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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-06-15 · 7 (15.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
7 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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t Nr. 7 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt 3 Erich tSoyrr?um Hcöächtnis Am 10. 3unl er. verstarb der Vorsitzende des Religiös-Liberalen Vereins unserer Gemeinde Erich Bayer. Ein ausrechier deutscher Jude, wurzelnd lm religiösen Liberalismus, ist mii ihm dahin gegangen. Erich Bayer empfing den Impuls für fein Wirken innerhalb des deutschen Judentums ln seiner Jugend durch die damals neu «üslebende Bewegung des religiösen Liberalismus. ' Dem Abfall vom' Judentum entgegenzutrelen und eine Renaissance des religiösen Lebens innerhalb der Gemeinschasi und insbesondere der jüdischen Jugend herbeizusühren, galt sein Streben. So fand der! verstorbene in der Bewegung des religiösen Liberalismus seine jüdisch-religiöse, Heimat. Sein tiefes jüdisches wissen und sein sprühender Geist vereinigten sich in einer begeisternden Rednergabe und prädestinierten ihn, Führer der religiösliberalen Jugendbewegung SGlesiens und Mitbegründer des jüdisch-liberalen Iugendverejns Abraham Geiger zu werden, dessen Vorsitz er übernahm. Der Zauber seiner Persönlichkeil und die Herzlichkeit seines Wesens schufen ihm in allen Kreisen Freunde und Anhänger. So kam er schon in jungen Jahren, getragen von dem vertrauen seiner Freunde, in den Gemeindevorstand. dem er vion 1924 bis 1927 angehörte. Lr gab dieses Amt aus, um als Vorsitzender des Religiös-Liberalen Vereins der Synagogengemeinde sich ausschließlich den Ausgaben dxs religiösen Liberalismus zu widmen, hier fand sein nie ermüdender scharfer Geist und sein kraftvolles wirken reiche Entfaltung. Als Mitglied des hauptvorslandes der religiös-liberalen Vereinigung für das deutsche Judentum verstand er' — es durch die Großzügigkeit seiner Pläne und Gedanken sich Ansehen und Geltung innerhalb des deutschen Judentums zu verschaffen.! Erich Bayer zeichnete sich durch zielklaren Blick und rasche Entschlußkraft aus. Heiner Hilfsbereitschaft und seinem verantworlungsbewuhtsein ist es mit zu danken, daß unsere Synagogengemeinde unmittelbar nach der Umwälzung lals eine der ersten Großgemeinden Deutschlands segensreiche Einrichtungen schuf, die dem wirtschaftlichen Ausbau, der Berussomschichtung und der allgemeinen Hilfe erfolgreich dienen. Seit 1931 gehörte Erich Dayer der Gemeindevertretung an und hat auch dort, wie überall, wo er -an führender Stelle stand, durch seinen klugen Rat und seine positive Einstellung zum Judentum segensreich zum wähle der Gemeinschaft gewirkt. Erich Bayer erfreute sich bei allen Richtungen unserer Gemeinschaft größter Wertschätzung. Bei aller Festigkeit seiner Ueberzcugung war er immer bereit und befähigt, auch den gegnerischen Standpunkt zu würdigen und ihm, soweit wie möglich, Rechnung zu tragen. Eine schwere Lücke hinlerläßl sein Tod in der Gemeinde, deren Einheit' zu wahren er über alle Parleigegensähe hinweg allzeit bemüht war. Lr wirkte im Geiste der einmütigen Zusammenarbeit aller Kräfte, da er überzeugt war, daß in dieser Einmütigkeit allein J>ie Möglichkeit gegeben sei, die ungeheuren Ausgaben lies deutschen Judentums in Gegenwart und Zukunft zu meistern. ' L. 