Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- 2 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Uv. 2 5 I Breslauer Jüdisches Gcincindcblatt Die große Kundgebung und Gefallenenehrung, die der Z^cichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Breslau, für den 19. Februar 1933 im großen Konzerthaussaal festgesetzt batte, ist wegen der ganz unerwartet gekommenen Neicbstagsauflösung und Neuwahl gm 5. März 1933 verschoben worden, weil die Zeit der Wahlagitation und der leider scbr übersteigerten Wablleidcnschaftcn für diese ernste und parteilose bedeutsame Veranstaltung nicht geeignet erschien. Der neue Zeitpunkt der Kundgebung wird nocb bekannt gegeben werden. Die bisher gestellten Anträge aus Ginlaßkarten behalten für den neuen T)*min ibre Gültigkeit. Die jüdische Genossenschaftsbank gegründet! Die seit Fahren angestrebte Errichtung einer jüdischen Genossenschaftsbank in Breslau bat jetzt durch die am Donnerstag, den 9. Februar 193,3 in der Lessingloge erfolgte Gründung der „V o 1 ksbank W r a t i s l a w i a e. G. m. b. $)." ihren Absebluß gesunden. Bekanntlich war kurz vor dem Bankzusammenbruch, im Zuli 1931, eine Genossenschaft mit Geschäftsanteilen von 2»<> Mark und .^astsummen von 299 Mark unter der Firma „Volksbank Silesia" gegründet worden, die aber infolge der katastrophalen Verschlechterung der Wirtschaftslage zunächst nicht ins Leben trat. Als nach längerer Zeit die Verhandlungen -wieder ausgenommen wurden, gelangte man zu dem Beschluß, den Geschäftsanteil auf 199 Mark berabzusetzen. ferner ergab sich die Notwendigkeit, auch eine Aenderung der .virma vorzunehmen, weil in der Zwischenzeit eine andere Genossenschaft „Silesia", Heren Geschäftsbetrieb ebenfalls Geldgeschäfte umsaßt,, in das Genosscnschaftsregister des Amtsgerichts eingetragen tvardcn war. Deshalb wurde die Form einer vollständigen Neugründnng gewühlt. Zn der Gründungsverkammluna, die unter Leitung von .Herrn Gins stattsand, wurde das Bedürfnis nach Schaffung einer jüdischen Genossenschaftsbank von Vertretern aller jüdischen Gruppen und Nichtungen anerkannt und die Gründung aus das Wärmste befürwortet. 2luf Antrag des Geineijndeältcsten W a l d st e i n wurde nicht nur der Geschäftsanteil, sondern auch die Haftsumme auf 199 Mark ermäßigt, um den weitesten Kreisen die Möglichkeit zum Eintritt in die Genossenschaft zu bieten. Dafür wird, erwartet, daß leistungsfähigere Personen sich mit einer Mebrzabl voii Geschäftsanteilen beteiligen, wie es das (Statut Vorsicht.! Den Anssichtsrat der neuen Genossenschaft bilden die Herren Dr. Lur (Vorsitzende^), Llrtur Wiener (stellvertretender Vorsitzender), Oskar F l u b r, Bernhard G r a e tz, Direktor G u t t m a n n („Phöniv"), Zoscs h i r s ch . Apotheker L e w v , Zustizrat P c i s c r, .Hugo Spanier (in Fa. Blev), Direktor (Mar Wolfs (Dresdner Bank) und Victor Wreschner. Die Wabl des Vorstandes, der aus einem besoldeten Bankfachmann und einem cbrejianitlich tätigen Mitglied bestehen soll, ivird durch den Aussichtstat demnächst erfolacn. Der Geschäftsbetrieb wird voraussichtlich am 1. März 1933 eröffnet. Beivon allen Mitgliedern des Aufsichts- Es ist zu hoffen, daß die Genossenschuft sich als ein wichtiges Mittel zur Linderung der Kreditnot des jüdischen Mittelstanldes erweisen wird. Wie wir hören, wird auch in Oberschlcsien die Errichtung einer ähnlichen Genossenschaftsbank beabsichtigt, bei der man sich die in Breslau gemachten Erfahrungen tu Nutze ziehen wird. trittscrklärungcn werden rats cntaeaengenommen. Eine Statistik -er ungarischen kriegsgedienten. S>oni in Budapest crichciiiiciibcii „P.'ster iiopb" entnehmen wir, hast hie Jlriegsgchicntenfcttipn des Glaubensschußverhandes des ungarischen Judentums, in Budapest 7,! Lip-ueea 12 baldigst eine Aufstellung der ungarischen jüdischen Frontkäiiipfer, Kriegsinvaliden und Kriegsgedienten herausgehe» möchte. Die Bereinigung fordert daher alle migarjsche» Glauhenshrüder, die während des Weltkrieges Militärdienst geleistet haben, aus, ihr heizutreten. Der Bethand'befaßt sich ausschließlich mit der Ilnte.- stützung und dein Schutze dek moralischen und materiellen Interessen der Kriegsgedienten unter völlige,.