Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-09-15 · 13 (15.9.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
13 (15.9.1934)
Date
1934-09-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3970005-7569528-7569735--2056-3971918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Biest au et Jüdisches Gemeindeblatt folge der E»twicklung des letzten Jahres f nd dazu übergegangen, eigene Volksschulen zu < rri hten- Fi r die Errichtung eine An ahl Gemeinden Hindern iffc; dieser Volksschulen bestehen keine gesetzlich» Staat nicht finanziell dazu beizutragen br mc >t, sind kstine _ Schwierigkeiten bei der Konzessionierung zst efwarter.. ' 3u Ostern 1934 wurden IO neue Volksschulen erric stet, in weiteren 10—15 Fällen sind noch nicht alle Gründung^schwicrigkei! en überwunden. 5200 Kinder traten neu in jüdische Schülers efn. Die nieisten Volksschulen haben dahet ihre Schütz rzahl zu Ostern 1954 beträchtlicb vergrößert, und olle Schuten! haben d-n Unterricht in den jüdischen Fächern verstärkt. Ein Teil hat Nesthebräisch in den Lehrplan ausgenommen oder gibt den 'Schülern fakultativ die 9 löglichkeit, diese Sprache zu -lernen. Fast überall ist ein sogenannter W, rkunterricht, der die Grundlage für eine -spätere handlvcrktiche Ausbildur g schafft, eingeführt mordest.! Allgemein ist zu sagen, daß die jüdischen jSchulen lemüht sind, den Gesamtunterricht jüdischer zu gestalten, um■ so der Heranwachsenden jüdischen Jugend den seelischen Halt zu verm tteln, der'sie für ihr zukünftiges Leben und den Eristenzkampf benot gt. Aus diesem Grunde haben auch - die Richtlinien zur Aufs ellun von Lehrplänen für jüdisch e Volksschulen, die vom Erziehungsausschuß der Reichs Vertretung der deutschen Oudcn her lusgegcben sind, ein ungemein großes Echo gefunden. An ausgcbildcten jüdischen Lehrern gibt esjin Deutsc >land etwa 1200, Nr. 13 svfern^er besonderen von denen etwa H00 heute schon in jüdischen Schulen beschäftigt sind. An nichtjüdischen Schulen sind etwa 500 jüdische Lehrer in ihren Aemtern verblieben. Ls stehen cstso für di« .Erweiterung de» jüdischen Schulwesen» noch etwa 500 jüdische Lehrer zur Verfügung. Durch Schulungsfurse soll hie Vorbereitung dieser bisher allgemein ausgcbildeten Lehrer für die speziellen Aufgaben der jüdischen Schulen erreicht werden. Für hie Neucntsbildung von jüdischen Lehrkräften steht als einziges Institut ha» Dolk^schullchrerseminar Würzburg zur Verfügung, das geseh«streü geleitet wird und das die Berechtigung zur Ausbildung von Dolkbscbuflehrern tiehalten hat. Die Sicherstellung eines Lehrernachwuchses ist Unbedingt -notwendig, um einer Veberalterung der Lehrerkollegien aus Mjangcl an Nachwuchs zu begegnen. Für die finanzielle Unterstützung von jüdischen Volksschulen war der Grundsatz maßgebend, daß in jedem Falle nach Möglichkeit angestrebt rverden muß, daß sich hie Neugründung möglichst bald von der zentralen Unterstützung frciniachhn kann. Zu diesem Zweck wird durch eine besondere Aktion eine Äelchrung der jüdischen Elternschaft über die Bedeutung des jüdischen!Schulwerts und ein Gesuch zur materiellen Mithilfe daran durchgcsnhrt. In den meisten Fällen wurde so verfahren, daß nach genauer Prüfung der Aufstellung füa die Subventionskosten und den Etat des ersten Jahres eine Dreiteilustg des Gesamtbetrages vorgenommen wurde, wobei ein Drittel der Kosten vom Zentralausschuß, ein Drittel von der örtlichen Gemeinde und das letzte Drittel von den beteiligten Eltern selbst getragen wurde. Vom Jüdischen Musikverein Sein« künstlerisch« Aufgal.« — Blick in die Organisation — Sie «rsten Veranstaltungen nommeNen Gründungen rdnung des vergangenen e Muli kverein zu Unter den in unserer Heimatstadt jüdisch-kultureller Art, die durch die politische Jahres bedingt wurden, nimmt der 8 ü d i s Breslau eine recht bedeutsame Stellung ci Er ist.aus den Bestrebungen jener kunstinteressiert n Streife hervorgewachsen, die, wie noch in bester Erinnerung sein dürs te, sich seinerzeit für die Einrichtung und den Ausbau d«r Synagogen-Kmzerte eingesetzt haben. Man weiß, daß für dies« Konzerte nicht sogleich i >ie richtige Form gefunden wurde. Ein dem erhofften Ideal schon wesen tich näherer Zustand trat erst ein, al» der Jüdische Kammerchor und das £ üdische Kammerorchester unter Werner Sander» Leitung sich im dritten Konzert der Oeffenflichkeit vorstellten. Seitdem sind die deid m fast aus dem Nichts geschaffenen Klangkörper, von denen besonder» der Chor einen raschen künstlerischen Aufschwung nahm, au» dem Br> »lauer jüdischen Musikleben nicht mehr wegzudenken. Und wenn mar auch mit ihnen natürlich nur einen kleinen Teil von all den Konzerten die di« nächsten Monate uns bringen werden, wird bestreiten können, jo bilden sie doch immerhin da» Fundament jeder weiteren Arbeit auf dies;m Spezialgebiet der Kuststpflege. Auf chm baut nun der im Frühjahr 1954 