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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-07-01 · 7 (7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
7 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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r 7ö ireslaaer Jüdisch e» j<P emciade&laff 9lt. 7 heute: 85) und -ie wertvollen, der Synagoge gemachten Schenkungen und Zuwendungen von Kultusgegenständeif jeugen von diesem heute säst verschwundenen Reichtum der Vorkriegszettl Eine interesiante Gabe ist das 1814 von den Brüdern Mose, Hirsch imd Gerson Cassirer gestiftete und von .Moses Easfirer, einem der Schenker, schön geschriebene „Kuntres" (Totenbuch nebst synagogalen Texten) der „Landschul" (im Archiv d, r Breslauer Snnagogcn-Gemeindel. Dieses Buch ist wohl die wichtigsto Quelle für die Frühgeschichte dieser Schul, über die'bisher nicht viele ältere Akten im Eemenidearckiv! vorhanden sind; es enthält außerdem Eintragungen, die für die Geschichte der Breslauer Juden von Dichtigkeit sind, entsprechend d-r Rolle, welche die Landschul früher im Leben der Breslauer jüd. Gemeinde gespielt dal. .Die „Glogäuer" Schule reicht gleichfalls bis ins 17. Iahrh. zurück, ist eine richtige Mestjudenschul und verdankt den religiösen Bedürsniflen der in Breslau länger oder kürzer verweilenden privilegierten Großglogauer Juden ihre Entstehung. So wurden 1685 auf einer Messe: 46, 16677 11, 1722: 25 Juden aus Glogau gezählt. Daneben gab es Glogäuer Juden, die ihren ständigen Aufenthalt in Breslau hatten und hier ihre Geschäfte betriebenr-woiPdiesen gab es: 1722: 12, 1757: 27 und 1776: 99 Familien. Da sich diese Juden »Hire Erlaubnis d-r Stadt und der Regierung in Breslau niedergelassen' hatten, wurde ihnen dort ursprünglich auch keine dauernde „Schule" — offiziell wenigstens — zugestanden. Zu Meßzeiten Hielten sie aber gemeinsamen Goiteslficnst ab; so wird aus dem Jahre 1695 berichtet, i daß die Glogäuer Juden den Jomkippur „unter den Hundhäusern den einer Wittib", d. h. in hen „Hinterhäusern" gefeiert hätten, wo sich auch 1701 eine Schul befand. > Aber ein sogenanntes Oessentlicbkeitsrccht besaß diese „Schule" nicht. Daher kam' es. daß die Glogäuer Schule weder in der österreichischen Zeit erwähnt wird noch von der preuß. Regierung privilegiert oder wenigstens toleriert wurde.. Sie galt nur als „Privatschule", die von Staats wegen keine Bedienten halten sollte; erst am 8. Juni 1789 wurde sie aus ihren hon dem Oherältesten Zacharias Kuh unterstützten Antrag bin eine öffefttlicbe Synagoge. Sie wurde mit einem Eanon von 40. Rtlr. jährlich toleriert, erhielt den! Ramen „zweite Gemeindeschule" und die Befugnis, die vorher illegal angestellten zwei Beamten, den Kantor Iaeob Marcus und den Scbammes Loebel Aron Danziger als „Schulbediente" halten zu dürfen. Tic dämaligen Borsteher waren Benedir Marcus und! Selig Löbel Goldstückrr (Inh. der Stamm-Rr. 25). Zu dieser Zeit jbesand sich die Glogäuer Schul im Mälzhos (d. i. der Komplex von derj ehemaligen Stadtsparkaste bis zur Karlstraße am Lastalleplatz), wo sie nach einer Angabe aus dem Jahre 1817 „seit mehr als 1 <«) Jahren" gewiesen sein sollte. 1817 Hatte sie für 64 Männer und l! Frauen Platz. Zu Beginn des 19. Jahrh. zog diy Glogäuer Schul nach der Graupenstrasie 6 und der im Mühlhof zurifckgebliebene Teil nannte sich nun „Reue Glogäuer Schul". Am 24. März 1908 wurde die alte Glo- - gauer Schul in die Freiburger Straße 12 verlegt, von wo sie aber bereits 1912 wieder, auszog, Am 8. September. 