Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 4 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 4 auf der Hohenzollernstraße begonnen, 1903 als Muster für alledamaligen Ktankenhausbautcn dollendet und 1914 ein Neubau — die Frauen- und Augenübteilung — angefügt. Auch die Gründung des Arnoldünd Hermann Schottländcr'scben Siechenhauses ist von! seinen Bemühungen nzitbeeinflußt worden. . In diesen trockenen Zahlen spiegelt sich die Arbeit eines ganzen Lebens und einer überragenden Persönlichkeit. Alle diese Anlagen und Gründungen haben sich als zklvoll angelegte Schöpfungen erwiesen, die, über die Notwendigkeit ihres Entstehens hinaus auch den gesteigerten Bedürfnissen der Gegenwart genügen. Sie sind das Werk eines Mannes, ^der die Anforderungen der Zukunft in feine Pläne einzu- 1 belieben verstand, und der gleichzeitig der kleinsten verwaltungstechnischen Angelegenheit dieselbe Aufmerksamkeit schenkte wie dem großen Gesamtkochplcx von Organisation und Verwaltung. Neben einer durch sein Alter nicht getrübten Klarheit und durchdringenden Einsicht in die Derbältnisse einer verworrenen tmd schjvcr zu durchschauendem Zeit, besaß er die Fähigkeit, sich die richtigen Mitarbeiter auszuwählen und sie mit der eigenen Hingabe für sein Werk zu erfüllen. Er verstand, alles aus ihnen hcrauszubolen, was sie an Möglicbkciten besaßen, und sie im Banne seiner Persönlichkeit fest wie sich selbst mit seinen Schöpfungen zu verbinden. Diele aus dem Kreise dieser Mitarbeiter werden sich noch seiner Ansprüche an die Leistungen der anderen, seiner Tatkraft, seines Optimismus, feines Humors, seines diplomatischen Geschicks un? seiner Fähigkeit, im richtigen Moment seine Meinung durchzusetzcn, erinnern. *Abcr sie werden dann auch des unermüdlichen Arbeit/rs gedenken,, der ebenso von sich mit eiserner Energie dasAcuhcrste erzwairg, der über den engen ,51 reis von Familie und Freundcrr hinweg die jüdische Gesamtheit in sein Wirken cinbezog und durch sein Leben jene Worte verwirklichte, die er als Antwort auf den eingangs zitierten Stiftungsbricf der Gemeinde fand: „Mein eifrigstis Bestreben iss es . . . mich . . . mit allen Fasern meines Herzens der Förderung der Gemeindcintcresfcn zu widmen". j And aus diesen Worten sei die Berechtigung für dieses Gedenken an einen Mann abgeleitet, der schon IO Jahre aus urrscrem -Kreise geschieden ist und in seinem Wirken glcichstrcbenden Männern zum Vorbild wurde. Den Dienst an der Allgemeinheit über das Persönliche zu stellen, inr Kleinen wie im Großen der Gemeinschaft zu dienen, jüdisches Wesen als Arbeit für die jüdische Gemeinschaft und für den Geist des Judentums zu Erfassen; dieser Mahnruf sei vo,r urrsercr Gerrcration als Simt seines Lebens erkannt. - Df. Auguste D r i c g c r. 1 ' - ScDcnffticr zum ioo. MiiMtU (öuatö öscha [. fl. Is. fand anläßlich des cmcinde unvergeßlichen im Sitzungssaal« des Anr Montag, den 15. April d. 1>X). Geburtstages des für unsere Ge Eduard Sachs eine Gedenkfeier Israclitiscben Krankenhauses, dieser mit dem Namen Eduard. Sachs untrennbar verbundenen Wohltätigkcitsmrstalt, statt. Die Feier, an der hie Vertreter der Verwaltungen der Synagogcn-Gemcindc und der Israelitischen .Kranken-Verpflegungs-Anstalt, ferner zahlreiche - Freunde und Verehrer des im Jahre 1925 im ehrenvollen Alter von 91 Jahren entschlafenen Herrn Eduard Sachs tcilnahmcn, wurde in würdiger Weise von Harmoniumspicl durch Hcrtn Organist Schgffcr und Gcsängsvorträge des Herrn Kantor Wartenbergcr umrahmt. Herr Gemeindeältestcr Geh. Iustizrat Goldfeld, derHerrjn Eduard Sachs durch gemeinsames Schaffen und persöichche Freundschaft viele Jahre scbr nahe stand, schilderte in herzlichen Worten die Persönlichkeit dieses durch hohe menschliche Eigenschaften ausgezeichneten Mannes, der durch fein ebenso unermüdliches wie erfolgreiches Schaffen, seinen Namen für ewige Zeiten in die Geschicbte der Svnagogen-Gcmeinde Breslau eingetragen hat. Seit 