Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 6 (30.5.1934)
- Date
- 1934-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SS"c eslauer Jüdisches Gemeinde bl atl Nr. 6 Entstehung des ganz nüdcr Nähe gelegenen rituellen Bades, das später verschüttet ^»ar uüd erst 1805 freigelegt und wiederhcrgcstcllt wurde Der dritte BautcilVdes Sstnagogcnkonlplexes ist die an die Rückseite der MänVicrsync gogc angebaute Ieschiba, die sogen. Raschikapclle, ldie 1524 errichtet worden ist. sin diesem sagcnlnnwobcnc« Bail soll nach alter Tradition R, Salomo den Isaak, der oerüb ntc Raschi, zu den Füßen seiner Lehrer gesessen baden. Indes tragt die Kapelle diesen NimbltS zu Anrecht, denrr>l §afchi, der 1040 in Troycs geboren wurdd, und dort 1105 stcrb, weilte fast 500 Jahre bevor der nach ihm benannte Anbau entstand ^während .seines Studiums in Wornis. Tatsächlich ist erwiesen, daß im Iabre 1515 eine alte I> schiba zerstört wurde, die mit mehr Recht mit dem Namen Raschis-hätte verbunden werden können. Daß der Raine Raschis, dis poprilärsten Bibel- und Talmudcrklärers, um den sicb in s nnem Lehrhaus in Troycs jüdische Schüler aus allen Teilm des Abendlandes versammelten, mit Worms, verknüpft ist, (die Stadt batte in neuerer Feit nach ihm eine Straße , und nach deren Verschwinden auf Grund eines ne ,en Bebauungsplanes 1007 eiin Tor benannt), zeigt allein schon dre Bedeutung der jüdiick'en Gemeinde Worms für das geistige und religiöse Leben der abendländischen Juden. Die Lchrhäuser in Worms waren gleich den Lehrhäuscrn in Main; und Speyer weit uns' breit berühmte jüdische F,rschungsstätten; zu denen Jünger aus allen Ländern strömt, n. Arif t*ctn alten Friedhof in Worms ruhen viele bekannte Lehrer der damaligen IudenHeil, und mit nlanGem von ihnen bei^dcn Bürgern Lmb den Juden von Worms freundliche ^Aufnahme gefunden. Das hat er den Juden in Worms nicht vergessen. Bon ihm soll das Sprichwort „Wormser Juden, fromme Istden" stammen; er erteilte im Jahre 1000 der Wormser jüdischen Gemeinde weitgehende Privilegien, sechs Jahre nachdejn Bischof Rüdiger von Speyer die dortige Gemeinde mit Privilegien ausgcstattet und „fit offenen Otrmcn neue jüdische Ansiedler ausgenommen hatte. Die Wormser Arkunde wurde 1157 durch Friedlich (I, bestätigt und durch Friedrich II. 1255 auf alle Juden Deutschlands Ausgedehnt. Später, am Gilde des 14. Jahrhunderts, 'wird die jüdische Gemeinde durch einen Rat äclcitet, an dessen Spitze der Ilidenbischof stand. Der lebte Iudenbischof ist j?02 gestorben; seine Nachkommen leben noch in Worms. - Fast ohne Unterbrechung hat die Wormser durch die Jahrhunderte bestandeil. Nach den Gemcinde durch die Schutzbriefc gesicherten Verhältnissen der ersten Jahre kamen Zeiten der schlimmsten, Rot. In der der Wonilser Gemeinde spiegelt sich das S deutschcil Juden während des Mittelalters un Geschichte Hicksal der ' während der Neuzeit getreulich wieder. Wer dieses Schicksal während der ftrcuzzügc und während der Pestjahre, in Z^ricgszciten und in Jahren allgemeiner wirtschaftlicher Rot auch nur flüchtig kcilnt, weiß, daß cs ein hartes Schicksal war. Aus dem Mittelalter, durch.trübe Ghettozcitcil hindurch, immer wieder'ungebrochen trotz alles Schweren, daH ertragen Rieir von Rochenburg, — verbinden sich romantische Sagen Die Lage der Wormser günstig gestaltet. Kaiser Heinrich aus Eanpna, als viele Städte und Fürsten ihn verließen, werden lnußtc, ging diese Gemeinde ihreil Ä neuil Jahrhunderten betet, sie in Frclld und Le z. B. mit Rabbi selben Gottcshalis, seit neun Jahrhunderten teilt sie in Genlcindc hat sich zeitig [Y. hataiach seines Rückkehr Freud und