Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 11 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1 4 Breslauer 8 üdisches Gemeindeblatt Nr. 11 diesen Teil des Umschichtungsprozesses anbctrifst, auf die tatkräftige l Mitwirkung der jüdischen Frauenvepbände. Aber alle« in de^Wclt hat seine Grenzen. Wenn auch die jüdischen Umschicktungsbestrebungen an fleh äußerst begrüßenswert sind, iso dürfen auch fic nickt in eine Umschichtungspsychose ausarten. Bor Ucbertreibungen in dieser Beziehung ist, wie bei Leiter des Breslauer jüdiscken Arbeitsnachweises Dr. Alfred Hirschfeld bereits in der vorigen Nummer des Breslauer jüdischen Gemeindeblattes ausgefübrt bat, dringend zu warnen. Es ist durckaus nicht. notwendig, daß Berufe, die bisher von den Juden besonders bevorzugt waren, nun plötzlich von ihnen ggnz gemieden werden. Das gilt auck vor allem sür den Kaufmannsstand. Cs besteht, so.unglaublick das auck für viele klingen mag. tatfächlick ein relativer Mangel an jüdiscken Lehrlingen beiderlei Geschlechts, sowie weiter i an jungen Bürokräften, jungen Handclshilssarbeitern und jungen Laufburschen. Die Chancen find auch für Ausgebildcte dieser Art keineswegs überall so sehr ungünstig. Stenotypistinnen werden außer bei Firmen auch bei Anwalten und anderen Angehörigen freier Berufe (Bücherrevisoren u. a> unterzubringeri sein, desgleichen kennen' Stundenbuchhalter oder -buckhalterinycn dort Beschäftigung finden. Auch Spekitions., . Inserate», und Berficherungs- und Vcrkehrsgewerbe können derartige Arbeitskräfte austiebmen; der Arbeitsnackweis deklagt fich freilich, daß er gerade von diesen Wirtschaftszweige» nock viel zu wenig in Anspruch genommen wird. Im Einzelhandel sind leistungssäbige Berkäuser und Verkäuferinnen immer wieder unterzubringen, desgleichen Expedienten und technisch vorgcbildete Koüsektionäre. Gewisse Erfolge seiner Vermittlungstätigkeit hat der Arbcitsnackweis bisher bereits in der Textil- und Lckuhwarcnbranckc zu verzeichnen^ er bemübt fick, Arbeitsuckende auck in anderen Warenbranchen, wie Trogen, Maschinen, Haus- und Kückengeräte, Bauindustrie, wie ferner i» industriellen Betrieben in Lohn und- Brot zu bringen, Freilich badest die in diesen Bezirken in Frage kommenden Firmen großen Eifer-, fick deS jüdische» Arbaüsnackweises zu bedienen, bisher nickt bewiesen. Daß fick der Arbetlsf^ckkoeis mit größter Tatkraft der Kriegsbeschädigten annimmt, braucht kaum besonders hervorgeboben werden. Eine barte Ausgabe ist ihm mit der Unterbringung der zur beruflichen Umstellnng gezwungenen A ka d e m i kcr gesetzt. Obwohl man erwarten müßte, daß Assessoren, Nescrendare, Studenten, junge Volkswirte, Tiplomkaufleutc u. dergl. leicht und schnell von Handel und Industrie ausgenommen würden, weil sie eine gründlicke Allgemeinbildmig besitzen, scknell umlcrnen und viel guten Willen mitbringen, so ist. dock die Haltung der Arbeitgebersckast ihnen gegenüber zögernd; diejenigen von ihnen, denen es in der Tat gelungen ist, sich eine Stellung zu erringen, haben sich in der Praxis gut bewährt. Schlimm freilich steht cs um' die älteren Akademiker, die ausgeschaltetcn Anwälte, Aerzte oder Volkswirte, doch hält es der Arbeitsnachweis durchaus für möglich, daß, wie -mancher praktiscke Fall gezeigt hat,-bei verständnisvollem Eingehen der Betroffenen aus die Erfordernisse der Zeit auch sür solche Kräfte Arbcstsplätze beschafft werden könney, Soweit cs geglückt ist. Angehörige dieser Kategorien in eine Stellung einzurcihen, haben sie sie gut ausgcfüllt. Höchst leidvoll gestaltet fick weiter auck das Sckictsal der älteren Bankbeamten, trotzdem gerade sie besonders reich en wirtschaftlichen Kenntnissen und Erfahrungen sind und fick sür jede Büroarbeit vorzüglich eignen. Uebcrhaupt ist die Lage der älteren Arbeitslosen, die mit Weib und Kind dem Elend preisgegeben sind, häufig geradezu trostlos. Tiefe Sckeu vor älteren Angestellten und Arbeitern ist der Wirtschaft zweifellos abträglich, denn die so nutzlos verkommenden Fädigkeiten, das brachliegende Wissen, die nicht zum Zuge kommende Neisc, bedeuten eine bedauerliche Vernachlässigung non vcriügbaren ökonomischen Aktivposten, die,' richtig eingesetzt, so manche produktiven Werte schassen oder zum mindesten so manchen Verlustbringenden wirtschaftlichen Fehlgriff verhindern könnten. Aber über ihre praktische Seite hinaus steht die jüdische Arbeitgeberschast hier auch vor einer sittlichen Forderung. Cs gilt gerade in diesem Punkte einer im tiefsten Sinne religiösen Verpflichtung zu genügen, ^Dic nicht abgcgolten werden kann, dadrrck, daß man sich an jüdisch«, Wohlsahrtssammlungcn mit ein paar dem dsr Mensch von heute Arbeitslose wieder einem Berus zu führt, kann er die Vorschrift der Bibel, den Hungrigen zu speise» und den Nackten zu kleiden, am sinnvollsten und erschöpfendsten erfülle». Nicktjeder vermag selbst einen Arbeitslösc» einzustelle», aber ivohl scbr viele baden Gelegenheit, aus anderein Wege den zwang-?