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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I 138 Breslauer Jüdische» Semeladeblakl Slr. stehen heute mitten in grundlegendeti, weltanschaulichen 2luscinandcrsctzungen, in denen unser Judentum, in denen seine Führung mit geistigen und seelischen Waffen ausgerüstet sein mug. wenn es sich auf seinem P atze behaupten soll. Nur die Wissenschaft1 kann diese Ausgc be erfüllen, darum dürfen wir in dieser, Notzeit ihre Pfü nzstätten nicht verküminern lassen, sondern inüssen sie er! »alten. An unseren Genfeindcn ist es, in einem konstruktiven Plan Maßnahmen zur^ Rettung der hohen Schulen des Judentums zu ergreifen, dir die Lehre erforschen und die Träger der Lehre beranbildcn! An allen Gcvieindemitgliedern ist es. ihr Scherflein dazrz bcizutragcn, daß i cn Instituten, deren Lebenswichtigkeit wir erkennen, auch Lebcnsmöglichkeit gegeben werde! Es handelt sich nicht imt ein Interesse der einen oder aitdercn religiösen Richtung, es handelt sich nicht um ein Interesse von Bveskau oder Berlin! sondern um eines der deutschen, ja der gesamten Iudenhei^. Denn die Lehre, die Moses uns geacbcn bat, ist ein Erbe dev gesamten Gemeinde Jakobs! | ' /ln -ie Mische Jugend. Nicht alle von euch uferden wisset», daß in Breslau schon seit einiger "Zeit eine I u g e n d b c r a t u n g s ste l l e besieht. Die Anregung zu dieser Einricbtung ging von der Breslauer jüdischen Tugend selbst aus. Ihr findet dort also keinen bürokrariscben Aintsbctricb, uio eure Fragen schematisch „erledigt" werden, sondern das, was wir schon lange suchten: Menschen, die auch verstehen, die den chrlicbcn Willen haben,! zu raten, zu helfen, ihre Erfahrung und ihr Wissen in euren Dienst zu stellen. Es gibt keine Frage eurer Lebensgeikaltung, dis man hier nicht nach bestem Wissen zu beantivorren versuchte. Die Jugendberalungsstcllc hat schon in einer ganzen Anzahl von Fällen einen beachtlichen Erfolg gehabt. Oft kann eine Situation, die vorher ganz verfahren schign, durch die Aussprache mit einem vertrauenswürdigen und erfahrenen Menscbcn in überraschender Weise geklärt werden: Schwierigkeiten, die unüberwindlich schienen, können hinwcggeräumt werden. Dazu bittet die Iugcndbcrtztungssrclle nur um euer Vertrauen, das nicht enlläuscbt werden wird. Niemand erfährt gegen euren Willen etwas von den», lvas dorr besprochen wurde. Ihr braucht curcst Namen nicht zu nennen. Die Leitung der Iugcndberakungsstelle bat Hfrr Dr. S. Iuliusburger, rwhenzollermtr. 37,39. Ihm stehen Fachberater' für die verschiedensten Gebiete zur Verfügung. Die Sprechstunden sind Dienstag 16—17 Uhr. Kommt mit euren Fragen zur jüdischen Iügendberatungsstellc und erzählt auch euren Frcundci» und Bekannten davon! Ortsausschuß der jüdischen Iugendverbändc. Vie hebräische Sprachschule ifl Breslau. Können Sie auf Hebfäisch den einfachsten Gedanken, einen Wunsch, ' irgend eine alltägliche Angelegenheit formulieren? Können Sie einen 1 hebrüiscben Dcrt versieben, den Ihne»» niemand varübersetzt hat? Können Sic es wenigstens unter Benutzung eines Lexikons? Die Mehrzahl der Leser wirb auf alle diese Fragen mit einem Nein! aiilivortcn müssen, und doch, »»'erden diemeisten beteuern, daß sie hebräisch! geleknt bähen. Aber worin bestand dieser Unterrichts In den meisten Fällen darin, daß man als Schüler zwar gelernt'hat, die Uebersetzung größerer oder I kleinerer Abschnitte des Gebetbuches oder des Tenach einem Lehrer nachi zusprcchcn, während man stch iin freien und selbständigen Gebrauch der! Sprache niemals geübt hat. Niemals ist irgend eine andere Sprache auf j solche Weise gelernt worbe»«- *• i Die hebräischen Sprachschulen, die in Breslau und