Leid das Geschick der deutschen Heimat, ein Dokument der Verbundenheit der deutschen isluden mit deutschem Boden und deutschem Schicksal. .ft n r t S ch isv e r i n. eg. Seit d in denl- Myx Vroö, -er Mntzigjährige Gine der markantesten Gestalten im ftampf.um die Grileaieruirg des Judentums istsdcr Prager Mar B r o d; dessen Werk, trotzdem er jetzt erskidas 50. Lebensjahr erreicht,, ckußerordentlich nraniligfaltig ist, Brod war zrulächst im Staatsdienst seines Heimatlaudes tätig, den er im Jahre |024 als S.cktionsrat verließ, um von da ail als Schriftsteller zu leben. In feiitem Lebens- —tpeiT~nuiß. mail diejenigen Dichtungen unterscheiden, die anf der Linie eines nur künstlerischen Erlebens liegen, von denjenigen, in denen immer stärker seine bewußte Einstellung;um Illdentum Hervortritt. Es ist etwasDrci- . fäches, aus dem sich sein Schaffen erklärt: cimnal die deutsche Sprache, die er meisterlich ailzuwcnden weiß, dann jene eigeilartige Annosphare dcsalten Prag, in i>em er, wie kein anderer, zu Hause ist, rmd schließlich uird vor allein das Iudciltum, zu dem >cr erwuchs. Rur, wer sich diese drei Komponenten vor Jlugcn'hält, kann die beiden Werke begreife,l, die ihn vor alien, berühmt genlacht h«bcn „T y ch o Brahes Weg z u^G o t t" und „Reu - b c u F ü r st d c r I u d ,■ vr. Der erste Roman spielt in der Zeit Kaiser Rudolfs II., in jener Epoche, die kurz vor Beginn des 50 jährigen Krieges an einer Zeitenwende gelegen ist. Gin neues Weltbild fonnt sich in den. Köpfen der Menschen. Der Astronom Tycho de Brahe ist der letzte, i er den Standpunkt vertritt, daß die Erde der Mittelpunkts -s Alls ist. Seine Gedankenwelt wird von der Keplers sverdrängt, der die Sonne als Mittelpunkt erkennt. Im allen Prag lebte damals der hohe Rabbi Löw, jene Gestalt,, um die sich so viele Sagen gerankt haben. Snt geistige, > Begegnen dieser Mäniler mit jenem eigenartigen ftflise:, dex voll von Nachdenken war und deswegen nicht zuin i Regieren, kain, liegt der ftern des Buches. Der Zauber der Altstadt von Prag, her Zauber der Burg, des Hradschins, der über die Molda, hinuntcrblickt und in der dcr^ftaiscr sich vergrub, liegt über diesen, Werk. Mit dem „Oveubeni" griff Brod in eine interessantesten Epochen jüdischer Geschichte. Ilm der die Mitte des 15. Jahrhunderts trat ein Mann tmf, ajus Olrabien stammend, der behauptete, ein Prinz eines souveränen jüdischen Stammes zu sein. Gs gelang ihm, das Gehör der Großen seiner Zeit zu finden, er-plante, unter der Führung Papst Clemens VII. rmd des Königs von Portugal, einen jüdischen Zug gegen die Türkei zu unternehmen. Diese Gestalt hat Brod in den Mittelpunkt seines Romancs gerückt; Mit dichterischer Freiheit hat er die Vorgänge anders gestaltet, als sic die Wissenschaft heute zu. sehen glaubt. Ihm scheint dieser Mann aus der Not des Ptagcr Ghettos geboren zu sein, als ein Mensch, der wohl das nicht ist, rvaS er zu sein vorgibt, aber die Acbcrzeugung hat, daß das Iudenvolk aus einer Masse von. Menschen, die gedrückt in kleinen Siedlungen der Welt zerstreut leben, zu einem neuen Dasein in einen, freien Lande geführt werden muß. lieber diese Gestalt Reubcnis in der jüdischen Geschichte hörten wir hier in Breslau Max Brod im Jahre 1025 im Rahmen eines Eröffnungsvortrags der Freien Jüdischen Volkshochschule sprechen, und dieser Gegenstand hat für uns Breslauer deswegen ganz besonderes Interesse, weil in der Bibliothek des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars sich das berühmte Tagebuch David Reubenis befindet. Wir übergehen die Tatsache, daß Max Brod auch mit so manchem seiner Romane zeitweise zu den gelesensten