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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-07-30 · 10 (30.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
10 (30.7.1934)
Date
1934-07-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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=*= Breslauer Jüdisches G-emeindeblatt Nr. 10 nur von Fall zu Fall in Beratung vpn den zuständigen Stellen entschieden werden können. So ergebet» die Richtlinien einen allgemeinen Rahmen, der für diesen Zrvfig der Arbeit deS Zentralausschusies maßgebend ist. Im einzelnen ist noch auf folgendes hinzuweisen: Die Frage da Verussumschichti mg kann nur im Zusammen,- bang mit den wirtschaftlichen Cinorpimngs- und Unterbringung--. Möglichkeiten behandelt werden. Cs »var daher notwendig, unter diesem Gesichtspunkt (jenseits aller l Weltanschauungen) auf den Unterschied zwischen handwerklicher und landwirtschaftlicher Berufsausbildung hinzuweisen. Während die im Handtvcrk Ausgcbildetcn wenigstens zu» Teil in Deutschland untergebracbt werden können, ist diese Möglichkeit bei den bestehenden Verhältnissen, für die landwirtschaftlich Ausgebildeten so gut wie . gar nicht gegeben, Praktisch wird landwirtschaftliche Berufsausbildung, von einigen wenigen Möglichkeiten abgesehen, Berussumschichtung mit dem Blick auf Palästina sein. Aus der anderen Serie erschien es uns notwendig, daraus binzuweisen, daß die Erhaltung vorhandener Wirtschastspositionen in Deutschland ein wichtiger Faktor unserer Berufspolitik sein muß. Gegenüber manchen Stimmen, dse in letzter Zeit laut wurden, dielten wir uns stir verpflichtet, zu betonen, daß »vir das Bestreben der jüdischen Jugend, Berussumschictzlung in bewußte,' Abkehr von der einseitigen Berufswahl früherer Zeiten zu treiben, unter alle» Umständen begrüßen und mit allen Mstteln zu fördern gesonnen find. Tics gilt in gleicher Weise, unter gewissen Einschränkungen, für »l en Umschichtungswünsche von Menschen, die in ihr keine BetätiaungsMöglichkeit mehr haben oder gegeben ist, sich handarheitcnden Berufen zuwc» Wir stehen aus de»)» Standpunkt, daß jede tisierung gerade aus dem Gebiet der Berus mieden «»erden muß. i Zweierlei muß jedoch erstens muß für das Gssamtgcbict jüdischer Berj»! heitliche Planung beide halten und ausgcbaut Zentralausschuß unter! Beratung aller berufe i< geführt werden muß, zweitens ist zu fordern, jüdische Mensch, der vor der Wahl seines Berus b Entschluß nicht faßt, ohne sich bei der für ihn schastshilksktclle seiner Gemeinde beraten zu bade, die Eine wirkliche Planung aus uns nur möglich sei«, wenn die Gesamtheit blem der Berufswahl gestellten jüdischen M saßt »»erden kann. Rur dann kann eine n irklich jüdische Be rufspolitik, die unter Vermeidung aller li in gerechtem Ausgleich des Interesics der A individuellen Gegebenheit durchgesührt werden. Art ' Die einzige Forderung weltanschaulicher. konnten, weil sic Gemeingut aller Richtungen am Schluß der Richtlinien betonte Notwendig k der Berufsumbildung d»irch eine jüdische Erz 1. August 1934: Lehn Jahre 'kemein-k klrchiv Don Bernhard Brillin g, Breslau m früheren Beruf auch, wenn diese »pollen. st a r re Schema Umschichtung v c r - gefördert werden: »sspolitik eine einwerden, die vom en Stellen durchdaß jeder junge Weges steht, seinen zuständigen Wirt sem Gebiet »vird der vor das Pro Infchen beratend ercbertreibungen und llgemeinbeit und der vird, sichergestellt die wir erbeben geworden ist, ist die eit der Vertiefung Huna. Das vergangene, für uns Juden besonders creignisreichelIabr, bat auch den historische»» Sinn de» deutschen Judentums wieder neu belebt. Während'früher jüdische Geschichte, jüdische Kunst überhaupt, Wissen um jüdisch« Dinge als etwas sehr Nebensächliches betrachtet