gegrün bete Jüdische Musikoerein auf. Er hat sich das hohe Ziel gssttckt, der Träger eines selbständigen jüdischen Musiklebens inDreslauzuwerden. Er will alle musikalisch e n Interessen der hiesige» Jude,heit zusammenfassenunddamitdieundedingteGewähr bieten, daß die Deranstaltihnzen ohne übersteigerte Spitzenleistungen « n streng k st n st l er i s ch e s Niveau habe«. Der Musikv-erein wird jüdischen Musikern Gelegenheit zurBetätigunggeben. crwirdsichd «Pflege echter Kunst angele g< n sein lassen und d as ist seine vornehmste Pflicht i-n dies, r Zeit — Werken jüdischer Verfasser und üdischen Inhalts sei.ne besondere Aufmerksamkeit .zuwende fi. Die Erfüllung dieses Versprechens garantiert der Musikoerein zunächst einmal durch die Person Kurt Havellands, den er vor einigen Wochen mit der Leitung des Orchesters betrau hat. (Den Chor wird auch weiterhin sein bewährter Gründer Werner € ander dirigieren.) Havelland, der 1904 in Kassel geboren wurde und teils in seiner Heimat, teils in Berlin, bei Leonid Kreutzer und Artut Schnabel, Musik studierte, war seit 1927 sechs Jahre lang am Staatstheater in Wiesbaden tätig, bis ihn Rosenstock zum Berliner Rulturbunfc holte. Saß sein hiesiges Engagement ein glücklicber Griff war, davon überzei gke mich kürzlich der Besuch einer Orchesterprobe, die sich, ohwvhl di« Spieler' sämtlich Dilettanten sind, in bezug -auf Disziplin und künstleris« >en Ernst mit den Proben jedes größeren und prominenteren > Orchest«, s messen konnte. Wenn auch die hier zu leistende Arbeit erst in iden Änfä «gen steckt, so darf man doch das Vertrauen Haberz, daß Havelland uns nicht» Unfertiges vorsetzen wird. Im -übrigen beabsichtigt der Musikoesein, dies -s Orchester, das vorläufig nur aus Streichern besteht, so weit zst vervollf ändigen, daß man in einiger Zeit auch Werke mit Holz- und später eventuell sogar mit Blechbläser-Besetzung spielen kann. Die re st lose Durchführung dieses Vorhabens;dasünsall«nzugutekommt,i st jedoch nur dann möglich, wenn jeder einzelne unserer Glaubensbrüder bereit ist, an der Lösung de'r großen kulturellenAufgabe mitzuarbeiten und sich auch Mäzene fimden, die den Musik verein durch größer« Spenden Mittel für Anschaffungen und für Ausdilchungszwkcke zur Verfügung st eilen. Zur Frage der Organisation wurden folgende Einzelheiten bekannt: für die Wintersaison 1954/55 wird einfestesAdonnement aufgelegt werden, das acht Konzerte verschiedensten Charakter» (Orchester-, Chor- und SolistenkviHerte) umfaßt. Zur Erwerbung einessolchenAbonnementssindnurdieMitglieder des Jüdischen Musitvereins berechtigt. Man wird ihnen allerdings insofern sehr «ntgegenkommen, als die Preise für da» ganze Abonnement (»der für zwei halbe) äußerst niedrig gehalten sind und jede» Mitzlied berechtigt sein soll, ein Abonnement für sich und ein weiteres für ein« zweite Person abzuschließen. Die acht Abonnement»- kvnzerte sollen in regelmäßigen Abständen von drei Wochen, und zwar stet» am Sonntag, stattfinden. Außerdem sind- Sonderkonzerte und eventuell auch noch einige volkstümliche Konzerte in Aussicht genommen; nähere Angaben werden darüber später folgen. Der Jüdisch« Musikverein, der, wie schon einmal betont wurde, da» Bestreben hat, all« musikalischen Interessen der hiesigen Iudenheit zusammenzufassen, wird selbstverständlich darauf achten, daß diejenigen heimischen Musiker, die tonzertreife Leistungen zu bieten haben, auch im Rahmen der hier geplanten Veranstaltungen beschäftigt werden. Wie ich hörte, haben die verantwortlichen Leiter bi» jetzt folgende' /Kräfte aus Breslau zur Mitwirkung in den Konzerten des Musikverein» I ausersehen:- Mathilde Hirsch-Kauffmann, Lotte Schoeps- R o g o f i n s k i, Irene Weißenberg (Klavier); Leopold Alexander, Trude B e h r, Herta G l ü ck m a n n, Sabine H e y m a n n, Lotte Läufer, Lotte S ch l e h k o w (Gesang). , _ Die wirklich kluge und sachgemäße Ausgestaltung des hiesigen Musiklebens erfordert aber auch das Engagement einiger namhafter Künstler aus Berlin oder anderen Kunststädten. In dieser Beziehung wurde gleichfalls sehr sorgfältig vorgearbeitet, um ein möglichst hohes Niveau zu erreichen. Inzwischen sind die Derbandlungen mit folgenden Künstlern zu gutem Ende geführt oder zumindest kurz vor dem Abschluß: Bruno E i s n e r (Klavier), Adolf Fischer, Leo G o l l a n i n und Lotte Schöne (Gesang), Stefan F r e n k e l und Simon G o l d b e r g (Violine), Gertrud Wertheim (Cembalo) und Berliner Neues S t r e ich q u a r t e t t. Eine imponierende Auslese. DenerstenEinblickindie Ar beitdesIüdischen Musikvereins werden die Breslauer am Sonntag, d e m 7. Oktober, erkalten. An diesem Tage findet ein Werbekonzert statt, bei dem der Chor unter Leitung von Werner Sander unst das er st malig von Kurt Hav, l - land dirigierte Or che st er Mitwirken werd e n ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.