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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-06-29 · 8 (29.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
8 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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* yy Breslauer ißcmcinöetilatt AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE BRESLAU Hauptschrlfileliex: Manfred Rosenfeld, - Drück und Anzeigen-A Breslau - Berlag: Hellmuth und Erich I Th. Schatzkg Aktien-Gefelj Sch atz kg, Breslau, Reue Graupenstraße 7 I Reue Graupenstraße 7 - Tele Anzeigenpreis: Die 8gespaltene RtiMmeter-Äeile oder deren Raum ir Pfennige — Bei laufen Für --je unter dein Namen >eS Verfassers erscheinenden Artikel und die Dereinanachrichten llbemehmen wir nur eiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii« Erscheinungstermin vierzehntägig IHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIItll««!«!!»! nähme: Druckerei schuft. Breslau 5, on 24468 u. 2446y den Aufträgen Rabatt IMIHMItillllHIHMIMIItlMHIHIMIIHIMtlMIH die prcfsegesetzliche Verantwortung ii. Jahrgang 29. Juni 1934 Nummer 8 Der Fastlag im Monat WnnnrS Scfiiwo oßor b'thämus „Ain 17. Thainus wurden die Gesetzestafeln zerbrochen/ das tägliche Opfer hörte mif, die Stadt wurde gestürmt, 17. Thamus des Jahres 70, c in selben Tage mußten auch die Opfer im Tcnipel eingcste llt werden. Sieben Iabrbuir- Apostumns verbrannte die Tborä, ein Götzenbild wurde derte vorhcr hatte 5^ö»ig D «nasse, ein Zeitgenosseder i»i Tempel ausgestellt". (Taliiiud Traktat „Fasttag" 20). Gin Fasttag im Monat Thamus bestand schon zur Zeit des ersten Exils, weil in dieseiii Monat die Maucrii Icrusalenis diirchbrochen worden waren. Der Prophet Sccharja verheißt, daß dieser, wie auch alle übrigen Fasttage, wieder in Fortfall koiiimeii solle, sobald das neue Jerusalem ausgcbaut wordoii sei. Zum Andenken an die zweite Zerstörung der Mailcrii durch Titus wie auch wegen der anderen oben erwähnten Ereignisse unirdc der Fasttag wieder eingeführt. Daß man aiis Schmerz über das unsagbare Elend, das damals über Juda hercingebrochcn war, einen Fasttag einsetzte, wird jeder verstehen. Hingegen erscheint es wohl manchem zweifelhaft» öb die heutige Generation noch verpflichtet ist, jenes Tagetz zu gedenken oder gar die Pcschwerlichkeitcn des Fastens stuf sich zu nehmen. Wahre Trauer kann man schließlich >mr über das empfinden, was einen unnlittclbar berührt, über Ereignisse, unter deren Aus-- Wirkungen wir noch jetzt zu leiden haben. Trifft däö letztere für uns noch zu, und selbst wenn, welchen Zweck baben dann Trauer und Fasten?'! Vor ctwa^hundert Jahren, so berichtet uns Samson Naphael Hirsch/ hat bereits ein ^jüdischer Geistlicher" die Frage verneinen zu müssen geglaubt *). Er berief am Jahrestage der Zerstörung Jerusalems seine Gemeinde in Feiärtagskleidern in die Synagoge, denn jetzt sei ja kein Anlaß mehr, um den Verlust des Landes zu trauern. Zu diesem Schritt ist er übrigens seiner Zeit von der Tagespreise beglückwünscht worden. Doch schon damals und noch mehr im 20. Jahrhundert versucht inan tiefer in den Sinn des Geschehens einzudcingen. Man glaubt nicht mehr an blinden Zufall» sondern nimmt an, daß die Geschicke eines Volkes ans seinein Charakter zu begründen sind, und daß in stäiidigcr Wechselwirkung dainit wieder die Eigenart eines Volkes durch seine Geschichte gestaltet wird. Die Anlässe zu unserem Fasttag liegen freilich' weit auseinander, | Jerusalem wurde erstürmt am *) Fit. bei 12. R. pirsch, Gesammelte Schriften I, 123. assyrischen Großkönigd, ein gestellt. Und endlich: ain 17. Aötzcübild im Tempel aiif- Thamus, d. h. 40 Tage nach der Gesetzgebung am Sinai, haben sich die Juden von eben dieser Gesetzgebung wieder losgesagt und das goldene Ka» umtanzt; deswegen wl rdcn die Tafeln zerbrochen. Jene Tat aber war, wie Hirsch jn.seinen Bctracbtungen zu diesem Tage gezeigt hat, die stryphen". Dem, Israels Au lichcn Gesetz zu leben und. es diirch Zll tragen, eine Aufgab eiypfundcn bat Aber politische Vormacht tcrscits war cs auch nicht seiner mächtigen Feinde au Wurzel aller künftigeil Katagabe war es, nach den» göttdurch die Jahrtausende hin- . die es nur zu oft als lästig war ihm, dem kleinen Staat zwischen Den mächtigen Gryßreichen Aegyptens und Babyloniens nie gegeben. Ein Widerstand-gegen stc oder deren Nachfolger war auf die Dauser nicht durchzuführen. An dercrscits sein Schicksal, in der Kultur zugehcn, wie das bei allen anderen Nationen im Schme ztiegcl Vordcrasicns der Fall gejoesen war. Wohl strebten Betätigung danach, 'wie der verpflanzen, ihre Bcstinnnu Völkern ringsum glcichzutui Dafür, daß sie dem babyloni die Könige neben politischer oben erwähnte Manassc, die Kultur und Zivilisation Babyloniens nach Icrusalcin zu ,g aufzugcbcn, rmd cs den Aber sie alle scheiterten: chen Götzci, Thamus dienten, wurden sic im Monat Thanlus gezüchtigt, so heißt cs in einem unserer Gebete ain Schiwo oßor b'thämus. Im Achtzchn-Gcbct werden an dicscin Tage solche Gcbetstückc eingeschaltet in denen des Untergangs unseres Tempels und Staates gedacht wird. Dazri gehört auch die .Erwähnung der Ursachen, die;» diesen Katastrophen geführt haben« Nur aus dem Willen heraus, jene Ursachen zü beseitigen, erhalten diese Gebete, wie der Fasttag überhaupt, ihren Sinn. Nicht Trc ncrgesänge, sondern Selichoth, Bitten um Verzeihung uni' Wiedergutmachung, heißen diese Einschaltungen: „Haltiiäckig waren wir, darum wsurden wir der Schande und dem Schmutz preisgcgebcn. Sieh' es, o Ewiger, und bc,f:cie uns von uiiscrcn, Unglück und verwandele uns den 17. Thanius in Freude und Jubel" (Selichot zum 17. Tjamus). Dr. P.

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