1877 der Repräsentanten-Versammlung, seit 1891 dem Vorstände der Synagogen-Gemeinde angehörend, darunter 13 Jahre als dessen Vorsitzender, hat Eduard Sachs vermöge seiner hervorragenden Geisteskräfte and seiner Energie im Interesse der großen Jüdischen Gemeinde Breslau Außerordentliches geleistet. Antcr den von Eduard Sachs geschaffenen Werken hebt Herr Gcheim- . rat Goldfeld den Bau des Gemeindehauses in der Wallstrahc, die Anlage des neuen Friedhofes Cosel, sowie die Erweiterung des Friedhofes Lohestraße ganz besonders hervor. Aber auch auf allen anderen Gebieten der Gemeindcaufgaben, wie des Kultus-, Schul- und Wohltätigkeitswesens hat Eduard Sachs hervorragend gewirkt. Ia> man kann, wie der Redner bemerkte, keine Einrichtungen der Gemeinde finden, die nicht durch seine Initiative und durch seinen weisen Rat segensreich befruchtet wurden. Die Dankbarkeit, die unsere Gemeinde einem Manne, wie Eduard Sachs, schuldete, haben die Gcmeindckörperschaftcn anläßlich des bei Vollendung seines 90. Lebensjahres erfolgten Ausscheidens aus dein Gcmeindcvorstand durch die erstmalig beschlossene Ernennung 311m Gemeindeältesten uisd Errichtung einer Eduard Sachs-Stiftung zum Ausdrück gebracht. Herr Geheiinrat Goldfeld hebt schließlich noch hervor^ daß wie so viele andere gemeinnützige Institute auch die Errichtung des Jüdischen Schwcsternheimes hierselbst, dessen segensreiches Wirken in 'unserer! Gemeinde allgemein anerkannt wird, der Initiative des Herrn Eduard Sachs und dessen unnachahmlichcr Befähigung, edle Menschenfreunde zu hochherzigen Stiftungen zu bewegen, zu verdailkcn ist. Das Ändeitkcn eines solchen Mannes stets in Ehren zu halten, wird unserer Glaubensgemeinschaft zum ewigen Segen gereichen. Herr Iustizrat Dr. Cohn als Vertreter des Vorstandes der Israelitischen Kränken-Verpslegungs-Anstalt würdigte in seiner Ansprache die Verdienste des heute gefeierten Herrn Eduard Sachs um das Israelitische Krankenhaus und seine ihm angeschlossenen Anstalten, denn so vielseitig und umfasend auch das öffentliche Wirken des Heimgegangenen war, so >abe er doch wohl nirgends eine so bedeutsame und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet, wie auf dem Arbeitsfelds, welches das Krankenhaus und seine Zweiganstalten ihlin geboten haben. Bereits im Jahre 1879, also in verhältnismäßig jungen Jahren m!dcn Vorstand der Israelitischen Kranken-Vcrpflegungs-Mnstalt gewählt, machte sich bald der Einfluß seiner starken Persönlchkeit bemerkbar. In unermüdlicher Hingabe an als Auswir Arbeitskraft Stelle ein, die -Fürsorge für Kranke und Bedürftige und üng seinem scharfen Geistes und seiner rastlosen nahm er in der Verwaltung bald eine führend^ wurde 1990 zum stellvertretenden und 189. zum Vorsitzenden gewählt, welches Amt er bis zu seinen am 12. 4T 1925 erfolgten Heimgangs ununterbrochen bei kleidete. Was Eduard Sachs in dieser 45 jährigen Tätigkeit für die Israelitische Hranken-Vcrpflcgungs-Anstalt geleistet hat, muß uns mit tiefster Dankbarkeit erfüllen. Durch seinen ungewöhnlichen Schärfsinnseinen weiten Blick, sein»! unbegrenzte Energie, seinen unendlichen Fleiß und seine nie versagende Arbeitskraft verstand er es, sich nicht nutz durchzusetzcn, sondern auch die verschiedener Meinungen zu versöhnen, seine Ansicht aber doch zur Geltung zu bringen^ Er war eilt Mann, der fein ganzes Leben und seine übers ragende Persönlichkeit wohltätigen Bestrebungen zur Vcr!i fügung stellte, und es, wie selten einer, fertig brachte, füll seine idealen Aufgaben, die der Fürsorge der Kranken^ Altersschwachen und Siechen gewidmet waren, auch Andere zu begeistern. Die hingebungsvolle Tätigkeit für die heiligcitz Aufgaben werktätiger Menschenliebe erlebte in Eduard Sachs ihre einzigartige Verkörperung und führte die von ihm geleitete humanitäre Gesellschaft zu einer unverglcichtz lichen Höhe in der Erfüllung heiliger Pflichten. Als Eduard Sachs in die Verwaltung des Krankenhauses eintrat,