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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-06-29 · 8 (29.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
8 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Breslauer Jüdisches G e m e i si d e bll a t t Nr. 8 Xio?iaä>riäu von dem am 19. JfommcrMcnrato« Mar p infus i« i»citcn Mrcifcn vrcMcftcns, des Reiches Iraner «nid schmerzliches Bedauern a! 93tar pinfus war eine geistig u Persönlichkeit. 3»?ce««stadt im ,\abr ■JCcbichulc in L r> o n, bereiste dann trat burauf in die Peine» und. Dam Neustadl als Pebrling ein. Lein her aus dem Iuhenreservat Iülz Lum iz»»nfchciöcn doch Juni erfolgten Heimgänge des?c e u ft a b t O«. wird in und darüber hinausi ehrliche «Slösen. wirtschaftlich hervorragende 1S57 geboren, besuchte er die gland und?lordamerika und ist.Weberei S>. Fr ä «) k e l i» Großvater Samttel Fränkel, stammte, batte die< Firma ild G it ßtnftus Vereins und Protektor und Ehrenmitglied vieler anderer Organssationen. Sesne Dei dienste um seine Vaterstadt wurden durch die Ernennung zum Ehre ibürger aiierkannt. Mit reget Antei nähme verfolgte er das Lehen der Syna - gogen gemein de Neustadt, deren Vorsitzender er 192«« wurde. Er gehörte ä ich zu den Begründern des BrfcSlaucr Jüdischen MnseumSverejns unl satz in dcsien Vorstand. In seiner Familie war seit sehet eine vorbildliche soziale Besinnung heimisch, die sich in zahlreichen bedcrtcnden Stiftungen für die Arbeiterschaft der Firma, für die Stabt und die jüdische Gemeinde ausdrückte. Mar Pinkus machte sich diese Gesinnung in weitgehendem Maste zu eigen/ So schenkte er der Sjtadt?reustadt das große moderne Krankenhaus, das iir aus eigene Kosten hatte erbaue» laste». Aber ncbpn all einem Wirken im Betrieb und im össentlichen Leben sand eis in feil ton Mußestunden die Feit zu einen: Werke, das als sein allerpersö! «liebstes anzujehen ist. Er schtis in mehr als fünfzigjähriger Sc mmcltätigkeit seine große Schlesierb ü cb1 e r e i, Heren Ruhm heute weit über die Grenzen Schlesiens binausreicht. j Aus rciner Liebhaberei erstand er einst bei dem Antiguar Samoisch in Breslau einige Sebiveinslederbände als Lchmucl für sein Arbtitszimilier. Es waren alte schlesische Historiker, aus ihnen erwuchs seine Beschäftigung mit der Kultur iiub der Pitcratur seine» Heimcftprovi« z, ein gigantisches Gebiet, das damals noch Neulgud warf. Mar pinkuS hat dann in seinem Rcuslädter heim eine großartige BiNiotbek aufgehaiit. Der plan dieses akademisch startMe 2 tzicht' vorgebizdeten Mannes, das gesamte schlesische Schrifttum zu sammeln, ist |tum großen Teil geglüclt. Die Schlefierbücherei umfaßt jin mehr als 50 Abteilungen alles, was über die Kultur und Natur Schlesiens geschrieben oder gedruckt ivurde, darunter viele Buch- Handschriften und Urkunden. In der literarischen Abteilung finde.« in’ir Manuskripte, Briese und Erstdrucke aller schlesischen Dichter, Wm Barockzhi^alter^ angesangcn, bis zu Gerbart Hauptmann und Hermann Stebr, mit denen er befreundet «var.! Gelehrte! des In- und Auslandes, Dichter rmd Studenten sind Miner «vieler gern bei ibm eingekehrt. Seine liebensivürdige, schlichte Persönlichkeit, sei«« prachtvolles Menschentum ließen alle mit Verehrung zv ibm auibliclen. Bis zuletzt war er geistig frisch, von fast ' jugendsicher Regsamkeit. Als et vor wenigen Woche» ein Breslauer privatsßnatorium verließ, «vobin er eines Herzleidens wegen sich zu sein. 2 wärttgen sein Wirken Bei der würdigte fönlichkeit hes Verstorbenen. Iustizrat Kochmann (Gleiwitz) sprach für den Oberichlesischen Synagogen-Gemeinde-Verband, besten Vorstand Mar Pinkus angehört batte. An der Beisetzung nabm auch Ge» bart H a u h t m a n n mit seiner Gattin seil. Kurt S ch w e r! n. mündet, erfolaleif Lode Idd7 wurde Mar pinkuS Teilhaber; nach dem 190b feines Vaters, d zs Geheimen Kommerzienrates Pinkus, der die Töchter Samuel Fränkels 'geheiratet ltitete er die Firma als Seuiorcbei neben den andere«« Incnis der. Familie Frällkel. 