Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 11 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Breslauer Südlsche» G «m e i n d eb l at t 5 Gedenkfeiern Akademische Zeier de- Jüdisch.tkeologischen Seminars Am Dienstag, den 17, Juli, fand in der Scminarsynagoge die Gedenkfeier für Chaim Nachman Bialik statt, zu der zahlreiche Gäste, u. a, der Vorstand der Synagogen-Gemeinde und andere bekannte Persönlichkeiten erschienen »raren, Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand die Rede 1 des Seminar-Nabbiners Dr. Israel Nabin, der in eindrucksvoller, wisienschastlicher, liebevoller Gestaltungskraft und sortfeißender innerer Ergriffenheit die Veteutung Vialiks für die geistige Erneuerung des Judentums herausarbeitete und den Zuhörerii ein vollendetes Vild vom Wei'en und der Persönlichkeit des groß»» Toten gab. , Der Redner führte uiigcsähr folgendes aus: Vialik ist an einer Zeitenwende geworden. Als die neue Reaenerationsbewegung begann, war er noch Jünger der Ieschiwab in Wo loscht n. Er" war geborenen der dumpfen Amaebung der jüdischen Armut. Mit kaum 5 Jahren wurde er der Natur und der Freiheit der ländlichen Amaebuna entrissen. Vald nach dem Tod seines Vaters kam er zu streng frommen Juden nach Sckiit o m i r. Was er in der Kindheit erfahren, wiederholte sich in den Iugendjabren. Vieles von dem, was er später als Quellen seiner Kraft bezeichnet, bat seinen Ursprung in diesen Zeiten der Rjot. In jungen Jahren wandert er >n die andersgeartete Umgebung der litauischen Juden, in eine Welt, in der der jüdische Asket lebt, ganz versenkt in die Folianten des Talmud, in die Atmosphäre des . Matmia". Dann eröffnet sich Vialik wieder eine harte Umwelt. Als kleiner.Beamter durchzieht er sdie Ravvngebietc an der preußisch.polnischen Grenze, siebt jüdische Menschen in Hast, Unruhe und Verängstigung. Hier erkennt er den Juden der Sabath. klier entströmt der N«s »ach Ireibeit, Licht, 'Umkehr zur Vcrqangenk e i t. Hcranreisen zur neuen Zeit. Cr protestiert gegen die Zeit und ihre Erscheinungen. Er dichtet. Wenige Jahre nach seiner dichterischen Berufung tritt er in die zionistische Bewegung ein. Ueber die politische Bedeutung hinaus sieht er als Jünger Achad 5) a a m s in ihr den zukünftigen Träger der geistigen Cr- Neuerung, diese bedeutet , ihm die Wiederherstellung ' des" Gleichaewicbts zwischen Körper >ind Geist. Nationalem und Univen'alem, Bedingtem und Cwiacm. So ist sein Ideal jüdischer Erneuerung zwischen 1897 und 1903. Dann kommt das Pogrom von Kischinew Cr vcrzwciselt an seinem Volk. iCr protestiert gegen Gott. Aber er erschöpft sich Nicht im Protest. Cr siebt wie die Propheten das Neue. Cr schüttelt den Schmerz ah. Hoffnung und Ireude siegen über Verzagen und Web. Cr findet den Weg, den er dann 30 Iabrc bis zu seinem Tode gegangen ist. Sein Wirken geht weit über das Dichten, in dem er der geniale Meister ist, hinaus. Cr arbeitet an der Ha gada als der ureigentlichen Quelle! schöpferischen Judentums. Cr ist Lehrer an der Anstalt für dir jüdische Wissenschast in Q d c s s a Cr wird züm beliebten Führer der Masse. Keine Arbeit ist ihm zu gering. Die verausgabe von K i n d c r s i b c l n und Volkslieder» jgebört ebenso in den für Vialik Bereich seiner umfassenden Tätigkeit wie die wissenschaftliche Edition des mittelalterlichen Dichter-Philosophen Salomon ibn Ga - b i r o l. Daß ihm wissenschaftliches Denken eigen war, beweisen vor allem seine tief schürfenden. Untersuchungen über das Verhältnis von Halacha und Hagada. In P a l ä st i n a erkennt er eine Der- ' Hindun« von Vergangenheit und Gegenwart. Cr ist der Initiator des palästinensischen „Q n e g Schabba 1". Cr wird zum jüdischen - Gewissen, das alle Parteien