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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1933-06-01 · 6 (6.1933) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
10 (1933)
Issue
6 (6.1933)
Date
1933-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 6 Alltagsleben Mensch vom Menschen trennt und den Zugang zur Seele versperrt, ist abgebröckclt. Ein solcher Moment ist ein. fruchtbarer, ein heiliger Moment, der Herzen erheben, Gemeinschaft stiften kann. Die Gemeinsamkeit uralten Erbes von Dl:ü und Geschichte, von Schicksal und Send u n g , kommt wieder als wesentlich in unser Bewußtsein. Sie zu b e j a h e n , mit ganzen: Herzen und wachen Sinnen, das allein ist die würdige Antwort des Juden auf diese Stunde. Läßt er sie vorübergehcn, begnügt er sich mit Ressentiment und mit Klage!:: über das ihm angetane Unrecht, tröstet er sich mit der Erwartung auf spätere Besserung, begreift er nicht den t i e f c r e n S i n n dieses Geschehens, dann wird eine einzigartige Situation der jüdischen Geschichte schmählich vertan sein. Wir Jude : nehmen für uns in Anspruch, die deutsche Bildung u n d Kultur, in der! wir aufgewachsen sind, als uncntwinobaren Besitz zu behalten und als deutsche Bürger für! das Ganze einzustehen. Wir tun es ehrlich, mit offenen: Visier, a l s I u d c n, die wir sind, und niemand wird von uns Erwarten, daß wir uns als etwas anderes geben. Trieben wir Selbstverleugnung, wärcy wir in der Tat schlechte deutsche Bürger. Als Juden kä:j:pfcn wir auch für das Prinzip der Gleichberechtigung aller Staatsbürger, das auch von andery, z. B. zuletzt von! den deutschen Bischöfen in ibrer Kundgebung, verfochten wird; aber wir sehen ein, daß dieser Kampf nur dann von dauerhaftem Erfolg sein kann, wenn wir a l^s Üut'lcn Verhandlungspartner sind, nicht aber, wenn wir uns hinter dem! Deckmantel allgemeiner ideell verbergen und dann erst als Iydcn „entlarvt" werden. Die Situation der Juden ist im nationalsozialistischen Staat ein brennendes Problem geworden, an dem niemand mehr vorühcrfchen kann. Aber das Problem als solches bestand schon früher, und wir hätten gewünscht, daß eh in anderer Weise, ohne die furchtbaren Verzerrungen und! einseitigen politischen Akte, zum Austrag gckoinmcn wäre. iDazu aber war die groge Mehrheit der deutschen Juden nicht bereit. Sie fühlte sich sicher, wenn sie sich auf formale Rechte stützte. Die cnnüentr Bedeutung von Instinkten und! Volksgcfüblcn wurde nicht anerkannt. Aber das Problem war da. Es ist kein Zufall, daß es schon vor fünfzig wahren, vor vierzig wahren, von scharfsehenden Juden selbst formuliert wurde. Die schwere seelische Rot der deutschen .'luden ist dadurch verursacht, daß sie nicht rechtzeitig erkannten, daß ihr- Platz in der jüdischen Gemeinschaft ist und ihr Zusammenleben mit anderen Völkern nur dann in innerer Wahrbcit gestaltet werden kann, wenn sie von dem Boden des jüdischen Gemeinschaftsbewußtscins her an die .Trage Herangehen. And in diesem kritischen Moment können wir nur dann widerstandsfähig sein, wenn wir mit dem Iudentun: auch die Freude am Jude-Sein wiederfinden. Die Gemeinschaft ist cs, die Kraft'hierzu gibt. In diesen: Geist muß auch die Sch ulfrage angepackt werden, die jetzt ein jüdisches Problem allerersten Ranges geworden ist. Wehe uns, wenn jene heute schon wieder erkennbaren Tendenzen durchdringcn, die darauf ausgchcn, aus unseren Kindern innerlich gebrochene Menschen zu machen, die ihre Maßstäbe von außen nehnicn und immer nur ängstlich danach schielen, was die Amwclt zu diesem oder jenem sagen wird, statt innerlich gefestigte Juden, die zu ihrem Jude-Sein ja sagen ul:d in voller Loyalität und Offenheit, aber auch iq: Bewußtsein ihres eigenen Wertes