Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- 2 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Jüdisches (Scmcinbeblatt Nr. untreu geworden sind. Es habe die verantwortliche Stimme der Breslauer Juden gefehlt. Tas Vorgehen privater Vereine genüge nicht. Die Püisivität des Vorstandes sei ibm und seinen freunden Unverstand, lick. Gewiß sei eilt selbstverständlicher Neckstsprolest ungenügend; erforderlich sei die lebhafte Stellungnahme einer lebendigen Bewegung. Wir deutschen Juden brauchten ein Konkordat wie die katholische Kircke; keinesfalls dürfen wir die Tinge so wie bisber lausen lasten. Wir brauchen eine energische jüdische Führung, und der Gemeindevorstand habe das Mandat, den jüdischen Nechtsstankpunkt würdig und energisch zu vertreten. VV oerder ist Meyer dankbar, daß er hier sreimütig über Tinge gesprochen habe, die uns alle seit langem ständig beschäftigen. In dem Falle Eobn bätte eine öffentliche Kundgebung, für die er sonst nicht viel übrig babe. Sinn und Zweck gebabt. "Hinter den öl) .Hottentotten, die da toben, steben als eigentliche Drahtzieher diejenigen Kreise, die es nicht verwinden können, daß ein 27jähriger anerkannter Gelehrter ordentlicher Professor wird, ohne Lobn oder Schwiegersohn eines fresestors zu sein und ohne dem Judentum untreu zu werden. Gerade die Breslauer juristische Fakultät habe in den letzten 50 Jahren die Anschauung genährt, daß nur der Jude ihr Mitglied werden könne, der am Glauben "seiner Väter sahuenslüchtig geworden sei. Es gehe nicht an, daß jemand, der um sein Judentum" leide, so wenig vom Judentum geschützt werde.' Dazu seien-die Breslauer Jude» legitimiert, die soviel Geldmittel der Universität und anderen Vildungsstätten zugewenket hätten. Solange dort ein Geist herrscht, wie er sich gegenüber Prosestor Eohn ossenbart habe, werde man es der eigenen Würde schuldig sei», in dieser Beziehung künftig Zurückhaltung zu üben. Spitz stellt fest, daß alle einmütig durch das unwürdige Treiben dieser Kreise aus das tiefste sich getrosten fühlen. Auf unserer Seite stänken alle anständiaen Leute, die "für die Freiheit der Wistenschast eintreten. Aber die Angelegenheit Eoh» gehe über den Nahmen' der Breslauer Juden hinaus. Er bedauere, daß es noch keinen Verbanh der deutschen Juden gebe, der würdig und energisch die Äufsasiung der deutschen Juden vertreten könne. Wolfs stellt die einheitliche Austastung aller Parteien sest. Er erörtert die grundsätzliche Stellungnahme der Gemeinde zu Ereignissen im Judentum. Wir hatten alle Trümpfe des Nechts und der Ethik in der Hand und hätte» deshalb eine solche Niederlage nicht hinzunehme» brauchen, wenn wir alle, unsere Kräfte für unser Neckt rechtzeitig eingesetzt hätte». Es bandele sich nicht um einen Einzeliall, sondern um einen Generalangriss gegen die Neckte der Juden. Gefehlt habe auch der allgemeine Aufschrei des deutschen Volkes gegensolches Unrecht. Es wäre vielleicht anders gekommen, wenn der Vorstandsich, nicht so passiv verhalte» hätte. Tie Breslauer Juden hätten in erster Neide die Pflicht gehabt, einruschreiten. Tamit i» künftigen Fällen .jüdische Angelegenheiten beim Vorstand diejenige Unterstützung finden, die man erwarte» könne, beantragt der Nedner, einen Präsidial-Ausschuß zu bilde», der gemeinsam mit dem Vorstand in solchen Fällen die erforderlichen Maßnahmen beschließt. — Vom Vorstand erwidert Goldfeld: Tie Entrüstung über die Angriffe gegen die Nechte der deutschen Juden und gegen die Freiheit der Wistenschast teile der Vorstand voll und ganz. Fraglich dagegen sei,, was man hätte tu» müsten. IEin Protest hätte kaum einen Sinn gehabt; denn die Gegner wüßten allein, wie wir hierüber denken. Tesbalb sei dieser Protest