und die Beschäftigung damit als nutzloser, »penn nicht gar überflüssiger geitvertreiv von »veitaus größten Teil des deutschen Judentums empfunden wurde, sind jetzt die jüdischen Werte bei uns Juden im Kurse gestiegen. -Besonders wichtig wurden im vergangehen Jahre für viele die wenigen bestehenden jüdischen Archive, die die. vorhandenen Reste jüdischer Geincindeaften, tote Erinnerungen an einstmals sehr blühende» Leben, in ihren bisher sehr ruhigen Wänden beherbergten. Jetzt rächten sich die Sünden früherer Generationen mit ihrem gänzlichen Mangel an historischem Sinn, mit . ihrer Vernichtung aller jüdischer Tradition, mit ihrem Vergcssenmacher» alles dessen, wa» der, Inhalt des Lebens ihrer Vorväter ^deutete. Diese absolute Indifferenz gegenüber den Vorfahren, di6s Nichts-wifsen-wollen vom > Judentum hatte sich nicht nur auf die lebendigen Werte der Tradition erstreckt, sondern auch auf die Papiere und Akten, in denen die Schicksale und das Leben vergangener 'jüdischer Generationen ihren schriftliche)» Niederschlag gefunden hatten. In vielen Fällen war daher gar nichkMehr das Material vorhanden und aufzutreiben, uin die vielen Fragen, die infolge der bekannten Arierparagraphen bei den davon betroffenen Berufen beantwortet »verden »nutzten, aufzuklären. Auch das hiesig« Geineindearchiv hat diesen plöhlichen^Ansturin über sich Ergehen lassen müssen. Diel« Fragen nmhten unbeantwortet bleiben öder konnten nur zum' Teil beantwortet werden, weil das Material entivtder schon vernichtet war »her sich irgendwo in einer Provinzstadt auf dem Boden irgend einer Synagoge befand uni» jo für die Be»mtzung nicht in Frage kam. Diesen Schaden, diese Nichtachtung der Accbioalien zu beseitigen und ihre Konzentrierung iN der Grvhgemeinde Breslau herbeizuführen, ist die Hauptaufgabe des Breslauer jüdischen Geineindearchivs gelvesen, das am l. August 1934 auf sein zehnjähriges Bestehen und damit auf seine zehnjährigen Dienste für die verschiedensten Zweige jüdischer Wissenschaft, besonders aber für Geschichte und Genealogie zurückblicken kann. In diesen zehn Jahren hat das Archiv Dank seinem Schöpfer und Leiter, Rabb. Dr. Arvn Heppner — bekannt durch seine Tätigkeit für da» älteste jüdische Archiv, das Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlln, sowie durch s«i»t« wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Gebiete der posener und schlesischen Heimat»- und Familiengeschichte — sein« Hauptaufgabe erfüllt, di« darin bestand, die in der Provinz bei. Geineinden oder Privaten vorhandenen Akten und Urkunden zu sanrmeln, zu sichten und sie der allgemeinen Benützung im Archiv zu Breslau zugänglich zu machen. 8n einer früheren Nunnner dieses Blatte» »vm Jahre 1433 konnten wir di« Bestände an Akten, Dokuinenten und sonstigen Papieren aufzählen, die bi» zu dieser Feit im Archiv niedergelegt oder, vom Archiv erworben worden waren. Wir wiesen damals darauf hin, dah es noch «ine Anzahl von Gemeinden, Vereinen und Privatpersonen gebe,-bk« sich des Wertes de»; von ihnen eifersüchtig gehüteten Akten für die jüdisch« Gesamtheit ur»d die Misch« Geschichte nicht bewusst wären u»»d sie lieber verkommen liehen oder Privatpersonen anstatt d«r einzigen dafür zuständigen und geeigneten St«lle, dem Breslauer Gemeindearchiv, überliehen. Wir können feststellen, dah diese unsere Aufforderung ei»»«n gewissen Erfolg gehabt hat, der sicherlich nicht z»lleht dem Umstand vu verdanken ist, dah sich in der letzten Zeit in den Anschauungen des zeutschen IudenMms über seine Vergangenheit ein grundlegender Wandel vollzogen hat. In dem vergangenen Jahr »md auch in de» ersten Hälfte dieses Jahres übergaben weiter eine Anzahl jüdifch-schlesi chcr Gemeinden ihre nicht n»«hr benutzten Akten und Archivalien dein Gcineindearchiv zur Aufbewahrung: Kanth, Neiße, Schlveidnih, Städte!, Strehlen. Stricgau, Trachenberg, Winzig. Daneben erhielt das Archir noch einzelne Dokun»«nte aus: Festenberg (Mohelbuch), Nanrslau (L edurtsregistcr), Neustadt O.