- »-eise Feiernden zu Hilfe zu kommen, nämlick »dem sie fick um ihre Unterbringung bemühen. Ter jüdische Arbeitsnachweis siebt eine» Mark beteiligt. In- Einrichtung von so- Persönlickkeiken erjür unsere Stadt neuen Weg hierfür vor: Die genannten Patronaten, d. b.: Geeignete lialten als Schutzbefohlenen einen Erwerbslosen, für dessen Wieder einsckaltung ins Wirtschaftsleben sie sich einzusetzen babc». Irgend welche K o st e n sollen den P a t r o u en nick» entl't elfen; sic sollen als Vertrauensleute des jüdiscken Arbeitsnachweises tätig werden. Tiefer bittet Kaufleute, Akademiker und sonstige unabhängige und einflußreiche Mäniwr uiw Frauen innerbald der jüdische» Gemeinschast, sich ihn, umgebend zur Uebernabme von Patronaten zur Verfügung zu stellen. Tie: Patrone sollen sick lediglich in den ihnen vertrauten Kreisen und »ur sür de» ihre, Fttriorge anvertrautcji, Arbeitsuchenden interessier-'», also darauf achten, ob etwa sür j ihn eine Unterbringungsmöglichkeit >'ei Bekannten-bcsteyr u»d in» diesen empseble». TarüberZnnausgehend» Bemühungen sind nan.rlick erwünscht, werde, abert nickt verlang Ferner hätten die Patrone sreiwerdende S Kenntnis erkalten, itir welchen sie ab>, lei, dem Arbeitsnachweis zu melden. Tie Bede jnstems liegt vor allein auck darin, daß die beitslose» individueller gestaltet werte» kaiin, als cs die-notivendigerweife büromäßigc Vermittelung durc den Arbeitsnachweis ermöglicht. Ucberbaupt bedarf es, soll der Tätigkeit ein volles Erfolg beschicken sein, der Mitarbeit all e r j ii - discken Mensches, in Breslau unl Schlesien. Tenn auch in der Provinz werden immer Stelle» frei, welche von jüdische» Arbeitsuchenden besetzt! werten könnten. Bisher sind solcke Vakanzen dem Arbeitsnachweis ji„ viel zu geringem Umfange gemeldet worden, wie fick überhaucht bei der jüdischen Bevölkerung der Arbeirs Nachweis noch lange nicht der genügenden Beachtung erfreut. Uebcrpartcilick und ui,parteiisch dient diese segensreiche Einrichtung den Anhängern allcl jüdischen Wcltansckaui mit den Organisationen sämtlicher Nichtunger tums'jm besten Einvernehmen zusammen. clle», von denen si« e» Kandidaten habe», nung des Patronats- Werbung sür den Ardcs Arbeitsnacknoels.S losen können und sollen sich, wie schon erwähnt, an den jüdischen Arbeitsnachweis wenden, es ist verfehlt, ,ve einem durchaus falschem Schamgefühl heraus Vor allem aber ist cs dringend notwendig, sonen, welche Stellen ^u vergeben haben, sich Arbeitsnachweises bedienen. Ter ist, ganz überragenden Nolle als sozialem und wirtschaftlichem Faktor, auch eines der vornehmsten Mittel, um de» Umschicktungsprozcß, dessen Tringlickkeit'außcr Frage stcbt, rationell u„) möglichst reibungslos zu vollziehen. Nickt alle jüdische Not wird der Arbeitsnachweis beheben in der oder jener aus davon Abstand nimmt, baß alle jüdischen Pexzu ihrer Besetzung des abgesehen von seiner können, aber ungeheuer viel wird er zu ihrer vermögen, wenn alle, die cs angcht, ihre Psl> Hugo Spanier 60 Jahre Septcmsicr 19.14 ^feiert Her - Am 4. Spanier, Inhaber! der altangesehenen Firma bst. Geburtstag. Ter' Jubilar ggbört dem V o r st a n d : der Synagogen- Gcmcindc an und ist gleichzeitig erster Vorsitzender ihres Bautätig ist. Cr ist noch des Zentralverbandes sind Mitglied des A»fm. b. H. ausschusses, in welchem er bereits seit 19.ll Vorsitzender der Ortsgruppe Breslau jüdischer Handwerker: Deutschlands e. V. sichtsrats der Volksblank Wratislawia c. G. ungen, ,u,d sie arbeitet innerhalb des Iudenl l e jüdischen Arbeits- Linderung bcizutragen ckt tun. M. 11. Glascrmcister T. Bley, H,IM seinen t Wir wünschen ihm noch Dienste der Allgemeinheit. viele Jahre rüstigen Wirkens im