Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 14 (30.9.1934)
- Date
- 1934-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14 3 Breslauer Iüdis ches Gemeind-blatt - J)a& SefttcfcsaC CiCCc'i1 , gestattet des £in$etnen deCfende Hat Kein deuttcher Jude ohne die blaue Beilragskarte für Hilfe und Aufbau als wahren Weg für die jüdische Jugend. Bei uns arbeiten gemeinsam Menschen aller jüdischen Richtungen. Mir fordern von unscren Chawerim (Kaiueradcn) den vollen Einsatz für den Aufbau Palästinas; nur durch ihn seven wir ein Weitcrbestehen des jüdischen Dvlkes als gesichert an. Mir erziehen unsere Menschen bündisch zu freien, verantwortungsbewußten Juden des neuen Palästinas. Wir bekämpfen jede Form der Assjinilation. Wir schöpfen unsere Kraft für unser großes Werk aus unserer jüdische» Pergangenhcit und dem Glauben an die Zukunft unscrcs Volkes, dessen Bauleute-(Ponini) wir sind. Der Hechaluz ist die zentralste Organisation aller der jungen zionistische» Mensche» von 17 00 wahren, die sich auf Hachscharah befinden oder zur Hachscharah gehen wollen und die bereit sind, als Chaluziin (Pioniere) am Aufbau Erez Israels auf dem ,Fundament der S c I b st a r b c i t, d^r gegenseitigen Hilfe und der hebräischen Arbeitskultur mitzuhclfen. Hachscharah bedeutet nicht nur Berufsuinschichtung, Ergreifung eines landwirtschaftlichen oder handwerkliche» Berufes, sondern auch inenschliche Borbercitung für ein Ärbeiterlcbcn in Palästina. Hachscharah bedeutet die Einsicht jedes Einzelnen, daß der Aufbau Palästinas nicht durch private Initiative und Profit, sondern, nur durch Planmäßigkeit und freiwillige Unterordnung der Intcrcssen des Einzelnen unter die der jüdischen Gemeinschaft garantiert ist. Der Hcchaluz arbeitet in vielen Gruppen von je IS—20 Menschen, die regelmäßig ihre Lsicholh, Oncge Schabbath und Wahrten veranstalten. Die Asscfah vereint alle Gruppen der Hechalu; und auch die Acltcren der chaluzischen Iugendbünde, uin geineinsamc fragen unserer Arbeit und unseres Weges zu besprechen. Durch längere Seminare und Lager versuchen wir neue -Menschen, die zunächst einmal zu uns kamen, um möglichst schnell nach Palästina zu gelangen, innerlich für uns zu gelvinncn. 14 000 Menschen umfaßt der Deutsche Landesverband, 370 Ebawerim sind i» der Breslauer Gruppe organisiert, von denen 100 seit 1002 nach Palästina gingen; ISO befinden sich auf Hachscharah, davon etwa 100 auf landwirtschaftlicher und SO in städtischer Ausbildung. Zahlen, die beweisen, daß cs uns ernst mit unserer Arbeit ist, und daß wir auch bei unserer Arbeit Erfolg haben. Biele von denen, die ohne drs geringste Verständnis für die schweren Aufgaben unserer Bewegung ln den letzten Jahren zu uns gekommen sind, haben so eine tiefe und grunidsätzlichc Wandlung durcbgemocht, daß sic gerade heute die wertvollsten Glieder unserer Organisation sind. Wir sind grundsäkfich der Meinung, daß jedem Einzelnen das freie Recht zur Bildung seiner Löbensanschäuung Vorbehalten bleiben muß, und daß Differenzen in derartigen Fragen nicht die gemeinsame Front der chaluzischen Irgend sprengen dürfe». Die Hauptaufgabe u»u'cres Büros (Garkenstraße 20, Tel. 217 Ov) besteht in der Berufsberatung, Beschaffung voü landwirtschaftlichen und handwerklichen Arbeitsstellen und der Zusammciifassung aller derjenigen Chawerim, die sich von Breslau aus auf Hachscbar<jh befinden. Der Brith Chaluzim Dathiim — Bund religiös cbaluzischer Jugend — faßt die Jüngeren bis zum 17. Jahre im „Brith Haboar" zusammen. Durch Scbiurini, Lsicboth und Fahrten erziehen ir ir unsere Iuirgrns und Mädels in bewußt traditionellem und zionistischem Sinne. Im „Zeire Misrachi" wollen wir die Acltcren unserer Lhaiverim mit den Zielen und der Arbeit des Gesamt-Misrachi unter Verzicht auf eigentliche Jugendarbeit vertraut inachcn. Für die aus) unscren Gruppen hcrvorgegangcncn Lhaluziin sorgt der „Bachab". Wir fordern neben einer Hachscharah gufanith — einer körperlichen Vorbereitung für Palästina — auch die Hachscharah ruchanith — die geistige Ent- und Amslcllung für Erez Irracl. Zu diesem Zweck ist neben Batee Ehaluz — Chaluz Heimen — landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten auch ein Ieschiwahzentrum in Frankfurt a. Main eingerichtet worden, in dem wir durch Lernen,- durch Beschäftigung mit Thorah und Gemarah an die lebendige Tradition anzuknüpfcn versuchen. Im Vordergründe der realen Aufgaben steht die Errichtung geschlossener religiöser Zentren und Siedlungen in Erez Israel. Durch Wiederherstellung seiner Einheit von Thorah und arbeitendem Leben in Palästina — Thorah wuawodah — wollen wir alle Fragen des menschlichen Lebensvon der Thorah her begreifen und regeln lassen. fiufammenfdjlufi öet jädtfdjett Rötpetbefdjäöigteti Rach dem Ausscbeüxrl' der körpcrbcschüdigtcn Richtaricr aus de» allgemeinen Sclbilhilsc/Organisationc» teilte die Rcchtsabteilung der RS.