Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3970005-7569525-7569709--1742-3971628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 12 m Breslauer Jüdischer <8em ein beblalf Moritz Scherbe! «in jüdischer Fabeldichter. Das Iubiläumsjahr 1932 bringt üns noch vor seinem Ablauf ein schönes Geschenk. Zum 100. Geburtstag des Dichter-Predige.s Moritz Scher bet erscheint, aus seinem literarischen Nachlaß zusammengestellt, im Verlage seines Enkels (Scherbel- Verlag, Berlin-Charlotten bürg 4) ein hübsches illustriertes Büchlein „Fabel und Epigramm e". Haben wir Moritz Scherbe! bisher als> Philosophen, insbesondere als den Verfasser des „Unsterblichkeitsglaubens" gekannt, erfreuten uns seine ernsten und heiteren Gedichte, seine „Humoresken au» dem jüdischen Familienleben", sein beliebtes 'und auch gern aufgefü^rtes Purimspiel „Homqn", so lernen wir ihn jetzt von einer ganz neuen Seite kennen: als Fabeldichter. Vor mir liegt das erste Exemplar der „Fabeln und Epigramme" von! Moritz Scherbe!: Lessing'scher Geist, Orginalität der Motive, schöne Versform, gemütvoller Humor, neckische Satire. Beste jüdische Pietät haben bei der Herausgabe des Buches mitgewirkt: der Sobn in Lissal sichtet die Gedichte und schreibt die Biographie des väterlichen Jubilars, dar Enkel in Berlin verlegt das Buch und zeichnet selbst die zu den Fabeln passenden Bilder. Das neue Fabelbüch von Moritz Scherbe! ist modern gebunden und eignet sich vorzüglich als Geschenk für Chanukah (Preis nur 1.30). — Ich möchte unseren Eltern und Kindern das Buch von Moritz Scherbe! wärmsten» empfehlen. Nabbincr Dr. Joachim Prinz, Berlin. vir schwierige Lage -er Großgemein-en führte die Finanzdezernenten zu einer Besprechung in Berlin am 20. November 1932 zusammen. Der größte Teil der sehr aufschlußreichen und nützlichen Aussprache muß natürlich vertraulich behandelt werden. Wir verraten aber kaum etwas mit der Bekanntgabe, daß bei allen Großgemeinden, auch den süddeutschen, die Finanzlage äußerst schwierig, inan kann schon sagen verzweifelt ist. Ganz besonders gilt dies von den Gemeinden, die in den Hoffnungsjahren 1928/29 Bauten unternommen haben, z. B. Friedhofsneuanlagen, Synagoge«), Altersheime u. ähnl. Eine besondere Rolle spielen dabei die damals aufkommenden Jugendheime. So nützlich diese Einrichtungen sind, so schweb belasten sie die Gemeindeetats laufend selbst da, ivo (z. B. in Elberfeld) Bau und erste Einrichtung durch Privatspenden aufgebracht worden sind. Neben der kurzfristigen Verschuldung bedrückt die Finanzdezernenten insbesondere der Ausgleich dos trotz aller Ausgabendrosselung unvermeidbaren jährlichen Etatsfehlbetrages, hervorgerufen durch die ständig zurückgehenden Einnahmen an Gebühren,Dlatzmieten und Steuern und die ständig wachsenden Ausgaben für Wohlfahrtspflege. Es wurden verschiedene Vorschläge zur Ausgabenverminderung erwogen, wobei man sich die gegenseitigen Erfahrungen zunutze machen konnte. Man kam z. B. zu einer Ablehnung der vielfach vorgeschlagenen Schließung von ungenügend besuchten Gotteshäusern. Während nämlich alsdann die Einsparungen an sachlichen Kosten (Licht, Heizung usw.) nur gering sind, laufen die Deamtengehälter weiter. Die kleineren Angestellten auf kündbaren Vertrag (Minjanmänner, Aufseher) dagegen verlieren ihr Brot und belasten das Wohlfahrtsamt. Abgelchnt ' wurde auch eine rigorose Einschränkung der Wohlfahrtsausgaben, wie sie in einigen Gemeinden durchgeführt wurde. (So senkte eine Großgemeinde innerhalb drei Jahre die Ausgaben der offenen Fürsorge von 100 000 Mk. auf 37 000 Mk.) Allerdings sind die Wohlfahrtslasten nach Organisation und Tradition örtlich sehr verschieden. Weitaus am höchsten sind sie in Breslau. Ob dies allein auf den besonders notleidenden Osten zurückzuführen ist, soll hier nicht erörtert werden. Demnach muß der Fehlbetrag hauptsächlich durch Flüssigmachung der Dermögenssubstanz gedeckt werden, wobei leider auf eine Mithilfe staatlicher Stellen nicht zu rechnen ist. Auch hier liegen die Verhältnisse örtlich verschieden, je nachdem-das Vermögen angelegt ist (Hypotheken, Grundstücken, Wertpapieren). Die Möglichkeiten der Flüssigmachung wird ein kleinerer Ausschuß studieren. Einen sehr breiten Ratnn der Aussprache nahmen die Steuerfragen ein. Die wichtigsten waren technischer Art und interessieren die Allgemeinheit nicht. Einigkeit herrschte darüber, daß eine Erhöhung des Steuersatzes tunlichst zu vermeiden ist, da er schon hoch genug ist, z. B. Königsberg 20 Prozent, Köln 20 Prozent und außerdem Kopfgeld, Leipzig 17 Prozent, München 15 Prozent zur Einkommen-) u n d allen Real st euer» (u. 7l. also 18 Prozent u. mehr), Breslau 16 Prozent, Frankfurt a. M. 15 Prozent. Notgedrungen müssen dennoch einige Gemeinden eine Erhöhung ins Auge fassen. Ferner bereitet, man in allen Großgemeinden die Erhebung des Dermögenssteuerzuschlages vor, nicht weil man sich ein nennenswertes Ergebnis verspricht, sondern als) sozial gerechten Ausgleich, da man die einkommenslose Großindustrie und den Großhandel nicht steuerfrei lassen kann, während man den kleinen Gehaltsempfänger fühlbar belasten muß. Breslau und Königsberg werden den anderen Gemeinden ihre technischen Einrichtungen mitteilen. Weitere ausführliche Beratungen bettafen die Erhebungsart, dije Erhebungskosten, die Handhabung der Ermäßigungsanträge, bi« Doppelbesteuerung, insbesondere die sächsisch« Forensensteuer, und die steuerliche Behandlung Ausgettetener. Das Ergebnis der Ausspracbe war alles in allem! äußerst lehrreich. R. Zrankfurt — Sreslau. Eine vergleichende Etat-Studie. Don Dr. Hugo Schachtel. - (Schluß) Erheblich Krankenhaus höher als in Breslau ist in Frankfurt der Zuschuß für das Ist 1930 25 000 52 365 Voranschlag 1931 18 700 66 275 Voranschlag 1932 10 000 53 550 Breslau Frankfurt . Es ist im Etat vermerkt, daß für das Krankenhaus in Frankfurt für 1^32 eine Gesamtausgabe von 430 942 M. vorvcranschlägt wird, während die Einnahinen ohne die Gcmcindcsubvention mit- 364 942 M. veranscblagt werde», also ei), Defizit von 66 000 M. Frankfurt hat 140 Betten gegen 250 in Breslau Frankfurt Breslau Der S ch) w e st e r n v c r e i n Ist >930 9000 - 8 000 erhielt in Voranschlag 1951 3 000 6 000 Voranschlag >932 3 000 4 660 Hier gibt Breslau mehr aus und muß mehr ausgebe», wie überhaupt für alle sozialen Zu ecke. Denn Frankfurt war immer eine sehr reiche Gemeinde/ in der es stets eine große Zahl von Mitgliedern gab, die sehr vermögend waren und die auch immer gern für alle wöhltütigen und sozialen Zwecke i» großzügigster Weise von ihrem Besitz hergaben, in so großzügiger Weise, wie wohl in keiner anderen jüdischen Gemeinde Deutschlands.'Daher verfügt