und ohne innere Verängstigung an die Ämwelt herantreten. Eine wahrhaft jüdisch e Erziehung ist heute bei Gott keine innerjüdische „Parteisachc", sondern eine elementareLebensnotwcndigkeit des gesamten deutschen Judent u ::: s. Wenn die Alten es nicht verstehen, so sollen sie sich von ihren Kindern belehren lassen. And auch unsere Jugend, ausgcstoßcn von der i Amwelt, aber nicht nur deshalb, soll wissen, daß sie in einjer Gemeinschaft steht, vertikal in einer Gemeinschaft der Geschlechterfolge, aber auch horizontal jn der Gemeinschaft der Menschen gleicher Art und gleichen Scbicksals, wenn auch verschiedenen Erlebnis- und Bildungsmaterials. Dann erst wird sie in Verständnis und Respekt mit den anderen Deutschen leben können. z Dies ist es in der Tat, was dem Juden heute not tut: das S e i n e zu finden, das tief in ihm steckt, sein eig mes, von Schlacken und Trümmern bedecktes Ich. Sein Öubiintura. Dann brauchte uns um unsere Zukunft auch in dieser kritischen Stunde nicht bange zu sein. WERTHEI M Für die Ferien: imiimiiiiiiiiimmiiiiimiiiiimiiiiiimiimiiimimiiiiimiHiiimiim iimmim Preiswerte Angebot o in Badeu. Reiseartikeln Sportbekleidung u. Sportausrüstungen Handwerk und öerufsumschlchttmg.; Alls dem großen Komplex der Bestrebungen ei: er organisierten Selbsthilfe aller Stände gilt cs, die Handwerker^ Frage als etwas Besonderes herauszuheben. And cs hieße sogar die Bedeutung des Handwcrker-Berufs verkennen, ja noch mehr, die Bedeutung der ganzen Schwere des plötzlich hereingcbrochcncn Schicksals verkenne», wenn wir die Handwcrkerfrage jetzt nicht in den Vor!'ergründ stellen. Sie hängt mit der praktischen Berufsumstellung aufs engste und ganz organisch zusammen, und die Einsicht von der Bedeutung unserer seit 23 Jahren vorhandenen üdischen Handwerker-Organisation muß allen denen, die sie ::>ch nicht kennen, nunmehr klar zum Bewußtsein gebracht werden. Der Handwerker hat sich als viel sicherer erwiesen, als der mit irgendwelchen Rechtsgarantien versehene Beanlte oder Akademiker. Aber seine bloße Existenz, sein Hiersein allein genügt nicht. Es kann für die Entwicklung und den Fortschritt des Berufsstandes nicht förderlich sein, wenn durch die Gedankenlosigkeit der jüdischen Amwelt der Meister gezwungen wird, selbst von Haus zu Haus zu laufe::, seine Aufträge mühsam hereinzuholen, um sie dann mit eigener Hand, von einem kleinen Auftrag zum andern, langsam selbst abzuarbeiten, dergestalt, daß ein Kunde geduldig warten muß, bis der vorhergehende seine Bestellung erledigt erha ten hat. Es mühte nicht so sein. Roch heute können Dutzends jüdischer Handwerksbetriebe nicht einen einzigen Gesellen einstellen. Roch heute liegen in Breslau 50 bis 60 «ungelernte jüdische Handwerksgesellen ohne Arbeit auf der Straße. Aber noch heute fragen unzählige jüdischer Mitbürger? Ja, gibt es denn überhaupt jüdische Tischler, Glaser, Klempner, Dachdecker,, Installateure? Ist es ein würdiger Zustand, wenn durch Nachlässigkeit, vom bösen Willen abgesehen, unsere Organisation Übergänge» wird, wenn einzelne unserer Betriebe vor dem Rinn, dex Exmission, der Pfändung stehen? > i Erst wenn alle Kreise, in die niemals die Kunde mich nur unserer Anwesenheit hineindrang, unsere Freunde geworden sein werden, und wenn auch unsere alten Freunde mit jeder kleinsten Angelegenheit, aber auch mit größeren Aufträgen zu uns kommen, erst dann sind wir selbst in der Läge, als Arbeitgeber auszutreten, Lehrlinge, Gesellen, Hilfsarbeiter, einzustellen und die praktische Berufsumschichtung vorzustehmen, die notwendig ist. I ■*- Während jetzt noch eine große Anzahl unserer Mitglieder die kleinen, etwa vorhandenen Aufträge mit eigener Hand

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