Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- 4 (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3970005-7569526-7569717--1804-3971684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Breslaus r.I üdisch es Gemeindeblatt Nr. 4 I. I u r u et h u i t u n <5 wird gefordert im Weitcrtragcn von Nachrichten, weil durch solche oft unwahren Gerüchte auf der einen Seite die Leidenschaften erregt, auf der anderen Seite die Mutlosigkeit vermehrt wird. 4. Z u r ü ck b a4 t u n g wird gefordert und Schlichtbeit in .Kleidung, Haltung und äußerem Auftreten. Mehr als je imift persönliche Würde und persönlicbcs Sclbftbewußtsein mit Bescheidenheit gepaart sein. p. Z u r ü ck h a l t u n g wird gefordert iin Besuch von Gaststätten und Vergnügungen u. dgl. Es ziemt sich für uns nicht, in solcher Notzeit auf Vergnügen aus zu sein. Auch die jungen Menschen unter uns inüssen in dieser Zeit lernen, in Daus und Familie und nicbt außerhalb Erholung zu finden. p. Von den?l r b e i tgcbcrn muß gefordert werden, daß sie Entlassungen von jüdischen und nichtjüdischen Angestellten und Arbeitern auch unter eigenen wirtschaftlichen Opfern vermeiden. Die soziale Pflicht ist zugleich Pflicht gegen die jüdische Gemeinschaft.; 7. Wir fordern das Vertratien, daß die ehrenamtlich und die berufsmäßig verantwortlichen Persönlichkeiten nach bestem Wissen und Willen ihre ganze Kraft entsetzen, um alles zu tun, was im Bereich der Möglichkeit liegt, wenngleich öffentliche Berichterstattung vielfach nicht angängig ist. 6. G e m e i n s i n n wird gefordert und H ilfsbereitschaft für einander. Der Appell an die Opfer- Willigkeit eines Jeden darf nicht vergeblich sein. Der Gemcinsinn muß sich in Bereitwilligkeit zu persönlicher Arbeitsleistung in Disziplin und williger Einordnung bekunden ohne persönliche Eitelkeit und Empfindlichkeit. 9. Der Gemcinsinn muß in dieser Notzeit zur Zusammenfassung aller .Kräfte zu gemeinsamer Arbeit führen, zu einem G 0 t t e s f r i c d c n in unserer Gemeinde. Der Streit der Parteien und Richtungen muß zurücktreten, da cs um Wohl und Webe des Ganzen geht. In diesen Tagen wird eine V c r a t u n g s st c l l c eingerichtet, die in steter Zusammenarbeit mit allen Stellen tätig sein wird. Näheres wird durch Apsbang im Gemeindebäusc (Wallstr. 9) und in den Synagogen bekannt gegeben. Tin beiden G c m e i n d e s y n a g 0 g c n werden an Wochentagen gegen Abend in Verbindung nnt dem Gottesdienst Lehrvortrügc stattfinden. Die Dauer dieser Veranstaltungen wird dreiviertcl Stunden nicht übersteigen. Die bi^auf wie auf andere Veranstaltungen in den Synagogen vezüglichcn Bekanntmachungen im Gemeindcblatt und der Aushang im Gcmeindcbüro und in den beiden Gemeindesyyagogcn werden besonderer Beachtung unserer Gcmcindewnglicdcr empfohlen. einmütigem Zusammenwirken aller Kräfte, in strcygcr Selbstcrzichung, in Stärkung des Gcineinsinns, in unerschütterlichem Gottocrtrauen soll uns — das hoffest wir zuversichtlich — aus dieser Not- und Prüfungszcit sSgensvolle bessere Zukunft erwachsen. Der Vorstand und die Gcmcinderabbister der Synagogengcmcindc Breslau. Erklärung. Es widerstrebt uns, gegenüber Angriffen, die Versicherung dessen abzugebcn, was unser Judentum ist. Der wabrc Geist unserer Religion spricht zu jedem, der hören will. Anscrc Geschichte zeugt von dem, was wahrhaft in unsl lebt. .Wir wissen um das, was unser deutsches Vaterland uns ist. Seit altem lebrt uns unsere Religion, in Treue dem Staate zu dienen. * Unseren Glaubensbrüdern rufen wir zu: Haltet die Treue Und die Zuversicht fest! Bewahrt den Stolz und die aufrechte