Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- 5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 5 ✓ 1 7. Eine elementare Forderung des inneren Freihcitskampfes ist das entschiedene und schärfste Abrücken von Schädlingen .in den eigenen Reiben. Wir müssen unsere Front säubern von al^en Elementen, me unseren Kampf durch ihr Tun oder Lassen, durch ibr Schreiben oder Reden erschweren, ferner von allen denen, die uns dujcch ibr undeutsches Benehmen und Auftreten oder ihre Redensarten vor der deutschen Ocffentlichkcit dlohstcllein Wir haben allgemein auf eine schlichte, e 1 n s a che- Lebensführung zu' halten, und w i r baden alle d i e" unter! u n s, d i c in dieser schicksalsschweren Z c i h g c g c n d i c a c s ch riebe n c n und ungeschriebenen Gesetze 'der Grabbejt. Ei itFa ch h e i r,!E h r l i ch k c i t, Sauberkeit und des /Taktes h c r jt o ß c n, in i t aller S cb ä r f c z 11/ randmatken u tt 0 des 11 tu - g a n g c s f ü^u n w ü r d i g >z u erklären. 6. Der EniMizipationskampf verlangt - tim nichts an Stoßkraft und Bestimmtheit cintzubüßen eine einheitliche Führung der dcutschgcsinntcn viudcn. Es ist daher mit größter Beschleunigung eine zielklare, init Bollmachten ver-- sehcnc Führung zu erstreben, die unter Ausschaltung der lähmenden Ilmwege eines langen Diskuticrcns mit seinem Wenn und Aber die Zentrale des deutsch-jüdischen Freihcitskmnpfcs sein soll. Streng von den staatsrechtlich-politischen Fragen müssen die religiösen Fragen des deutschen Judentums geschieden werden, die Angelegenheit der Gemeindeverbändc sind und von diesen mit derselben Ausschließlichkeit zu vertreten sind, wie die staatsrechtlichen Fragen von der politücben Führung. ä. Wo Führung sein soll, ist auf der airdcrcn Seite Geborsam, Disziplin und Unterordnung unter die. Führung zu fordern. Der vcrbängnisvollcn Eigenbrötelei, dem übertriebenen Fndioidualismus und der gefährlichen Sucht, in alles und jedes reinrcden zu wollen, ist zu steuern. Jede aufbaucndc Aktion ist unmöglich, wenn sie jeder ^'beliebige durcb .Kritik, Nörgelei und Besscrwisscn hemmt und - - vor allem wenn sic in fruchtlosen Debatten zerredet wird. Daher bat der Freibeitskampf unbedingte Disziplin aller Mikkämpfer zur Voraussetzung. 10. Zu verlangen ist auch, daß zwecks Härtung des Kampfwillens und Kampfgeistes eine positive Haltung soweit nur irgend möglich — in Hinblick auf die Zukunft eingcnoinmcn wird. , Wir wollen illusionslos uiid nüchtern sein, aber wir wollen uns nicht einem entnervenden V e s s i in i s m u s auf der ganzen Linie a u s l i e f e r tt, weil er uns von, innen aushöhlcn und uns jeden Widerstandswillen vollends rauben würde. Daher gilt es, der Flaumacherei zu begegnen und der Verneinung um jeden Breis cntgcgcnzutretcn, ebenso aber auch dem Dcsaitismus, der sich mit der heutigen Situation abfinden will. 11. Wir haben die Arbeit stets so zu führen, daß wir uns nicbt nocb mcbr isolieren, als wir ohndies schon sind. Daher sind soweit eben möglich alle Beziehungen zur nicbtiüdischen Umwelt in Deutschland unter selbstverständlicher. Wahrung des Stolzes und des Taktes nach wie vor zu pflegen. Es dürfen keine Mauern auch noch von uns errichtet werden» vielmehr üt alles zu tun, um die Gemeinschaft mit der nicbtjüdischcn Bevölkerung nicht noch weiter zu verlieren. Daß wir unsere bedrängten, boykottierten, brotlos gemachten Glaubensgenossen vorab - zu berücksichtigen haben, versteht sich von seihst, darf aber keineswegs zu einer Art Gegenboykott führen. 