den meisten größeren! jüdischen Gemeinde» Deutschlands bestehen, lehren Hebräisch nach einer i anderen Methode. Sic haben Erwachsene und Jugendliche, bis hinab zum i jüngeren Schulkinde, unter ihren Schülern. Das Ziel dieser hebräischen Sprachschulen ist: Die Schüler in" der selbständigen Handhabung der ' hebräischen Sprache zu unterweisen. Der Schüler stell es so weit bringen, j daß er ein hebräisches Buch oder einen hebräischen Brief selbständig mit ' Bcritändnis lesen und seine eigenen Gedanken in der Sprache ausdrücken i kann. - Wozu uns das nutzt? Cäsar hat einmal gesagt: „Wie viele Sprachen jemand kennt, so viele Wale ist er Mensch". Jeder, der eine Sprache wirklich gründlich gelernt hat, weiß wn die Wahrheit dieses Satzes. Aber auf die hebräische Sprache trifft er zehnfach zu. Wer nämlich eine moderne europäische Sprache lernt, uxr Griechisch oder Lateinisch studiert, gewinnt damit für sein geistiges Leben die Möglichkeit, die Literatur eines Volkes aus einem Zeitraum von etwa drei Jahrhunderten zu lesen. Denn so lang ungefähr ist der Zeitraum, über den sich die Literatur jeder dieser Sprachen ausdehnt. Wer aber das Hebräisch erlernt, erwirbt sich damit die Möglichkeit, in eine Literatur cinzudringen, die drei Jahrtausende umfaßt. Denn so lang ist der Zeitraum, über den sich eine stetige, niemals unterbrochene und immer in reichem Stroine fließende hebräisch« Literatur eristreckt. Diese Literatur hat — und darin haben die meisten eine völlig falsche Vorstellung — sich zu keiner Zeit auf das religiöse Gebiet beschränkt, sondern hat zu allen Zeiten sämtliche Gebiete des Lebens umfaßt und uns mit herrlichen Werken der Philosophie und der iveltlichen Dichtung! beschenkt. Sie kennen. heißt das Judentum und den jüdischen Geist kennen, heißt eine wirkliche Vorstellung davon bekommen, wie das jüdische Volk auf allen Gebieten des Geistesleben» in Jahrtausenden schöpferisch und lebendig gervesen ist. Es geht! hier nicht um die Frage, ob hebräische „Konversation" notwendig ist oder.nicht. Von dem Leiter der hebräischen Sprachschule in Breslau stammt das Wort, daß man nicht Hebräisch lernt, um sich in Palästina eine Semmel auf Hebräisch einzukaufen. Sondern man lernt die Sprache, um einen Geist zu begreifen, der einem anders als durch die Sprache nicht erschlossen werden kann. Diesen Seist kennen zu lernen und zu oerftehen, ihn wirklich auf fich unmittelbar einwirken zu lassen, muß der Wunsch jedes Juden sein, der sich noch als Jude fühlt. And selbst derjenige, der glaubt, daß die hebräische Sprache nirgends anders als im Gebet ihren Platz beanspruchen dürfe, wird zugeben inüssen, baß er sich in die Sprache unserer Gebete nicht einfühlen kann, wenn ihm die schlechten Ilebersehungen, die man in den Machsorim findet, die einzige Brücke zum Verständnisse der Gebetstexte sind. Sondern ein wirkliches Verstehen der Gebctsworte setzt vorausdaß man den ganzen Inhalt jedes Wortes im praktischen Gebrauch erlernt, und daß man alle die Anklänge, die Ober- und Untertöne initfühlt, die zum wahren Verstehen und Erfühlen des gesprochenen Wortes genau so unentbehrlich sind, wie die Töne in der Musik farblos und tot wären, wenn Ober- und tlniertöne nicht Mitschwingen würden. Die Hebräische Sprachschule ist eine private und selbstverständlich parteilose Einrichtung. Sie hat Schüler aus konservativen, liberalen und zionistischen Kreisen. Sie treibt nicht Politik oder Religion, sondern Antcrricht. Sie bürdet dem Schüler nicht eine Last auf, sondern bereitet ihin jene echte Freude, die mit dem wahren Lernen — nämlich dem Verstchcnlcrncn — immer verbunden ist. Die Schule hat die Beweglichkeit, die jeder modernen Schule eigen sein