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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1933-04-01 · 4 (4.1933) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
10 (1933)
Issue
4 (4.1933)
Date
1933-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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s> Breslauer AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schriftleitung: Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz, Vreslau, Walisn. 9 > Verlag: Büro der Sgnagogengemeinbe, Vreslau, Wallstr. 9 - Telefon 21611/12 Druck und Anzeig Th. Schatzkg Aktien Neue GraupensNaße Anzeigenpreis: Die - gespaltene MiMmeter-Äeile ober deren Raum 16 Pfennige en-Ann -Sejsellsc ße 7 - De — Bei la^l ahme: Druckerei ellschaft, DreSlau 5, lefon 24468 u. 24469 senden Aufträgen Rabatt Ae unter dem Namen des Derfaffers erscheinenden Artikel und die DereinSnachrichten übernehmen wlrinar die pressegesetzliche Deranttvonun, 10. Jahrgang April 1933 Nummer 4 Sie Reichsvertretung der -mischen Juden hat an den Herrn Reichspräsidenten, dcir Herrn Reichskanzler, Präsidenten von Bcrlift folgendes Schreiben gerichtet: die Herren Rcichsmnüsftr u»td an den Herrn Polizei- „Die deutsches Juden sind tief erschüttert von dem Boykott«,rfruf der Rationalsozial stischen Deutschen Arbeiterpartei. Wegen der Verfehlung einiger Weniger, für die wir nie und nimmer Verantwortung, tragen, soll uns deutschen Juden, die sich mit allen Fasern ihres Herzens der deutschen Heimat verbunden fühlen, wirtschaftlicher Rntcrgang bereitet werden. ' In allen vaterländischen Kriegen haben deutsche Juden in dieser Vcrbuirdenheit Vlutopfer gebracht. Im großen Kriege haben von 500 000 deutschen Juden 12 000 ihr Leben hingcgcben. Auf dem Gebete friedlicher Arbeit haben wir mit allen unseren Kräften unsere Pflicht getam ' Den Greuel- und Boykott-Feldzug im Auslände haben die jüdischen Organisationen Deutschlands mit äußerster- Anstrengung und erfolgreich bekämpft. Sie haben hierfür alles getan, was in ihrer Kraft steht und werden es weiter tun. Trotzdem sollen jetzt die deutschen Juden, als die angeblich Schuldigen, zugrunde, gerichtet werden. — Wir rufen dem deutschen Volk, dem Gerechtigkeit stets höchste Tugend war, 311: Der Vorwurf, unser Volk geschädigt zu haben, berührt aufs tiefste unsere Ehre. Rtn der Wahrheit Willen und um unserer Ehre willen erheben wir feierlichst Verwahrung gegen diese Anklagen. Wir vertrauen auf den Herrn Reichspräsidenten und auf , die Reichsregierung, daß sie uns Recht und Lebcnsmöglichkeit in unserem deutschen Datcrlande nicht nehmen lassen werden. Wir wiederholen in dieser Stunde das Bekenntnis unserer Zugehörigkeit zun, deutschen Volk, an dessen Erneuerung und Aufstieg mitzuarbeitcn unsere heiligste Pflicht, unser Recht uüd unser sehnlichster Wunsch ist. Die Reichsvertretung der deutschen Juden.* A Notzeit. Die Festtage sind vorüber Seit 1914 haben wir deutschen Juden das Pessachfest <j>ft in Sorge und schwerem Ernst begangen, weil uns wie gllc Bürger unseres deutschen Vaterlandes dessen militärische, politische oder wirtschaftliche Gefährdung schwer bedrückte. Das Kennzeichnende der diesjährigen Festfcicr war i der schneidende Gegensatz zwischen dem Freiheitsgedankcn des Festes und den Tatsachen der ^Gegenwart, die in den letzten Wochen aus uns Juden lasten. Zwei Menschcnalter nach dem Erlaß des norddeutschen Bundcsgefetzes vom 5. Juli 1869, das ausdrücklich aussprach, daß die öffentlichen Aemter jedem dazu Befähigten ohne Rücksicht aus sein religiöses Bekenntnis zugänglich sind, hat man -jetzt die Juden dazu für unfähig erklärt und nur wenige Ausnahmen gelten lassen, und darüber hinaus hat man in die fteien Berufe eingegriffen. Leitende Acrztc, Assistenzärzte, Medizinalpraktikanten wie Gerichtsassessoren und Referendare Ihat man entfernt, jüdische Angestellte in öffentlichen oder halböffentlichen Betrieben entlassen. Der Boykott der jüdischen Geschäfte mit seiner wirtschaftlichen Schädigung und seiner Dmiedrigung ist noch in frischester Erinnerung, und die Abstempelung unserer Reisepässe zur Beschränkung ihrer Gültigkeit auf das Inland empfinden wir als Demütigung wie den Iudenfleck, den unsere Vorfahren im Mittelalter aus ihrer Kleidung träges mußten. Wir haben keine Greuelnachrichten ins Zluslandgcsc ndt, vielmehr ist jeder einzige von uns, der Beziehungen zum Ar^land hat, übertreibenden Gerüchten entschieden cntgcglmgctrctcn. Ilnd sollte wirklich einzelne ein Verschulden treffen,'so wird das von uns ebenso scharf verurteilt wie von unseren nichtjüdischen Mitbürgern.; Aber wir empfinden es als Angcrcchtigkeit, für die etwaige Schuld einzelner die Gesamthnt der deutschen Juden, deren völlige Schuldlosigkeit m übel ns fcstzustellen gewesen wäre, verantwortlich zu machen. Wir haben tvotz solcher nicdcrdrückcndcn Empfindungen das Fest gefeiert und aus seinem reichen Gedanken- und Erinncrungsgehalt Mut und Zuversicht, Kraft und Widerstandsfähigkeit geschöpft. Abei wir selbst müssen den- Forderungen gerecht werden, die diese Rot- und Prüfungszeit an uns stellt. In unseren Synagogen sind diese Forderungen unter religiösen Ge ichtspunktcn erhoben worden; hier feien sie nochmals in ihrcsr praktischen Auswirkung kurz zusammengcstellt: > l. Von einem jeden muß D e r a n t w 0 r t u mg s - bewußtscin gefordert werden; jeder muß sich für das Wohl und Wehe der Gesamtheit verantwortlich fühlen. 2. Gefördert wird S e l b s und Besonnenheit in Worten,d Meinungsäußerung, namentlich in politischen Frag« n. Wer zur Unzeit und unbesonnen redet, bringt nicht n„r sich selbst in Gefahr, sondern schädigt die Gesamtheit. / z u ch t, Zurückhaltung

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