12. Feder inuß an seiner Stelle jetzt alle Kräfte zur Mitarbeit einsetzen. Es geht für uns um alles: um Heimat, Freiheit, Existenz. Feder hat seinen Willen anzuspannen, alle guten Kräfte in sich wachzurufen und sich einzusetzen für den Aufbau eines neuen deutsch-jüdischen Lebens und für unsere Freiheit. Aus dem .Schild", Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Das Beste iiiiiiiiiiiiiimiliiiiiiiiiMimiiiiiiiiiiiiiiii Das Neueste iiiiiiiiiiiiimiiiimiiimiiimiiiiiiiHitfiiiiiiiiimiiiiiiiii Das Preiswerteste iiiiiiniiiiiiiitiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiiiiiiilmiHMiiiiiiimi in Damen-, Herren- und Kinderkleidung finden Sie wie immer n einer Riesen-AuswaM bei etersdorff BRESLAU, OHLAUER STR. / SCHUHBRÜCKE was man heut wissen muß! 1. Der ist Frontkämpfer? ’ Wer im Weltkriege bei der fechtenden I ru p p c an einer Schlacht, einem Gefecht, einem Stellungskampfe oder an einer Belagerung keilgenommcn hat. Es genügt nicht, wenn sich jemand, ohne oor den Feind gekommen zu sein, während des Krieges aus dienstlichem Anlaß im Kriegsgcbict aufgehaltcn hat. Dagegen ist Frontkämpfer, wer als Soldat verwundet worden ist und das Ber wunderen- Abzeichen erhalten hat, auch wenn er nicdt bei der fechtenden Truppe gestanden hat (j. B. bei Bombenabwürfen). Den Frontk ä-m p f e r n gleichgestellt sind die Teilnehmer an den Kämpfen im Baltikum, in Oberschlesien (Selbstschutz, schwarze . Reichswehr) gegen Spartakisten (Orgesch pp.) und Separatisten, sowie gegen die Feinde der nationalen Erhebung. A e r; t e sind Frontkämpfer, wenn sie an der Front, also bei der fechtenden Truppe bis zum Feldlazarett cinschließlicb, oder in einem Scuchcnlazarett tätig gewesen sind. Frontkämpfer sind auch diejenigen, die entsprechend den vorstehenden Bestimmungen fisr die Derb ü n d e t c n Deutschlands (Oesterreich-Ungarn, Bulgarien, Türkei) oder in den deutschen Kolonien gekämpft haben. 2. Der ist „gefalle ti“? Wer infolge feindlicher Einwirkung (Geschoß, Erplosion, Giftgas, Ueberschwemmung u. s. w.) als Soldat zu Tode gekommen ist, aber auch wer einer Verwundung, die er als Frontkämpfer (siehe unter I) . erlegen ist. Eine Zeitbeschränkung für letzteren Fall ist nicht vorgeschriebe», cs kann der Tod also auch längere Zeit nach dem Kriegsende eingetretcn sein. Kinder und Väter von Gefallenen sind als Beamte und Angestellte den Frontkämpfern gleichgestellt. 3. Wie wird der Nachweis geführt? Durch Vorlegung der Kriegsstammrolle (Soldbuch) oder der Kriegs-, rangliste (für Offiziere und Sanitätsoffiziere) oder von Dienjtleistungs-! Zeugnissen. Andere Nachweise und Urkunden sind aber nicht ausgeschlossen. ,3n jedem Falle genügt das Besitzzeugnis für das Verwundeten-Abzeichen. Da der Nachweis oftmals an niedreren Stellen gleichzeitig geführt werden muß, so empfiehlt es sich, beglaubigte (von einem Notar, Polizei oder Gericht) Abschriften anfertigen zu lassen (keine Originale einreichen!). Zum Nachweis als Gefallener dient die Benachrichtigung des Truppenteils oder die amtliche Verlustliste oder die Bescheinigung des Derforgungsamtes über die Bewilligung der Kriegswitwenrente. 4. Wo besorgt man die Nachweise? Wer keine der unter 3 be^ichneten Urkunden mehr besitzt, beantragt unter Angabe seines ^Namens, Geburtstags, Geburtsorts und Wohnsitzes zur Zeit der Einberufung, sowie seines letzten mobilen Truppenteils «in Dienstleistungs^ugnis, und zwar: a) für Truppenteile der bayrischen Armeekorps im Zentralnachweiseamt für.Kriegerverluste und Kriegergräber, Zweigstelle München, München, Lothringerstr. 17; b) für Truppenteile des XIII. und XIV. Armeekorps im Reichsarchio, Zweigstelle Stuttgart (Zentralnachweiseamt) Stuttgart» Gutenbergstraße 109; c) für Truppenteile des sächsischen XII. und XIX. Armeekorps im Reichsarcbiv Zweigstelle Dresden, Dresden, Königsplatz: