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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-07-01 · 7 (7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
7 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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74 ftreflaaer Jüdische» Gemeladeblatl Nr. 7 namentliche Abstimmung statt. Es stimmen sämtliche Gemeindevertreter bis aus drei für die Erhöbung. Wolfs (M.-P.) regt an, daß nach außen bin geschlossen für i>ie Steuererhöhung eingetreten werde, und die Fraktionsführef im Gemeindeblatt die Gründe bierfür dan Gemcindemitgli« dern auseinandersetzen möchten. (Ties ist zn der Zuni-Rumme: geschehen. D. Schriftl.) Tie Vorstand^vorlage über die Sicherstellung der Stiftungsßapitalien begnindet Spitz. Dia juristischen Schwierigkeiten, die er kurz darlegt, sind so groß, daß auf seinen Antrgg eine juristische Kommission zur Prüfung eingesetzt wirdx in die von der Gemeindepertretllng die: Rechtsanwälte Gothmann, Spin und. Wolfs gewählt werden. Ar>s Bericht von K orn (lib.) werden die Grabpflegcstiftungen Bianka Laucher itnd Anna Lachmann ohne Aussprache angenommen. Aus dem Vcfwaltunasbcricht ctzwäbnt der Vorsitzende Pciser,. daß den! stntcr Aussicht stshcnden Fleischern vom Gcwerbeaufsichtsamt die Genehmigung erteilt worden ist, im. Sommer' nach Sabibatausgang Fleisch- und Wurstwarcn an jüdische Kunden, diß sich' als solche dstrch eine Bescheinigung des zuständigen Rabbiners ausweiscn, chbgeben zu dürfen. Bor Beratung der Gebaltskürzungsfragen beantragt Freundlich (liv.) Verweisung in die Geheime Sitzung, da auch persönliche ^ratzen erörtert werden dürften. Iacobsohn wendet sich dicrgegejl schon im eigenen! Interesse der Betroffenen, da in der Öffentlichkeit pdanta^tische Zahlen über die Gehälter der böber-jn Beamten im Lmlause seien. Ter Antrag Freundlich wfd abgelebnt. T i c n st f e r t!i g vom Vorstand erklärt, daß über die Gebälter der 7 obersten Beamten leider ggnz falsche Vorstellungen im llmlauie seien.! Tiefe Gehälter seien auf Grund der Notverordnungen um 22 V bereits gekürzt. Rur die Dienstaufwandscntschädigung^n seien entsprechend den gesetzlichen Vorschriften nicht gekürzt worden, dagegen! die Studienzulage der Obcrkantoren. ^>b^leich anerkannt werden müsse, daß die Herren scbr großen Tienstäufwand baden, insbesondere Wodlfabrtsausgaben, die! mit id^em Amte zusammenbängen, so habe dennoch der Vokst^nd/ölne Kürzung der Aufwandsentschädigungen um 25^<> beschlossen. Der Etatsausschuß dagegen wünsche eine Kürzung um 50°/°. Die Rotverordnung vom 8. 8. 1931 gestattete s. E. diese Kürzung, da die Dienstausivandsentschädigungen zusätzliche Bezüge im Vergleich zu alcichzubewertenden Reichsbeamten seien. Allerdings bedeute diese Kürzung einen sehr schweren Eingriff in die Vertragsrechte der Beamteni zumal sie zugesagt waren, um sic gegenüber besseren Angeboten iunserer Gemeinde zu erbalten. Cr schlage vor, entsprechend dfn Vorstandsbeschluß aus Grund von Verhandlungen mit den Beamten die Aufwandsentschädigungen und Snidienbeibilsen um 25 °.» zu kürzen. Wolfs (M.-P.) erörtert die Rechtsgrundlage. Rach seiner Ansicht dürfe der Vorstand eine Reueinstufung trotz bestehender Vertragsrechte vornebmen. Zweifelbaft sei mir, welche Stufe genommen werden soll, da Vergleiche mit Reichsbeamten kaum möglich seien. Er glaube aber gerecht zu verfahren, wenn man diese Beamten in Vergleich bringe mit höheren Gemeindebeamten derselben Vorbildung und sozialen Stufe. Cr wünscht, daß entsprechend dem Beschlüsse des Etatsausschusses die Auswandsentschädigung^im 50"° gekürzt werde, wodurch eine Ersparnis von 8000,— 221. jährlich,erzielt wird gegenüber einer Ersparnis von 4400,— 2)1. nach den Vorschlägen des Vorstandes. K a l i s ch vom Vorstand erwidert, daß dje Berechtigung anderer Cinstufmrg sedr zweifelhaft sei. Bei einem Vergleich mit Reichsbeamten müsse-man berücksichtigen, daß unsere Beamten erheblich mehr an der Ausübung ihres Amtes belastet seien als z. B. ein LandgerichtsprSsident. Die Gemeinde Breslau müsse auf bock qualifizierte Persönlichketten Wert legen. Deshalb solle man über die zweifelhafte Rechtslage hinwegsehen und mit den Herren unter dem Gesichtspunkte der Rotlage der Gemeinde verhandeln. Er bitte deshalb, den Vorschlag des Vorstandes anzunebmen. Smoschewer (lib.) hält die Erörterung in öffentlicher für ungeeignet und schlägt eine gemischte Kommission zur Klärung der Frage vor. — Meyer (V.