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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-11-01 · 11 (11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
11 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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126 Bte »lauer Jüdische» Gemeladeblak» I Nr. 11 Meyer (V. P.) dei» Vorstand .für kaS Rechnungsjahr 1931/32 Entlastung erteilt. Bei dem DerwaltungSberickt, den d<r Vorsitzende vorträgt, bemängelt Spitz (lib.), daß der Vau eines UeberwinterungShauseS für die Pflanzen des Friedhofes Lobestraße bei einem Gesamtbeträge von 1100 Mark vl rher der Gemeindevertretung hätte zur Genehmigung vorgel!gt werdett müssen. Auch sei der BauauSsckuß übergangen worden. Die Pflasterarbeiten habe ein Unternehmer auSgeführt, drr als judenfeindlich gelte, und dabei ein gutes Geschäft gemacht, >a die geringfügigen Arbeiten mit Ueberlasiung der Pflasterste lne bezahlt worden seien. Die Arbeiten hätten von jüdischen Erwerbslosen aus geführt werden können. Der Verwaltungsdirektor erwidert, die Sache fei dringend gewesen, da der Winter vor der Türe stand. Arbeiten seien nur den in der Abrechnung genannten Firmen übertragen worden, von Pflasterarbeitcn sei nichts bekannt. Cs müsse daher erst nachgeforscht werden, da Zerr Perl, der Auskunft geben könnte, beute verreist sei. Di: Abrechnung wird darauf genehmigt. Außerhalb der Tagesordnung regt Wolfs (M. P.) an, vorbeugende Maßregeln! gegen die Austritte zn ergreifen und zu diesem Zwecke vo^ jedem Austritt sofort allen Gemeinde■ Vertretern Mitteilung juj machen. Schachtel wendet sich gegen den Vorwurf,'daß der Vorstand nichts unternehme, und er läutert an verschiedenen Beispielen die! verschiedenartigen Schritte deS Vorstandes. Erst wenn diese innerhalb der für die Rücknahme vorgeschriebenen Monatsfrist keinen Erfolg gehabt hätten, würden die Austritte im Gemeindeblatt veröffentlicht. Die erfolgreichen Einwirkungeü erfahre daher das Publikum nicht. Zu der; Anregung von Wylff werde der Vorstand noch 'Stellung nehmen. Nunmehr'begründet Foerder den Antrag der Mittelpartei auf Ausgestaltung deS Gemeindedlattes. Ter Tertteil bringe zu wenige was allgemein interessiere. CS fehlten Artikel über die Dinge, tvelche das Judentum allgemein bewegten. Dagegen werde z. P. die Spendenliste! groß gedruckt, was nicht angebracht sei. BÄ der Gebetsordnußg sei in der letzten Nummer eine dankenswerte Neugestaltung cingetreten, aber - auffällig sei, daß der SabbatbauSgang bei her Alten Synagoge anders sei als bei der' Neuen Svnagoge. Dabei seien die beide» Gotteshäuser doch nicht so weit voneinander entfernt, daß die Sonne zu anderer Zeit untergebe. Artikel wie die Bibliographie von Schlesien lese niemand. — Namens des KultuSaüSschufses I erwidert Boß (kons.), daß pie Alte Synagoge sich bei den Gebetzeitcn nach den, „Luack" richte. Ter Schriftleiter N e ch n i tz entgegnet, die Frage der! Ausgestaltung des Gemeindeblattes sei eine Finanzsrage. Per Etat für das Gcmeindevlatt sei derart zusammengestricken, daß eine Ausgestaltung nur bei Zunahme der Inserate möglich sei. Jetzt bleibe nach Abzug der amtlichen Bekanntmachungen und der Gottesdienste nickt mehr viel Platz für den sonstigen Text. Dieser behandle in erster Linie Gemeindeangelegcnbeiten. Die Bedauptung, daß Artikel wie die Bibliographie nicht gelesen würden, sei nickt zutreffend; denn er sei sogar auf Irrtiimer in diesem Artikel aufmerksam gemacht wojrden Sein Appell Anfang des Iabrcs auf regere Mitarbeit her Mitglieder der Gemeindekörperschaften habe wenig genützt. I Außer dem Artikel von Wolfs (M. P.) und Schachtel (V. P.) sowie den Erklärungen der Führer sämtlicher Frakttoncn zur Erhöhung der KultuSstcuer habe er Arttkel nickt erbalten. Er glaube beanspruchen zu können, daß die offiziellen Vertteter des Gemeinde in den Gremien des Preußischen Landesverbandes persönliche Berichte für das Gemeindeblatt schreiben, so sei er auf den farblosen amtlichen Bericht der Pressestelle angewiesen.! Honorare könnten ebcinsallS wegen der Beschränkung der Drittel nicht gezahlt werden. Immerhin seien seit Beginn deS IabreS erhebliche , Verbesserungen geschaffen worden, so z. V. äußerlich beim Kopf. ■ der Druckanordnung und der Einteilung, sowie bei der bereits bervorgebobenen Gebetsordnung. Für den Inhalt der amtlichen Bekanntmachungen sei hie Sckriftleitung nicht verantwortlich. Wolfs wünscht das Gemeindeblatt nickt nach Art eines KreiSblattes, sondern alS Informationsblatt