Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 11 (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 11 8r4»laner Jüdisches wemeiooediali 127 Gedanke der Einbeitsg^meinde gefordert werden. Grünberg unterstützt die Anregung von Spitz, danü würde man nicht monatelang zu warten, brauchen, ehe so! wichtige Bestrebungen wie die Genoffenschaftsbank oder die Siedlung in Fluß kommen. — Darauf wird dev Antrag Foerder Lust Veranstaltung von 3 Gemeindeabendcn und ein Antrag Wolfs lauf Einsetzung einer vorbereitenden Kommission angenommen, j i Fn der Geheimen Sitzung wird die Anstellung des aus Probe eingestellten Hausmeisters Fabisch genehmigt und zur Kenntnis genommen, daß der Vorstand der Wahl von §)aase (Iiid. Arbeiterpartei) in den Hauptastsschuß des Jüdische» 'Wohlfahrtsamtes zugtstimmt habe.! Die Zreie Jüdische Volkshochschule Sreslou cröfffiete am 30. Oktober 1932 das 14. Jahr ihrer?lrbeit mit einem Vortrag des bekannten Schriftstellers Dr. Georg iS e r ni a n n-Berli» über den „Anteil der deutschen Iudgn an der deutsche» Kultur und der Weltkultur." >I» der Begrüßungsansprache betanke der Vorsitzende Seminar-Dozent Dr. 'Lern ko miß, daß >ie Not der Zeit die Arbeit der Volkshochschule recht notwendig mache, bei den Vorlesungen sei siedurch die größere Anzahl wirtschaftlicher und apoloc etischer Themen berücksichtigt. Der Vortragende Tr. Hermann schilderte! zunächst den jüdischen Menschen vor dem Kriege, den man der Äugend, die ihn nicht kenne, ebenso oft vor Augen führen muss: wie den Krieg, von dessen Wirklichkeit sie keine Vorstellung habe. Der jüdische Mensch war damajls nicht frei von Zurückseßung, aber in der Entwicklung seiner Arbeit nicht behindert, wenn auch nicht amtlich gefördert. I leberragende Leistungen! wurden anerkannt und geehrt, unh als deutscl e Kulturleistung in Anspruch genommen, insgesamt kein idealer, aber eit erträglicher Zustand." Redner schilderte daraus in, einzelne» die Kulturleiilungen der deutschen, Juden. Der Jude, beseelt vom! Menschheitsgedanken, wertet die Spitzenleistungen der Wissenschaft und Kunst bei allen Dölkein, was von den Judengegnern als international bezeichnet wird, obgleich d ese Wertung auf dein Gebiete des Sports auch von nationalistischer Seite selbstverständlich ist. Kultur ist aber die allgeineilte Förderung der Me> schheit, könne also vor Staatsgrenzen nicht halt mache». Wenn die interessanten Darlegungen des Redners nicht so fesselten ii'ie man dies bei der Volkshochschule gewöhnt ist, sö lag dies vielleicht daran, daß das Thema in letzter Ze t all», oft in Wort und Schrift erörtert lvorden ist. . R. Zur lanüwirt Mit unerhittlicher ihre» seitherigen Berufen chastlichen Verufsumschichtung üer jüdischen Jugend. Notwendigkeit wird für alle diejenigen, die von ausgestoßcn hzw. jetzt der Schule entwachsen sind, das Problem akut, hach neuen Berufen Ausschau zu halten. Seit vielen Fahren gehört dus Schlagwort „Verufsumschichtung"-zu 'oem eisernen Bestand einer jeden Diskussion über Berusssragen. Alle Bestrebungen, die jüdische Fugend zu produktivieren, erfordern heute d7e 7fr'jüdischen Oeffentlichkeit. der Wunsch der jüdischen Jugend, zur llr- Produktion und auss Lahd zurüclzukchren; jedoch waren die Möglichleite» zu einer Betätigung in diesem Sinne nur sehr gering, insbesondere siir diejenigen, denen es ihre religiöse Einstellung unmöglich macht, bei nichtjüdischen Bauern sich zu verköstigen. Ten Siedlungsbestrebungen dient vor allem das Siel lungsgut Groß Gag low. hei Kottbus, das durch den Reichshund sich