1912 wurde die neuerbaute „Glogäuer Svnagoge" in der Gartenstraße .18 (unter den Vorstehern: Mor. Ludwig aus Zerkow, Mor. Bayer aus Plescben, Rath. Aschheim und Wild. Kober, von welchen dieser noch heute amtiert) eingeweiht; >926 wurde sie erweitert. Ihre Konkurrentin, die „Reue Glogäuer Synagoge" im Müblbof,. hatte ihren Bau 1865 erweitert und feierlichst einweihen lasten. Tie Rede hielt R. Eedalje Tiktin, und ein „Einweihungspsalm" (hehr.) wurde in Krvtoschin gedruckt. Die neue Glogäuer Schul zählte damals 6» Mitglieder. Ihr erster bekannter Vorsteher war Itzig Hirsch Köbner, die letzten waren Spiegel und Freudenthal (der Vater der Gebrüder Alfred, Siegfried und San.-Rat Mar Freudenthal); die letzten Synagogenbeamten waren Haase und Guttentag. Beim Abbruch des Mühlhofes löste sich diese Schul am 19. Dezember 1886 aus. Vbschieüsfeier für Frau Cassirer. Ter Vorstand der Synagogen-Gemeinde, das Jüd. Wohlfahrtsamt und. das Jugendheim hatten den Wunsch ausgesprochen, sich vor der Uebersiedelung unserer Mitarbeiterin, Frau Liesbeth Easfirer,. nach Berlin, von thr zu verabschieden. Zu diesem Zwecke wurde der Vorstand der Synagogen-Gemeinde und die Mitglieder der vorerwähnten Ausschüfle am Dienstag, den 21. Juni 1952, mittags 1 Ahr, zu einer Feier eingeladen. Zrau Ollendorft eröffnete die Feier und dantte Frau Cassirer in bewegten Worten für ihre selbstlose und aufopfernde Tätigkeit. Sie hat es nicht nur verstanden, die Jugend fürsoraerisch zu betreuen, sondern hat durch ihre große Liebe zur Kunst ihr für ihre Arbeit neue Werte übermittelt. Für den Ausschuß „Jüd. Jugendheim" dankte Herr R.-A. Iaeobsohn der Scheidenden, der auch als ein Werk von Frau Cassirer, die mit einfachen Mitteln hervorgerufene künstlerische Ausgestaltung des Jugendheims betonte. Im Namen der Gemeinderabbiner dankte Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann Fra« Easfirer für die durch ihre Arbeit zwischen der Jugend und der Gemeinde hergestellte Verbindung. Sie verstand es, Freude in die Herzen der Jugend zu tragen. Im Namen des Vorstandes sprach Herr Geheimrat Goldfeld derj Scheidenden den herzlichsten Dank für ihre segensreiche Tätigkeit aus. Im Namen des Vereins „Jüd. Jugendheim" widmete Herr Bürodirektor Glaser Worte des Dankes und des Abschiedes der Scheidenden. Den vorausgegangenen Dankesreden schloß sich Frl. Nelken im Namen der Beamten des WohlsahrtsamtcS und dir Besucher des Jugendheims an. I Die stimmungsvolle Feier endete mit dem Aeberreichen eines Werkes: „Die Kultur der Juden." Die Auswahl dieses^Werkes entsprach der Persönlichkeit und dem Wirken der scheidenden Frau. I Frau Cassirer sprach in bewegten Worten ihren Dank und ihr Bedauern aus, daß sie diese ihr ans Herz gewachsene Arbeit ausgebe» müsse. ■! [ Diesem schlickten Abschied war eine Feier der Tuberkulose-Fürsorge vorausgegangen, die mit Frau Cassirer nicht nur ihre Vorsitzende, sondern die! unermüdliche Mitbegründerin und Mitarbeiterin verliert, derer Fehlen nicht verschmerzt werden kann. R. preußischer Lanüesverbanü jüdischer Gemeinden. I Amtlich. Am 19. Juni trat der Große Rat des Preußischen Landesvettbandes jüdischer Gemeinden zu einer Sitzung zusammen, die wie stets gü< besucht war und von dem Präsidenten, Kammergerichtsrat Leo Wolss; geleitet wurde. Unter den zahlreichen Punkten, die der Beratung unterlägL-n, ist vor allem die eingehende Erörterung zu erwähnen, die der Lage des preußischen Judentums unter den gegenwärtigen politische» «Nd wirtschaftlichen Verhültnisten gewidmet war. Tie Beratung gef ■ stattete sich so, daß die Auswertung ihrer Ergebniste einen wesentlichen Ruhen für die Wahrung der jüdischen Jnteresten erwarten läßt.!! Der Rat beschäftigte sich ferner nochmals mit seinem Haushaltsplan, der infolge der nachträglichen, in der Sessentlichkeist bereits bekanntgewordenen Beschlüße des Engeren Rats und des Ständigen Ausschußes des Verbandstages in seinem früheren Umfange wieder hergestellt werden konnte. j Ausführlich wurden die vorliegenden Entwürfe für die Gründung einer Pensionskasse