Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 7 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Juu 7 Breslaaet 3fiti|4(f Qeaelniefclalt - 75 - kostentaris in letzter Zeit nicht unerheblich gesenkt. Der hierdurch herbeigeführte sehr bedeutend« Cinnahmeausfall wird nicht durch den Preisrückgang für Bedarfsartikel und die vom Vorstand durchgeführten Sparmaßnahmen gedeckt, sondern es muh auch, um den Etat zu balancieren, mit allen Kräften aus eine möglichst gute Belegung der Anstalt hingewirkt werden. Nur wenn die allgemeinen Betriebskosten aus eine möglichst große Zahl von Kranken sich verteilen, wird die Existenz des Krankenhauses auch für die Zukunst gesichert werden können. Die aus- X schlaggebcnde Bedeutung einer angemcsienen Belegung des Krankenhauses ist auch darin begründet, daß die für den Betrieb notwendigen Betriebsmittel mebr als je durch die Pslegegclder gedeckt werden müssen, nachdem die dem Ldrankenhause zusließenden Zuschüsie aus Mitgliederbeitragen und Spenden sehr erheblich gesunken sind und auch die Synagoaen-Gcmeinde der Anstalt nur noch einen sehr gerirtgen Zuschuß zu leisten in der Lage ist: Aus dem Bericht hervorzuheben ist ferner die von der Chewra Kadischa seht jeher ausgeübte Stadtkrankenpslege, durch die 400 armen jüdischen Familien freie ärztliche Behandlung und Mcdikamente und soiistiac Heilmittel gewährt werde». Auch in den vom Krankenhause unterhaltenen Polikliniken finden im Lause eines Jahres viele Tausende von armen Patienten ohne Unterschied der Konfession unentgeltliche ärztliche Beratung und Behandlung.! Mit dem Ausdrucke inniger Dankbarkeit verzeichnet der Bericht die weitere hdchhcrzige, von wahrer Menschenliebe getragene Förderung, die . dem Krankenhause auch in der vergangenen Berichtsperiode durch den edlen Wohltäter: Herrn Lucjius N. Littauer in New Jork, zuteil geworden ist. Dieser Wohltäter der leidenden Menschheit, dem das Israelitische Krankenhaus die hochherzige Stiftung des Röntgeninstituts „Nathan-Littauer-Siistung" verdankt und der bereits im Jahre 1930 die Mittel für die Beschaffung von 100 Milligramm Radium-Element zur Verfügung stellte, hat im Jahre 1931 eine nochmalige hochherzige Zuk Wendung von 25 000 Mark sisir die Beschafsung von weiteren 100 Milli- I gramm Nadium-Clcmcnt überwiesen, hierdurch hat das Krankenhaus seinen Nadiumbcstand auf 215 Milligramm Radium-Elewent erhöhen und somit seinen Aerzten dfe Möglichkeit geben können; die moderne Radium-Therapie, die insbesondere bei der Behandlung von Krebsi kranken erfolgreich angewandt wird, den zahlreichen Hilfe suchenden Kranken zuteil werden zu lassen, ferner hat Herr Littauer dem Krankenhause für die Einrichtung und Vervollständigung einer sachwisienschast- > licben Röntgenbibliothek Iahresspenden von je 2000 Mark überwiese». Um die Einrichtungen des Röntgeninstituts „Nathan-Littauer-Stistung" aus einer der fortschreitenden Technik und Wissenschaft entsprechenden höhe zu halte», stellte Herr Littauer dem Krankenhaus« im verflossenen Jahre weitere 7000 Mark für die Anschaffung eines neuen Vucky-Gerätes mit Flachblende zur Verfügung. Schließlch war es dem Krankenhause ' durch eine hochherzige Spenhc des Herrn Littauer von 8000 Mark möglich, einen modernen Clcktrocsardiographe» für Herzuntersuchungen anzuschassen. Der Name Lucius N. Littauer ist mit der segensreichen Cutwicklung des Israelitischen Krankenhauses unlöslich verknüpft und der edle Menschenfreund hat sich mit seinen hochherzigen Stiftungen ein ebenso ehrendes, wie unvergängliches Denkmal in unserem Krankenhause und in unserer Gemeinde für' alle Zukunft gesichert. , Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1931 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 250 854 Mark ab, wobei leider ein Fehlbetrag von 75 555 Mark verbucht werden