jüdische Siedlung (Ris) in Berlin verwaltet die Bereitwilligkeit einiger führender jüdischer Persönlichkeiten in Berlin und Frankfurt (Main) 1924 in Betzenrod ei» ca. i>5 Morgen großes Gut erworben und der jüdischen Fugend als ^Lehrgut zur Verfügung gestellt werken. Da aber einerseits dieser Betrieb mit seiner Aushsldungsmöglichkeit für nur IN Menschen sich als zu, 'klein erwies, und andererseits die Beschaffenheit des Bodens dort yickt sehr günstig ivar, gab man Betzenrod schon nach .4 Jahren wieder aus. Mail pachtete dasür in Rodges ein 150 Morgen großes Gut. Dieses imirhe um 1927 als Lehiignt eingerichtet und bot bereits 2u Menschen Ausr ahme. Fmmer weiter jedoch wuchs die Fahl derer, die um Ausnahme nackjuckten. Deshalb erivarb die „Füdische Landwirtschast e. V." mit Milfi eines hypothekarischen Darlehens der jüdischen Gemeinde Berlin und der Kreditgenossenschaft gemeinnütziger SelbstHilse-Organisationen das Gut G e h r i n g s h h s bei Hattenhof', dickt vor den Toren Fuldas. Tiaf:r Betrieb, der 180 Morgen eigenen Landes und 70 Morgen packt laich?s umfaßt, kann .45 Eleven ausnehmen. Diese haben hier Gelegenheit, alle Zweige intensiver Landwirtschaft zu erlernen. > Durch Vereinbarungen mit dem Arbeitsamt in Fulda ist es gelungen, die Zuweisung einer Anzahl jüdischer Erwerbsloser (Voraussichtlick 12—15 Menschen) imz Rahmen des vom Reicke organisierten „Freiwilligen Arbeitsdienstes" zu erreichen. Aus diese Weise wird es möglick sein, aus den zu diesem Zweck ausgeworfenen Mitteln erstmalig Beträge auch für jüdische Menschen zu reservieren. Um der zur Landwirtschaft herandrängenden Fugend Möglichkeiten zur Verwirklichung ihres Wollens zu verschaffen, müßten neue Mittel und Wege gefunden werden. Fn Anlehnung an das Lehrgut wurden in umliegenden Ortschaften hei bekannt tüchtigen Landwirten sabbathfreie Lehrstellen besorgt, und zwar jeweils mehrere an einem Ort. Hier ist also ein Versuch der jüdische» Jugend, mit der Verussumschjchtung Ernst zu mgchen, mit gutem Erfolge durchgeführt worden.! Unser Recht auf Arbeit. Auf Grund von Vorschlägen, die im Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes gegeben worden sind, wurde in dessen „Unteausschuß für Arbeitsnachweise" nach längerer Beratung einstimmig beschlossen, den Moüat November d. Is. als Werbemonat für die Idee der jüdischen Arbeitsvermittlung und Erwerbsbckct affung zu proklamieren. Während dieses ganzen Monats soll unter der Devi e „Unser Recht auf Arbeit" im ganzen Reich für die jüdische Arbeitsvermittlung geworben werden. Die geplante Werbeaktion soll keine Hilfsaktion im üblichen Sinne iverden, d. b. es geht hier nicht darum, Abnosen zu sammeln oder zu erbitten, um aus dein Ertrag derartiger Sammlungen den Eriverbslosen zu helfen. Es geht vielmehr darum, durch eine Zusaminenfassung aller Kräfte den Versuch zu machen, dort, wo es heute noch möglich ist, dem jüdischen Eriverbslosen Arbeit und dmnit Brot zu beschaffen. Die Durchführung der Aktion ist der „Vereinigten Zentrale der jüdischen Arbeitsnachweise", Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 15S, unter engster Mitwirkung der zentralen Organisationen des deutschen Judentums übertragen lvorden. Sämtliche jüdischen Veranstaltungen und Versammlungen, die im Laufe des November stattfinden, sollen der Werbung von Arbeitsplätzen fürjüdische Erwerbslose nutzbar gemacht werden. Darüber hinaus sollen in möglichst vielen Gemeinden Gemeindeversammlungen, Besprechungen von Arbeitgebern, Werbung von-Vertrauensleuten für. die Arbeitsnachiveise durchgeführt