nach eingehender wiederholter Beratung im Vvrstand abgelehnt worden. Er hätbe «wünscht, daß der Preußische Landesverband energische Schritte unternommen hätte, da es sich nicht um ein einzelnes Mitglied unserer Gemeinde, sondern um einen Angrisf gegen das ganze deutsche Judentum handele. Ten Antrag Wolfs bittet er abzulehnen, da der Präsidialausschuß jeinen Eingriss 'in die Neckte des Vorstandes darstelle. — U'n ikower «kritisiert scharf das Verhalten der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegenüber den Straftaten vor der Universität. Tas große Wort in dez Studentenschaft führe» nickt die eigentlichen fleißigen Studenten, sondern die bemoosten Häupter, die schon viele Jahre studieren, aber kein Interesse hätten, fertig zu werden. — Nock weiteren Ausführungen von M e y e r.erklärt vom Vorstandstisch Kalisch persönlich, es sei ein Irrtum, daß die Breslauer Juden nichts getan, hätten. Er selbst sei mit Nabbiner Tr. Sänger beim Polizeipräsidium gewesen. Ter Senatsbeschluß sii allerdings dem E. V. überraschend gekommen. L u r wendet sich dagegen, daß' der C. V. Sckritte unternommen habe; denn dieser Verein vertrete nickt die aaiize Judenheit und sei nickt der öffentlich rechtliche Vertreten der deutschen Juden. — Ter Antrag Wolfs wird darauf angenommen. In der daraus folgenden Geheimen Sitzung werken einige kleine Gehaltevorlagen angenommen sowie die endaültige Anstellung von Näbbiner Wassermann als Tajan beschlossen. Als Ersatz für Silbermann (W. P.) und Horn (lib.) werden gewählt: Korn (lib.) in den Iweiagottesdienst. und Hauptwohlsahrtsgussckuß, Nosenstein (lib.) in den Bau-Ausschuß, Unikower (W. P.) ist den Gehalts- und Finanz- Ausschuß. « helft den jüdischen.Erwerbslosen! Änsang Februar wurde in der Kl. Holzstraße 5 ein Tagesheim für jüdische Ledige und Erwerbslose eröffnet, besten Näume gleichzeitig jüdischer Belehrung und Kultur dienen sollen. Ium Ausbau und zur Ausrechterhaltung des Heimes fehlen noch die wichtigsten Einricktungsgegenstände, wie Tiscke, Stühle usw. Ter dringende' Mangel an Barmitteln verzögert die Ausgestaltung der Nsiume. . In dieser I!ot appellieren wir an alle Juden, deren Mitgefühl wir kennen. Um unserer höbet, sozialen Aufgabe gerecht zu werden, brauchen wir ihre bereite Mithilfe. Ta wir unsere« notleidenden Glaubensgenossen nicht nur tagsüber unterbringen, sondern auch speisen wollen, find Spenden an allen Lebensmitteln dringend erwünscht. Wir hoffen, mit dieser Aussordcrung keine Fehlbitte getan zu haben, und ersuchen, Spenden aller Art, insbesondere Geldspenden, an das Iüd, - Wohlfahrtsamt unter der Kennmarke „Ledigenheim", oder an die unten, ' stehende Adreste zu richten. ^örder-Mitglieder, die dem Verein .Iüd!! Erwerbslosenheim" mit einem sreigestellten Bfilrag beitreten wolle», bitte» wir gegebenenfalls ihren Beitritt an tstitenslehende Adreste zu I erklären. „Iüd. Ledigenheim (Erwerbstlosenheim) Breslau." gez. Wilhelm M o s ck k o w i h, Karl S t e Diesem Ausruf schließen stck an: . gez. Iüd. Woblsahrtsam Sanitälsral Back, Paula Ol gez. Iüd. Arbeiter-Parte Harro Heinrich, Theodor i n i tz, K u r t 5) a a s e. endo r s." l a m m e r. Einkleidung notleidender, jüdischer Kinder zum Ehanukkafest. üdischen Frauenbundes; t alle» Loge», Vereine» Zweig der Wohltätigkeit weite .Kreise mnsajsende Einern langjährigen Brauch zufolge wurden' auck in diesem Winter Hunderte hilfsbedürftige Kinderunserer Gemeinde zu Chanukka eingekleidet^ Die Organisation dieser großen Aktion lag wie i t den voraugegangenet Hahrcn in den Händen der Kindersürsorge des > Diese Stelle bat sich schon in den Herbstmonate» m und .Komitees in Verbindung gesetzt, die sich diesem widmen, und bat es'aus diese