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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1933-07-01 · 7 (7.1933) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
10 (1933)
Issue
7 (7.1933)
Date
1933-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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2 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 7 jache, wie wenig jüdische Angestellte in jüdischen Geschäften tätig sind. Ja. in manchen Firmen ist der jüdische Inhaber der einzige seines Stammes. Aber auch beim Perjonal jüdischer Anwälte und Aerzle finbet man die gleiche traurige Erscheinung. Leider läßt sich beute an diesem unwürdigen Zustand schwet etwas ändern. Dennoch ist es auch beute noch in vielen kleineren und größeren jüdischen Geschäften möglich, jüdische Erwerbslose einzustellen. Auch die noch praktizierenden jüdischen Aerzte und Anwälte sollten sich mehr als bisher bei Einstellung von Sprechstundenbilsen, Büro- und Schreibkräften ihrer eigenen Brüder und Schwestern erinnern. Kein Opfer ist so schwer, als daß es in solchen Notzeiten nicht gebracht werden müßte. Die neue' politische Bewegung in Deutschland richtet mir eiserner Disziplin die unerbittliche Mahnung an ihre Anhänger: Gemeinnuß geht vor Eigennutz. Lernen wir hieraus und seien wir bestrebt, diese hohe sittliche Forderung auch in unserer Gemeinschaft zu verwirklichen. Wir haben immer über die deutsche Bereinsmeierei gespöttelt, und' böten doch in unseren eigenen Reihen das gleiche unwürdige Schauspiel. Denn wir schieden uns nicht nur in Liberale. Orthodoxe, Zionisten, nationaldeutsche Juden, auch jede dieser Richtungen zerfiel wieder in Sondergruppen. Heute werden vielfach die Tagesereignisse zur Werbung für die Partei benutzt. Es kommt jedoch nicht darauf an. neue Mitglieder zu gewinnen. Wichtig ist einzig und allein Erhaltung und Schutz der deutschen Iudenheit. Das gemeinsame Schicksal muß enger und inniger' als bisher alle in Deutschland lebenden Juden brüderlich verbinden. Kleinliche Parteizwistigkeiten haben in solchen Zeiten zu verstummen. Seid einig und haltet Frieden! Albert R ö s e n t h a l. lidaffcn, U'cil jüdisches Leben unbedingt aufrecht erhalten werden nistsie Trotzdem bleibt noch ein Fehlbetrag von 143 000.— Mk. Es sei zwecklos, sich über die Deckung den Kopf zu zerbrecben, da niemand lveiß, wie die Steuereinnahmen zu scbätzen seien. Wir wollen alle Anstrengungen machen, die Gemeinde und das positive jüdische Leben zu erhalten, und uns durcb pessimistische Auffassung nicbt entmutigen lassen. >1 a c o b s o h n sV. P.j beneidet die, die nicbt wie er dem engeren Finanzausschuß angchört haben; denn schweren' Herzens hätten sie die vielen Abstriche machen müssen. Rick» zeitgemäß sei, für jeden Verein besonders eine Beihilfe zu bestimme». Er beantrage namens seiner Fraktion, die gesamten Beihilfen an Vereine und Anstalten in eine Lumme von 5v 000.— All. zusannnenzufassen und dem Vorstände zu überlassen, welchem Verein und ivieviel er bewilligen wolle« rneczu übcrrcicbe er bestinimtc Ricbtlinien für den Vorstand. So dürfteiz z. B. Vereine, die .luden ausgcschaltet haben, Beihilfen nicht mehr erhalten^ Umgekehrt werden neue Bedürfnisse dadurch entstehen, das, die Gemeinde! für die Ertüchtigung der lugend und der Erwachsenen, also filr Turnen und Sport, infolge Ausschaltung Erhebliches tun müsse. Deshalb soll der Betrag auf 70 000.,— Mk. aufgerundet werden. Aus dieser Aafrundung ioll auch die lüdische Scbule und die Volksbank Wratisiavia spwie das Balästina-Aufbaun-erk gefördert werden. R o t h m a n n (D. P.) erläutert den Antrag Iacobssohn und Genossen als ein Ermächtigungsgesetz. Er begründet insbesondere die Aotwendigkeit, für die Ertücbtizung der lugend und die Förderung des Sportes Durchgreifendes zu tun, and zwar derart, daß die Einrichtungen allen Vereinen offen stehen. Ec soildert ferner die iegensoollc Tätigkeit der Dolksbank Wratislaoia für Bres au und auch für die Provinz. Die Gemeinde Breslau halte fick leider noch zurück; er bitte, daß sie einen Teil ihres Gcldverkehrs über diese Bank abwickele und einige Anteile übernehme, schon um auf diese Weise die Dolksbank moralisch zu »nterstützen. Schließlich tritt er noch für die stärkere Unterstützung der Jüdischen Schule ein, die jetzt für alle itreise von äußerster Wichtigkeit geworden sei. Er bemängelt, daß die Beihilfe für den jüdischen Kindergarten gestrichen sei. Wenn es uns ernst sei mit der Sorge für die jüdische lugend, müsse man auch diesen unterstützen, woran man die Objektivität seiner Partei erkennen möge. Seine Freunde wollen dem neuen Vorstand die Mittel an die Hand geben zur Aufrechterhaltung des jüdischen Lebens. Geheimrat Goldfeld vom Vorstand erblickt in der Resolution zwar eine Dertrauenskundgebung, andererseits werde dem Vorstands eine groß« Verantwortung aufcrlegt. Man könne Vereinen nur Mittel bewilligen, die anderen weggenommen würde». Die lüdischc Schule, die sich als Auffangsbecken sehr Gemeinüevertreter-Sihung am 22. luni 19X5. Bericht von Dr. R e ch n i K. Der Vorsitzende Peiser eröffnet die Sitzung mit Vortrag einiger eingegangener Schriftstücke, darunter die Einladung zu dem Abschiedsabend für Herrn Rechtsanwalt lacobsohn und die Rachricht von der Anitsnicdcrlegung des Vorstandsmitgliedes Dr. Boß infolge Verzuges nach Tel-Awiw. Die Grabpflegelegate-Schönfeld und Frcudenthal.werden auf Antrag der Berichterstatter Freundlich und Korn ohne Aussprache angenommen. Dev Verwaltungsbericht macht Mitteilung über eine Pessachbeihilfe an die Leichenwärter und über die Rotstandsarbeiten auf Friedhof Cosel, bei denxrr 42 Facharbeiter-Tageiverke . und 620 Arbeiter-Tagewerke geleistet ivokden sind. Der Vorsitzende vermißt Rachrichrcn über die umfangreiche sonstige Tätigkeit des Vorstandes. Es wird ihm vom Doritandstssch geantwortet, daß hierüber in der geheimen Sitzung jede gewünschte Auskunft gegeben werden wird. Die Einreichung des Haushaltsplanes begründet von seiten des Vorstandes Rechtsanwalt Dienstfertig in kurzen Fügen. Die Einnabmen hätten leider keine» Anspruch auf Sicherheit; die Ausgaben seien nur als Höchstposten anzuschcn, die nicht überschritten, wohl aber unterschritten »'erden dürfen. Die Abstriche bei allen Ausgaben, insbesondere bei den Gehältern und Beihilfen, seien erheblich; dennoch verbleibe ein .Fehlbetrag von rund 145 000.— Mk. Mit Rücksicht auf die schweren Lasten und die Unsicherheit der Eristcnzen habe der Vorstand davon abgesehen, diesen Fehlbetrag durch Steuererhöhung zu decken. Auf Einzelheiten wolle er nicht cingchcn und bitte, dem Beispiel anderer Versammlungen zu folgen, die in Kriegs- und Rotzeitcn Etats cn bloc angenommen haben. Die Stunde fordere von uns, unser Schicksal in Würde zu tragen. Wolfs (M. P.) gibt als Mitglied des engeren Finanzausschusses noch einige Erläuterungen. Der Etat habe als Rotetat alle Schwächen eines solchen. Er weise aber auch konstruktive Acndcrungcn auf. Der Finanzausschuß habe nicht bloß schematische Abstriche gemachtsondern neue Wege für Ersparnisse gewiesen. Man habe bei den öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, insbesondere bei dem Rechtsanspruch der Beamten auf Gehaltszahlung, nicht halt gemacht, sondern erwarte von den Beamten, daß sie auf einen Teil ihrer Gehälter verzichten, nämlich auf'13—25% ihrer jetzigen Bezüge, also ein sehr beträchtlicher Gehaltsabbau. Hierdurch würden jährlich 26 0H0.— Mk. cingcspart, in diesem Jahre allerdings nur die Hälfte, da die Kürzungen erst vom 1. Oktober >253 ab eintrelen. Des weiteren seien alle Beamten über 65 Jahre pensioniert tvorden; für einen weiteren Deamtenabbau werde vielleicht die Gesetzgebung der nächsten Zeit eine Handhabe bieten. Die Gnadenbeihilfen seien unter Prüfung jedes einzelnen Falles erheblich gekürzt worden. Dem Wohlfahrtsamt seien die Mittel nicht allzusehr gekürzt worden, da hier Sparsamkeit jetzt nicht am Platze sei. Die Religionsunterrichts-Anstalten habe man unter Abbau aller nicht festangestellten Lehrkräfte bestehen gelassen; hoffentlich könne man auch im nächsten Jahre sich diese Ausgestaltung des Schulwesens noch leisten. Die Subventionen habe man etwa in Höhe von 75% bestehen Die nächste Nummer -es Gemein-eblatlcs erscheint bereits am 5. Ängnst bewährt, »>erdc bereits stark unterstützt. Ob eine »och höhere Beihilfe möglicksein wird, lasse sich noch nicht übersehen. Ec hoffe dabei, daß die Aüdiscbe Schule ein Entgegenkommen im Religionsunterricht für die liberalen .Kinder zeigen würde und nicht nur eine Schule für bestimmte Kreise bleibe. M e n e r <B. P.) würdigt die Bedeutung der Volksbank zur Aufrcchterhaltung jüdischer Existenzen. Deswegen und wegen der geschilderten weiteren Bedürfnisse soll der zu bildende Dispositionsfonds um 14 000.— Mk. erhöht werde». Es sei nicht zu befürchten, daß diese Ausgabe der Kontrolle der Gemeindevertretung entzogen »'ürdc; denn der Vorstand werde doch darüber berichte». Reberdies könne er bei widersprechenden Wünschen sich mit den Fraktionen ins Einvernehmen setzen. D i e n st f c r t i g vom Vorstand macht auf das Bedenken aufmerksam, daß im Haushaltspla n eine so große Summe ohne näheren Rach»>eis erscheine. Selbstverständlich werde der Vorstand alle Subventionen nur allniählich und nur mit der nötigen Vorsicht zur Auszahlung bringen. M e r> e r teilt diese Bedenken und will de» Antrag dahin ändern, daß die einzelnen Beihilfen untereinander austauschbar seien und 14 000.— Mk. als Dispositionsfonds eingestellt werde». Spi » lLib.) schildert das schwere Schicksal, das die deutschen Juden betroffen habe. Erfreujick s<i, daß dieses Schicksal Trennungswände im Judentum niedergerissen habe. Leider hätten seine Freunde von hem Antrag der Volkspartci vorher keine Kenntnis erhalten. Gegen eine Unterbrechung der Beratung sei er aber, da dies die einhellige Stimmung beeinträchtigen würde. Er befürwortet für seine Person auch die Unterstützung an den Keren Hajessod, bittet aber, diesen Punkt zurückzustellen, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Erfreulich sei bei dem Anträge, daß in ihm die Förderung von Turnen und Sport besonders betont werde. Verwunderlich sei die Streichung der Beihilfe für den Kindergarten. Hier werde wohl der Vorstand nach den heute ausgesprochenen Wünschen Abhilfe schaffen. Grünberg (O. 0.) tritt dafür ein, die Beihilfen für den Arbeitsnachweis und die Ardeiterfürsorge, heute äußerst wichtige Organisationen, zu erhöhen. Er bemängelt die Kürzung der Mittel für die produktive Fürsorge um 5000.— Mk. und beantragt Erhöhung auf 25 000.— Mk. Schließlich wendet er sich gegen die ablehncnde Äuffassung des Vorstandes gegenüber der Dolksbank.' H^a d d a <W. P.) vermißt einen Titel zur Förderung der Berufsumschichtung, die die Juden aus der Enge herausreißen solle. Für die Produktive Fürsorge sollte ei» Extra-Titel geschaffen werden. Schließlich regt er an, hie Ruhegehaltsempfänger in irgend einer Weise nutzbar für die Verwaltung zu verwenden. Schlesinger (Kons.) bezeichnet den Haushaltsplan als fata > morgana. Erfreulich sei der Eintritt für die Ertüchtigung der jüdischen Jugend; denn selbst der Jüdischen Schule habe man die Möglichkeit, die H inder turnen zu lassen, genommen. Er bemängelt ferner die Ausgabe für das Gemeindeblatt,

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