sollte. Sie hat nicht feste Klassen, sondern sie paßt sich in der Gestaltung ihrer Kurse den Bedürfnissen ihrer jeiveiligen Schüler an. Sie hat nicht ein festes Programm, sondern sie bietet jedem Schüler bas, lvas seiner Mentalität gemäß ist. Der eine lernt Tenach, der andere Mischnah, wieder ein anderer lernt hebräische Philosophie, ein weiterer liest die hebräische Poesie des Mittelalters ober die moderne hebräische Literatur der neuesten Zeit.! Die Werke eines Dialik, eines Achad Haan», eines Mendclc Mocher Sforim, diese Höhepunkte inodernen jüdischen Schaffens sind vielen der Schlüssel zuin Verständnisse des biblischen, talmudischen und inittelaltcrlichcn Schrifttums. Om Unterricht sprechen Kinder hebräisch über ihre kindlichen Spiele oder lesen Kindergcschichten, Erwachsene reden Hebräisch von allen Gcbjeten ihres geistigen Lebens. So wird jeden» die Sprache an den Dinge» lcbeüdig, die für ihn den Inhalt des Lebens ausmachen. Diese wenigen Bemerkungen geben nur ein unzureichendes Bild von dtzn» vielen, das die Hebräische Sprachschule in Breslau ihren Schülern bedeutet. Die Schule spricht am besten für sich selbst. Wer »»och nicht ihr Schüler ist, sollte gelegentlich als Gast hingehen und sich überzeugen, welcher freudige Geist dort herrscht. Wer sich geistig noch frisch genug fühlt, sollte in dieser Schule lernen. Wer selbst nicht die nötige Zeit oder Frische hat, sollte »eine Kinder dort lernen lassen. Jeder Jude aber sollte es sich zur Pflicht machen, bieses Schulwerk nach seinen Kräften materiell zu fördern. Rcchtsann'alt Max I a c o b s v h n. daviö Zrieölänüer, der Vorkämpfer -er Ju-enemanzipation ist an». 25. Dezember 1934 hundert Jahre tot. Aus diesem Anlaß beabsichtigen die Unterzeichneten eine Monographie über! David Fricdländcr und seinen Kreis erscheinen zu lasse». Diese Arbeit —> geplant ist ein Darstellungs- und ein Ilrkundcnband — soll auf breitester quellenmäßiger Grundlage aufgcbaut sein u»»d alles heranzuzichcn und auszuschöpfen versuchen, rvas an cii»schlägigcm handschriftliche» ui»d literarischen Material beschafft »vcrdcn kann. Um dies Material mich wirklich annähernd vollzählig erfassen zu können, bitten die Unterzeichneten alle diejenigen, die Briefe von und an David Friedländcr, seine Familien- »nitglicder und Mitarbeiter, sowie sonstiges einschlägiges handschriftliches Material besitzen, ihnen diese Dokumente zur Abschriftnabinc zu überlassen. Auch für Namhaftmachung von Personen und Instituten, die Schriftstücke der gesuchten Art aufbewahrcn, sowie für den Hiniveis auf schwer zugängliches archivalisches, geknicktes und Bildmaterial wären die Unterzeichneten sehr dankbar. Zuschriften und Zusendungen bitten die Unterzeichneten zu richten entweder an die Bibliotbek der Berliner Jüdischen Gemeinde oder an das Gesamtarchiv der deutschen Juden, beide: Berlin N. 24, Oranienburger Straße 29! gez. Dr. Jacob Jacobson. gez. Dr. Josef Meisl Line Auktion von hebraica und Juüaica veranstaltet im Januar 1932 die Firma I. Kauffmann in Frankfurt o. M. Zur Versteigerung gelangen nicht nur von der Firma in den letzten Jahren übernommene Bibliotheken, sondern auch Bestände angesehener Pivatsammler, die rvertoolle Stücke durch das Frankfurter Auktionshaus ausbieten lassen, also neben Inkunabeln und »vertvollen Pergament-Manuskripten (mit und ohne Miniaturen) bedeutende Erstdrucke italienischer, konstantinopeler und salonicer Druckereien sowie sonstige bedeutsame Seltenheit«»»!. Interessenten mögen sich schon jetzt an die Firma I. Kauffmann, Frankfurt a. M., Schillersttahe 19 wenden, damit sie rechtzeitig den Bersteigerungskatalog erhalten. ' t

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