werden. Die/Füdische Presse, die gesamte jüdische Oeffentlichkeit sollen in iveitestem Umfange zur Unterstützung dieser Werbearbeit herangezogen iverden. Zum ersten Male soll hier, getragen von dem. organisierten Wsllen des deutschen Judentums, eine Aktion durchgeführt.werden, deren Bedeutung über.die Grenzen der Gemeinden, Organisationen, Parteien und Weltanschauungen hinausgeht. Der tiefere,«->»» dieses Werbemonats so» auck darin bestehen, der maßlosen Hetze, in der dem deutschen Judentum nickt nur die politische Gleichberechtigung, sondern auch.das Recht, in der Wirtschaft tätig zu sein, das Recht auf Arbeit und damit das Recht auf Leben bestritten 'wird, durch Zusammenschluß aller Kräfte,-den entschiedenen Willen zum Leben und zur Selbsthilfe entgegenzusetzen. Dieser Boykott arbeitswilliger Menschen.aus Gründen eines gehässigen Antisemitismus bedeutet nicht nur eine Gefahr für die Stellung der Juden in der deutschen Wirtschaft überhaupt, er ist eine allgemeine Gefahr für den Aufschwung des Wirtschaftslebens, denn er ist seinem innersten Wesen nach wirtschaftsfeindlich. Keine Wirtschaft verträgt es'für die Dauer, daß irgeneine Gruppe in ihr aus politischen oder aus religiösen Gründen mit offener oder versteckter Eeivalt verdrängt wird. Deshalb bedeutet die Aktion für unser Recht auf Arbeit nicht nur einen Protest gegen den Antisemitismus in der Wirtschaft, sondern auch gegen die wirtschastsschädigende Bedeutung jeder Doykottbewegung. Unsere Aktion wendet sich deshalb zuerst und vor allen DingenFui die gesamte Oeffentlichkeit, an die Reichs- und Staatsbehörden mit der dringenden Forderung, alle Machtmittel des Staates gegen derartige wirtschaftsfelndliche Methoden, wie sie heute den Juden gegenüber zur Anwendung kommen, einzusetzen. Don den Wirtschaftsverbäicken, Parteien und Gewerksckaften der Arbeiterschaft erwarten wir, daß sie auch die Interessen ihrer jüdischen Mitglieder wahrnehmen und sie vor der drohenden Gefahr der völligen Verdrängung aus der Wirtschaft schützen, Wir lvenden uns an alle Arbeitgeber, die noch ftei sind von antisemitischen Vorurteilen mit der dringenden Bitte, die jüdischen. Arbeitssuchenden, die in ihren Leistungen allen anderen Arbeitsuchenden gleichwertig sind, nicht deswegen aus der ' Konkurrenz um dk freie Arbeiisstelle auszuschalten, »'eil sie Jude» sind. Wir »'enden uns insbesondere an die jüdischen ^Arbeitgeber, die heute noch Arbeitsplätze zu besetzen haben, mit dem dringenden Wunsch, darauf zu achten, daß bei der Besetzung dieser Plätze jüdische Bewerber zur .Konkurrenz mitberangezogen und beachtet werden. '. I. ’ " * ‘ ‘ $eonffuct~— Sreslau. Line vergleichende Etat-Studie. Von Dr. Hugo Schack t e I. — ' (Fortsetzung) Schächt w esen: Frankfurt: Gehälter: Schächter und Aufseher . . Sachausgaben . . . zusammen . . Breslau: Gehälter . . . . . Sachausgabe» . . . zusammen . . Einnahmen: Frankfurt: <>) Schächtgebühr . >>) Auffichtsgebühr . Breslau: Schächtgebühren Während also die Ausgaben in Franffurt sich ungefähr auf derselben Linie bervegen, wie in Breslau, hat Breslau erheblich höhere Einnahmen aus den Schächtgebühren, die allerdings in Frankfurt besonders niedrig sind: M. 2,— für Großvieh und M. 0,40 für Kleinvieh. Aber Franffurt hat nock eine nickt sehr erhebliche Sondereinnahme aus Ä u f s i ck t s g e b ü h r e n, Ist 1930 Boranscklag 1931 Boranscklag >> 46 375 40 085 4*175 3 680 ■" 3 000? 50 055 43 08o 42 905 40 409 35 408 4 622 5 306 3 778 47 525 45-715 39 I S6 14 528 17 000 14 000 1 805 1 800 I 500 22 283 25 000 35 000