Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 13 (15.9.1934)
- Date
- 1934-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer / , Ls Ipifdita ‘ . AMTLICHES BLATT'DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Hauptfchriftlester: Manfred Nosenfelb, D Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Breslau - Verlag: Hellmuth und ^rich D Th. Schatzkg Aktien-Gefellfchaft, Breslau 5, Schatzkg, Breslau, Neue Graupenstraße 7 I Neue Graupenstratze 7 - Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpreis: Die 8 gespaltene MiMmeter-Zeile oder deren Raum 11 Pfennige — Del lausenden Aufträgen Rabatt ..-... Erf^elnungSiermin ftierKehntägig ...•.....mmum«. Für die unter dem Ramen des Verfassers erscheinenden Artikel und die DereinSnachrichten Übernehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung ii. Jahrgang iS. September 1934 Nummer 13 Freiheit Betrachtungen zum Versöhnungstage i/ Eine der Grundlehrcn des Judentums ist die Idee der sittlichen Freiheit „Alles xuht iir Gotfes Hand außer der Gottesfurcht". Der Mensch hat den freien Willen zwischen Gut und Böse zu wählen. Seine Seele unterliegt nicht dem Kausalnexus der sichtbaren Welt. | Sie ragt in eine höhere, unsichtbare Welt der Freiheit hinein. Mit der Idee der sittlichen Freiheit steht in Verbindung die Idee der Erneuerung. Wir beten: „Führe uns zurück, Ewiger, zu Dir l Wir wollen zurückkchrsn, erneuere unsere Tage wie in der Vrzcit. Das deuten die Alten: „Schaffe uns neu, wie einst die Urmenschen." Rein ging der Mensch aus des Schöpfers Hand hervor. Indem icc das Döse wählte und sündigte, geriet^ er in den Zustastd der Unreinheit. Airs diesem kann er sich durch Selbstbesinnung und Buße erlösen, in den Zustand ursprünglicher Reinheit zurückkehren und so sein Leben als sittliche1 Persönlichkeit von neuem beginnen. Dsese Idee liegt der erhabenen Institution des Versöhn un gstages zju Grunde. Indes so sehr Unsere Seele in eiste höhere Sphäre erhoben wird, so wifd doch ihr Zusammenhang mit den irdischen Dingen niemals geleugnet. Die Zustände des eigenen Körpers und der ald Milieu sie Umgebenden körperlichen Dinge über einen starken, wenn auch nicht zwingenden Einfluß auf sie aus. Zwei Momente sind besonders hervorzuheben, welche unserem Leben die Richtung geben: Die Familie-, und ,bas Eigentum besonders dgs Eigentum am Boden. Durch physische und moralische Schwäche kann der Mensch beider Güter verlustig gehen. Er kann infolge ökonomischer Schwäche sein Eigentum, infolge moralischer Schwäche, .etwa als' Dieb, aus dem Familienzufammcnhange gerissen werden. Aber wie die Religion mit der Sünde nicht alz unabänderliche Tatsache rechnet,! so auch nicht mit dem Ausschluß aus Familie und Eigentum. Die sittliche Freiheit der Seele ist eine ihr angeborene Tatsache. Kraft ihrer kann der Mensch wieder rein werden und sich erneuern. Für die irdischen, das Seelenleben beeinflussenden Dstige wurde in allen Zeiten diese Tatsache durch das jüdische Gesetz geschaffen. Dennohne dieses könnte das Seelenleben bei ständigem Fehlen von Familie und Eigentum verkümmern. Nicht ohne besondere Bedeutung würde der Beginn des Iobeljahres gerade am Versöhnungstage in jedem fünfzigsten Jahre durch feierlichen Schofarklang verkündet, „lind ihr sollt Freiheit ausrufcn im Lande für alle fteicn Bewohner, ein Iobeljahr soll cs euch sein, und ihr sollt zurückkehren ein jeder zu seinem Besitze und seiner Familie." Der Mensch darf nicht auf die Dauer zum Paria ohne Besitz und ohne Famili^ herabgcwürdigt werden. Auch hier muß eine Erneuerung möglich sein, ein Wicdcrbcgnm mit neuer Lebenskraft. Wenn wir deshalb in unseren Tagen die Menschen zu echter Freiheit und sittlicher Vollkommenheit führest wollen, so dürfen wir «uys nicht mit der billigen Rolle des bloßen Mahners und Sittenpredigers begnügen. Wir müssen uns bemühen, Ae Tatsachen zu schaffen, welche die wahre Sittlichkeit ermöglichen und die Hindernisse, welche sie stören, aus dem Wege zu räumen. Ein jeder in seiner Familie 1 und in seinem Eigentum! Nur sp ist wahre Freiheit möglich. Sind die irdischen Dinge durch menschliche Schwäche verrottet, so muß eine Erneuerung, eine Rückkehr in den gesunden Zustand stattfindcn. Das ist der Begriff der Freiheit nach jüdischer Anschauung. Hosfmann. Das jüdische Sthulwerk Die besondere Lage | bcr in Deutschland Heranwachsenden jüdischen Jugend erfordert ejn« Erhaltung der bestehenden und den Aufbau neuer jüdischer Schulen. Der Aufbau des jüdischen Schulwesens wurde daher nach einem einheitlichen Plan in Angriff genommen. Auf diese Weise konnte erreicht werden, daß alle neuen Gründungen in ihrem pädagogischen und finanziellen Aufbau von einer Zentralstelle sachverständig durchgeprüft werden konnten. Ebenso konnte die Erfassung der jüdischen Lehrkräfte und ihr Nachwuchs für Neugründungen einheitlich geregelt werden. Die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder jin deutschen Reichsgebiet beträgt etwa 60 000. Von diesen besuchen etwa 18 500 jüdiscte Schulen. Di« Zahl der Kinder, die jüdisch« Schulen besuchen, ist ständig im Wachsen begriffen. — - 8m Augenblick gibt es in Deutschland 10 höhere jüdische Schulen von denen 5 bis heute die Berechtigung zur Abnahme des Abituriums (Reifeprüfung) besitzen. Die übrigen 5 sind Real- oder Mittelschulen. An jüdischen Volksschulen gibt es, nachdem fast alle sogenannten Zwergschulen von der Regierung geschlossen worden sind, etwa 80. In- 75803142