- Ausschaltung jeder Politik. Pr. R. I. F. Vas SO jährige Doktor-Jubiläum feierte am 27. Januar 1932 Sanitätsrat Dr. Simon Scherbe! in Lissa in Posen, Verfasser bekannter populär-medizinischer Werke und des Buches „Jüdische Aerzte". Die Berliner Universität überreichte aus diesem Anlaß ihrem ehemalige» Schüler eine Ehrenurkunde. j- Den 90. Geburtstag ' feiert am 14. März 1933 Frau Hulda S ch a-p s ged. Mugdan, Mori^slr,3-l. Den 80. Geburtstag ' feiern am 2ö. Februar 1933 Frau Rosas! e S ch w a r tz , geh. Markus, Reuschestraße 23; am 12. März 1933 Herr Mo riß Iaretzki, Goldenx Radegasse: am 22. März 1933 Frau Lina W ein stock, geh. Ehren!- werth, Fäedrich-Wilhelm-Straße 25; ferner am 29. März 1953 Frau Olgg L e w p, geh. (Lohn, Augustastraßc 79. Ten 75. Geburtstag feierte am 17. Februar 1933, Herr Louis Sieradz, Reuschestr. 47/4ss. und feiert am 9. März 1933 Herr Jakob Rackwitz, Trinitasstr. 4, früher in Iutroschin. , ' . UlaäuichUn aas dem- Xk&andz ij.! der Si(nagogeti-§emeinden der!Frw>ifta)Uedef&cMe4e4 Gemeindeabend Münsterberg. Entsprechend unserer irüberen. Ankündigung ist dieser Gemeindeabend am 22. Januar abgebalten worden. Es waren alle Mitglieder der Gemeinde Münsterberg erschienen und weiter solche aus Strehlen und Frankenstein-. Tie Abwicklung des In der vorigen Nummer bereits skizzierten Programms hat den Mitwirkenden ungeteilten Beifall eingetragen. Darüber hinaus ergabeu die Erklärungen der Vertreter der verschiedenen Gemeinden, dass Veranstaltungen gleicher und ähnlicher Art durchaus geeignet-sind, das Gemeindeleben an kleinen Plätze» zu stärken und zu fördern. Tie Leitung des Provinzialverbandes wird darum auch gern anderswo Gemeindeäbende zu veranstalten bemüht bleiben. Vezirksrabbinat. .Herr Bezirksrabbincr Tr. Wahrmann hat einen umfänglichen Bericht über seine Amtsarbeit in der Feit vom I. 4. bis 31. 12. 1932 erstattet. Tanach hat seine unterrichtliche, seel- und fürsorgerische, auch Verwaltungstätigkeit in der genannten Feit ihn in lti Gemeinde» bzw. Orte unseres Bezirks geführt. Hierbei ist es'ihm allerorten vergönnt gewesen, ein starkes Interesse an jüdischem Gemeinschastsleben zu erkennen und bzw. zu entfachen. —■ Berufung. Herr Ezollact, her durch 8 Fähre als Neligionstchrer in den uns angeschtossenen Gemeinden mit bestem Erfolge wirkte, hat eine'Berufung als Lehrer an die Simultanschule in- Krojanke erhalten und sein neues Amt bereits angetreten. Möge Czollacks Arbeit dort wie hier die Befriedigung aller an seiner Tätigkeit interessierte» Kreise in reichem Masse erregen. Tie vorläufige Ordnung des Religionsunterrichts in den Gemeinden des Bezirks dürste binnen.(Kurzem eine desinilive Gestaltung erfahren. * preußischer Lanüesverbanö jüdischer Gemeinden Mit Rücksicht aus die durch die politische Entwicklung der letzten Feit geschaffene -Lage trat die R e i cd s v er t re^i u n g d er > ü d i s ch e n Landesverbände Teutschlands am 12.~ .yehruar 1933 in Berlin unter dem" Vorsitz des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat Wolfs, zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammen. Die Reichsvertietung ist bekanntlich durch Beschluss vom 31. Januar 1932 begründet worden mit der besonderen > Ausgabe, die allgemeinen jüdischen Interessen bei den öffentlichen Stelle» | im Reiche wahrzunehmen. Sie setzt sich aus I3 Vertretern der Landesverbände und den sührenden Herren des Deutschen Rabbinerperbandes zusammen. In eingehenden Ausführungen wurde von den preußischen, bayerische», badischen, sächsischen, hessischen, mecklenburgischen und hanseatischen Mitgliedern des Gremiums die politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation im. Reiche und in den einzelnen Ländern besprochen. Es wurden auch alle Schritte erwogen', tzie zweckmüssigerweise jetzt oder in nächster Fukunft nötig werden könnten. Lim -etwaige Massnahmen zu jeder Zeit und ohne irgendwelche Verz sgerung ergreifen zu können, auch die dauernde Fühlungnahme zwischen ken offiziellen Organisationen des! deutschen Judentums zu gewährleiste i, wurde ein aus fünf Herren bestehendes Präsidium der Reichsvertr tung gewählt, das ermächtigt ist, 3 alle ihm erforderlich scheinenden Schri Itc dauernd als ■ Vertretung des gefamten deutschen Judentums einzurriten und durchzusühren. Das . fünfgliedrige Präsidium setzt sich aus drei preußischen und zwei süddeutschen Mitgliedern zusammen. Sein Sitz ist Berlin. Am Schluss der Verhandlung/wurde von allen Seiten die 97ot- Wendigkeit betont, daß alle jüdische- Arbeit im Geiste -der Gemeinsamkeit geleistet werden möge, um in der jetzigen ernsten Fest den deutschen Juden in Stadt und Land das Gefühl der Fusammengehörigkeit und des Zusammenstehens zu stärken. __ '. - ’ .1