Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 6 (30.5.1934)
- Date
- 1934-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Bresläuer Jüdisches Gemeindeblatt Schriftstellern gekörte, aber gerade diese Romane sind ja häufig dem Geschmack des Alltags unterworfen, und manchmal wächst im Laufe der Zeit, was im Augenblick des Erscheinens weüigcr Beachtung fand. Deswegen kann inan der Acbcrzeugung Ausdruck i geben, daß sein großes zweibändiges Bckcimtiüswcrk Heidentum- Ehri st c n t u m - »jubcntu m" eine ^zunehmende Beachtung finden wird. Als cs seiner Zeit erschien, schrieb Friedrich Tbieberger darüber: „Dilescs Buch ist ein W er k. Generationen werden an ihm nachbauen, werden sich in ihm einbauen;!mag seine gestaltete Form von ihnen zerbrochen werden, an seiner reinen Form werden sie wachsen. Denn cs ist eigentlich nur eine Idee, uin welche die vielgestaltige Masse des Werkes sich türmt. Aber eine von jenen Tldccn, inj denen eine geschichtliche Erkenntnis mit einem ewigen Ereignis der Seele zusammcntrifft." Hier hat Max Brod jdic wundervolle Unterscheidung ausgestellt zwischen edlsnn und unedlem Anglück. „Edles Anglück ist Anglück iii Reinheit. Widerwärtige Eigenschaft des unedlen Anglücks, daß cs diese Reinheit stört." Der Dichter hat sich aber nicht nur in eine Welt des Dichtens mid Philosöphicrens cingcsponncn, er hat auch stets lebendigsten Anteil an den Geschehnissen unserer Gemeinschaft genommen. Dem jüdischen Palästina-Ausbau galt von früh auf seine bcsondcve Liebe. Aus den Sammlungen jener Arbeiten, in denen er zu dieser und zu anderen jüdischen Ieitfragen Stellung nahin, sei vor allem^das Buch „I m Kampf um d a s I u d c n - tum" erwähnt. Die tiefe Liebe, die Brod zur jüdischen Art in sich trügt, befähigte ihn und befähigt ihn hoffentlich noch für sehr viele Jahrzehnte, sich mit der ganzen Straft seines Wesens für die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft cinzusctzen. Konnte mitunter seine Feder auch von hartem Kämpscrwillen geführt sein, so liegt doch auch wiederum über seinem Schaffen ein Geist der Versöhnung und eine starke Liebe auch zu denen, die abseits von dein Wege ihrer Gemeinschaft wandeln. Am besten beweist dies s^ine Elegie an die abgesallencn Juden, in denen er nicht i men einen Vorwurf macht, sondern uns, die wir uns nicht g :iiug um sie bemüht haben. And von dem gleichen Geiste ist er beseelt, wenn er ln seinem „Reubcni" schildert, wie die Tluden' eben noch in die verschiedensten Richtungen zerrissen allen Zwist beiseite lassen in dem Augenblick, als einer von ihnen die Stimme zum Gebet erhebt. Wenn viele von. uns heute nach dem Erlebnis Judentums suchen, so kann ihnen das Werk Mar Bi ein Führer auf diesem Wege sein. Dr. Willy E o i bres ods Vreslauer jüdische Ärzte im 18. Jahrhundert Don Rabbiner Dr. Louis L e w i n. Als Do^boten einer neuen Zeit werden in iBreslau zwei jüdische Heilkünjtlcr genannt, vonj denen kaum mehr als- »er Raine bekannt geworden ist. Don dein 1796 auftauchenden „Tludendoktor" Wattig steht cs nicht einmal fest, o!b er nicht Wattig gedeihen hat — beide Schrei bweisen finden sich in den Urkunden — und 17$ 1 hielt hier Moses Fortis sich oorübergeh, nd auf, der ansct'einend Hofarzt des polnischen Prinzen' Konstantin war. . , Zwei Merzte werden im IS. Jahrhundert gleichzeitig als die frühesten genannt, die bei der Chet ra angeslellt gewesen siitld: Dr. Bönisch und Dr. Abraham Kisch. Grätzer glaubt, daß der erstgenannte, nicht jüdischen Bekenntnisses, nur provisorisch solaijge und zwar innerhalb und auhcrhalb des jüdischen Hospitals wirkte, bis Dr. Kisch seine Wirksamkeit begann. Rabbiner und Chebravorstcher legten Gewicht auf die Wahl eines Glaubensgeijosfen, den „in der Oeffentlichkeit bewährt in Gerechtigkeit, Redlichkeit und Gottesfurcht, verständig und ein erprobter Arzt sein sollte» wie ei in anderen heiligen Gemeinden in Israel üblich sei". [ j Kisch, einer alten |)tagct Familie entsprossen, wurde >728 in der Metropole Böhmen^ als'Sohn eines Apothekers geboren.' Daher trug er auch den Namen Rokeach. 1745 muhte er mit seinen Glaubensgenossen infolge des Ausweisungsbefehls Maria, Theresias die Heimat verlassen und ging nach! Derlirr^Zin Prager Vesuitenkollegium hatte hi. er chic gute Kenntnis der antiken Sprachen sich angeeignet und uär in dicstn Disziplinen Lehrer Moses' Mendelssohns. Als Kar didat der Medizin hörte er beini Marquis d'A r g e n s » dem Friunde Friedrich des Erohen, Philosophie, Auch Dr. Aron Gn m - p e r h , der Freund und Förderer Mendelssohns, soll sein Lehrer gewesen sein. Er siedelte nach Halle über, sah zu Füßen des berühmten Philosophen und Mathematikers Christian Wolff und promovierte dort 1749 mit der Dissertation „Theoriaet T h e r a.p i a-P b tp .- sros pulmonali s" zum Doktor der Medizin. Amt» die dortige philosophische Fakultät soll, wie behauptet wird, ihn mit dem Doktorhut geschmückt'Haben. Maria Theresia hatte inzwischen die Rückkehr der Exulanten gestattet. Kisch wurde zum Ecmeindcarzt in Prag und Leiter des dortige» Weiselhospitals gewählt undvcrsab diese Aemter bis 1763. Don ärztlicher Seite wird er folgcndermahen charakterisiert: „Er hatte mit sehr bedeutenden" Männern-seiner Zeit und seiner^ Wissenschaft, namentlich van S w i e t e n und T r a l l e s in Derblndung gestanden. Don letzterem befanden sich lateinische Briefe in seinem Nachlaß, die von' dem freundschaftlichstem Derhältnis beider Männer Zeugnis gaben! Aus glaubwürdiger Quelle können wir auct' das beste Zeugnis über seine ärztliche Befähigung hinzufügen. Er war ein ebenso ausgeztichneter Arzt als biederer Mensch." Die Breslauer Juden schrieben es einer göttlichen Fügung zu, daß sie ihn gewiimcn durften, und saheixchn ihm „einen ausgczeirbncten Weisen, erprobt und t , Qualitätsraucher bevorzugen s> Türkische rrrm MEISTERMISCHUNG