getretene Ilrkundenmaterial die Hoffnung, auch Dokumente gefunden zu habe», die sich auf Abraham oder seine Familie beziehen. Bisher sind solche Erfolge der Untersuchung nicht bekannt geworden. Run aber lesen wir im Ifr. Fam.-Bl. Hbg. von einer Entdeckung, die sich auf Abrahams Vater Terach beziehen soll. Es heißt in diesem Bericht: „Aufregend faßt uns die Kunde a», die uns vom archäologische» Institut in Syrien zugeht. Bei de» Ausgrabungen in R h a s - S h a m r a, im Staate der Alaniten, hat man ei» Gedicht gefunden, das von der Ankunft der Hebräer zur Zeit Abrahams in Palästina berichtet. Dieses Gedicht ekregt die Aufmerksamkeit der Historiker und Bibelforscher in der ganzen Welt. Für uns Juden aber als direkte Aachfahren unseres Stammvaters Abraham, hat es eine an unser ganzes Sein verknüpfte Bedeutung. Mit einem ehrfürchtigen Schauer, mit Ergriffenheit frage» wir »ach den näheren Umständen dieses historjscheii Fundes, der uns die biblische UeberlieferuNg in das Reich der Historischen Greifbarkeit rückt. Wie würde diese unersetzliche Urkunde gefunden'.' 2lnd wie lautet ihr Inhalt? — Rachgrabungen bei Rhas-Shamra, unter einer Trümmerstätte, in der man die ehemalige, an der Olordgrenze Palästinas gelegene Stadt Urgarit. erkannte, förderten eine große Anzahl Kultgegenstände phönizischen,und ägyptischen Ursprungs zutage. Darunter befand sich auch eine ganze, aus Tafeln bestehende Bibliothek einer phönizischen Schreiberschule. — Die wichtigste Entdeckung, Unter diesen Funden ist nun diese» Gedicht, dos von der Ankunft der Hofwäer in Palästina berichtet, und erzählt, daß die Hebräer von U r gekommen seien, chic es die heilige Schrift überliefert, dos Ur-Kasdim die Heimat Abrahams sei. — Das Gedicht hat zum weiteren Inhalt die Erzählung von einem Kampf Zwischen Keret, dem König der Sidonier, und Terach, dem Führer der Einwanderer.. (In den Büchern Mose steht von Terach als dem Vater Abrahams geschrieben!) Die Schlacht fand statt in der Gegend des Regreb, im Süden Palästinas und endigte — nach dem Bericht des äufgefundenen Gedichts —, mit dem Sieg Terachs und seiner Leute und deren Verbündeten, zu denen auch ein Volk gehörte, das Lebulun genannt wird. In dem Gedicht wird ferner Terach — wie es der antiken mythologischen Verherrlichung nahe lag — als ein Gott dargestellt, dessen Frauen Shin und Rikar hießen, Ramen, die in der chaldäischen Mythologie die Romen von Mondgottheiten sind. Die archäologische Forschung sieht nun, trotz seines zum Teil legendären Inhalts, in diesem Gedicht den unwiderlegbaren Beweis dafür, daß das Hebräervolk chaldäischen Ursprungs ist. 'In den Streifen der Wissenschaft wird nicht mehr daran gezweifelt, daß die Urkunde des aufgefundenen Gedichtes von Keret und Terach eine Bestätigung sei für den Bericht der Bibel in, I. Buch Mose XI, 2l, daß Terach mit seiner Familie aus Ilr-Kasdim »ach Haran übersiedelte, „ins Land Kanaan zu gehen". Cuömig Vogelftein vecfdjieden Ludwig Dogelstein, ein Bruder unseres Breslauer Rabbiners Dr. Hermann Dogelftein, ist in Amerika am 25. September verschieden. Der Verstorbene spielte im jüdischen Leben Amerikas eine hervorragende Rolle und war'der Führer des dortigen Reform-Judentums. ‘Prof.1 Dr. R. Samuel, der vor mehreren Jahren von Breslau an die Universität Aligarb in Indien berufen wurde, hat vor kurzem auf der ersten Veranstaltung der neugegründeten Indian Academie of Science das Hauptreferat gehalten und zwar über das Thema „Absorptionsspektren und chemische Bindung".

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