Kraft! Bleibt der Väter wert! Der Allgemeine Rabbiner-Verband in Deutschland. J\n unsere Hemelu-emltglieSer! „Angercchtigkeit schniiedct einen an die, die Anrecht leiden." Sie macht die Gemeinschaft zur stärksten Verpflichtung, wir wissen, daß wir sie am Leben erhalten müssen. Kommt alle und helft uns an diesem heiligen Werke! Alle müßt Ihr helfen, welcber Richtung Ihr auch seid! „Auf dein Boden unserer Tragödie muß das Rcchtbabenwollen aufhören!" Zwischen uns kann es keine innere Trennung inehr geben, da in uns allen in dieser schicksalsschweren Zeit, der schwersten seit Jahrhunderten, das unüberhörbare Gebot nnscres Lebens, unseres jüdischen Gemeinschaftslebens klingt. Ans allen gilt der Kampf, weil wir Juden sind, wir alle inüssen ihn führen, weil wir Juden sind, wir alle inüssen uns in die Verteidigung einreiheii, weil wir Juden sind. Mit Mut und Kraft und mit Hoffnung werden wir das Recht zu leben, leiblich, geistig und seelisch zu leben, verteidigen. - -- Aber wir brauchen Euch alle, alle ohne Ausr nähme. Ihr müßt uns helfen init dem, was Ihr seid, und mit dem, was Ihr habt. Ohne Euer aller Hilfe köinieii wir der Jugend keine Wege in die Zukunft bauen und dem Alter nicht die Sicherheit der einfachsten Lebensführung gewähren. Ohne Eiier aller Hilfe können wir die Gemeinschaft nicht erhalten! K 0 m m t u n d h e l f t! Es darf ir dieser Stunde unter uns keine trägen Herzen geben, die sich verschließen vor dein Leid und der Not anderer, cs darf keine müden Seelen geben, die ohne Hoffnung sind und andere hoffnungslos machen, weil sic nicht an den Sieg des ewigen Rechts zu glauben vermögen, es darf keine leeren Hände geben, die geschlossen bleiben, wo die unendlich vielen darben, auf Hilfe warten und uns rufen. Lautlos und stumm rufen sie aber beredt in ihrem Iugehörigkeitsgefühl und in der Zuversicht, daß Juden den leidenden Mitmenschen, auch denen, die nicht ihres Glaubens sind, sich nie versagt haben. And sie sollten sich jetzt versagen, der furchtbaren Not ihrer Glaubensbrüdcr, der ungeheueren Not ihrer ganzen Gemeinschaft? Nig. und nimmer wird das sein, kann das sein! Ihr Brüder und Schwestern unserer heiligen Gemeinde, wir warten auf Euch und Tausende warten mit uns. Kommt und helft! Spenden an Synagogen-Gemeinde, Sonderkonto Hilfswcrk, bei der Deutschen Bank und Diskontogesellschaft, Breslau, Albrechtstraßc. Das Wohlfahrtsamt undj die Beratungsstelle^ der Synagogen- Gemeinde Breslau. Tätige Hilfe. In »dieser harten Zeit schwersten Ringens um die wirtschaftliche Aufrechterhaltung ist mehr als je für alle Glaubensgenossen die gegenseitige Unterstützung unabweisbare Pflicht. And so sehr cs der Wohltätigkeit bedarf für die Allzuvielen, die schon auf sie angewiesen sind — dringender und wirksamer ist das Vorbeugen gegen die Vernichtung weiterer Existenzen durch Arbeitsbeschaffung und Absatzbelebung. Nicht nur in den akademischen Berufen, sondern auch in Industrie und Handel, Technik und Handwerk stehen die deutschen Juden hier wie anderswo a» Können und Leistungsfähigkeit nicht zurück. Wer durch Auftragserteilung, Bedarfsdeckung, Anforderung von Arbeitskräften usw. zur Erhaltung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Juden beiträgt, leistet tätige und rechtzeitige Hilfe Glicht nur für diese selbst, sondern auch für ihre zahlreichen christlichen Arbeitnehmer, dessen muh sich jeder Glaubensgenosse bewußt sein und danach handeln. Durch die „Kleinen Anzeigen" ity „!Züd. Gcineindedlatt" hat jeder jüdische Gewerbetreibende die Gelegenheit, sich für sehr wenig Geld seinen Glaubensgenossen zu empfehlen.