anerkenne!» llkWR'txhren Seine Fürsorge gilt besonders der hebräischen Universität. _ <so-steht Bialik per Dichter, der Sammler, der Erzähler, der »rreund, der große schöpferische Geist, der sür alte und neue jüdische Schöpfung wie kaum ein anderer zu begeistern versteht, im neuen Palästina ohne eigentliches Amt an der Spitze jedes geistigen Seins. Wenn er ruft, ist das Volk erschüttert, wenn er schweigt, ist das Volk nachdenklich, wenn er in seiner Mitte weilt, wird im Volk das Werdende und Ringende siegbaite Wirklichkeit. — Nun ist er verstummt. Bialik ist aus' der höbe seines Schafscns gestorben, jzu einer Zeit, wo man ihn nötiger brauchte als je. Wir aber dürfen nicht verzagen. Dialik verglich -sich einmal mit dem verlöschenden Stern im Dunkel der Rächt. Wir aber wisien, dasi sein Stern noch lange sein strahlendes Licht über uns ergießen wird. Ihm gebühren die mesiianischen Worte Daniels f 12,3): Die Einsichtsvollen werden strahlen wie, der Glanz des Himmels. Die Gedächtnisrede , des. Seminar-Nabbiners war umrahmt von einem Psalm und dem Cl mole rathamim, das Herr Kantor Topper stimungsvoll zu Gehör brachte.. Tic Feier fand mit der Tccbesakna ihren Abschluß. L. S e i d m a n n. Vialik-Geöenkfeier -er Zionistischen Vereinigung Zu der Bialik-Gedenkfeier der Zionistischen Bereinigung und des Msrachi, welche vor kurzem im großen Saale der Lessingloge stattfand, batte sich ein zahlreiches Publikum cingefunden, ein Beweis dafür, wie sehr Bialik als Träger 5er geistigen jüdischen Erneuerung geschätzt wird. Zu Beginn der Veranstaltung brachte Oberorganist Schaffer «in Harmoniumoorspiel zu Gehör. Die Herren Be. Lur (Violine), Prausn i tz e r (Violine), Walter Riescnfeld (Violine) und Schweitzer (Cello) spielten anschließend einen Satz von Mozart. Hierauf hielt HefrBozcyt Be. Israel Radin die Gedenkrede, die in ihren GrundzügcN der im Jüdisch-Theologischen Seminar gehaltenen Gedenkrede entsprach, «her das dort Gesagte noch erweiterte und vertiefte. Bialik habe I <jus dem Erleben geschaffen und stets das ausgesprochen, was hass Volk gefühlt, gewellt und gedacht habe. Mit Ä ch a d H a a m habe Bialik erkeannt, daß in einer Bewegung wie der des Zionismus des H e i st als Primat ununterbrochen wirksam sein müsse. Beshalb habe Bialik die Erneuerung.dcsjüdischen Geistes gewollt. Bialik werde unvergessen bleiben, wie alle» Große im Judentum cs geblieben sei. yn Nach der Trauerrede sang Herr Kantor Topper das El mole rachamim. Anschließend trug Rabbiner Geld einige Gedichte Bialik» in hebräischer Spracht vor. Ber Chor der zionistischen Jugend sang hierauf die Techesakna. Mit dem Gesang der Hatikwah wurde die Feier geschlossen. M" L. R. .... und Weine und Liköre 2ii allen Festlichkeiten dürfen nur «jon HERZBERG sein ReligMsliberaler Verein der Synagogen Sonnabend Im großen Seal , 25. August er., abends SV, llhr, Baale der Leasing-Loge, Agnesstr 5 Vortrag des Herrn R a b b i n < r Dr. Gottschalk, her In „Prophetismus und Emanzipation1 Sämtlich) Mitglieder der Synagogen - Gemeinde tpben freien Zutritt Ferner Montag, am 27. und Mittwoch, am 20. August, sowie Montag, am 3. September er., abends 8 ’/JlIhr in der Wochentags-Synagoge, am Anger I 3 Kursus-Abende unt. Leitung von Herrn Rabbiner Dr. Koppel-HirscHberg .Einführung in das Einheitsgebetbudi für die hohen Festtage' Oie TeO/iehmerkartsn zu 1 Hk#, gültig für alle 3 Abend« sind beim Kistsllan der Letsing-Log«, Agnesstrape 8' erhältlich. , DER VORSTAND Sesufftt perl. OftloAer 103% Wohnungen von 10 bis 15 Zimmern in einem Hause evtl. Villa zur Erweiterung einer Stiftung. Lage nähe derElekr. m'Suden. Zimmermüssen einzeln besonderen Eingang haben. Offerten unter W. 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