für hie Gemeinde. Die Ausgaben der Gemeinde! seien dock so vielseitig, daß auch der Inhalt vielseitig sein könne. Schachtel hat angesangen und einen sehr interessanten Aufsatz über die Etats von Frankfurt und Breslau geschrieben, aber die übrigen Vorsteher verhalten fid|> völlig passiv. Iacobsohn (V. P.) kritisiert die Einseitigkeit des Inhalts. ES sei immer wieder von Finanznot, Etat unh Steuern die Rede. Das interessiere die Gemeinde nicht. Jitters essant wird das Blatt nur, wenn es von dem jüdischen Leben berichtet, nicht bloß in VreSlau und Deutschland, sondern auch in Palästina. Das sind aber meist kämpferische Dinge, wo eine persönliche Stellungnahme gestattet sein muß. Unter derselbe«!« Voraussetzung können auch bloß Sitzungsberichte der Delegierten interessant abgefaßt werden, die der Schriftleiter wr misse. Wenn der Vorstand dahingehende Richtlinien aiiffteUcj, werde er auch die entsprechenden Artikel erhalten. — F r a u Rabin (V. P.) wünscht eine Fühlungnahme mit der Gef meinde durch das Gemeindeblatt und regt eine Aussprache aü etwa in Form der „Brücke" im „Berliner Tageblatt". ES sollte ein bestimmtes Problem zur Aussprache gestellt werden, und dann Gemeindemitglieder im Gemeindeblatt hierzu zn Worte kommen. Die Gemeindemitglieder sollen nicht ausf schließlich zum Lesen verurteilt sein, sondern auch zur eigenen Meinungsäußerung zugelassen werden. Vielleicht käme vo>t hier einmal ein guter Gedanke. Nothmann (V.P.) schließt sich den Ausführungen von Frau Rabin an und empfiehlt die Einrichtung eines SprechfaaleS. Auch die Jugend solle zü Worte kommen mit ihren Problemen, z. D. körperliche Ertüchtigung, Umschichtung usw. Wolf warnt vor einem Sprechsaal! und vpr Parteiauseinandersetzungen im Gemeindeblatt. Eß! gäbe ccker genug interessanten Stofs, der nickt parteimäßig be-, bandelr zu werden braucht. Unikower (W. P.) beantragt^ den RjedaktionSauSsckuß zu ersuchen, regelmäßig unter gleich-, mäßiger Beteiligung aller in der Gemeinde vorhandenen Rick<' tungen! auch gemeindepolitische Artikel aufzunehmcn. Gegen' diesen Antrag äußert Frau Rabin gewisse Bedenken. DaSI schließe aber nicht auS,. verschiedene Richtungen zu Wort; kommen zu lassen. Schließlich wird der Antrag im Cinverständ-! nis mit den Antragstellern dem Vorstand alS Material über-! wiesen. Zum Schluß wünscht Grünberg eine Gmciterun^ deS RedaktionSauSfchusseS dahin, daß alle Parteien in ibm ver-j treten sein sollen. Darauf begründet F o e r d e r den Antrag der Mittelpartei, 1 Gemeindeabende im Winter zu veranstalten. Durch diese Abende soll durch das Wort bewirkt werden, was er durch das; Gemeindeblatt verlangt habe, nämlich eine Fühlung der Führer ' mit den Gemeindemitgliedern. Solche Aussprachen in Gemeinde-, übenden sollten den Zusammenhalt fördern. Dazu sei die einzige Gemeindeversammlung, die jetzt bestehe, nämlich im GotteShause! zum Gebet, nickt geeignet. Die Führer würden sich nichts vergeben, wenn sie fick einer Aussprache, also auch einer Kritik,' auSsetzen würden. CS soll jeder aufstehen und sagen können, waS ihm in der Gemeinde nickt gefalle. Auch unter der Jugend solle nian daS Gemeinschaftsgefühl stärken, z. B. durch Fortsetzung deS SimchaS Thauro- und Purimfestes nach dem Gottesdienste i in Sälen. Den Gemeindemitgliedern nach des Tages Arbeit ein angenehmes jüdisches Milieu zu schaffen, sei eine dankenS- , werte Aufgabe, zu der der Vorstand die Initiative ergreifen > müsse. — Iacobsobn bedauert, daß zu den Vorttügen und , Versammlungen der Parteien nur die Angehörigen der betreffenden Partei erscheinen. In einigen Provinzgemeinden habe der C. V. sogar, den Besuch zionistischer Versammlungen seinen Anhängern verboten (Widerspruch von Kalisch). Eine Aussprache zwischen Anhängern verschiedener Anschauungen sei also nickt möglich, daher sei es wünschenswert, daß die lKemeinde in den Gemeindeabenden Gelegenheit zu solchen Aussprachen gebe. Spitz sieht in den Anregungen von Foerder und Jacobsobn manches Beachtenswerte. Allerdings sei die Erörterung von Parteifragen und manche Gemeindeangelegenheit nicht geeignet, daS Gemeinschaftsgefühl zu fördern, sondern werde eher die Gegensätze verschärfen. Wie sehr Aussprachen oft in Unsachlichkeiten auSarten, werde Iacobsobn alS erfahrenem VersammlungSleiter sicherlich bekannt sein. Aber es gäbe Themen, bei denen daS Gemeinsame im Vordergründe stehe, z. V. AuSttittSgründe, Umschichtung, Siedlung. Hier könne der

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