-S. (Maskirduch), Prausnitz (Friedhofsinschriften), Reichcnbacb, - Rosenberg O.-S. (Mohelbuch) und Waldenburg (Mohelbuch u. a.). j Neben diesen allgemein schlesischen Archivall:»» erfuhren auch die speziell Breslauer Bestände im vergangenen Zeitr, um einen zahlreichen Zuwachs. Das Archiv erhielt chieder eine Anzahl Ä tohelbücher aus Breslau, zum Teil in Original, zu»n Teil in Abschrift. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert und ryerden besonders der Brcslauer jüdischen Familien und Personengeschichte sehr dienlich sein Diese Mohclbücdcr stanrmen von De. Max Freudcnthal, Kantor D. Kochanowski, Kanter Muschel, Mendel Neumann und Joel Struck, Bre» lau. Denselben Zweck werde»» auch die Kuntressi»» (mit Totenverzeicbnissen versehene liturgische Handbücher für Dorbetcr in hebräischer Scbrift und Sprache) erfüllen, die vom Archiv neu erworben worden sind: Der Kuntres der Glogauer Synagoge aus dem Jahr« >318; 2 Kuntrcssin, der ehemaligen Lembergicr Synagoge (aus den 8<hre» 1837 und 1979) sowie ein Kuntres des 'Vereins: Ssauwa Ssmochaus aus den» Jahre 4825, der von Herrn Dr. Daniel Fränkcl aus dein Aachlah seines Vaters Martin Frankel s. A. dem Archiv überiviesen wurde. Aber auch andere Dereinsakten wurden im diesem Jahre dem Archi v zugcstellt, eine Abteilung, die bisher im Archiv sehr u-enig vertrete», war, da die »»»eisten jüdischen Vereine ihren Akten, wie bereits gesagt, kei»allzugrohcs Interesse entgegenbrachten, obwohl ein Teil von hncn sicherlich mehr als nur vereinshistorischen Wert hatte. So erhielt das Ai chiv aus dein Nachlaß des verstorbenen Predigers Bähr aus Waldenburg neben vielen anderen Akten des „Vereins Israelitischer Lehrer der Provin . Posen und Schlesien", die über das kulturelle Leben der jüdischen Geme nden Schlesiens einen gewissen Auffchluh gebettz sowie durch den inzwisch n verstorbenen Kantor Ehrlich ein Iahrzeitbuch der 2. Brüdcrgesellschaft lind Akten des Vereins „Ahawas Ieruscholajim"» Ebenso wichtig fsjx das nnere Leben der schlesischen Iudenheit — besonders ihrer Jugend — sind die Akten verschiedener Iugendverbände und Organisationen, die Haupt Schlich durch die Be- »nühungen de» Verfassers in das Archiv gelangt sir d. Es träte»» in diese»« Jahr hinzu Akten der ^Kadimah", (aus dem Be itz von M. Trainmer) u»»d des jetzt mit dem Dar Kochbar fusionierten Gottvercins „Hakoah"- (Blau-Weiß) (von Herrn! Krebs). Leider gelang ec bisher nicht,die Aktendeständ« der ersten jüdischen Iugendorganisatio», des Blau-Weih, die sicherlich viel Auffchluh über die Geschichte der jüd scden Iugendbe»r>egung bieten würden, für das! Archiv zu erhalten. Neben diesen Archtvalicn, die von behördlichen und privaten Organisationen unbDerbärchen herrühren, sind auch in diesem Jahre wieder .i zu verzeichnen, die meist -«teils durch Schenkung chiv gelangt sind und seh: vi«l historisch verlvert-;. Wir nennen hier die Nachlässe des Predigers (geschenkt von seinem S> hn E. Bähr in Reichen- M. Brann (der letzte T« il des Nachlasses wurde ... . l. Dr. Brann dem Archiv; eschenkt), des Rabbiners Dr. Saloinon Lohn, zuletzt in Berlin (geschenkt vo, seinem Schwiegersohn W. Kober) u»»d des Rabjbiners Klüger (geschenkt > on Frl. Klüger). Dazu treten »wch Eingänge von Ehren-Urkunden übe» den verstorbenen GenieindeältesteN Eduard Sachs, von Schriften über chlesische und Breslauer Eingänge aus Prioatb aus Nachlässen cm das! bares Material enthielt Jacob Bähr-Waldenburs bach), des Prvfessors D? jetzt »on seiner Tochter

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