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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer AMTLICHES BLATT DER SYNAGOGENGEMEINDE ZU BRESLAU Schrlftleltung: Verwaltungsdirektor Dr. Bechnitz, Breslau, Wallstr. 9 Verlag: Büro der Sgnagogengemeinbe, Breslau, Wallstr. 9 - Telefon 21611/12 Druck und Anzeigen - Annahme: Druckerei Th. Schatzlg Aktien-Sesellschaft, Breslau 5,y Neue Sraupenstraße 7 Telefon 24468 u. 24469' Anzeigenpreis: Die »gespaltene Millimeter-Zeile oder deren Raum 16 Pfennige — Bei laufenden Aufträgen Rabatt ..... 50t die unter dem Namen des Verfasser« erscheinenden Artikel und die Dereinsnachrichten übernehmen wir nur die preffegefetzliche DerantwoNunr 9. Jahrgang Dezember 1932 Nummer 12 jüdische Wissenschaft in Not. Eiir dringender Notschrei schallt durch das Land. Di, jüdische Wissenschaft ist in Bedrängnis. Die ihrer Pfleg, dienenden Anstalten sind aller Mittel entblößt, sie stehen in Gefahr, ihre Pforten schließen, ihre Tätigkeit einstellen zu müssen. Sollte cs dahin kommen, so brächte das zu unserer äußeren eine schwere innere Verarmung; unabsehbarer Schaden für das Judentum wäre damit verbunden. Ein Grundpfeiler d§s Judentums ist seine Lehre. Forschen und Suchen, Lernen unh Lehren sind ihm Lebensatcm. Vieles baden wir gelitten, alles verloren, einzig linsere Lehre haben wir gerettet. Durch alle unsere Wanderungen und Fährnisse hat sie uns begleitet. I^r haben unsere Besten ihr Leben und ihre Arbeit geweiht, aus ihr strömte unseren Ahnen die Kraft zu glauben, die Fähigkeit zu denken. Ein Schrifttum 'von erstaunlichem Vmfange und unermeßlicher Tiefe haben sic uns hinterlasscn, an dem zu allen Zeiten der Glaube sich verjüngt und erneuert, die Denkkraft sich gestählt und gestärkt hat. Zu allen Zeiten haben unsere Ahnen der Lehre Pflegcstätten errichtet, mit höchster Dpferbcreitschaft haben sic sie erhalten, selbst kleine Gemeinden bemühten sich um ein Lehrhaus und sahen in seiner Blüte ihvc herrlichste Zier. Ihre Lehre war der Mittelpunkt ihres Denkens, ihr Lchrhaus die Verbindung mit Vergangenheit und Gegenwart, lint der Welt der Glaubensgenossen und der Welt des Geistes. Seit dem letzten Jahrhundert haben wir Juden Anteil am.allgemeinen Geistesleben, aber die Sorge um unser ererbtes Geistesgut habew wir weiter zu tragen, feine staatliche Instanz nimmt sie uns ab, kein e Universität hat für unsere Wissenschaft einen Platz. Dank dem hochherzigen Vermächtnis des Kommerzienrat Jonas Fracnckel in Breslau konnte 1854 das dortige jüdischtheologische Seminar eruffnct werden. 1872 trateit in Berlin die Hochschule für die Wissenschaft des Iudcntiluns und das Rabbiner-Seminar ins Leben; beide waren bei ihrer Gründung wirtschaftlich nicht fundiert, sondern auf freiwillige Beiträge angewiesen, haben aber |n mühsamer Arbeit dllrch eine eifrige Werbe- und Sammeltätigkeit im Laufe von 40 Jahren einigermaßen ihre Existenz gesichert. Da kamen Weltkrieg und Inflation und vernichteten! den Stiftungsfonds aller Anstalten fast vollständig, vernichieten aber auch das Vermögen der gebildeten chichten, die für die Bedeutung dieser wissenschaftlichen Institute Verständnis hatten und sie zu unterstützen bereit waren. Als in der Inflation und unmittelbar 7 nach ihrem Ende der Zusammenbruch drohte, kam Hilfe aus Amerika; inft wenigen Tausend Do lar war damals den Anstalten zu helfen. Ig Anerkennung der hohen Bedeutung der jüdischwissenschaftliocn Forschung und der Heranbildung' eines theologischen Nachwuchses wollten die n ^»gegründeten Landesverbände die schützende Hand über die Anstalten -ausbreiten und ihnen S cherheit gewähren, aber her größte der Landesverbände, der Preußische, besitzt kein Stcucrrccht, seine Leistungsfähigkeit ist begrenzt und besonders in dieser Krisenzeit sehr geschwächt.' So sind die drei kGeologischen Bildungsanstalten arg! in Mitleidenschaft gezogen worden, die ihnen von Gemeinden und Verbänden bewilligten Subventionen sind mn zwei Drittel zurückgegangcn.' .Das traf sie um so härter, als gleichzeitig auch die Gcbefr mdigkcit der Einzelnen nacblicß oder ' Die Wir obgleich sic ihre Ausgaben bis zur E völlig versiegte, ung ist katastrophal, allt drei Institute leiden, rcnzc des Erträglichen eingeschränkt haben, unter einem Defizits das ihre Existenz bedroht. Es ist bei allen ungefähr gleich hoch, schon dieses Zusammentreffen beweist, daß nicht Luxus oder Mißwirtschaft, sondern nur der Mangel an Einnahnnn cs hcrb'eigcführt hat. Bisher konnte das Defizit aus Sti tungskapitalicn gedeckt werden, aber nun sind die Fonds erschöpft, die Institute sehen den Tag hcrankominen, an dem sie nicht'mebr zahlen können und Ihren Betrieb einstellen müssen. Sollen sie das tun? Darf die deutsche Iudenheit cs dulden? Wir sprechen nicht von den »cdcutendcn Leistungen der Anstalten! in der Vergangenheit, r on den hervorragenden Forschern, Räbbincrn, Predigern und Lehrern, die an ihnen gewirkt haben und aus ihnen hervorgegangen sind, von der überragenden Stellung, die der der tschcn Iudenheit dank ihren berühmten Lchrstütten und ge ganzen Welt billig zuerkannt wurde. Wir wenden unseren Blick nur auf die Gegenwart und ei kennen die Lebcnsnotwendigkeit dieser Institute. Weit stärker als je ist ihr Besuch und damit ihrie Wirkung auf das jüdi che Leben. Von allen Seiten her ist dieses bedroht, es bedarf dringend der Einwirkung, die r on der wissenschaftlichen Arbeit ausgcht. Wir stigcn Führern in der Habe« Sie schon für öie Klof gegeben? Postscheckkonto des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Nr. S6J5 Wenn ja, — dann herzlichen Dank! Wenn nein, -jwo öie Spende? * | Jüdisches Wohlfahrtsamt!©anität«röt Dr. Vach Paula Ollenftorff y 75803142

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