Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- 5 (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schristleltung: PerivaltungSblrellor Dr. Nechnltz, I! Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei DreSlau, Wyllf».9 - Derlag: Büro der Synagogen- II Th. Echatzkg Aktien-Sesellschaft, Breslau 5, gemeinde. Breslau, Wallsir. 9 - Telefon 21611/12 | Neue Sraupmsttaße 7 Telefon 24468 u. 24469 Anzeigenpreis Die 6 gespaltene MiMmeter-Äeile 06« deren Raum lü Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt Mir die unter dem Namen (6ei Derfafser« erscheinenden Artikel und die Derein«nachrich«en übernehmen wir nur die prefsegesetzNche Derantworwnz 1 l 1Z Satze ftst Lage -er -eulfchen Ja-en. Don Dis. Hans H e r z f e.l d. Die völlig verändert«! Situativ», vor die die natioualc Revolution und ihre hisherigc Gesetzgebung .die deutschen Juden gestellt Kat, vcrlaingt von ugs circ klare, unscntimcntale Betrachtung unserer Ltzge!. Es Kat keinen Sinn, zu klagen und zu lamentieren, an ific Humanität zu appellieren oder wehleidige Rechtfertigungen vorzubringe». Auch die Frage, wie cs geschehen konnth, haß die Dinge sich so entwickelten, ist angesichts der vollejud-ten Tatsachen nur noch historisch von Belang. Air babim der harten Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen. 1. Wir müssen, nächdem die lins aufgezwungene Lage durch Gesetzgebung legalisiert worden ist, einen neuen Befreiungskampf führen, wie unsere Däter vor 100 und mcbr Iakrcn. 2. Die Ziele dieses neuen Emanzipationskampfes richten sich nach außen wie nach innen. Nach außen gehen üc auf die Wiedercrtingung unserer vollen Gleichberechtigung in Deutschland. Hochziel des Frhiheitskampfes ist: Anerkennung, Behandlung und Würdigung als vollwertige deutsche Volksgenossen. Der Kampf ann diese Ziele darf auch nicht einen Augenblick ruhen, der Kampfwillc darf um unserer Zukunft willen nicht eine Minute erlahmen. 3. Hm den Emanzipationskampf nach außen so schlagkräftig wie möglich führen zu können, muß eine innere Front der deutschen Juden geschaffen werden, die die Willensstärken Träger des Freiheitsgejstes sein wollen. Hier liegen Hauptaufgaben jener deutschsjüdischen Organisationen, welche die staatsrechtlich-politischen. Belange des deutschen Judentums verfechtet^; 4. Es gilt, die deutsche Gesinnung unter de» deutschen Juden trotz der starken > seelischen und materiellen Belastung, der wir ausgcsetzt sind, wachzuhalten und darüber hinaus so zu festigen, daß sie eine schwere Zukunft erträgt, ohne daran irre zu werden, daß wir nacb Geburt, Wille, Kultur und Schicksal Deutsche sind. Wir haben uns an dem Gedanken zu stählen, daß wir — wenn ünan es uns jauch immer wieder abspricht — Deutsche siüd und daß unsere Seele deutsch bleibt, weil üc cs i st. And wenn man uns I(XX)mal sagt: „Ihr seid als deutsche Volksgenossen ausgelöscht, weil ihr frcmdrassig seid", so setzen wir dem ebenso oft unsere unerschütterliche Antwort entgegen: „u n d d e n n 0 cb sind und bleiben wir Deutsch c". 5. Der innere Emanzipationskampf bat, von dieser grundlegenden Haltung aus und von ihr dauernd angefeucrr, eine Reibe positiver Aufgaben anzupacken. Es gilt unsere Jugend, die unter den schwersten Bedingungen bcranwächst, zu betreuen. Wir haben ihren Stolz, ihr Selbstbewußtscin und ihr Menschentum vor Schaden zu bewahren. Air babcn, wie bisher, ibrc Gesinnung im Geiste deuticber Kultur durcb dauernde Aufklärung, Erziehung und Ermutigung zu bilden. . Air haben sie ferner mit eben denselben Mitteln und eben derselben Intensität zu ertüchtigen, mit denen man ihre incbtjüdischen Altersgenossen ertüchtigt: durch Sport, Mchrhaftigkeit, Disziplin und Dienst am GanzenU ö.ils Weitere Aufgabe-des Frcihcitskampfcs nach innen ist es, die Derufsumfchichtung der Juden in Deutschland mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln vorwärts zu treiben. Wir wissen, daß wir eine solche, auf lange Sicht zu bewerkstelligende Amsch'chtung ohne Hilfe und Entgegcukonnnen des Staates und der ] verschiedenen Berufsständc nie und nimmer durchführen können. Man muß uns eine gewisse Karenzzeit zubilligcn, damit wir das große Werk mit Evfolg organisch durchführen können. Es liegt bei der Staatsführung, ob sic dieser von uns zu fordernden Karenz zustimmt. Wir haben von uns aus positivste Mitwirkung zuzusagen und die innere Vorbereitung unserer Menschen weiterhin mir -.Kraft zu betreiben. 1 Gemei ndemitglieder! j Spenden an: Sonderkonto],.Jüdisches Hilfswerk“ bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschalft, Breslau, Albrechtstr. oder — untei entsprech. Bezeichnung —auf das Rostscheckkonto der Synagogen 4 Gemeinde Breslau Nr. 6300 ' Ihr kennt alle die Not unserer ganzen Gemeinschaft; darum spendet für das „Jüdische Hilfswerk** Jeder gebe nach seihen Kräften! Das Wohlfahrtsamt und die Beratungsstelle der Synagogen-Gemeinde Breslau