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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1933-07-01 · 7 (7.1933) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
10 (1933)
Issue
7 (7.1933)
Date
1933-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer iMnMIatt AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU J Schriftleitung: Derwaltungsblrektvr Dr. Nechnitz, I Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Breslau, WaNftr. 9 ' Verlag: Büro der Svnagogen- II Th. Schotzkg Aktien-Gesellschaft. Breslau 5, gemeinde, Breslau, Wallstr. 9 - Telefon 21611/12 | Neue Sraupenstraße 7 r Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpre iS: Die 6gespaltene Millimeter-Seile oder deren Raum id Pfennige — 29« 1 laufenden Aufträgen Rabatt Rlt Me unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Artikel und die Vereinenachrlchten Übernehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung 10. Jahrgang , Juli 1033 Rümmer 7 Ich suche meine Vrüöer. Wie so oft in de^ Weltgeschichte künden sich große Ereignisse gleichsam wie schwere Gewitter durch grell aufzuckende Blitze und fern rollenden Donner an. Es ist daher kein Zufall, daß kurz vor dein Ipoliti^en Umschwung in Deutschland Thomas Mann, ein deutscher und arischer Schriftsteller, in der „Neuen Rundschau" hinen Vorabdruck seines letzten Werkes „Josef und seine Brüher" erscheinen ließ. Er schildert hier in bekannter Meistersc^ft den biblischen Hergang: Josef, der spätgeborene. war der Ltzblii gssohn Jakobs, und der Bater schenkte ihm einen bunten Rock. Da haßten ihn seine Brüder und vermochten nicht mehr friedlich mit ihm zu reden. Josef hatte zwei Träume und erzählte ihnen hiervon. Die Garben des Feldes stellten sich um seine Gaxbe und fielen vor ihr nieder. Aber auch Sonne, Mond unl^Stexne, so träumte er ein anderes Mal, verneigten sich vor ihisC! Um so größer wurde der Haß der Brüder, und sein Verderben war beschlossen. Als sie in Sichem die Schafherden des Bgteirs weideten, ward Josef zu ihnen entsandt, um sich nach ihi^et^i Wohlergehen und dem Zustand der irrte er im Felde umher. Da wen er suche. Ich suche meine Herden zu erkundigen. llange fand ihn ein Mann unh fragte Brüder, antwortete Joses: Auch der deutsche Jude war ein Träumer, nicht hochmütig und hoffärtig, auch nicht prahlend mit unerfüllbaren Träumen. Trug wohl manchmal, oft mehr als nötig, seinen bunten Rock zur Schau. Aber wer wollte ihn darob tadeln? Titelsucht und Standesdünkel find gls! kleine menschliche Schwächen immerhin entschuldbar. Aber den Träumer merkte nicht, wie sein großer Fleiß, sein ungeheurer Schaffensdrang, feine Erfolge auf allen afl. Gebieten der Wisfenfckic ragenden Leistungen als erkennung und Bewunher genossen nur Neid, Haß allzuschroff ist er jetzt aus in die veränderten Verhä tniste nicht hineinfinden. Kunst und Technik, seine hervordeutscher Kaufmann nicht überall Anung fanden, sondern bei vielen Volks- und Mißgunst erregten. Jäh und seinem Traum erwacht und kann sich Schwere Zeiten sind über, das deutsche Judentum gekominen. Der deutsche Jude ist nicht nur Kämpfer, sondern weit mehr, er ist Märtyrer geworden; denn, schütz- und wehrlos ist er allen Anfeindungen seiner Widersacher preisgegeben, seine Ehre wird jeden Tag aufs neue von den gröbsten Beleidigungen und Verleumdungen in Wort und in Schrift befleckt. Notzeit fordert Selbstbesinnung. Der deutsche Jude ging I-ange Zeit einen Irrweg und müßte jetzt erkennen, wie wenig brüderlich viele seiner Volksgenossen an ihm handelten. Nun sucht er wieder seine eigenen. Brüder und findet den Weg zu ihnen zurück. 1 Notzeit verlangt 'aber auch äußerste Opferbereitschaft., Jeder Jude, welchen ein gütiges Geschick-noch gab eine „Par-, nosse", was das Christentum richtig mit „täglich Brot" übersetzte, muß seinen in Not geratenen Brüdern' helfen. Der Arme, welcher in höchster Not und Verzweiflung fein?" Brüder sucht, muß sie finden. Laßt ihn. nicht in die Irre gehen! Gewährt ihm die ersehnse Hilfe. Durch den politischen Umschwung in Deutschland ist vielen jüdischen Aerzten, Anwälten, Lehrern und anderen Staatsbeamten die Existenz geraubt worden. Mit Recht hat man für diese Bedürftigen eine Hilfsaktion eingeleitet. Darüber hinaus hat man jedoch^ weil es leider etwas Alltägliches war, dje entsetzliche Notlage der erwerbslosen jüdischen kaufmännischen Angestellten vergessen. Viele von ihnen sind schon älter und Familienväter, die meisten feit Jahren ohne Arbest. Jetzt erhält diese Beruftzgruppe erneuten Zugang von Arbeitslosen, und die Hoffnung, Beschäftigung zu erlangen, schwindet fast ganz. Diesen Unglücklichen hilft man nicht durch Geldspenden, welche zwar — es muß anerkannt werden — unsere Glaubensgenossen.gern und reichlich hergeben, ohne freilich hierdurch auch immer ein wirkliches Opfer zu bringen. Aus ihrer trostlosen Lethargie, ihrem verzweifelten Dahinvegetieren bringt ihnen Rettung nur Arbeit. Es ist eine uns alle tief beschämende, aber, leider feststehende- Tat- Gemeiitdemitglieder! erbotei Spenden werden Postscheckkonto der Gemeinde Breslau Nr. Bezeichnung „Jüdisches!>y i 321 Hi Ihr kennt alle die Not unserer ganzen Gemeinschaft; darum «s n auf das agogen- 00 unter Ifswerk“. spendet für das „Jüdische Hilfswerk Jeder gebe nach seinen Kräften! 1 ' Das Wohlfahrtsamt und die Beratungsstelle der Synagogen-tiemeinde Breslau

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