mußte. , Der Vcrwaltungsberichk erinnert noch daran, daß der Primärarzt der chirurgisches Abteilung, Herr Prosesior Dr. Gottstein, am 24. Dezember 1931 sein 25 jähriges Primärarztjubiläum begehen konnte, und bebt rühmend die außerordentlichen Verdienste hervor, die sich Herr Prosesior Dr. Gottstein um die segensreiche Entwicklung des Kranken- 'Vhauscs erworben hat. „ Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Rosenstein ist am 1. April 1931 aus seiner Stellung als Primäsarzt der gynäkologischen Abteilung ausgeschieden. Der Vorstand spricht Herrn Geheimrat Rosenstein seine unvergängliche Dankbarkeit aus für die ausopferungsvolle Tätigkeit, mit der er nicht nur zahllose Kranke betreut, sondern die Interesien der Anstalt auch? erfolgreich gefördert hat. Herr Prosesior Dr. Fritz heimann hat am 1. April 1931 die ^Leitung der gynäkologischen Abteilung als Primärarzt übernommen. \ Der Bericht spricht sämtlichen am Krankenhause tätigen Aerzten, Schwestern und Angestellten, ferner auch den in der Stadtkrankenpslege tätigen Herren Bezirksärzten die dankbare Anerkennung des Vorstandes aus. Auch dan ehrenamtlich im Beerdigungswesen tätigen Achtzehn- Männer-Vereinigungen und Vorsteherinnen wird für ihr segensreiches Wirken im Intcrcsic der Gemeindemitglieder vom Vorstande herzlichst gedankt. An den Bericht über das Krankenhaus schließt sich ein kurzer Bericht über die Entwicklung det Altersversoraungsanstalt und des Siecheni Hauses an, aus dem hervorgeht, daß auch diese Anstalten den ihnen \ obliegenden Ausgaben im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden ■ Mittel in vollem Umfange nachgekommen find. Auch die Anforderungen, die an diese Anstalten heräytrcten, werden als Auswirkung der wirtschastlichen Not immer größer und es wird gesteigerter Anstrengüngen bedürfen, um diese segensreich wirkenden Institute über die furchtbare Krisenzeit hinaus für die Nachwelt zu erhalten. In der Altersver». sorgungsanstalt sind 70, im Sicchenhause 35 Insasien untergebracht, die dort vollständigen Unterhalt beziehen und mit bester Fürsorge in gesunden und kranken Tagen betreut werden. In dein Bericht über die Altersversorgungsanstalt weist der Vorstand noch darauf hin, daß die Eheleute Direktor Wilhelm Boß nach mehr als 31 jähriger Wirksamkeit am 1. Februar 1931 in den wohlverdienten Ruhestand getreten sind und gerii nimmt der Bericht Gelegenheit, dem Ehepaar Boß für sein aufopscrungSvolles Arbeiten zum Besten der Anstaltsinsasien seine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Vom gleichen Zeitpunkt ab haben die Eheleute Joses Königshöfer die Inspektion der Altersversoraungsanstalt übernommen. Der lebhafte Beifall am Schluß der Verlesung des Verwaltungsberichts dürste dem Vorstand den Beweis efbracht haben, daß seine Arbeit für das Krankenhaus Und die anderen Wohltätigkeitsanstalten von allen Mitgliedern der Gesellschaft gcwhrdigt und dankbar anerkannt wird. — Nach dem Bericht der Rechnunasprüser wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Cs folgt sodann die "Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern an Stelle der ausscheidenden Herren: Adolf Dan'ziger, Iustizrat Dr. Julius Eohn, Wilhelm Kober, Leo Lcwin, Frau Grete Bial. Das Ergebnis der Wahl wird dahin sestgestellt, daß alle vorgenannten Vorstandsmitglieder fast einstimmig wicdergcwählt worden find. Breslauer Synagogen. Aus der demnächst erscheinenden „Geschichte der Juden in Breslau" von Dr. heppner und V. Drilling. III. Die Breslauer Iudenschulen (Synagogen) vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. , 1. Die landsmannschaftlichen. Die „Landschul" sei an erster Stelle behandelt, nicht, weil siL die älteste iihrcr Art ist, sondern, weil sie bis zum Bau der großen Synagoge im „Storch" die offizielle Synagoge der 'Breslauer Judenschast