Frankfurt über eine Reihe! von Stiftungen, die die Aufgaben erfüllen, die in anderen Gemeinden derqn Wohlfahrts- und Jugendämter mit den doch immer nur kargen Mitteln, die ihnen die Gemeinden dazu überlassen können, erfüllen müssen. Wenn auch heute in der Frankfurter Gemeinde nicht mehr die große Zahl an Reichen ist wie ehedem und heute die Reichtümer dort wohl auch zusammengeschmolzen sind, so ist der Durchschnitt des Vermögens und des Einkommens sicher höher als in einer im wirtschaftlich so herabgckoinmenen Osten liegenden Großstadt wie Breslau. Die Zahl der unterstützungsbedürftigen Gemeindemitglieder und derer, die sozialer und produktiver Hilfe benötigen, ist ja in den letzten Jahren grade in Breslau besonders groß geworden und legt der Gemeinde eine Fülle.oon Pflichten auf, der sicfich nicht entziehen kann und die ein Vielfaches von dein ausmachcn, was jeder im Westen Deutschlands gelegenen Gemeinde zu erfüllen obliegt und insbesondere von dem, was Frankfurt in dieser Beziehung zu leisten hat. Die Ausgaben der Frankfurter Gemeinde für s o z i a l e Zwecke müssen also niedriger sein. Sie setzen sich wie folgt zusammen: Ist 1930 188 608 6000 4600 6 335 Voranschlag 1931 Voranschlag 1932 140 000 85 000 7 500 6 000 3600 2880 3 520 I 670 Soziale Fürsorge . Jugendpflege .... Fortbildungszweckc Verschiedene Beiträge_ zusammen . . 205 543 154 620 - 95 550 Hierzu kommen dann noch die Besoldungen der mit de» Arbeiten für soziale Fürsorge betrauten Beamten. Die Genieindc hat indes kein eigenes „Wohlfahrtsamt". Die Aufgaben eines solchen werden von der von der Gemeind« subventionierten „Jüdischen Wohlfahrtspflege", durchgcführt, in der die Einrichtungen der offenen Wohlfahrtspflegezentralisiert sind, deren Zahl im .übrigen in Frankfurt lveit größer ist als in Breslau. Die Frankfurter Gemeinde!gibt auch weder einem Altersheim »och einem Siechenhaus Zuschüsse, die dort so reich ausgestattet sind, daß sie^eincs Geineindezuschusses bedürfe». Andere Anstalten der Wohlfahrtspflege erhalten Subventionen aus dem Titel „Soziale Fürsorge". An den - Preußischen Landesverband zahlte 1930 Frankfurt 64 727 ^Breslau 51 104 und veranschlagten für 1931 „ 57 600 „* , 50 000 und für. 1932 „ 49 600 „ '50 000. Dieser letzte Betrag wird sich allerdings noch um die dem L.-D. nachbewilligten 2/,0% noch erhöhe», die bei Frankfurt schon mitveranschlagt sind. Dagegen fehlt bei Frankfurt eine Ausgabe/ die Breslau belastet, aber nicht vermeidbar ist, der Beitrag zum Provinzialverband der niederschlesischen Synagogengcmeinden, der init M. 10 000 bzw. 9000 und 6000 auf der Debetseite des Breslauer Etats ftcht^ Gemindert wird hingegen das Frankfurter Steueraufkominen durch eine größere Belastung, die im Breslauer Etat nicht in Erscheinung tritt:. Erstattung an auswärtige Gcmeinden als Steucrantcil bei mehrfachem Wohnsitz des Steuerpflichtigen, lvenn dessen Veranlagung in Frankfurt aus dem Gesanitcinkominen erfolgt. Die Zahlen für das G-e s a m t e i n k o m m e n an Steuern sind diese: Frankfurt Breslau 1930 Ist - 1 377 528 923 260 1931 Soll 1080 000 765-000 1932 „ "779 000 670 000. Steuerveranlagung und Erhebung kostete Frankfurt Breslau 1930 57 365 59 393. und wurde veranschlagt für 1931 mit 50 000 65 000 und für. , . 1932 „ 32 000 55 000. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.