'r Jüdische Künstler in Deutschland Der Äusstcllungsplan -cs Vreslauer Indische« Museums . Vor einigen Epochen berichteten wir über den Plan des Breslauer Jüdischen Museums, eine Ausstellung neuerer jüdischer K u n st in Deutschland zu veranstalten. Dieser Plan kam leider noch nicht zur Ausführung und die Ausstellung mußte bis auf weiteres aufgeschobcn werden. Wir wollen jedoch die .Hoffnung auf das Zustandekommen der Ausstellung nicht aufgcbcst und den dankenswerten Bestrebungen der Muscunlsleitung vollen Erfolg wünschen; dies uni so mehr, als umfangreiche Vorbereitungen in monatelanger Arbeit bereits getroffen worden'sind und schon heute einen Ileberblick über das Niveau und die innere Geschlossenheit des Werks gewähren, l Die Vorarbeit lag in den HSilden der Herren Max Silberberg und FelixPerle als dem Vorstande des Jüdischen Museums, sowie der Herren Architekt H a d d a und Maler A s ch h e i m als Vertretern der Künstlcrschaft. Es galt, die Werke jüdischer Maler und Graphiker in und aus Deutschland, die im - Privatbcsitz zerstreut sind, zu sammeln und sie einheitlich dem jüdischen Publikum voxzuführen. Insgesamt wurde die Zeitspanne von etwa einem zIahrhundert künstlerischen Wirkens umfaßt, die alle Schwankungen, 2lbstufungcn und schweren Erxungcnschastckr des allgemeinen zeitgenössischen Kunstschaffens mit zum Ausdruck bringt. Die Reihe her Namen erfreut durch eine Anzahl solcher, die bereits seit langeni eine allgemeine Anerkennung gesunden haben: Israels, Liebermann, Lcsscr Ury, Chagall . . . Mit den ersten drei Namen verbindet sich die Erinnerung an die Geburtsstunde und den Entwicklungsweg des Impressionismus und die Vorstellung vom intuitivem Kampf um. die Macht des Lichtes, um die Farbigkeit der Atmosphäre und um die eindringliche Sprache einer in Strahlen oder in warme Schatten aufgelösten Erscheinungswelt. Durch das Persönliche und das zugleich Zeitgebundene dieser Gestaltungsart klingen! jedoch leise Untntöne durch, die das jüdisch Bedingte gleichfalls ahnen lassen: Isracl's stille Traurigkeit und Innigkeit in der Darstellung eines bescheiden begrenzten Lebens wurzeln wohl — wie er selbst — in dem Dasein des Iudcnviertcls von Amsterdam. In die Vorstellungswelt des Gro.ßstadtmalers Lcsscr Ary drängen immer wieder stark empfundene Bilder des Alten Testaments. Der scharfe Intellekt und die ehrliche Sachlichkeit Licbcrmanns bezeichnen den Künstler wie den Menschen, den Sohn einer Berliner Großkaufmannsfamilic. Einer völlig anderen Vorstcllungswclt .als die der^ Impressionisten gehört der viel jüngere Chagall, der längere Zeit in Berlin gearbeitet hat. Nicht die ErscheiuungSwclt als solche zieht ihn an, sondern die aus ihr hinausdrängcndcn Werte. Er sieht ein jämmerliches dumpfes Dasein und baut daraus unwirkliche, der Erden-.. schwere entkleidete Welten. Es sind dies Welten chassi-"' difcher Mystik, die den Gottsuchcndcn über die Verzweiflung an der Enge und Trübsal seiner Witebsker Heimat erheben. ' Die Breslauer Ausstellung sollte naturgemäß im besonderen das Schaffen Breslauer und j s ch l e s ischcr Künstler unifasscn. Zwei.bedeutende aus ' Schlesien stammende' Künstler wurden vor einiger Zeit über ihre engere Heimat hinaus geehrt und. gefeiert: Ludwig M c i d n c r , der ain IS. April d. I. seinen fünfzigsten , und Eugen S p i r o , der am gleichen Tage seinen sechzigsten Geburtstag beging. Ludwig Meidncr, in Bernstadt bei f Breslau geboren, Schüler der Breslauer Akademie, lebt! jetzt in Berlin, wo er als Maler, Graphiker und Schriftj steiler tätig ist. Sein Entwicklungsweg führte ihn von einer) i ekstatischen Ausdrucksdynamik zur Sainmlung und zum; gestillten Durchdrjngcn des Objekts. Mcidncrs Schaffen! ist — gleich dem Chagalls — vom religiösen Erlebnis getragen: avck die Anruhe mystischer Visionen sind Jahre ■ frommer Verinnerlichung gefolgt.! £ . lEugen Spiro, ein Breslauer, Sohn des vor! ^.Jahren verstorbenen angesehenen Oberkantors -an der; i

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