war, in der die Fest- und Feiergottesdienstes abgehalten wurden, und in der auch die schlesischen Landesrabdiner bis zu den Tiktins beteten. Die „Landschul" hat ihren Namen wohl von ihren Besuchern, den aus dem „Lande" Schlesien kommenden Metzjuden, deren Oberhaupt der in dieser Schule amtierende Ober-Landcsrabbiner war. Aber aucknIuden aus Böhmen und Mähren gehörten zu den Besuchern der „Landschul". Sie befand sich seit ihrer Entstehung im Pokoyhof (Antonienstraße, am Lasiallcplatz), dem Wohnsitz des Prager Schammes, und zog erst beim Abbruch des Gebäudes in ihren jetzigen Aufenthaltsort in der Wallstraße um, der im Juni 1911 cingcweiht wurde. Sie war an ihrem alten Orte die größte „Iudenschule" und konnte 150 Männer und 150 Frauen als Besucher ausnchmen. Bereits 1b95 wird die „Schul im Pokoyhof", die wir wohl als die direkt« Vorläuserin der Landschul betrachten, wenn nicht gar mit ihr identifizieren können, erwähnt. Der Name „Landschul" taucht zum erstenmal 1741 auf. — — Während die Iudenschulen in der österreichischen Zeit, wie bereits gesagt, im allgemeinen unbehelligt und auch . abgabenfrei geblieben waren, änderte sich dieser Zustand nach der Besetzung durch Preußen. Das sriderizianische Regime wußte auch die religiösen Bedürfnisse der Juden fiskalisch auszunuhen; alle öffentlichen Iudenschulen mußten konzessioniert sein und dafür einen bestimmten Betrag erlegen; außerdem wurde für jeden „genehmigten" Schulbedicnten ein besonderer „Canon" erhoben. Die „Landschul", seil dem 10. April 1756 als öffentliche Vetstube von der preußischen Regierung neu konzessioniert, gehörte^ zu den „privilegierten" Schulen; ihre Beamten galten als „Tolerierte über das Reglement", welchen der Aufenthalt in Breslau auf Widerruf gestattet war. Sie zahlte (1754) keine besondere Konzessionsgebühr, gab aber für die Genehmigung, zwei Schulbeamte halten zu dürfen, 38 Rtlr. jährlich. 1776 besaß diese Schul 4 Schulbediente (I Schulbedienten, 1 Aufwärtcr, 1 Schulsänger, 1- Kantor), was sich daraus erklärt, daß Ausenthaltsgcnehmigunaen für Juden im allgemeinen sehr schwer, auf dem Umweg über die Anstellung oder Ernennung zum Kultusbeamten jedoch leichter zu erhalten waren. Um 1800 zahlte die Landschul 4 Frredrichsd'or als jährlichen Canon. - . Seit früher Zeit hatte die „Schul im Pokoyhof" Beamte; 1706 schon wird der dortige „Schulmeister" erwähnt; um 1741/42 war Isaac Kalman aus Zülz „Schulsinger in der Landfchul". Sein Nachfolger war Joseph Abrah. Lichtenstadt (aus Prag), neben ihm amtierten (17/6) dort: Moses Wolfs Stummes aus Prag als Schulbedienter, Loebel Salomon (ein Krakauer Faktor) als Auswärter und Samuel Loebel als Kantor. 1817 amtierten dort: Samuel Kantor (als Kantor mindestens seit 1784) und Csaias Plcßncr (als Schulbedientcr). De letzten Kantoren der Landschul waren: Elkan (früher in der Seilerhossynagoge (1859—1861); Rudolf Dresdner aus Gnesen (1861 bis 1897), Moritz Vlachmann <1897), Fischel Ehrlich (1898—1906) und Leopold Freier (1906-1929). Als Vorsteher sungiertenj dort immer angesehene Männer: 1817 waren es Seelia Esaias Goldscheider (Stammnumerant Nr. 59, Sohn des Goldscheiders Iesaia aus Zülz) und Lazarus Berlin. In der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwalteten es: Louis Goldscheider, heimann Fränkel, h. Schlesinger und bis zu seinem 1914 erfolgten Tode der Kürschnermeister D. Landshuth aus Lisia i. Posen, dessen Nachfolge Georg Hirschberg noch heute seines Amtes segensreich waltet. Die heute in ihrer Bedeutung zurückaegangene „Landschul" besaß früher einen großen und wohlhabenden Mitgliederbestand. Wie reich ihre Besuchergemeinde war, geht schon daraus hervor, daß sie 1818 für den Bau der Storchsynagoge 145, Rtlr. als Geschenk und 530 Rtlr. als zinsloses Darlehen zusagte. Die große Zahl der Legate (sie beträgt bis