behandelt, welche den jüdischen Beamten einje Sicherung für den Fall der Dienstunsähigkeit und ihren Familien sich deß Todesfall verscbassen soll. Die Kommission, die sich seit längerer Zeit mit diesen Fragen beschäftigt, wird ihre Arbeit unter Hinzuziehung von Sachverständigen mit größter Beschleunigung sortsehen, so daß die enhgültige Beschlutzsastung bald zu erwarten ist. i Jm übrige» wurde zu den wichtigsten Beschlüssen des Verbandstages vom 5. und 4. April Stellung genommen, insbesondere der daselbst gefaßten Entschließung beigetreten, dir sich mit dem Anwachsen der antisemitischen Strömung befaßt. , ' Die vom Verbandstag mit Recht für erforderlich bezeicknete intcitfiliere Betreuung der kleinen Gemeinden, insbesondere durch Bpschafsung geeigneter Kräfte für Unterrichtung in religiösen und allgemeinen lüdischen Fragen, soll mit allen zur Verfügung stehend«! Mitteln weiter ausgebaut werden.! I Ebenso soll der Förderung der Beteiligung von Juden an dfr Stadtrandsiedlung von Erwerbslosen, für die bereits bisher durch den Wirtschaftsausschuß des Landesverbandes Vorarbeiten geleistet worden sind, auch weiterhin besondere Aufmerksamkeit zugewandt uijd für diesen Zweck ein angemestener Betrag bereitgestellt werden. Cs ist zu erwarten, daß dadurch einer größeren Zahl jüdischer Erwerbsloser wfrksame Hilfe geleistet wird. - Ueber die Besoldungsverhältnisse der jüdischen Beamtchi fand eine eingehende Aussprache statt. Es wird versucht werden, den Ähißständen, die sich besonders durch die bestehenden Verschiedenheit»» in den einzelnen Gemeinden geltend machen, in geeigneter Weise eytglgenzutreten. I Für die Lehrerausbildung konnten mit Rücksicht auf hie schwierigen finanziellen Verhältniste des Verbandes und den zu befürchtenden Ueberflutz an Lehrern Mittel nur in verhältnismäßig geringer Höhe zur Verfügung gestellt werden. Da es sich zumeist üm unbemittelte Anwärter handelt, war zunächst für Stipendien ein gewisser Betrag vorzusehen. Der Rest wird den verschiedenen in Betracht kommenden Anstalten zugeleitet werden. Von den sonstigen unterrichtlichen Fragen, die behandelt wurde», söi hervoraehoben, daß es als erwünscht bezeichnet wurde, das Verhältnis Zwischen Inspizienten und Lehrer enger zu gestalten und insbesondere auch dem Lehrer Einsicht in den Inspektionsbericht zu gewähren. Seit längerer Zeit liegt dem Rat der Entwurf einer Prüsungsvbdnung für Kantoren vor. Wenngleich nicht verkannt wurde, -daß für die Anstellung eines Kantors nickt in allen Fällen der Besitz eines Zeugnisses über seine Eignung sür erforderlich gehalten werden wird, so ist es doch von großer Bedeutung, die Möglichkeit zu schassen, ein solches zu erlangen. Der vorgelegte Entwurf fand daher Annahme. Es^sand schließlich auch eine Aussprache über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für die Gründung eines Reichsverbande s statt '' Diese werden von dem bereits eingesetzten Ausschuß des Landesverbanüds Mit größter Beschleunigung fortgesetzt werden. '<?< : Amtlich. Am 26. Juni d. I. trat in Berlin der Wohlfahrt»-'! ä u s s ch u ß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Arthur Lilienthal zu seiner diks- - jährigen Tagung zusammen. Die Sitzung wurde durch ein Referat yes! Vorsitzenden über die durch die gegenwärtige Lage bedingte und überaus ' erschwerte Wohlfahrtsarbeit eingeleitet. Er wies darauf hin, daß Aus- . gaben, die noch vor einiger Zeit als wesentlich anzusehen waren, in ihrer | Bedeutung gegenüber dem ungeheuren Problem der Arbeitslosigkeit, bei! dem es sich nicht nur und nicht in erster Linie um Geldgeben handelt,! geringere geworden find. Die Hilfeleistung für die Erwerbslosen müsse heute das Hauptausgabengebiet jeglicher Wohlfahrtsarbeit sein. Es

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