-P.) widerspricht diesem Vorschlag, da Verhandlungen längst hättest pom!Vorstand geführt werden müssen. Kalisch errechnet zwischen den Vorschlägen des Vorstandes und denen des Ctatsausschusses einen Unterschied von 2150,— M. jährlich bei allen 7 Beamten zusammen, deshalb lohne es sich nicht, eine solche Gegnerschaft hervorzurufen. Rach weiteren Erörterüstgen durch die Herren Meyer, Iacobsohn, Schachtel und Dienstfertig wird beschlossen, die Aufwandsentschädigungen und Studienzulagen rückwirkend vom 1. April 1932 ab um 25°-» zu kürzen und wegen weitcirer Kürzung zu verhandeln. In der G e h e i m c,n S i tz u n g wird beschlossen, die Gehälter von 150,— M. bis 300,— M. monatlich, die nach der 4. Rotverordnung um 9°° zu senken sind, nur um 6°/« zu kürzen. Israelitische Kranken-verpslegungs-)lnstalt unü! Beerdigungs-Gesellschaft (Chewra Kaüischa). feie ordentliche Generalversammlung der Cbewra Kadischa fand am Sonntag, den 19. Juni, vormittags il Uhr, im grossen Saale der Lessinn-Loge hiersclbst statt und war von ca. 200 Mitgliedern besucht. i feer Vorsitzende des Vorstandes, Herr Adolf Danzigcr, eröffnest die Generalversammlung und widmet zunächst dem vor wenigen Tagest plötzlich dahingeschiedenen Mitgliede des Vorstandes und Ehrenmitglied der Ehewra Kadischa, Herrn Joses Deutsch, einen tiefempfundenen Rachruf. (Lr hebt die Verdienste des Heimgegangenen bervor, die dieser sich während seiner 41jäbrigen Zugehörigkeit zum Vorstände um die Gesellschast! und ibre Wobltatigkeitsanstasten, insbesondere aber durch seine ausopkerungsvollc Tätigkeit in den Ausschüssen sür das Becrdigungs- und das tlnterstühungswesen erworben bat. Tie anwesenden Mitglieder ehrten das Andenken des Tahingcschiedcnen durch Erheben von ihrest Plätzen. _ Alsdann dankte der Herr Vorsitzende den Erschienene» und begrüßte den stellv. Kommissar der Lynagogen-Gemeinde, Herrn Zustizrgt fer. Martin Goldschmidt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung brachte sodann Herr Verwaltung-!-, direktpr Lcvenbach den Verwaltungs- und Geschäftsbericht sür die Jahre 193Y chnd 1951 zur Verlesung. Aus dem Vericht ist bervorzuheben, dass die Anforderungen, die an das Krankenhaus binsichtlich der AusNahnje von Patienten gestellt werden, nach wie vor sehr grosse sind. Während' das.Krankenhaus im Zabre 1903 mit 120 Veiten eröffnet wurde, kann dasscjbe jetzt 350 Betten zur Ausnahme zur Verfügung stellen. Die Belegung des Krankenhauses betrug: im Jahre 1929 4503 Kranke mit 102 954 Verpslegungstagen,! im Zabre 1930 4503 Kranke mit 106 446 Verpslegungstagen, im Jahre 1931 4157 Kranke mit 101217 Verpslegungstagen. Ter Rückgang in der Belegung wäbrcnd des Jahres 1931 gegenüber, den vorangcgangenen Iabren ist in der fortgeschrittenen Verschlechterung der wirstckiastlichen Verhältnisse.aller Devölkcrungskreise begrindet. Ties ergibt sich auch aus der nachfolgenden Zusammenstellung der in den Zabren 1929 und 1931 in den einzelnen Klassen geleisteten Verpflcgungstage: ' s Verpflcgungstage I. und II. Klasse . Lelbstzahlende Patienten III. Klasse 1929 . . 13 553 1931 . . 10 843 1929 . . 12149 1931 . . 14 449 1929 . 66 296 1931 . . 62 460 1929 . 10 936 1931 . . 13465 Freiausnahmen u. Woblsahrtspaticnten Diese Zisfern beweisen die Abwanderung von selbstzablenden Patimten aus der l. und II. Klasse in die III. Verpslcgungsklasse. Der Rückgang in den sür Krankenkassenpatienten geleisteten Verpslegungstagcr ist auf die durch die furchtbare Arbeitslosigkeit berbeigesübrte katas rophale Rotlage der Krankenkassen zurückzusühren. Die Krankeiikasscn sind gezwungen, mit der Aeberweisung von Patienten an die Krar kenhäuser möglichst zurückzubalten und bringen nur schwerkranke Kasstnpaticntcn zur Aufnahme. Die weiter fortschreitende Verarmung geht auch aus der erheblichen Steigerung der für jüdische unbemittelte Patienten geleisteten Dcrpslegungstagc klar bervor. Der Verwaltungsbericht legt besonderen Wert aus die Feststellung, dass die Krankenanstalt ihrer vornehmsten Aufgabe und beiligsten Verpflichtung, ihre Einrichtunglm vorzugsweise den armen jüdischen Patienten zur Verfügung zu stellen, auch in der verflossenen Verichtsperiode in weitestem Umfange nach^ekommen ist. Tie durchschnittliche Belegung des Krankenhauses betrug , im Jahre 1930 .... 291,6, im Jahre 1931 .... 277,3, , j Die vorangeführten Gründe haben im Fahre 1932 leider einest weiteren Rückgang in der Belegung des Krankenhauses, und zwar sowohl bei selbstzahlenden Patienten, wie bei Krankenkaflenmitgliedern gebtächs, während umgekehrt die Zahl oer unbemittelten Kranken weiter gestiegen ist. Das Krankenhaus hat, der allgemeinen Rotlage Rechnung tragend, gemstnschastlich mit den anderen Breslauer Krankenbäusern den Pfleg«.

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