Weise ermöglicht, eine! Dekleidungsfürsorge ins Lebe» zu rufe». Durch die straffe Zentralisierung! konnten einerseits mehr .Kinder als sonst berückiichtigt, aus der anderen Seitei eine Doppelbesckerung einzelner ohne weiteres vemtiede» werden. > Wir spreche» auch an dieser Stelle allen Geschäften und Privatleuten, die unsere Arbeit großzügig durch Spenden untersucht habe», unterem herzlichsten Dank aus. Sie alle hier namentlich zui benennen, nt leider aus technischen Rücksichten unmöglich. Durch ihre Mithide ist es jedoch gelungen, dieser schweren Ausgabe gerecht zu werden und Hundestteu unserer notleidende», arbeitslosen Glaubensgenosse» die Sorge für die in den strengen Wintermonaten abzunebmeii. Ein besoitderer Dank gehört dem Schtoesie „Eintracht", der zusamnieii mit der .Kinderfürsorge djes I. F.? l ö 5 Kinder vollständig he kleidet hat. Die Kindersürforge hat außerdem gemeinsam mit dem Ehanuka- Komitee-Oschinski 75 Kinder mit Schuhen, Strümpfe» und warme» Kleidungsstücken versorgt. / Aus dem .Kreise unserer Schutzbefohlenen Kt heu wir zur Einlleidung und Betreuung benannt: der Heinrich-Graetzloge.J 25 Kinder zvelleidung ihrer Kinder nbund der Gesellschaft 10 1 1 11 10 4 10 der Zacharias-Frattllloge . . der Freuudjchaftsloge . . . der Moltkeloge. der Morseloge . der Caritasloge. der Herinannloge. der Gesellsch. der Brüder u. Freundei 20 „ die Phönixloge hat Sachen 5ur Verteilung gespendet. Der Einkleidung schloß sich meist eine Feier o», bei der die Kinder mit Schokolade und Kuchen bewirtet und mit lustigckt Aufführungen unterhalteii wurden. '! Herr Fritz Reumann bat die Kinder, die au Inner Feier teiliiehmeti konnte», zu einer interessanten Filmvorführung ins Zaster-Wilhelm-Theater st- Kinderfssrsorge des Jul iichen Frauenbundes > i. 01.: Dr. Oppenheimer. Die Zreie Jüdische Volkshochschule öreslau. geladest eröffnete ihr 2ö. Halbsemester am 22. Januar 1055 ansprache wies der Vorsitzende Dozent Dr L e tu k o Olrbeit für die Fugend hin, der 2 besondere Kurse g< las de : Dichter Ernst L! s s a u e r aus Wien, Olufa .gemein bekannt geworden durch seinen „Haßgesang a 7*ti der Eröffnungsw i tz auf die verstärkte widmet seien. Daraus ig des Weltkrieges allt England", ein sprachschöne« i Gedicht, dessen Tendenz man jetzt ohne die Z riegsstimmung ablehnt ans se nein unveröffentlichten Moses-Mysterium „der Osteg des Gewaltigen". Es ist dies keine Dramatisierung der biblischen Begebenheiten, sondern ein freisch« «pferisches Drama des großen Menschen, Bolkr-eübrers und Religionsschöpftrs, als „Mysterium" bezeichnet weil das kleberwirkliche, das Transzendertale hineinragt. Es beginnt in der „Ewigkeit", t»o der Engel „Hüter der Zeßten" im Verein mit dem Engel „des Befehles" ttnd dem Engel „Hilter der Seelen" Gott um eine Seele (Moses) bittest als Führer für ein nettes Volk in neuer Zeit (Israel). Dramatischer als dieses Vorspiel sind die Szeiten am Hofe des Pharao Amenophis, wo Moses der unentjbehrliche Ratgeber aber auch der Schwänner für die Pharao-Schwester Resretate wird, sich aber dennoch in gewaltigem Ringen von allen Bindungen kreimackt, als das Volk Israel ihn als den von Gott auserivählten Führer rtit't. Moses löst seine Aufgabe und nach eindrucksvollen Szenen endet das Whrk mit einem Rackspiel in der „Ewigkeit". - Der Dichter lieh seinen Gestalten sein mächtiges Organ tmd seine dichterische Leidenschaft, ein sprachgewaltiger Dortragsiünjtler hätte sie aber sicherlich noch viel plastischer gestaltet. Das Publikum war nach den Erfahrungen mit anderen vorlosenden Dichtertt mir sehr spärlich erschienen, folgte gespannt und spendete lebhaften Beifall, so weit es bei der übermäßigen Länge bis zum Schluß ausgeharrt hatte. R.