-Volkswoblfahrt Eiwc Januar 1004 der Zcntralwohlfabrtsstclie auf deren Anfrage mit, daß/„gegen den Zusammenschluß der jüdischen Körpcrbeschädigten in cigenoli Selbsthilfe-Organisationen nlcbtS cinzmvcnden" sei (s. Informationsblätter 1004 Nr. 2, S. 0). Hierauf wurden von der Zentralwohlfahrtsstclle der deutsche» Juden im Einvernehmen mir der Reichsvcrtretung der deutschen Juden und gcnicinsam mit den schon bestehenden Selbsthilfe-Organisationen Bestrebungen, eingeleitct, um einen Zusammenschluß der.-jüdischen Körpcrbcschädigtcn in einer einheitlichen, einfachen und übersichtlichen Zusammenfassung hcrbeizuführcn. Diese Bestrebungen sind'nunmehr abgeschlossen, uiid cs sei deshalb in Kürze ihr Ergebnis mitgcteilk: Es wtirdc eine Selbsthilfegcmcinschaft der jüdischen Körperbeschüdigtcn in Deutschland mit dem Sitz in Berlin begründet, welche vier Selbsthilfegruppcn umfaßt, nämlich: 1. Selbsthilfcgruppc der jüdischen Blinden in Deutschland, 2. Selbsthilfcgruppc der jüdischen Körperbehinderten in Deutschland, 0. Sclbsthilfegruppc der jüdischen Gehörlosen (Taubstummen), 4. Sclbsthilfegruppc der jüdischen Schwerhörigen. Zweck der Sclbsthilscgcmeinschaft und der Selbsthilfegruppcn ist die Förderung der jüdischen Körperbeschädigten auf sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet. Jede politische oder rcligionspolitische Betätigung oder Erörterung sowie jede Erlverbstätigkeit sind ausgeschlossen. Vorsitzender der Sclbsthilfegcmcinschaft ist ixrr Dr. Paul Perls, Berlin; die Geschäftsstelle der Scibsthilfcgcmeinschaft befindet sicb in der Zentralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden, Berlin-Eharlottcnburg 2, Kantstraße 108. Vorsitzender bczw. Vertreter der Selbsthilfegruppcn sind die folgenden: 1. Sclbsthilfegruppc der jüdischen Blinden in Deutschland Herr Robert H i r s ch f c l d , Berlin-Eharlottenburg 4, Dahlmannstr. 5, 2. Sclbsthilfcgruppe der jüdischen Körperbehinderten in Deutsch' land: Herr Hanß I. H e y m a n n, Berlin NW 07, Tile Warden' bergstrahe 10, 0. Sclbsthilfegruppc der jüdische» Gehörlosen (Taubstummen): siche unten. 4. Selbsthilfcgruppc der jüdischen Schwerhörigen: Herr L. G o lösch m i b t l Berlin-Eharlottcnburg 4, Sybelstraße 20 (Reichsverband ifn. Schwerhöriger „Risch"), bzw. Herr Moritz Grieß, 1 Berlin-Willmersdorf, Ludwigkirchstraße 11a. 1 Zur Sclbsthilfegruppc 3 (jüdische Gehörlose) wird bemerkt, .daß sic nunmehr von alletzi bestehenden Organisationen jüdischer Gehörloser gebildet wird und demgemäß umfaßt:! 1. Verein zur Förderung der Interessen der isr. Taubstummen in ""T Deutschland, Vorsitzender Erwin Kaiser, Berlin NO, 55, Pilckemstrahc 1, 2. Verein ehemaliger Zöglinge der isr. Taubstununen-Anstalt zu Weißensee, Vorsitzender Richard OScjjct, Berlin-Wilmersdorf, Badcnsche Straße 14, 0. Zwcigverein zur Förderung der Interessen isr. Taubstummen in Schlesien, Breslarr, Vorsitzender N. Roscnthal, Breslau, Alsenstraße 90» 4. Provinzialvercin isr. Gehörloser von Westfalen und Rheinland, Vorsitzender Leo Mainzer, Düsseldorf-Gerresheim, Märkisch« Straße 00) - 5. Verein isr. Gehörloser zu Hessen-Nassau, Vorsitzender Mar , Blumenthal, Frankfurt a. M., Börncstraßc 00. Alle Anfragen über allgemeine, insbesondere auch organisatorische Fragen sind zu richten an hie cLeibsthilfegemcinschaft der jüdischen Körperbcschädigtcn in Deutschland, Berlin-Eharlottcnburg 2, Kantstraße 108! (Zentralwohlfahrtsstclle), von der Richtlinien usim bezogen u'erden können. Demnächst wird auch in einer ausführlicheren Darstellung in - der Zeitschrift der Ientralivvhlfahrtsjtcllc Näheres über Entstehung und Wesen der Seibsthllfegemeinschaft mitgeteilt werden^ Auskünfte, die eine ' der vier Sclbsthilfegruppen betreffen, sowie Anmeldungen als Mitglieder sind an die obengenannten Adressen der Vorsitzenden der betreffenden Sclbsthilfegruppen zu richten^ Die Landes- und Provinzialverbändc für jüdische Wohlfahrtspflege sowie die jüdischen Gemeinden und ihre Wohlfahrtsstellcn werden auch bei diesem Anlaß gebeten, im Interesse der jüdischen Körperbeschädlgten mit den genannten Organisationen bczw. ihren Örtlichen Vertretungen zusainmenzuwirkcn. *