2 ie einzige Schivcster von Mar pinkus. ist die Witwe des berübm e» Forschers uird NqbelpreislraKrse . p« ul Ehrlich, der aus Strehlen i» Schlesien stammte. Die Fxjma S. Fränkel erreichte u« ter Mitwirkung und Führung vml?mi.' Pinlus de» Höhepunkt brer Entivictlung, und genießt Weltrii«. Sl.bon ui» die Iabrbuizdcrtivende.war S. Fränkel eines der «virkich.afnich bedeutendste» Unter »ebmen der europäische» Textil indtlstri^. Mar pinkus bat es vekfanden, sic «vährend der Kriegs- .iahte; ujib «nl den Nacblriegsjabren auf stolzer Höbe zu halten. Vorgänger in der Pci iung der Firma, stellte er vielen Grcmiet« feind Mitarbeit zur Vers «gung, u. a. war er seit 1909 Mitglied und «eit.1922 Vizepräsident der Oppelner Handekskanrmer, Mitglied des Deutsche» Industrie- und Handelstages und Ehren- .Mitglied des W'rbandes schlesischer.1 ertilindustrieller. 1911 «vurde er Kr»,«ne zienrat/ I«,^ seiner Heimatstadt «var er jahrzehntelang Stadtveßordnhter, Dsitglieg des Kreistage «, Prytcktor des Kausmännifchen Heöächtnisstunüe für (rlch Vager aal Eine Erinncrungssiunde für 2«'. Juni, abends, .der Religiös SynPygen-Gemeinde im großen S ladum, des Vereins war ein zablrcj Mitte des pflanzengrüns, mit dem «varei« sechs Kerze«» gehettet. deren aus daß dabinter sich erbebende Bild Eingeleitet «vurde die Gedenkst» del, zu Gehör gebracht von Frau Hcnnig (Gesang) Und FrLrUein 'hielt Wer Vorsitzende^des Piberalen denkreoe. Tie Lücke, die der Vers io er u. 4. aus, werde sich nicht schlie dem« sie bilde ein Vermächtnis füi Erich Bayers äßzuncbmen. Taraist Pebensfckus des Tahingcgangenen. »ic zum religiösen Liberalst- Ideenwelt alS Begründer > Jugend-Vereins ,.Abrahe m geben batte, glaubte er, sür Jahre «nieder geheilt er «väbrend der Unterbaltung mit einem ausfsncher jäh a«»s einem Leben abberuien «vorbei«, in dem Spuret« binterläßt, die nicht veriviichl «verden. Beerdigung, die it» aller Stille in Neustadt stattfand, zirksrabbiner Tr. Feinberg (Gr.-Ltrchlitz) die Per- 6 rich Bayer hielt am Dienstag, Liberale Verein der Breslauer e der Lessingloge ab. Ter EincheS Publikum gefolgt. In die dgS podium ausgeschmückt «var, feierliches Licht seine Strahlen des Verstorbenen «varf. »de!mit dem Largo von Hän- Szöphazy (Violine), Frau Breslauer (Flügel). Dann Vereins^ Herr Lachs, die Geebene Hinte,rlastön habe, führte Den und solle sich nicht schließen, die Lebenden, sich des Werkes schilderte der Redner den seine» Weg vom orthodoxen mus rmd fein Wirken im Dienst und Dorsitze««der des Religiös- Geiler", als Vorsitzender deS Religiös-Liberalen Vereins der Synagogen-Gerncinde und alS Mit glied des' Gemcindevorständcs und der Gemeindevertretung. Für Erich Bayer habe der religiöse Liberalismus .kein Judentum am Rande bedeutet, sondern ernste und tiefe, daS Lebe» in sich begreisende Gläubigkeit, so daß dicstc prägnante PersöiUichkeit, erfüllt von igkeit, so starker religiöser Inbrunst und echter Frömmigkeit gcwesen sei 'und das sittliche Postulat, das der Mensch edel sein solle, hilfreich und i gut, nach allen Richtungen bin zur Tat habe werden lasten. Tiefes Lebst» in seiner harmonischen Gcschlostenheit stelle sich für dic Miti und Nachwelt als immer «vieder neu zu lösende Ausgabe dar DaS Bxahmssche „O Tod, wie bitter bist du", von Frau H e n n i g eindfucksvols vorgelragen, leitete über, zu der zweiten Gedenkansprache, welche Herr Lebrcr D a v i d j o h n hielt, der betonte, daß es hie Bestsindigkcit des Lebensergebnif es, «vie sie nur aus der Sinbeirrbarkeit idealer ^Gesinnung hervorge st, das sei, was dem Leben Etviigkeitsfistn verleihe und daß, so gescheit, der Verschiedene die ihm vom Schicksal gestellte Daseinsausgabe erfüllt habe. Die weihevolle Veranstaltung sa «d ihren würdigen Abschluß mit - dem Haydnschen! Largosatz in Eis-Dur, der von Frau 2 z e p h a z y^(Violine), Frau L a s k cjr (Violine), Frau Lcwin (Cello) und und inhalll ch erschöpfend zu Gehör geb acht wurde. Frä««lein Vreslatrer (Violine) technisch vortrefflich M.

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